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Jugend vorm Denken schützen!

24. Mai 2009 um 13:44 Uhr von Atari-Frosch

Das scheint zumindest das Ziel einer Software zu sein, die unter der Domain jugendschutzprogramm.de angeboten wird. Übrigens ausschließlich für Windows; dabei wird nicht einmal erwähnt, daß das Programm nur unter Windows lauffähig ist, geschweige denn, daß es Versionen für andere Betriebssysteme gibt. Damit wird dann lustig drauflos zensursuliert:

  • Die Seite lawblog.de ist bereits in unserem Filter enthalten und wird als 'Standard gesperrt' eingestuft.
  • Die Seite chaosradio.ccc.de ist bereits in unserem Filter enthalten und wird als 'Standard gesperrt' eingestuft.
  • Die Seite taz.de ist bereits in unserem Filter enthalten und wird als 'Standard gesperrt' eingestuft.
  • Die Seite gruene.de ist bereits in unserem Filter enthalten und wird als 'Standard gesperrt' eingestuft.
  • Die Seite piratenpartei.de ist bereits in unserem Filter enthalten und wird als 'Standard gesperrt' eingestuft.

cdu.de, fdp.de und spd.de werden dagegen angeblich noch geprüft, bei den Grünen und der Piratenpartei ging diese Prüfung offenbar schneller. Fällt ja gar nicht auf (und auf das Ergebnis dieser Prüfung bin ich auch gespannt).

Blogs unter wordpress.com werden einfach pauschal in „Foren, Messenger, Blogs”einsortiert. Darunter könnte man also möglicherweise beliebige Inhalte unterbringen, ohne daß sie gesperrt werden.

Der Witz ist übrigens: atari-frosch.de ist auch in der Datenbank enthalten und wird standardmäßig ab 14 freigegeben. Die haben wohl übersehen, daß sich hierunter sowohl kritische Meinung als auch „explicit content” befindet (nein, ich sag jetzt nicht, wo, sucht selbst :mrgreen: ) Auch das Blog von Anne Roth wird standardmäßig ab 14 freigegeben.

Wer genau sich dahinter verbirgt, hat Mathias Bröckers in seinem Blogbeitrag Gemeingefährlicher Kinderschutz ein wenig erforscht.

Ich bekomme wirklich den Eindruck, daß diese Software Ausdruck der feuchten Träume sowohl von Schäuble, Zensursula & Co. als auch der Contentmafia ist, nur dann eben nicht auf den PCs der Nutzer (da könnten die ja was dran drehen), sondern am liebsten bereits auf den Einwahlknoten der Zugangsprovider.

5 Kommentare zu “Jugend vorm Denken schützen!”

  1. Meiner Einer quakte:

    Meiner Meinung nach haben Kinder und Jugendlich überhaupt nichts im Internet verloren. Das einzige womit sie noch halbwegs geschützt hineinlassen könnte, wäre eine Whitelist mit ausgesuchten URLs. Von daher kann man sich den ganzen Quatsch mit Filtern sparen. Dass die Kiddies im Zweifel genauso leicht ins Internet kommen wie an Papas oder Muttis Autoschlüssel, Kreditkarte, Alkoholvorrat, Waffen etc. lässt sich nunmal nicht verhindern und wenn man bedenkt, dass im Internet erst einmal alles virtuell ist, im Gegensatz zu den anderen genannten Dingen, dann sollte man merken, dass dies nur ein Ersatzschauplatz ist. Irrationale Gefahren machen vielen Menschen mehr Angst als das ganz alltägliche, viel offensichtlichere Lebensrisiko. Natürlich ist es genauso falsch Kinder im gepanzerten SUV mit getönten Scheiben zur Schule zu fahren, weil sie entführt und verunfallen könnten. Bis die Gesellschaft aber Internet wirklich verstanden hat, werden sicher noch ein paar Jahrzehnte vergehen. Helmpflicht für Fahrradfahrer haben wir bis heute nicht und dabei gibt es Fahrräder schon weit länger als hundert Jahre.


  2. frosch quakte:

    Ähm … also eine Whitelist ist ein Filter, nämlich ein Positiv-Filter. Ansonsten sollten Kinder natürlich nicht unbeaufsichtigt surfen (, mailen, chatten, Dateien runterladen …), sondern zumindest die jüngeren zusammen mit ihren Eltern oder einem anderen Erwachsenen. Das gilt für das Internet genauso wie für andere Dinge: Fernsehen, im Straßenverkehr unterwegs sein usw. Gerade weil Kinder neugierig und einfallsreich im Umgehen von Verboten sind, sind Verbote der falsche Weg. Aufklärung bietet sich bei neugierigen Kindern doch geradezu an.

