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Kinderporno-Netzsperren im Ausschuß

12. Februar 2009 um 18:04 Uhr von Atari-Frosch

Mathias Schindler twitterte eben so einiges live aus dem Unterausschuss Neue Medien zum Thema Kinderpornonetzsperren. Bei manchen Aussagen frage ich mich wirklich, wieso sich diese Leute Experten nennen.

Nur 12 Minuten nach dem Beginn der Kinderpornoblockdebatte fällt das Wort Urheberrecht

Klar, wenn wir schonmal dabei sind ...

Wenn Gesetz, dann doch auch fragen, was mit Markenrecht, Terrorismus, Urhg,

Maurer, BKA: es geht nur um Kinderpornographie

Ja, zunächst vielleicht schon. Wir sehen ja an anderen Beispielen (Mautdaten, Vorratsdatenspeicherung), wie schnell sich das ändern kann.

Maurer: Gespräche mit ISPs laufen auf DNS Sperren hinaus

Und die können ganz einfach umgangen werden. Ich trag in meinen Router oder meinen PC einen anderen DNS-Server ein, und schwupps, sehe ich wieder alles, was ich sehen will. Nächste Stufe wäre dann Zwangs-DNS, das würde heißen, mein Provider fängt DNS-Abfragen (die ja üblicherweise über einen bestimmten Port laufen) ab und biegt sie auf seinen DNS um. Nächste Gegenstufe: Ich verbinde mit einem VPN und nutze wieder einen beliebigen DNS-Server. Und TOR gibt's ja auch noch.

Monssen: Wir müssten die Anbieter benachrichtigen

Schindler (jugendschutz.net): alles mögliche muss man dagegen tun

Schindler: Wir geben Kipo weiter an das BKA und wir sehen das Bild wochenlang und es ist online und das BKA tut nichts

Nicht alles, was möglich ist, ist sinnvoll. Ich kann einen Schmerzpatienten auch erschießen, dann hat er keine Schmerzen mehr, aber ob das sinnvoll ist, ist die andere Frage. — Die zweite Aussage von Schindler ist bezeichnend! Das BKA könnte also was tun, hat aber offenbar nicht genügend Ressourcen. Ähm, hatten wir das Thema nicht schon?

Wie kommt der Mensch auf 60 %? Sperren helfen gar nicht. Sie fangen keine Täter, verhindern keinen Mißbrauch und helfen den Opfern nicht.

Es gibt das Gerücht, dass die CDU diese Sitzung nicht-öffentlich machen durch das Zeigenlassen von Kinderporno. Antrag soll abgelehnt worde

(n sein. -- Dafür waren die 140 Zeichen in Twitter zu kurz.) Würde mich nicht wundern. Wenn die Leute Original-Videos sehen, schalten alle logischen Denkvorgänge ab. Das ist BILD-Niveau und würde gut zur CDU passen.

Süme: Blocken von Seiten ist wegschauen. Maximal gesellschaftliches Signal

Nicht mal das. Aber Wegschauen ist schon richtig. „Wir blenden das aus, und dann ist es nicht mehr da, und wir müssen uns nicht mehr drum kümmern.”

Süme: Sperrung nur mit einem Spezialgesetz und rechtsstaatlichkeit.

Das Dumme ist nur, daß das nicht miteinander kompatibel ist.

Tauss: Herr Maurer, mich stört ihre forderung nach Prävention

Tauss: Norwegens Sperrung ist nur Symbolik, das geben sie selbst zu.

Genau. Deshalb kann man den Mist auch gleich bleibenlassen.

Sitte: Warum will das BKA seine Stellungnahme nicht veröffentlicht haben

Gute Frage. Haben die etwa was zu verbergen?

Noll: Ist Symbolik nicht schon Opferschutz genug

Kinderkommissarin Noll CDU/CSU rennt nach dem Stellen der Frage raus, bevor sie jemand sie beantworten kann.

Wie krank ist denn diese Frage? Also es genügt ja eigentlich schon, wenn wir so tun, als ob wir was täten? Meint die dat ernst??? Aber gut, daß sie weggelaufen ist. Das war ihr wohl selbst schon peinlich.

Ferderrath erklärt, wie man einen anderen DNS-Server auswählt

Ferderrath: DNS-Sperre schadet nicht, nützt aber auch nichts

Ferderrath: Vor einigen Jahren hatten wir mal einen Versuch mit dem BKA. Idee war, mal Seiten testweise zu sperren,um zu loggen,wer dahinget

Doch, natürlich schaden sie auch. Wir dürfen uns gar nicht erst dran gewöhnen, daß wir vorhandene Seiten nicht besuchen dürfen. Und der Durchschnitts-Benutzer, der nicht weiß, wie man einen alternativen DNS wählt, oder dem es ungefähr so egal ist wie die Videoüberwachung oder die Vorratsdatenspeicherung, bemerkt das Problem erst, wenn er mal auf einer Sperrseite landet. Oder wenn er, wie dem dritten Tweet in diesem Block zu entnehmen ist, in so einem Log landet, weil er versehentlich falsch geklickt hat. Aber das wurde uns ja schon erläutert: Ermittlungen sind ja nicht schlimm. Nein?

Maurer: Es ist verfrüht zu sagen, dass Accessperren unwirksam sind.

Maurer: Es geht nicht darum, den Informatiker davon abzuhalten, an Kinderpornographie zu kommen.

Maurer: Es gab noch nie Schäden bei Sperren.

Ähm. Wir stellen also fest: Herr Maurer hat keine Ahnung und will es auch gar nicht so genau wissen. Kleiner Tip: Ich bin keine Informatikerin. Und viele andere aktive Leute im Internet sind es auch nicht. Heute kann ihnen jeder interessierte Schüler sagen, wie man eine DNS-Sperre umgeht. Die Schäden entstehen dann, wenn es Leute trifft, die das Medium zwar benutzen, aber nicht so fit sind, und das dürfte selbst im so fitten Deutschland immer noch die Mehrheit sein. Und mich würde mal Ihr Gesicht interessieren, wenn sie auf die erste Sperrseite stoßen, sei es wegen Verklickt oder weil eine Site gesperrt wird, die gar nicht „böse” ist.

Süme: Es sei der GAU, wenn solche Sperrlisten öffentlich werden

Tjo, aber so leicht, wie hier und anderswo gern mal Daten „verlorengehen”, dürfte das nur eine Frage der Zeit sein, bis sie auf Wikileaks landen.

Ferderrath: Hashwertmethode ist genaueste, danach Proxies

FerderrathJEs gibt bei dem BKA einen PC mit kipo. Der erzeugt hashes und damit wird bei Hausdurchsuchung genutzt

Produkt heisst erkeo oder so, ist eine kommerzielle ausgründung

RT @torstenk @presroi "Perkeo"

Hashwertmethoden und Proxies bedeuten ganz klar Überwachung! Da geht es eben nicht mehr nur darum, zu sehen, wer auf welche Seite geht, sondern welche Art von Daten jemand überträgt. Ja Mann, haben die noch nie was von verschlüsselter Übertragung gehört? Der PC des BKA mit dem KiPo interessiert bestimmt auch noch andere. Bin mal gespannt, wann der leakt.

Und das (bisherige) Schlußwort:

Frey: Man wolle keine Anhörung des Betroffenen

Na, das wäre ja noch schöner, wenn wir dann auch noch rechtsstaatliche Prinzipien anwenden müßten, das geht ja mal gar nicht.

Das sind mir vielleicht „Experten” ...

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