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Was geschah mit wikileaks.de? (Teil 2 und Antwort)

13. April 2009 um 16:11 Uhr von Atari-Frosch

Manchmal hasse ich es, richtig zu liegen, und ein triumphales „Ich hab's doch geahnt!” liegt mir fern. Denn mit dem Zensurgeschrei in Sachen wikileaks.de haben sich viele, die gegen Zensur kämpfen, unglaublich blamiert, und das wird uns in Zukunft garantiert um die Ohren geschlagen.

Denn: Es war keine Zensur.

Es war nicht einmal eine Panne bei DeNIC oder dem bisherigen Provider (was durchaus hätte sein können). Es gab auch kein gefälschtes Fax mit einer Kündigung. Nein, es lief viel blöder: Der Domain-Inhaber, Theodor Reppe, hat verpeilt, daß sie längst gekündigt worden war, und zwar bereits im Dezember durch den bisherigen Provider. Begründung: Nicht vertragsgemäßes Verhalten, worin auch immer der Provider das gesehen haben mag. Gegenüber der Öffentlichkeit hatte Reppe erklärt, von nichts zu wissen.

Und alle sind sie drauf reingefallen: Fefe, netzpolitik (Wikileaks.de gesperrt?, mehrfach aktualisiert), Heise (Deutsche Wikileaks-Domain gesperrt), sowie Udo Vetter (Wikileaks.de - einfach so vom Netz), der auch Reppes Anwalt in der Sache ist. Vermutlich ist auch wikileaks.org selbst drauf reingefallen. Netzpolitik.org hat die Sache mittlerweile immerhin richtiggestellt. Bei den anderen herrscht betretenes Schweigen.

Kennt Ihr die Äsop-Fabel von dem Hirtenjungen? Der lief so oft aus Langeweile ins Dorf und rief um Hilfe, weil ein Wolf die Herde reißen wolle, obwohl da gar kein Wolf war. Als der Wolf wirklich kam, wurden seine Hilferufe nicht mehr beachtet.

Das gleiche könnte nun uns passieren, die wir jegliche Zensur im Netz verurteilen. Fast die ganze Szene hat laut „Zensur, Zensur!” gebrüllt, wo keine war. Wird man uns nächstes Mal noch glauben, wenn wirklich zensiert wird? Hier wurde der Sache ein unglaublicher Schaden zugefügt. Man kann schon froh sein, daß das Thema nicht in die Mainstream-Medien gekommen ist.

Was lernen wir daraus? Gerade, wenn man sich gegen den Mainstream bewegt, sollte, nein muß man seine Ansichten belegen und seine Informationen sehr gut recherchieren, sonst ist die Glaubwürdigkeit ganz schnell kaputt oder kann gar nicht erst aufgebaut werden. Das müssen sich in dieser Sache einige Protagonisten vorwerfen lassen.

Darauf, wie sich Theodor Reppe rausreden will, bin ich schonmal gespannt. Denn ich gehe davon aus, daß Beasts Associated, der bisherige Provider, seine Behauptungen nicht leichtfertig aufstellt, sondern daß es tatsächlich eine solche Kündigung gab.

18 Kommentare zu “Was geschah mit wikileaks.de? (Teil 2 und Antwort)”

  1. anon quakte:

    Bin gespannt auf Deine Reaktion zu Fefes neuestem Beitrag zu dieser Geschichte.


  2. jhohn quakte:

    > hat verpeilt, daß sie längst gekündigt worden war,

    ja nee is klar, Du hast das Kündigungsschreiben gesehen!?!


  3. Stefan quakte:

    Kurzer dummer Kommentar: „Erstens: Nein, hast du nicht vorher gesagt“
    Hat sie vorher wohl gesagt, aber nicht via Blog, sondern über einen Kommentar zu einem Artikel in meinem Blog, den ich aber mangels ausreichender Informationen wieder gelöscht habe.

    Mehr will ich zu diesem Fall mal nicht sagen, nur dass mir die gegenseitigen Anschuldigungen brutal auf den Sack gehen. Aber bei Fefe ist man das ja gewohnt… Ich mag seine Art irgendwie nicht. Ich sehe es schon kommen, dass gleich wieder irgendjemand meint: „Dann lies ihn doch nicht“. Informationen kommen manchmal doch interessante herein, nur verpackt sind sie meist recht unfreundlich.

    Aber das sieht man ja relativ häufig im Internet. Erst gestern wieder einen Kommentar auf einen _Frage-stellenden_ Blog-Eintrag gelesen im Stile: „Du Idiot! Informier dich erstmal richtig!“ Im Internet scheinen sich plötzlich alle unheimlich stark zu fühlen, warum auch immer. Vielleicht tut die Anonymität doch nicht gut, führt sie doch zur Verrohung der Umgangsformen.


