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Aufzüge

2. Januar 2009 um 15:47 Uhr von Atari-Frosch

Ort: Berlin, Bahnhöfe Potsdamer Platz und Friedrichstraße (und möglicherweise noch an weiteren). Zeit: Silvesternacht bzw. Neujahrsmorgen, kurz nach Mitternacht. Wir waren zu dritt unterwegs, einer von uns ist Rollstuhlfahrer. Das heißt, an Bahnhöfen waren wir zwingend auf die Fahrstühle angewiesen.

Die angeheiterte Menge insbesondere an der Friedrichstraße interessierte das wenig. Da die Treppen verstopft waren, quetschten sie sich massenweise in die Fahrstühle, ohne darauf zu achten, daß bereits drei Rollstuhlfahrer davorstanden, ohne eine Chance, wegzukommen.

Wir standen da also mindestens eine Viertelstunde lang vor dem Fahrstuhlschacht, während der Fahrstuhl immer wieder eine halbe Ebene höher Menschen aufnahm und nach ganz oben brachte. Gehbehindert war niemand davon. So nebenbei standen wir zwischen zwei Ausgängen mit geöffneten Türen, und es war eisig kalt und zog.

Zweimal kam der Fahrstuhl zu uns runter, aber jedesmal gerammelt voll, und keiner stieg aus. Ich hatte mir schon vorgenommen, wenn er wiederkommt, die Tür zu blockieren und alle Leute rauszuscheuchen. Dummerweise kam er dann aber nicht mehr zu uns.

Schließlich ging unsere andere Begleiterin auf die nächsthöhere Ebene rauf und hinderte die Leute am Einsteigen, so daß der Fahrstuhl endlich einmal leer bei uns ankam. Sie mußte sich dafür zwar einiges anhören, aber hallo? Das waren alles Leute mit gesunden Beinen! Sie hätten zumindest mal warten können, bis die Rollstuhlfahrer auf dem Bahnsteig angekommen waren. Als wir und eine weitere Rollstuhlfahrerin mit Begleitung oben waren, blieb unsere Freundin weiter dran und sorgte dafür, daß auch der dritte Rollstuhlfahrer den Fahrstuhl benutzen konnte.

Damit war es aber noch nicht getan. Unsere Freundin konnte dann selbst über die überfüllten Treppen und Fahrstühle nicht mehr zu uns stoßen und entschied sich dafür, den Weg zurück zum Alexanderplatz zu Fuß zu gehen. Gut, daß wir alle Handys haben.

Wir mußten erst noch zwei S-Bahnen wegfahren lassen, weil wir keine Chance hatten, hineinzukommen. Und auch bei der dritten klappte es erst durch, sagen wir mal, massiven Stimmen-Einsatz. So dauerte der Weg vom Potsdamer Platz bis zum Alexanderplatz insgesamt etwa anderthalb Stunden.

Ach ja, da stand sogar Wachpersonal an den Stationen, aber die fanden es spannender, in Grüppchen die Rolltreppen zu beobachten, obwohl wir sie auf das Problem aufmerksam gemacht hatten. Toller Service, wirklich. Auch dafür, daß auf den Bahnsteigen Böller losgelassen wurden, haben sie sich nicht weiter interessiert.

Schade, so fing das Jahr nicht gerade sehr nett an.

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