    Kinder im gepanzerten SUV zur Schule zu fahren ist aber identisch mit Positiv-Filtern. Sie sollen nur das Gute sehen? Die Welt besteht nicht nur aus dem Guten. Verändern können sie später nur das, was sie als schlecht identifizieren können. Sie müssen also auch an die notwendigen Informationen herankommen, und wenn das Internet eines in Hülle und Fülle bietet, dann sind es Informationen. Seien es nun Schulmaterialien, Nachrichten und Zeitungen oder einfach Infos zu Themen, die in der Freizeit von Interesse sind. Außerdem sind Mailkontakte und Chatten heute selbstverständlich, genauso wie der Aufenthalt in sozialen Netzwerken.

    Indem man Kinder davon fernhält, lernen sie nichts darüber. Damit erzeugt man dann die nächste Generation an Internetausdruckern, und ich glaube, das wollen wir nicht wirklich. Wer Kinder heute vom Internet fernhält, schließt sie von der zukünftigen Informationsgesellschaft aus und verhindert gerade, daß sie das Internet verstehen und den Umgang damit lernen.


  3. Meiner Einer quakte:

    Wir können jetzt gern auf Worten und Definitionen herumreiten z.B. auch feststellen, dass auch Eltern „Filter“ darstellen.

    Wenn ich richtig lese, dann stellt frosch also Jugendschutz an sich infrage. Meinetwegen, soll mir recht sein. Das Problem mit dem deutschen Jugendschutz, der auch ziemlich einzigartig in der Welt ist, ist, dass damit weniger Kinder geschützt als Erwachsene behindert oder gar in ihren Rechten beschnitten werden. Das ist auch nicht neu, sondern war auch schon vor Jahrzehnten bei Filmen und Printmedien so.

    Nicht alles was weit verbreitet ist, ist sinnvoll. Ich sehe schon keinen Sinn oder Grund darin, Kindern Handies in die Hand zu drücken, schon gar keine multimediatauglichen mit Kamera, denn ohne letztere bräuchte man sich um „Happy Slapping“, „Sexting“ und ähnlichen Quatsch gar keine Sorgen machen. So gibt man der Öbrigkeit nur ein weiteres Argument und Werkzeug in die Hand um Filter und Überwachung zu installieren bzw. zu erweitern sowie Bürgerrechte weiter einzuschränken.

    Die Behauptung, Kinder müssten mit Computern und Internet aufwachsen, um nicht zu Internetausdruckern zu werden, ist nun wirklich sehr offensichtlich hanebüchener Unsinn. Die Generation, die das heutige Internet, Hardware und Software entwickelt hat, ist auch nicht damit aufgewachsen und hat trotzdem mehr Ahnung als die Mausschubser, die sich für Experten halten, weil sie wissen wie man surft, chattet, Dateien tauscht und ähnliche Trivialitäten beherrscht. Abseits davon, wenn es auch nur ein klein wenig technischer wird, ist doch ganz schnell Schicht im Schacht.

    Für Schulmaterialen haben die Schulen zu sorgen. Das Zeug wird teuer genug bezahlt.

