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Manche Tage …

19. Juli 2008 um 2:38 Uhr von Atari-Frosch

... könnte man fast wegwerfen, wenn es nicht doch noch so kleine Lichter gäbe ...

Freitag, 18. Juli. Eigentlich sollte es ein guter Tag werden. Ein gutes Frühstück mit Alex (Rollstuhlfahrer), dann zusammen nach Gelsenkirchen zum Runrig-OpenAir im Amphitheater. Soviel zur Theorie.

Es fing damit an, daß ich in der Nacht nicht gut geschlafen hatte. Mir ging es denn auch psychisch nicht sonderlich gut, als mein Wecker klingelte. Da bei mir in so einem Zustand alles ein wenig langsamer geht, mußte ich nach dem Duschen feststellen, daß ich etwas zu spät dran war, und in der Eile knallte ich mit dem kleinen Zeh des linken Fußes volle Kanne an die Schmalseite einer Tür. Als der Schmerz nachgelassen hatte, schlüpfte ich in Socken und Schuhe — die fehlten nämlich noch — und ging los. Dabei wurde ich zum Hinkebein, denn eingeengt im Schuh wurde mein kleiner Zeh zu einem etwas größeren Zeh, sprich, er schwoll an.

Die Gaststätte im Düsseldorfer Hauptbahnhof, in welcher wir ursprünglich frühstücken wollten, hatte kein Frühstück mehr. Der Kellner schickte uns stattdessen in eine amerikanische Gaststätte (nein, kein Mäckes und auch kein Burger King, sondern so „richtig”), wo es noch länger Frühstück geben sollte. Gab es auch, aber statt Brötchen gab es Bagel, und die Auswahl war nicht gerade riesig.

Zurück im Hauptbahnhof warteten wir dann noch etwas, weil wir für den Regionalexpreß nach Gelsenkirchen zu früh waren. Am Bahnsteig stellte der junge Bahnhofsmitarbeiter fest, daß er mit diesem alten Typ Rollstuhlrampen nicht zurecht kam, und funkte mehrfach um Hilfe. Als dann endlich ein älterer Kollege kam, hatte er doch gerade herausgefunden, wie man diese Einstiegshilfen von der Stelle bewegt. Wir wurden in den Triebwagen verfrachtet, wo wir nicht gerade den gemütlichsten Platz bekamen.

Noch bevor der Zug losfuhr, teilten uns die beiden Bahner mit, daß wir in Oberhausen in die S-Bahn umsteigen müßten (sie drückten es etwas anders aus: Man müsse „den Rollstuhl umladen” — nicht sehr nett; da sitzt immerhin ein Mensch drin). Der RE fuhr zwar nach Gelsenkirchen, aber an dem Bahnsteig, an dem wir ankommen sollten, war der Fahrstuhl defekt. Der Fahrstuhl am S-Bahnsteig dagegen funktionierte. Deshalb waren wir eine halbe Stunde länger unterwegs, denn die S-Bahn kam in Oberhausen erst 20 Minuten nach Ankunft des RE an.

Diese Zeit nutzten wir aus, um herauszufinden, wie wir denn praktischerweise abends ohne Einstiegshilfen — denn in Gelsenkirchen gab es dann ab 22:00 Uhr keine mehr — wieder zurückfahren konnten. Wir bekamen eine Verbindung mit S-Bahnen ausgedruckt, die um 23:02 Uhr losging und mit einem Umstieg mit nur acht Minuten Umsteigezeit in Duisburg verbunden war.

In Gelsenkirchen holte uns eine Bekannte am Hauptbahnhof mit dem Auto ab, und zusammen fuhren wir zum Amphitheater. Dabei stellten wir fest, daß ihr Navigationsgerät zwar die richtige Straße kennt, aber nicht die recht hohe Hausnummer; stattdessen hört das Gerät bei viel kleineren Hausnummern auf zu zählen. Zum Glück hatten wir eine separate Karte, und ich hatte auch noch vorher bei einem Stadtplandienst nachgesehen, sodaß wir ein paar Straßennamen wußten und uns daran sowie an Ausschilderungen orientieren konnten.

Beim Aussteigen aus dem Auto klappte ich für Alex den Rollstuhl wieder auf (der wird zusammengeklappt im Kofferraum transportiert) und klemmte mir dabei bös zwei Finger der linken Hand ein. Danach mußte ich mich erstmal ein paar Minuten lang in den offenen Kofferraum setzen, bis der Schmerz nachließ.

