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Keine Brille, kein neues Bett

17. September 2007 um 19:43 Uhr von Atari-Frosch

Vor drei Wochen habe ich per E-Mail unter anderem eine neue Brille (Gestell und Gläser) sowie ein neues Bett (Matratze und Rost) beim Sozialamt Düsseldorf beantragt. Heute kam der Bescheid: Nix gibt's. Ohne Begründung. Auch der entsprechende Gesetzestext, der laut Bescheid eigentlich beigefügt sein sollte, fehlte. Die Krankenkasse teilte mir bereits auf Anfrage mit, daß die Kosten für eine Brille nur dann übernommen werden können, wenn meine Sehstärke trotz Brille nur noch maximal 30 % beträgt. Beim Sozialamt wurde diese Tatsache einfach ignoriert — ich solle mich wegen einer Brille doch an die Krankenkasse wenden ...

Mein Brillengestell ist gute vier Jahre alt, und ich hatte es damals gebraucht erworben. Die aktuellen Gläser habe ich im Januar 2006 neu machen lassen (das ist für mich also der zweite Satz Gläser in diesem Gestell), weil ein Glas zerbrochen war und das andere dem Auge nicht mehr gerecht wurde. Dieser Satz Gläser kostete mich fast 100 Euro; somit einen Betrag, den ich heute, bei massiv gestiegenen Preisen und einer Erhöhung des Sozialhilfesatzes seit fünf Jahren um lächerliche zwei Euro im Monat, nicht mehr aufbringen kann.

Mittlerweile sind an beiden Bügeln die Kappen abgegangen; die spitzen Metallenden stehen heraus, und mir rutscht die Brille ständig von der Nase. Wenn ich mich bücke, besteht jedesmal die Gefahr, dass sie sofort runterfällt. Daß die Sehstärke der Gläser noch der meiner Augen entspricht, wage ich sehr zu bezweifeln, und das werde ich auch baldmöglichst nachmessen lassen.

Ohne Brille oder mit schlechten Gläsern bin ich aber nicht mehr in der Lage, etwas am Computer zu machen oder überhaupt länger als wenige Minuten zu lesen. Dass die Kommunikation übers Internet ein wichtiger Aspekt für mich ist, zählt ja nicht. Dem Sozialamt kann's egal sein, denn alles, was über pure Existenz hinausgeht, interessiert sie nicht — und daß ich keine Grundrechte mehr habe als „Bedürftige”, machte man mir dort schon vor sieben Jahren klar.

Und natürlich darf ich mir auch weiterhin auf dem alten Sozialamts-Rost (aus einem Möbellager) mit festen Holzlatten, die einen zu großen Abstand haben, und mit einer Billig-Matratze darauf Rücken und Hüfte verbiegen. Ist doch gut für's Sozialamt, wenn ich krank werde; die Kosten für Behandlungen übernimmt im Zweifelsfalle die Krankenkasse, und wenn ich ins Krankenhaus muß, kann mir das Sozialamt auch noch den Sozialsatz kürzen, weil mein „Bedarf” dann ja „niedriger” ist. Nein, das sagte mir niemand, aber die ganze Behandlung und auch frühere Verfahren, bei denen das Sozialamt mit einer Scheißegal-Haltung glänzte, sagt mir das implizit.

Ich bin ja kein Mensch mehr, ich bin ja nur noch „bedürftig”... (wundert sich eigentlich noch jemand über 11.000 bis 12.000 Suizide pro Jahr in Deutschland?)

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