    Dass Kinder nur „Gutes“ sehen sollen, ist nun einmal eine weit verbreitetes Anliegen von Eltern und nicht etwa meins. Trotzdem sehe ich nicht viel Sinn darin, Kinder Pornos, Horror und ähnlichem auszusetzen. Zumindest glaube ich da einfach mal der vorherrschenden Meinung, dass dies nicht für Kinder ist und sogar schädlich sein kann. Vielleicht stimmt das gar nicht, aber viel wichtiger ist mir, dass Erwachsene nicht wie Kinder behandelt werden und sich auch nicht gläsern machen müssen oder sonstigen Aufwand betreiben müssen, um an völlig legale Dinge zu kommen. Internetanschlüsse werden nur an Erwachsene verkauft. Das sollte als Schutzmaßnahme absolut reichen. Ich halte aber genauso wenig von Firmen, die Leute mit lächerlicher Software verarschen, die das Internet angeblich jugendfrei filtern. Das geht nun einmal nur sehr begrenzt – Whitelists sind da meiner Meinung eine der wenigen noch effektiven und effizienten Maßnahmen. Bei hochinteraktiven Internet-Anwendungen wie E-Mail, Foren, IRC etc. kann man aber nie ausschließen, dass nicht doch einmal „böser“ Text und „böse“ Bilder auftauchen. Das geht bestenfalls durch primitive bis ausgeklügelte Filter, die dann aber ein viel gefährlicheres Reality-Distortion-Field darstellen. Kinder aus „Fucking“ müssten dann sicher draußen bleiben und Jennas gibt es auch nicht mehr, weil ja einige Pornodarstellerinnen so heißen, Gay(lord) ist dann kein normaler Vorname mehr etc. pp. Da finde ich es doch wesentlich sinnvoller Kindern diese scheinheilige Parallelwelt zu ersparen und ihnen im geeigneten Alter das volle Programm zu geben.

    Dass Eltern zusammen mit Kindern im Internet unterwegs sind, dagegen spricht ja gar nichts. Es geht nur darum, dass die Eltern – und niemand anders – dafür verantwortlich sind, ihre Kinder zu schützen. Ansonsten können wir Eltern auch wegrationalisieren und auch das noch den Staat erledigen lassen. Ich habe nämlich langsam die Schnauze voll, von den deutschen Eltern, die gar nicht genug Geld verdienen können und sich selbstverwirklichen, ihre Kinder aber nicht erziehen oder womöglich darunter verstehen, sie materiell zu verwöhnen und sich sonst neo-anti-authoritär selbst zu überlassen, weil Fernsehen und Schule ihnen ja alles beibringen, was sie wissen müssen.

    Nun ja, 16 halte ich für eine sinnvolleres Einstiegsalter als 18, aber der Jugendschutz sieht das anders, obwohl ich die Gefahren die für einen 16-jährigen von Ton, Text und Bild ausgehen für weit geringer halte als solche die, die mit Bier, Zigaretten und Mopeds verbunden sind.

    Kinder- und Jugendschutz ist vor allem erst einmal Einfallstor für die Bevormundung und Entrechtung von Bürgern.


  4. frosch quakte:

    Sicher sind Eltern insofern ein „Filter”, aber ein individueller, kein automatisierter. Automatisierte Filter, die von Dritten beschickt werden, sind ja eben nicht in der Verantwortung der Eltern. Eltern müßten vermutlich mehr Zeit aufwenden, die Filterlisten zu überprüfen und anzupassen, als sie aufwenden müßten, um sich einfach direkt um ihre Sprößlinge zu kümmern.

    Wenn ich richtig lese, dann stellt frosch also Jugendschutz an sich infrage.

    Das liest Du falsch. Ich stelle einen automatisierten, fremdbestimmten Jugendschutz in Frage — und erst recht einen, der eben nicht nur wirklich „schlimme” Inhalte rausfiltert, sondern auch politische Parteien und kritische Blogs. Was Kinder sehen dürfen, sollte primär Sache der Eltern sein, und das dann nicht so sehr alters-, sondern eher entwicklungsgebunden. Das Alter und die Entwicklung haben ja nicht unbedingt bei allen Kindern exakt das gleiche Verhältnis.

    Mit den Handys ist es wieder dasselbe. Ist das Werkzeug „böse” oder die Anwendung falsch? Richtige Anwendung kann erlernt werden, wenn auch oft nur dann, wenn es unter Anleitung geschieht. Werkzeuge können meiner Ansicht nach gar nicht „böse” sein, weil es immer darauf ankommt, was wir damit machen: Mit einem Handy kann man „slappen” oder einen Notruf absetzen. Das Gerät selbst ist nur ein Werkzeug, ein Gegenstand, es hat keine Moral.