  4. Kasmo quakte:

    Auf die Gefahr hin, hier durch juristische Fakten die schöne Argumentationskette durcheinanderzubringen: Eine Kündigung ist zwar eine einseitige, aber dennoch empfangsbedürftige Willenserklärung. Die Zustellung per E-Mail ist zumindest umstritten, es empfiehlt sich hier immer, eine Empfangsbestätigung anzufordern. Sicherer ist in jedem Fall eine Übersendung per eingeschriebenem Brief. Im Zweifel muß derjenige, der kündigt, den Nachweis der korrekten Zustellung erbringen. Und nein, ein Server-Log, auf das man selbst Vollzugriff hat und es somit im Nachhinein manipulieren kann, gilt hier nicht.
    Daher gilt auch für dieses Blog: Gerade, wenn man sich weit aus dem Fenster lehnt, sollte man vorher die Fakten recherchieren und im Zweifel erst mal warten, bis die Fakten auch vollständig auf dem Tisch sind. Die eigene Meinung als Fakten zu verkaufen, das ist zwar ziemlich in Mode gekommen, aber dadurch wird man nur seine eigene Glaubwürdigkeit langfristig untergraben.


  5. xbg quakte:

    @Stefan
    „Vielleicht tut die Anonymität doch nicht gut, führt sie doch zur Verrohung der Umgangsformen.“

    Deine Theorie hat nur einen Fehler: Fefe – dessen Umgangsformen Du ja primär kritisierst – ist nicht anonym.


  6. Klaustrophobo Persilio van Rothschildt quakte:

    der grösste schaden entsteht durch das dümmliche aber rechthaberische second-hand-gequake der allermeisten sogenannten „blogger“ – aber sie schaden sich nur selbst damit. wenn sich schon eine lange kette von zweit- und dritt-verwertern von inhalten bildet, könnte man sich erhoffen, dass da wenigstens zwischendurch mal einer das hirn einschaltet und dadurch irgendetwas sinnvolles passiert – leider fehlanzeige. nicht einmal bereits vorhandene texte werden richtig verstanden, einfachste reflexionen oder gar logisches denken überfordern schon die meisten autoren. als nutzwert bleibt dann nur die spur von dummheit und arroganz, die als warnung dienen kann. echt ein kulturloses, armes land.


  7. Michael quakte:

    Also ich finde es schon eine Unmöglichkeit Hrerrn Reppe zu unterstellen, er hätte es verpeilt.

    Anständig wäre es gewesen die Kündigung mit einem Einschreiben zuzustellen. Dann wäre es klar aber so steht Aussage gegen Aussage und eine vorschnelle Schuldzuweisung ist hier fehl am Platz.


  8. frosch quakte:

    @jhohn: Ich habe die Mitteilung des Providers gelesen (als PDF z.B. bei netzpolitik.org). Wäre der Provider im Unrecht, dann hätte er sich jetzt ziemlich in die Schei*e geritten. Ich habe mir dessen Seite mal angesehen: Er hostet rein gewerblich. Der kann sich sowas schlicht nicht leisten.


  9. Rudolf quakte:

    Das einzige, was ich bisher aus der Angelegenheit gelernt habe ist, dass TRANSIT keine Domain-Sperrung ist. ( http://www.denic.de/de/transit-info.html )

    Was zwischen Theodor Reppe und Beasts Associated los ist, ist mir noch nicht bekannt. Lediglich, dass Beasts Associated für heute eine weitere Stellungsnahme angekündigt hat.

    Und ob da ein unbekannter dritter noch im Spiel ist – wer weis dass schon?

    Dass ein solcher Vorgang ausgerechnet kurz vor einem sehr langen Wochenende stattfindet ist auf alle Fälle denkbar unglücklich. Denn zum genauen Recherchieren findet man dann nur schwer die geeigneten Ansprechpartner. heise wird auch dazugelernt haben.

    Und sollte da dann doch noch ein dritter im Spiel sein…


  10. frosch quakte:

    @Kasmo: Offensichtlich hat da sehr wohl vorher eine Kontaktaufnahme stattgefunden, wie heute zu lesen ist, nämlich wegen des Übernahmeversuchs der BND-Domain (auch ziemlich dumm … wie sagte Wau Holland schon? Mit Geheimdiensten spielt man nicht). Und wie ich schon sagte: Die Erklärung des Providers nehme ich allein deshalb schon ernst, weil der mit einer falschen Erklärung gleich die Bankrotterklärung abgeben könnte.

    Ich habe es vor Jahren übrigens selbst schon erlebt, daß mir eine Domain mitsamt Hosting (aus Gründen, die nicht bei mir lagen), per Mail gekündigt wurde. Scheint also zumindest nicht unüblich zu sein.