Am Amphitheater warteten wir auf den Einlaß (ab 18:00 Uhr, das stand aber nirgendwo), um dann zu erfahren, daß wir nicht, wie vorher vom Veranstalter bzw. vom Ticketverkauf telefonisch angegeben, direkt vor der Bühne sitzen bzw. stehen würden, sondern daß sich die Rollstuhlplätze fast ganz hinten schräg zur Bühne hin befinden. Aus dieser Position heraus konnten wir die Bühne nicht vollständig überblicken; insbesondere war uns der Blick auf die Video-Leinwand durch Boxen und anderes Gerät zu einem guten Teil versperrt.

Eine Mitarbeiterin des Amphitheaters bemühte sich zwar noch, herauszufinden, ob wir nicht über einen (erkennbar vorhandenen) ebenerdigen Weg nach unten vor die Bühne kommen könnten, aber eine Frau, die nach Sicherheitsdienst aussah, behauptete, das ginge nicht, weil das durch den Backstage-Bereich ginge. Die Amphitheater-Mitarbeiterin meinte dann zwar, das stimme nicht, aber runter durften wir trotzdem nicht.

Während wir also auf den Beginn des Konzerts warteten, begann es erst zu nieseln, und dann plötzlich kam ein starker Regenschauer. Alex hatte immerhin ein Regencape, während ich zwar einen Anorak hatte, aber ohne Kapuze; statt dessen hielt ich mir eine Einkaufstüte über den Kopf. Außerdem war mein Anorak vorn nicht richtig zu, und ich wurde darunter pitschnaß.

Die Zeitplanung klappte denn wohl auch nicht. Das Hauptkonzert sollte laut Tickets um 20:00 Uhr beginnen, und davor war noch eine Vorgruppe geplant, deren Soundcheck wir von draußen schon gehört hatten. Aber erst kurz vor 20:00 Uhr begann die Vorgruppe („The Stories”) und spielte eine gute halbe Stunde lang. Danach passierte bis 21:00 Uhr — nichts, bis Runrig dann endlich loslegten.

Das war denn auch das erste Licht des Tages, obwohl es gerade dunkel wurde. 😉 Runrig spielten mitsamt Zugabe bis etwa 23:00 Uhr, und sie spielten guuuut. Mir hat nur nicht gefallen, daß die Anlage zu laut eingestellt war. Bei lauteren Stücken konnte ich teils nicht einmal mehr die Melodie erkennen, und auch sonst schien sich die Anlage an der Grenze zur Übersteuerung zu bewegen.

Durch die kaputte Zeitplanung erreichten wir dann natürlich unsere Bahnen nicht mehr. Das zweite Licht des Tages: Die Bekannte bot uns an, uns gegen eine reine Spritkosten-Beteiligung bis Düsseldorf zu fahren, obwohl das für sie eine Extra-Strecke von fast 100 km bedeutete — sie selbst wohnt nicht weit von Oberhausen entfernt.

Aber erst mußten wir mal vom Parkplatz runterkommen. Sie hatte relativ nah am Amphitheater geparkt (dazugehöriger Parkplatz, 5 Euro Parkgebühr) und damit ziemlich weit weg von der Parkplatz-Ausfahrt. Bis wir den Rollstuhl im Kofferraum verstaut hatten und vom Parkplatz runter waren, verging eine gute halbe Stunde. Ihre Erkenntnis: Nächstes Mal nah an der Ausfahrt parken und lieber ein paar Schritte mehr gehen. 🙂

Zurück in Düsseldorf ließ ich mir denn aber doch erstmal zeigen, wie ich den Rollstuhl aufklappen muß, ohne mich einzuklemmen. Einfache Regel: Alle Finger beim Auseinanderdrücken auf der Sitzfläche lassen. Finger, die über den Rand gehen, werden unweigerlich eingeklemmt. Hoffentlich weiß ich das beim nächsten Mal noch.

Nun sitze ich daheim, frisch heiß geduscht und mit heißer Schokolade versorgt. Der kleine Zeh ist wieder abgeschwollen, naja, kein Wunder, ich hatte ja stundenlang kalte Füße. Auch die Finger meiner linken Hand haben wieder zu ihrer vollen Beweglichkeit gefunden, nur unter einem Nagel ist noch ein dunkler Fleck, der aber anfangs auch deutlich schlimmer aussah. Nun tippe ich das alles noch ein, damit Ihr auch Euren Spaß habt, und hoffe, daß der morgige, äh, heutige Tag besser wird ...

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