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Jagd auf Schwarzfahrer

29. August 2009 um 15:36 Uhr von Atari-Frosch

Die Bahn hat festgestellt, daß sie nicht so viele Gewinne einfährt, wie sie das gerne hätte. Tja, soll in einer Krise ja vorkommen. Dazu kommt noch, daß da so ein paar Achsen zu überprüfen und auszutauschen waren, weil man an der falschen Stelle gespart hatte und sogar Züge deswegen entgleist waren. Statt diese Tatsachen hinzunehmen und zu versuchen, den Service, das Angebot und die Sicherheit zu verbessern, geht man lieber auf Nebenkriegsschauplätze und macht intensiv Jagd auf Schwarzfahrer.

Das ist zwar sicher nicht falsch, jedoch stört die Methode. Schon jetzt werden Menschen ohne Fahrschein gnadenlos zur Kasse gebeten, auch ohne daß das Zugpersonal dafür irgendwelche Prämien kassiert. Zumindest ist mir nichts darüber bekannt, daß Schwarzfahrer laufen gelassen werden, weil die Zugbegleiter fürs „Fangen” nichts bekommen.

Die Maßnahme ändert aber rein gar nichts an den hausgemachten Problemen. Schwarzfahrer könnte die Bahn beispielsweise viel häufiger erwischen bzw. ganz vermeiden, wenn sie einfach mal genügend Personal einstellen würde. Daß ich in Regionalzügen nicht kontrolliert werde, ist seit Jahren völlig normal. Ich frage mich manchmal ernsthaft, ob ich mir die Tickets auf reinen Regionalstrecken einfach sparen soll, es interessiert ja offenbar doch keinen, ob ich bezahlt habe. 😉

Selbst in ICs auf kürzeren Strecken ist es nicht selbstverständlich, daß eine Zugbegleiterin oder ein Zugbegleiter vorbeikommt und die Fahrscheine kontrolliert. Auf längeren Strecken dagegen, wie beispielsweise im ICE von Düsseldorf nach Berlin oder umgekehrt, werde ich üblicherweise dreimal kontrolliert, was dann schon wieder leicht nervend ist. Stelle ich dann aber fest, daß die Steckdose am extra wegen dieser reservierten Tischplatz mal wieder nicht funktioniert, wird das schulterzuckend als „Pech gehabt” abgetan. Das ist beispielsweise so ein kleiner Service, der immer häufiger einfach nicht mehr geboten wird.

Noch so ein Service-Mangel: Die Tatsache, daß die Sitzplätze in der 2. Klasse irgendwie immer stärker zusammenzurücken scheinen und immer weniger Beinraum vorhanden ist, wird nicht etwa als Mangel wahrgenommen. Im Gegenteil, das ist wohl Absicht, wenn man sich die Werbung für die 1. Klasse ansieht: Da wird nämlich explizit mit mehr Beinfreiheit geworben. Und wo ich meinen großen Trolly und die Gitarre, sofern ich die auch noch dabei habe, im Zug unterbringen soll, interessiert auch immer weniger. Vermutlich wird dann einfach erwartet, daß ich große Gepäckstücke extrateuer separat verschicke.

Aber im Preiseerhöhen, da ist die Bahn so richtig stark. Die BahnCard 50 kostete 2006 noch 200 € im Jahr (100 € für Rentner und Schwerbehinderte), inzwischen sind wir bei 230 bzw. 115 € im Jahr, und nächstes Jahr werden es garantiert wieder mehr. Die Fahrt von Düsseldorf nach Berlin gab es direkt nach der Euro-Umstellung für rund 80 €, mittlerweile bin ich hier mit 100 € dabei (pro Strecke bzw. komplett mit BahnCard 50), und auch da gehe ich davon aus, daß das nächstes Jahr nicht billiger wird. Ist doch kein Wunder, daß kleine Gruppen und Familien dann anders rechnen und lieber das Auto nehmen, sofern vorhanden — oder sich die Fahrt ganz sparen. Oder Leute eben auch mal schwarz fahren.

Aber statt das Richtige™ zu tun, macht man es lieber wie Zensursula, hat sich ja bewährt: Irgendwas tun, was erstmal toll aussieht, aber die eigentlichen Probleme liegenlassen.

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