    Die Behauptung, Kinder müssten mit Computern und Internet aufwachsen, um nicht zu Internetausdruckern zu werden, ist nun wirklich sehr offensichtlich hanebüchener Unsinn. Die Generation, die das heutige Internet, Hardware und Software entwickelt hat, ist auch nicht damit aufgewachsen und hat trotzdem mehr Ahnung als die Mausschubser, die sich für Experten halten, […]

    Kinder lernen schneller und oft auch einfacher, weil sie spielerisch lernen können. Das müssen sie auch, denn ohne diese Fähigkeit können sie ihren Platz in der Gesellschaft nicht finden. Ich war 17, als ich das erste Mal vor einem Computer saß, und damit nach heutigen Maßstäben relativ alt. Heute sehe ich 11jährige, die sich das Wissen, das sie haben wollen (und das ihnen die Schule oft nicht bietet), souverän aus dem Netz holen, da könnte ich glatt neidisch werden. Als Kind habe ich solche Möglichkeiten der Informationsbeschaffung echt vermißt, und natürlich auch die Informationen selbst. Die Bücherei war dafür definitiv kein Ersatz.

    Dass Eltern zusammen mit Kindern im Internet unterwegs sind, dagegen spricht ja gar nichts. Es geht nur darum, dass die Eltern – und niemand anders – dafür verantwortlich sind, ihre Kinder zu schützen.

    Dann sind wir uns ja eigentlich einig. Insofern sind die Eltern auch dafür zuständig, (abhängig von der Entwicklung der Kinder) die Grenzen festzulegen. Eine generelle Altersgrenze halte ich dabei für den falschen Weg, genauso wie eine prinzipiell fremdkontrollierte Filtersoftware.

    Allerdings noch eine Anmerkung zum Geldverdienen: Leider haben viele da gar keine Wahl. Das sehe ich jetzt bei meiner alleinerziehenden Schwester, der die Behörden trotz vier Kindern (von prä-Kindergarten bis Grundschule) unbedingt einen Teilzeit-Job aufdrücken will und ihr andererseits ständig Knüppel in den Weg wirft, was — teils sogar eigentlich gesetzlich vorgesehene — Hilfen angeht. Die Abhängigkeit von solchen Behörden möchte man auf jeden Fall vermeiden, insofern kann ich schon verstehen, daß Menschen, auch Eltern, versuchen, unbedingt im Job zu bleiben.

    In einer besser und familienfreundlicher organisierten Gesellschaft wäre auch die Selbstverwirklichung der Eltern neben der Kindererziehung kein Thema. Immerhin steht das Recht darauf nicht ohne Grund im Grundgesetz gleich an zweiter Stelle hinter dem Recht auf Menschenwürde. Wie wichtig Selbstverwirklichung oder freie Entfaltung der Persönlichkeit ist, merke ich selbst sehr stark — als vermutlich dauerhafte Bezieherin von Sozialhilfe ist mir das größtenteils genommen.


  5. Stefan quakte:

    Diese Filter scheinen ja wunderbar zu funktionieren. Was bedeutet „Standard gesperrt“ denn? Ich halte Internetzensur insgesamt für sinnlos, was aber daran liegen mag, dass ich noch keine Kinder habe. Ich sehe mich in meinem Verhalten allerdings nicht gestört und habe schon seit meiner Jugend einen Flaterate-Anschluss (vllt seit 2003? da wäre ich 13 gewesen). Genau genommen gehöre ich wahrscheinlich zu den Jugendlichen, die sich am meisten weiterbilden. Ich verabscheue Partys und lerne selbständig mehrere Sprachen (Japanisch, Koreanisch). Außerdem nutze ich das Internet, um die Sprachen weiterzuüben, welche ich in der Schule nicht mehr lerne (z.B. Französisch).

    Des Weiteren stelle ich immer wieder mein Wissen anderen zur Verfügung. So haben sich schon mehrere Leute für meine Informationen über Latein auf der inzwischen inaktiven Seite http://www.durativum.de bedankt.

    Ich halte das Internet für eines der prächtigsten Werkzeuge überhaupt, das man niemandem verbieten oder einschränken sollte.

    Des Weiteren habe ich mit Hilfe des Internets meine Programmiersprachen erlernt, was in der Schule ebenfalls nicht möglich war. Das Schulsystem ist sinnvoll für die Grundlagen, aber die weiteren Interessen muss man sich selbst beibringen – und das geht mit dem Internet am besten. Während andere Leute am Wochenende feiern, bereite ich mich auf meine Zukunft vor, unterhalte mich mit Menschen aus anderen Regionen Deutschlands und anderen Ländern (Südkorea, Japan, China, Belgien, Schweden; früher auch: Mexiko, Frankreich).

    Ich wurde von meinen Eltern so erzogen, dass ich Gewalt verachte. Da brauchte es kein kontrolliertes Surfen, damit ich mir solche Inhalte nicht angesehen habe.