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LinuxTag 2008

2. Juni 2008 um 13:07 Uhr von Atari-Frosch

Vom 28. bis 31. Mai 2008 fand der LinuxTag in Berlin statt. Ich fuhr als Helferin für die FSFE hin. Übernachten konnte ich bei einer Berliner Freundin in Hohenschönhausen.

Tag 1

Am Eingang der Messehalle wurde ich von einer jungen Dame vom Typ „hübsche Messe-Hostess ohne Ahnung” angesprochen: Ob ich nicht an einem Gewinnspiel teilnehmen wollte. Ich fragte nach den Datenschutzbestimmungen, da geriet sie schnell ins Stottern. Sorry, wenn man bei einer solchen Veranstaltung sowas anbietet, sollte man auf diese Frage gefaßt sein. 😉

Dann wollte ich mich bei den anderen Fellows melden. Ich hatte mir die Nummer des „Stand-Chefs” der FSFE ins Handy eingespeichert — dachte ich. Als ich nach fast einer Stunde S-Bahn-Fahrt am Eingang Messe Süd stand und dort anrufen wollte, bekam ich „Diese Nummer ist nicht vergeben.” Also suchte ich den Stand, um dort zu erfahren, daß ich beim Einspeichern eine Ziffer vergessen hatte. Nun gut, es war ja nichts Schlimmes passiert. 😉

Der Stand war personell bereits komplett, deshalb war ich schon vorher sozusagen in ein anderes Projekt „versetzt” worden: Essensversorgung für Standpersonal und Projekte. Im untersten Stockwerk der Halle 7, in welcher der LinuxTag stattfand, gab es eine professionelle Küche. Eine Firma hatte ein Budget zur Verfügung gestellt, und eine Gruppe freiwilliger Helfer sollte einkaufen, zubereiten und hinterher jeweils wieder aufräumen, jeden Tag in drei Schichten. Geplant waren vor allem belegte Brötchen.

Also wusch ich erstmal Salat und verteilte dann mit anderen zusammen die Beläge (Salatsoße als Butter-Ersatz, Salatblätter, Wurst, Käse, Salami oder Schinken und schließlich Gurken- und Tomatenscheiben) auf Brötchenhälften.

Später am FSFE-Stand hieß es, man wolle sich nicht allein auf diese Essensversorgung verlassen, zumal ein paar Sachen schief gelaufen waren und außerdem nicht, wie vorgesehen, jeder drei, sondern jeder nur zwei belegte Brötchen bekommen hatte. Da ich in Hohenschönhausen mehrere Supermärkte in der Nähe hatte, bot ich an, am nächsten Morgen was mitzubringen. Bestellt wurden daraufhin Kekse, Schokolade und Bananen, die ich abends nach der Rückfahrt noch besorgte.

Tag 2

Meine gut gefüllte Einkaufstüte sorgte am FSFE-Stand gleich mal für gute Laune, und nachdem wir abgerechnet hatten, lief ich ein wenig in der Ausstellung herum. Am Stand des BSI, das dem Bundesinnenministerium unterstellt ist, hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem noch recht jungen Mitarbeiter. Ich stellte die Frage, ob es zwischen BSI und BMI nicht gelegentlich kräftig Krach gebe. Er meinte, ja, da gebe es öfter Meinungsverschiedenheiten und heftige Diskussionen, aber selbst Wolfgang Schäuble würde den Bürgern dringend raten, ihre PCs abzusichern. <ironie> Terroristen sind ja keine Bürger, die dürfen das natürlich nicht machen, damit man ihnen den Bundestrojaner auf den PC pflanzen kann. </ironie> Das beredte Schweigen und hilflose Schulterzucken des BSI-Mitarbeiters sprach Bände — mir fällt dazu auch kein Kommentar mehr ein.

Offiziell war ich an diesem Tag für die dritte Schicht, also Aufräumen, eingeteilt, aber die zweite Schicht hatte so wenige Leute, daß ich doch wieder hauptsächlich Brötchen belegte. Danach schaffte ich es tatsächlich noch, mir einen Vortrag vom BSI anzuhören, bevor ich nach einem späteren Kurzbesuch am FSFE-Stand wieder nach Hohenschönhausen zurückfuhr.

Tag 3

Morgens muß ich irgendwie ungünstig in der S-Bahn gesessen haben; mir gegenüber saß so ein langes Elend, und ich hatte kaum Platz für meine Beine. Dabei holte ich mir wohl einen leichten Wadenkrampf oder sowas, jedenfalls tat mir im Gegensatz zu den vorherigen Tagen schon beim Betreten der Messehalle das rechte Bein oberhalb des Knöchels ziemlich weh. Ich suchte mir also Tätigkeiten, die ich im Sitzen ausüben konnte. Zuerst stand Gurken hobeln auf dem Programm. Dann stellte sich heraus, daß beim Einkauf Schinkenwürstchen besorgt worden waren, die heiß gemacht werden sollten. Ich schnappte mir also einen 10-l-Topf und machte darin Wasser heiß. Zunächst sollte ich nur wenige Würstchen hineingeben, weil nicht klar war, wie das Angebot ankommt, aber schnell war klar, daß alle begeistert waren. Also wurde ich zur Würstchenfrau, und das bis halb drei.

