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Bettenkauf — oder auch nicht

5. August 2009 um 16:05 Uhr von Atari-Frosch

Mein Bett ist jetzt fast neun Jahre alt und stammt aus einem Sozial-Möbellager. Es besteht aus einem einfachen Rahmen, dessen Teile ohne Schraubverbindungen zusammengesteckt werden können, und einem starren Lattenrost mit weit auseinandersitzenden, schmalen Latten. Derzeit liegen zwei durchgelegene Kaltschaum-Billig-Matratzen übereinander drauf. Jede neue Matratze wird von diesem Lattenrost in unter drei Monaten gekillt, die ist dann einfach durch und erledigt. Das liegt auch daran, daß ich nicht gerade ein Leichtgewicht bin. Also wäre es eigentlich Zeit für ein neues, gutes Bett. Das kleine Problem dabei ist nur, daß ich ja von (Sozial-)Gesetzes wegen zwangsverarmt bin.

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für Matratze und ggf. Lattenrost nur dann, wenn es sich dabei um so ein richtiges Pflegebett handelt und dessen Notwendigkeit von einem Arzt attestiert wurde. So schlimm ist es bei mir ja zum Glück nicht. Aufgrund der Depressionen leide ich aber sowieso schon an massiven Verspannungen, die ein Bett eigentlich zumindest einigermaßen ausgleichen sollte. Tatsächlich verhält es sich mittlerweile so, daß ich verspannter aufstehe als ich schlafen gehe. Schmerzende Beine, Hüfte, Rücken und Schultern direkt nach dem Aufstehen sind dabei völlig normal geworden, vereinzelt gibt's als Sahnehäubchen auch schonmal einen Wadenkrampf zum Frühstück, gelegentlich auch Kopfschmerzen (vom Rücken her hochziehend) zum Abend hin.

Beim asozialen Repressionsamt mit der Lizenz zu Lüge und Rechtsbruch (im Volksmund immer noch Sozialamt genannt) wurde mir schon vor einiger Zeit gesagt, daß man sich dafür ebenfalls nicht zuständig fühle. Ich solle halt sparen, um mir ein gutes Bett kaufen zu können. Ich habe mir heute mal ein paar Preise angesehen, um abzuschätzen, was denn sinnvoll wäre und was wirklich möglich ist:

  1. Die bezahlbare, aber sinnfreie Möglichkeit: Bei Ikea gibt es einen einfachen, starren Lattenrost für 10 Euro, und Kaltschaum-Matratzen sind im Sonderangebot manchmal schon ab 49 Euro zu bekommen. Dieser Ikea-Lattenrost hätte immerhin breite Latten, die keinen großen Abstand zueinander haben, sodaß die Billig-Matratze dazu nicht sofort hinüber wäre. Eine wirkliche Verbesserung meiner Schlafqualität wäre allerdings eher nicht zu erwarten, denn durch die starren Latten werden insbesondere Schultern und Hüfte nicht entlastet.
  2. Die vielleicht gerade noch irgendwie bezahlbare Möglichkeit mit vermutlich eher begrenztem Erfolg: Ein flexibler Lattenrost mit geringem Abstand zwischen den Latten ist wohl mit Glück für um die 100 Euro zu bekommen. Darauf könnte ich es dann auch mit so einer 49-Euro-Sonderangebots-Matratze versuchen. Der gesundheitliche Nutzen dürfte deshalb begrenzt sein, weil beide, Rost und Matratze, für Menschen bis etwa 80 kg ausgelegt sind. Ich wiege (leider) doch ein bißchen mehr.
  3. Die wirklich vernünftige, längerfristige, aber unbezahlbare Lösung: Auf einer Website habe ich ein paar schöne Angebote für Menschen mit Übergewicht gesehen. Für den Lattenrost mit vielen flexiblen, eng beieinanderstehenden Latten müßte ich knapp 160 Euro und für die passende Kaltschaum-Matratze gut 300 Euro hinlegen, plus Versandkosten. Noch bessere Matratzen aus anderen Materialien, die das Ganze optimieren würden, liegen zwischen 450 und 600 Euro. Dazu käme eventuell noch ein neuer Bettrahmen, falls der einfache Steckrahmen damit nicht klarkommt. Die Mindestkosten für die vernünftige Lösung gehen also in Richtung 500 Euro.

Da ich jetzt ja nichts mehr dazuverdienen kann, ohne vom Asozialamt bestohlen zu werden, würde das heißen: Mindestens ein Jahr lang auf wirklich alles verzichten. Billigste Lebensmittel, keine Zugfahrten (spart auch die BahnCard 50), keine Konzerte, keine Demos, keine CDs kaufen, nicht mal ÖPNV-Nutzung; am besten die ganze Zeit in der Wohnung verkriechen und dann noch an der Heizung sparen, damit es keine Nachzahlung oder aber optimalerweise sogar eine Rückzahlung gibt (die letzte Nachzahlung beim Gas ist mir das Repressionsamt ja schuldig geblieben). Außerdem darf in diesem Zeitraum natürlich nichts kaputtgehen, was ich dann sofort ersetzen müßte, denn auch dafür soll ich ja laut Repressionsamt sparen.

Daraus schließe ich: Sinnvolle, dauerhafte Lösungen sind für Sozialhilfeempfänger nicht vorgesehen. Wir dürfen uns ruhig erstmal die Gesundheit kaputtmachen — oder aber haben bitteschön auf alle Aktivitäten zu verzichten. Wie sagte der Repressionsamts-Angestellte Fübbeker im Oktober 2000 bereits zu mir: „Grundrechte gelten für Sie nicht. Sie sind bedürftig.” Am liebsten ist dem Repressionsamt ja sogar beides: Sozialhilfeempfänger dürfen nichts kosten und sollen dann früh sterben (für die Krankheitskosten kommt ja die Krankenkasse auf, darum muß man sich ja nicht scheren).

Es sieht wohl so aus, als müßte ich erst richtig krank davon werden, bevor sich was ändert — wenn überhaupt.

Und wenn ich dann lesen muß, daß für „christliche” und „sozialdemokratische” Politiker Sozialpolitik offenbar nur noch was mit Arbeitsplätzen oder gar dem Wahn von Vollbeschäftigung zu tun hat, reicht's dann fast schon wieder für die nächste Depressionsphase.

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