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Ausgestrahlt-Demo in Berlin

5. September 2009 um 23:30 Uhr von Atari-Frosch

Der Tag begann mit einer bösen Überraschung am S-Bahnhof Hohenschönhausen: Die S75 fuhr nicht, weil hier am Bahnhof Reparaturen (vermutlich an den Gleisen) durchgeführt wurden. Am Tag vorher waren darüber keine Hinweise am Bahnhof angebracht worden. Ein Ersatzbus wurde zwar erwähnt, war aber nicht ausgeschildert. Also wartete ich lieber auf die nächste Regionalbahn bis Lichtenberg. Witzigerweise kommen diese Bahnen zwar zweimal pro Stunde, aber die zweite nur 10 Minuten nach der ersten, und die restlichen 50 Minuten gar nichts. Super Timing. Von Lichtenberg aus kam ich dann mit der S7 zum Hauptbahnhof; am Washingtonplatz sollte sich die Demo sammeln.

Dort sah man dann vor allem viel Grün — so viel, daß Alex nur meinte: „Owned”. Tatsächlich stellten die Grünen mit Abstand die größte Gruppe. Das Wetter meinte es fast zu gut, die Sonne brannte kräftig auf uns herunter. Alex wollte sich eine Fahne der Grünen an den Rollstuhl klemmen lassen, aber das klappte leider nicht. Dafür hatte ihm jemand eine fantasievolle Kopfbedeckung aus diesen wurstförmigen, formbaren Ballons in grün und orange aufgesetzt. 😉

Der Zug setzte sich deutlich später als angekündigt in Bewegung. Die Polizei blieb die ganze Zeit über angenehm unauffällig, allerdings ließ sich mehrfach ein schwarzer Hubschrauber über dem Demo-Zug sehen. Am Ziel des Demonstrationszuges stand eine Bühne, von der aus in Abwechslung mit Musikauftritten Reden gehalten wurden. Unter anderem sprachen der Vorsitzende des BUND und ein Vertrauensmann von VW in Wolfsburg, außerdem wurde auf einer großen Leinwand ein Video mit einer Grußbotschaft von einer parallel laufenden Gewerkschaftsveranstaltung in Frankfurt/Main eingespielt.

Die Kombination aus Musik- und Redebeiträgen fand ich ungünstig, sie zog das Ganze für diejenigen, die sich für die Musik nicht interessierten, unnötig heraus. Ein richtiger Schluß der Redebeiträge war auch nicht zu erkennen. Wir mußten die Veranstaltung dann aber sowieso verlassen, weil Alex einen Anruf bekam und dann dringend einen Shellzugang benötigte, um ein Problem auf einem Server zu beheben.

Am Rande sei noch bemerkt, daß bei der in der Nähe befindlichen „City-Toilette” der Münzeinwurfschlitz mit verkeilten Münzen verstopft war. Zum Glück funktionierte der Zugang per Euro-Schlüssel (für Behinderte); für alle anderen standen Dixie-Klos in der Nähe, auf die aber nicht hingewiesen wurde; die mußte man erstmal finden.

Noch eine Randbemerkung: Von Anti-AKW-Demonstranten hätte ich eigentlich schon erwartet, daß sie es fertigbringen, ihren Müll wieder mitzunehmen oder zumindest in Mülleimer zu deponieren. Aber von der Zigarettenkippe bis zur Getränkeflasche flog so einiges in die Gegend, nach dem Motto, soll sich doch die Müllabfuhr drum kümmern. Irgendwie paßt das in meinen Augen nicht zusammen.

Die Veranstalter schätzten die Teilnehmerzahl hinterher auf etwa 50.000, während die Polizei von etwa 36.000 sprach. Die Wahrheit dürfte wie üblich irgendwo dazwischen liegen.

Wir marschierten dann also erstmal zur nächsten Station und fuhren nach Hohenschönhausen, weil Alex kein Notebook in Berlin dabeihatte und ich meines natürlich nicht zur Demo mitgeschleppt hatte. Dabei stellten wir fest, daß auf der M4 nach Falkenberg samstags grundsätzlich keine barrierefreien Fahrzeuge fahren. Wir nahmen also erstmal eine M4 in Richtung Zingster Straße und stiegen dann am Prerower Platz in die barrierefreie M17 um. Generell fahren nach Zingster Straße praktisch ständig Bahnen, während Falkenberg am Wochenende nur im 20-Minuten-Takt angebunden ist.

Nachdem das Serverproblem gelöst war, suchten wir eine Verbindung zu Alex' Hotel in Pankow heraus. Theoretisch fährt da der Expreßbus X54, aber am Wochenende macht der um halb neun abends schon Feierabend, und es war schon nach halb neun. Wir ermittelten dann eine Verbindung mit dem Bus 154 bis Krugstege, dann weiter mit dem Bus 150 bis Heinrich-Mann-Straße. Vor Ort stellten wir dann fest, daß die Station Krugstege zwei Haltestellen hat und der 154 an beiden Stationen hält. Die Durchsagen für die Haltestellen sind identisch; wer von außerhalb kommt, könnte meinen, daß die Haltestellenansage geklemmt hat. Aber man muß wissen, daß der 150er-Bus nur an der zweiten Krugstege-Haltestelle hält. Anscheinend sind diese Bushaltestellen nur für Insider gedacht.

An der Haltestelle Heinrich-Mann-Straße dachte ich erst, da kann was nicht stimmen. Wir landeten quasi in der Pampa: Der Fußweg an der Haltestelle, die nur aus einem Haltestellenschild mit Fahrplan (immerhin!) besteht, ist unbefestigter Waldweg, und die ganze Straßenseite ist unbebaut. Gegenüber ist auch nicht allzu viel zu sehen. Die Straße selbst heißt Hermann-Hesse-Straße. Ein freundlicher Fahrradfahrer wies uns schließlich den Weg, und wir stellten fest, daß die Haltestelle direkt vorm Hotel, die Alex eigentlich gemeint hatte, Heinrich-Mann-Platz heißt — und der 150 da nicht hält, sondern der 155. Der hat wiederum laut Plan eigentlich keinen Umsteige-Kontakt zum 154 von Hohenschönhausen her, jedoch halten beide an der Piesporter Straße (der eine „Piesporter Straße”, der andere an „Darßer Straße/Piesporter Straße”). Verwirrung pur!

Ein Kommentar zu “Ausgestrahlt-Demo in Berlin”

  1. Stefan quakte:

    „Noch eine Randbemerkung: Von Anti-AKW-Demonstranten hätte ich eigentlich schon erwartet, daß sie es fertigbringen, ihren Müll wieder mitzunehmen oder zumindest in Mülleimer zu deponieren. Aber von der Zigarettenkippe bis zur Getränkeflasche flog so einiges in die Gegend, nach dem Motto, soll sich doch die Müllabfuhr drum kümmern. Irgendwie paßt das in meinen Augen nicht zusammen.“
    Wirklich schwach. Was man mitbringt, passt normalerweise auch wieder in den Rucksack und man kann es nach Hause nehmen, um es dort zu entsorgen…


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