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Aufzüge in Berlin, mal wieder

29. Juni 2009 um 0:12 Uhr von Atari-Frosch

Wir hatten ja am Anfang des Jahres schonmal Spaß mit Aufzügen in Berlin. Heute hat die BVG aber wirklich den Vogel abgeschossen.

Wir kamen mit der U5 von Tierpark her am Alexanderplatz an. Schon als wir losfuhren, erinnerte ich mich daran, daß der Fahrstuhl am Ankunftsbahnsteig der U5 am Alexanderplatz schon die letzten beiden Tage rumgespackt hatte — teilweise wollte er seine Türen einfach nicht schließen. Und dann überlegte ich, daß an diesem Bahnsteig wirklich nur Bahnen ankommen und keine abfahren, sodaß man ziemlich aufgeschmissen wäre, wenn der Fahrstuhl nicht geht.

Ich hätte mir diese Gedanken wohl besser verkniffen.

Wir kamen an, und der Aufzug zur U2 war jetzt ganz ausgefallen. Auch der zur U8 ging nicht. Der Weg mit dem Rollstuhl über die Rolltreppe war uns zu riskant; dafür müßte ich das Gewicht des Rollstuhls mitsamt Insassen über die ganze Fahrt nach oben festhalten und daran hindern, rückwärts wieder runterzufallen. Diese Rolltreppe ist auch noch ziemlich lang.

Stattdessen fuhr ich allein die Rolltreppe hoch, um mir jemanden von der BVG zu greifen. Schon nach ein paar Schritten entdeckte ich eine BVG-Beratung, und die war sogar mit zwei Herren besetzt. Diese nahmen sich des Problems so an, daß einer ein paar Minuten lang telefonierte und mich dann auf den Bahnsteig zurückschickte und erklärte, da werde gleich jemand kommen.

Dieser Jemand erwies sich als eine Frau, die zwar zuerst die Idee hatte, drei Sicherheitsmänner zu rufen, die den Rollstuhlfahrer über die normale Treppe nach oben tragen sollten, diese Idee jedoch nicht umsetzte, sondern später, als ich sie nochmals ansprach, ignorierte. Stattdessen sollte mein rollstuhlfahrender Begleiter mit ihr zusammen mit der nächsten ankommenden U5 ins Depot hinter fahren und dann ein paar Minuten später auf dem gegenüberliegenden Abfahrtsgleis wieder herauskommen, wo der Fahrstuhl zur U2 angeblich funktionierte. Ich wurde auf die Treppe verwiesen.

Auf der anderen Seite stellten wir fest, daß auch dort der Aufzug zur U2 jetzt nicht mehr wollte. Nun begann unter den mittlerweile drei BVG-Damen eine ausführliche Diskussion, deren Sinn offenbar darin bestand, herauszufinden, was alles nicht funktionieren würde. Eine versuchte immerhin mehrfach vergeblich, den Aufzug, vor dem wir jetzt noch standen (U5 Abfahrtsbahnsteig zur U2) in Gang zu bekommen. Der zweite Fahrstuhl des Bahnsteigs, der zur U8 führen sollte, war angeblich auch außer Betrieb.

Daneben führten die Damen — teilweise zwei parallel — auch noch Telefongespräche. Das einzige Ergebnis davon: Wenn wir über einen Umweg zum Fehrbelliner Platz (wo mein Begleiter eigentlich hinwollte), mit der U7 hinfahren, haben wir wieder verloren, weil auch da der Aufzug von der U7 zur Straße hoch kaputt ist.