Danach hörte ich mir noch einen Vortrag von Peer Heinlein zum Thema LPIC-2 an (eine Linux-Zertifizierung des Linux Professional Institute an, einfach, um herauszufinden, ob ich diese Prüfungen bestehen könnte. Ein paar Sachen müßte ich sicher noch lernen bzw. vertiefen, aber an sich wären meine Chancen gar nicht so schlecht. Dummerweise muß man pro Zertifikat zwei Prüfungen zu je 130 € ablegen, das liegt also außerhalb meiner Reichweite — zumindest, solange ich nicht wieder beruflich bzw. geldverdienend aktiv sein kann.

Zum Schluß schaute ich mal noch kurz ins Helfer-Office rein, weil ich mich da noch gar nicht gemeldet hatte. War eine gute Idee! Ich konnte nicht nur meinen Visitor-Badge gegen einen Crew-Badge tauschen, sondern bekam auch noch ein Crew-T-Shirt. Das ist zwar nur XL, aber es paßte trotzdem. Obendrein durfte ich mir am Merchandising-Stand kostenlos das offizielle T-Shirt zum LinuxTag 2008 abholen, das eigentlich 12,50 € kosten sollte. Das bekam ich dann sogar in XXL.

Tag 4

Ich war ein wenig früher dran als an den vorherigen Tagen, weil Busse und S-Bahnen ein wenig anders fuhren. Deshalb konnte ich mir vor meinem „Dienstantritt” in der Küche noch den Stand von JackLab ansehen, wo eine Möglichkeit vorgestellt wurde, eine professionelle Musikproduktions-Software für Windows in Wine zusammen mit nativen Linux-Programmen und USB-Musikinstrumenten laufen zu lassen.

Vor dem Besuch bei JackLab hatte ich mir noch einen Kaffee genehmigt, der von einem älteren Herrn auf dem Gang zwischen den beiden Ausstellungsbereichen angeboten wurde. Dieser Kaffee war ziemlich stark, und der Verkäufer meinte, hier seien doch lauter Geeks, da weiß man doch, daß die viel Koffein haben wollen. Nun ja. Drei Stunden später fiel mir dann heftig der Kreislauf runter. Note to myself: Zu starken Kaffee lieber anderen überlassen.

Die Menge der Helfer in der Küche hatte kräftig nachgelassen, dafür machte mein Fuß keinen Ärger mehr. Ich wusch wieder Salat und machte danach das Wasser für die Würstchen heiß, die diesmal in größerer Anzahl gekauft worden waren, weil ich am Vortag auf ein Würstchen pro Nase rationieren mußte. Diesmal gab es keine Rationierung mehr, und wer zwei Würstchen wollte, bekam sie auch.

Auch ein Herr von JackLab kam vorbei, um sich sein Essen zu holen, und fragte bei der Gelegenheit bei mir an, ob ich vielleicht zwischen vier und maximal sechs Uhr bei ihnen Standwache machen könnte, weil sie in der Zeit eine Performance machen wollen und das gesamte Standpersonal dafür gebraucht würde. Sie dürften laut Messeleitung aber auch nicht schon vorher den Stand dichtmachen, also mußte jemand aufpassen. Also quittierte ich um halb vier den Dienst am Herd und setzte mich an den JackLab-Stand. Zum Glück dauerte es nicht ganz so lange, und um halb sechs konnte ich wieder gehen. Zu dieser Zeit waren die meisten Stände schon am Abbauen, und ich fuhr wieder nach Hohenschönhausen zurück, nachdem ich mich von den anderen Fellows der FSFE verabschiedet hatte. Für die später geplante Grillparty war ich zu kaputt.

Veranstaltungsort

Die Messehalle 7 der Messe unterm Funkturm ist hervorragend für Veranstaltungen dieser Art geeignet, und ich könnte mir dort auch gut einen CCC-Congress vorstellen. Allerdings schätze ich, daß die Halle eine Ecke teurer in der Miete sein dürfte als das deutlich kleinere BCC, auch wenn letzteres viel zentraler liegt. Es gibt mehrere große Vortragsräume mit hauseigenem WLAN, eine Menge Platz dazwischen (allerdings ohne Steckdosen an den Wänden), einen großen Kassenbereich (einer der Makel des BCC), einen Bereich für Messestände, und alles ist barrierefrei. Die Stockwerke werden durch mehrere Aufzüge, Rolltreppen und feste Treppen miteinander verbunden, und es gibt rollstuhlgerechte Toiletten.

Fazit

Es war eine angenehme und lockere Atmosphäre, in welcher sich „Schlipse” und Nerds trafen und austauschten. Ein paar Helfer mehr im Küchenbereich wären nicht falsch gewesen, aber es liegt an den einzelnen Ausstellern und Projekten, Leute dafür abzustellen. Es muß ja nicht jeder wie ich jeden Tag eine bis zwei Schichten machen; wenn viele an nur je einem Tag nur eine Stunde helfen, ist allen geholfen. Aber anscheinend war bei vielen das Standpersonal schon dermaßen knapp, daß sie kaum dazu kamen, sich etwas zu Essen zu holen.

Schade, daß ich mir nicht mehr Vorträge anhören konnte, aber viele hätten mich auch dann nicht interessiert, wenn ich nicht die meiste Zeit in der Küche verbracht hätte. Außerdem wurden die Workshops überhaupt nicht in gedruckter Form angekündigt, so daß ich mich nicht spontan noch für einen entscheiden konnte.

Wenn ich das finanziell wieder auf die Reihe bekomme, bin ich im nächsten Jahr wieder dabei! 🙂

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