  11. frosch quakte:

    @Klaustrophobo: Eine sehr fundierte Kritik, muß ich sagen. Argumente hast Du auch?


  12. Hohle Nuss quakte:

    Stefan: fefe war tatsächlich immer schon jemand, der sich seinen rüden Ton nur deshalb erlauben konnte, weil er diesen Makel mit Kompetenz wieder ausgleichen konnte. Aber fefe ist kein Genie und hat schon gar nicht immer recht. Allerdings kann er es offensichtlich nicht ertragen, wenn er sich geirrt hat und holt dann richtig aus. Interessanterweise sind es dann auch Dinge, die gerade er hätte wissen müssen. Ich erinnere mich da an ein paar GCC-Bugreports, wo er sich aufregt, dass sich GCC tatsächlich an den Standard hält und zwar nicht als einziger Compiler.

    Nun ja, ich finde den Spruch „Getroffene Hunde bellen“ eigentlich fies, aber, dass fefe eine so lange Stellungnahme in seinem Blog schreibt, ist schon recht selten.

    Am 10. April 2009 schrieb er noch dies:
    „www.wikileaks.de wurde offenbar gekapert und zeigt jetzt auf eine Sperrseite beim DENIC. Guckt euch die Sperrseite mal an, so sieht das ab jetzt dann wohl aus, wenn die Junta unliebsame Inhalte unterdrückt.“

    Am 14. April schreibt er jetzt:
    „Niemand hat behauptet, das DENIC habe die Domain gesperrt.“

    Nun ja, grammatisch hat er damit für sich strenggenommen recht. Trotzdem ist eine TRANSIT-Seite keine „Sperrseite“. Ich komme mir BILD-mäßig verarscht vor, wenn man Dinge so formuliert, dass sie zwar nicht gelogen sind, aber einen völlig anderen Sachverhalt nahelegen.

    Zum Fall Tauss, wo er großmäulig behauptete „Schäuble wolle sich da wohl an Tauss rächen“ hat fefe auch nicht mehr viel gesagt, sondern nur noch ein paar Rückzugsgefechte gegen SPIEGEL Online geführt, was er ironischerweise oder eher schon heuchlerisch ständig selbst verlinkt.

    xbg: Stefan meinte damit anonyme Mitläufer und nicht Großmäuler vom Dienst wie Linus Torvalds, Steve Ballmer oder fefe.


  13. Michael quakte:

    Also wenn das so stimmt wie es auf Wikileaks steht, ist Herr Reppe wohl doch selbst schuld.
    Sowas macht man doch nicht mündlich. *headdesk*

    http://wikileaks.org/wiki/Mehr_Details_zur_Wikileaks.de_Stilllegung

    Jetzt hört doch mal auf euch im persönlichen Kreis zu streiten hier. 🙂
    Dafür ist das Thema zu wichtig.

    Zumindest bin ich der Meinung, dass Wikileaks eine feine Sache ist.


  14. netfreak quakte:

    Schwachsinn


  15. Michael quakte:

    Auf was bezieht sich dein Schwachsinn?


  16. freak quakte:

    „Kennt Ihr die Äsop-Fabel von dem Hirtenjungen? …“

    ne… aber kennst du die von dem Gluewuermchen das dachte es waere eine Fackel ?


  17. Stefan quakte:

    @Hohle Nuss: Vielen Dank für die schöne Erklärung über Fefe und Klarstellung meiner angestrebten Aussage.

    @frosch: Ich weiß gar nicht, ob „Klaustrophobo Persilio van Rothschildts“ Kritik gegen dich gerichtet war. Lediglich das „Gequake“ weist darauf hin, aber das könnte man auch als eine negative Umschreibung für „Aussagen machen“ verstehen. Sieht man von diesem Begriff ab, passt es meines Erachtens eher auf die Blog-Einträge, die lediglich mit ein paar schönen Worten herum auf den Eintrag bei wikileaks verweisen. Ich zumindest sehe es so, dass du dir in deinem Eintrag schon eigene Gedanken gemacht hast (z.B. die Sache mit der zu häufigen Verwendung des Wortes „Zensur“).

    Allgemein muss ich „Klaustrophobo Persilio van Rothschildt“ aber insofern recht geben, als ich auch eher von eigenen Werken begeistert bin als von bloßen Verweisen auf andere Werke. Allerdings wäre ich ohne die Verweise völlig uninformiert. Insofern ist die Sache ein zweischneidiges Schwert und ich krieg immer einen Kratzer ab.


  18. Haltet den Beat » Wikileaks.de: 2 Jever auf Verpeilung quakte:

    […] gerade tausendfach Spekulationen zur Ursache des aktuellen Transit-Mode von wikileaks.de auftauchen: Ich gehe all in und setze zwei […]


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