Allerdings fiel dazwischen irgendwann auf, daß der Fahrstuhl zur U8 doch wieder funktionierte. Es hieß dann aber, damit kämen wir ja nicht weiter, denn von dort aus ginge zwar theoretisch ein Fahrstuhl weiter nach oben, aber der sei — na, was wohl? — genau, defekt. So nebenbei fanden wir heraus, daß der Defekt des Fahrstuhls vom Ankunftsbahnsteig der U5 zur U2 rauf bereits seit zwei Tagen bekannt war. Angeblich seien an dem Wochenende Veranstaltungen gelaufen, es kamen viele Besucher, und die hätten die Fahrstühle kaputtgemacht. (Hey, die kann man dann auch zeitnah reparieren bzw. drauf aufpassen, statt wie an Silvester auf die Rolltreppen und festen Treppen zu starren!).

Nach fast einer Stunde, es war bereits etwa 19:30 Uhr, hatten wir die Nase voll. Wir ließen die Labertanten stehen und fuhren zum Bahnsteig der U8 rauf. Mit der nächsten U8 ging es dann zur Hermannstraße, wo die Aufzüge funktionierten; zumindest der zur S-Bahn (Ringbahn). Als wir gerade herausgefunden hatten, daß die S41, die da stand, für uns geeignet gewesen wäre, hieß es auch schon „Bitte zurückbleiben!”

Wir nahmen dann die nächste Bahn auf diesem Bahnsteig, eine S46, und fuhren damit bis zum Heidelberger Platz. Dort stiegen wir in die U3, gewohnheitsmäßig in Richtung Krumme Lanke. Nach zwei Stationen stellten wir dann fest, daß das die falsche Richtung war, stiegen am Breitenbachplatz wieder aus und warteten nochmal fast 10 Minuten auf die U3 in die Gegenrichtung.

Am Fehrbelliner Platz stellte ich dann noch sicher, daß der Fahrstuhl der U3 zur Straße hoch funktionierte, und wartete dann auf die nächste U3 Richtung Nollendorfplatz, um zum Alexanderplatz zurückzufahren. Als diese einfuhr, fiel mir dann schon ein, daß ich ja jetzt auch noch einen Fahrschein stechen muß; bis dahin war ich als Begleitung für einen Rollstuhlfahrer ja kostenlos mitgefahren. Natürlich reichte die Zeit zum Stechen nicht aus, weil der Automat dafür an der Treppe war. Der Zug stand mittig. Natürlich mußte ich dann auf den nächsten warten. Es ist echt eine blöde Idee, in die Fahrzeuge keine Stechautomaten einzubauen.

Nach 10 Minuten kam die nächste U3. Ich fuhr also bis Nollendorfplatz und stieg dort nach weiterer Wartezeit in die U2 zum Alexanderplatz um. Dort kam ich ziemlich genau zwei Stunden nach der Abfahrt mit der U8 wieder an, nämlich gegen 21:30 Uhr. Dann mußte ich erstmal was, ähm, loswerden und stellte so nebenbei fest, daß man in der dortigen Toilettenanlage jetzt nicht mehr 80 Cent, sondern bereits einen ganzen Euro bezahlen muß. Dann wartete ich etwa eine Viertelstunde lang auf die S75 in Richtung Wartenberg, um nach Hohenschönhausen zu meinem eigenen Schlafplatz zu gelangen. Geplante Ankunft war dort um etwa 20:30 Uhr gewesen, ok, vielleicht etwas knapp, es hätte auch 21:00 Uhr sein können. Tatsächlich angekommen bin ich um 22:40 Uhr. Danke, BVG, toll gemacht.

T-Mobile brachte es dann nebenbei noch fertig, mir dreimal für nicht zustande gekommende Anrufe (zweimal auf Festnetz: kein Klingelton angekommen; einmal Handy: hatte kein Netz) jeweils mindestens 50 Cent abzubuchen. So kann man auch Gewinn machen.

Ein Kommentar zu “Aufzüge in Berlin, mal wieder”

  1. Stefan quakte:

    Wäre es nicht leichter gewesen, einfach einen starken Mann zu fragen, ob er den Rollstuhl bis zum Ende der Rolltreppe halten kann? Ich bin zwar nicht kräftig, aber eigentlich immer hilfsbereit.