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Es sind nicht nur die Arbeitslosen!

22. September 2009 um 16:05 Uhr von Atari-Frosch

In der Diskussion um Sozialhilfeempfänger beschränken sich die Diskussionsteilnehmer leider viel zu häufig auf die „Hartzer”, also auf Menschen, die Sozialhilfe nach SGB II beziehen. So auch in einem ansonsten sehr lesenswerten Artikel auf Telepolis mit dem Titel Aushungern und Fordern. Ich habe dort bereits kommentiert, wollte das aber hier doch nochmal festhalten:

Bitte nicht vergessen: Hartz IV/SGB II ist nur ein Teil des Repressionsapparates zum Aushungern der wirtschaftlich nicht mehr Verwurstbaren. Es betrifft genauso auch Rentner, die von ihrer Rente nicht leben können, und Erwerbsunfähige.

Alters- und Erwerbsunfähigkeits-/Erwerbsminderungsrentner kann man zwar nicht zu Bewerbungen zwingen, aber Hilfeverweigerung, Lügen, (impliziter und expliziter) Grundrechte-Entzug, Zurückhaltung von wichtigen Informationen über Rechte und Mißachtung höchstrichterlicher Rechtsprechung können die Repressionsämter hier mindestens genauso gut. Nein, sogar effektiver: Alte und gesundheitlich angeschlagene Menschen können sich nicht so gut wehren, und das wissen die Ämter auch ganz genau und nutzen das schamlos aus.

Eingestellt werden dementsprechend bei den Repressionsämtern offenbar nur noch solche „Sparschweine”, denen jede Sauerei recht ist, um nur an den Zwangsverarmten zu „sparen”. Arme Leute sterben schließlich früher, da müßte man ja wohl ein wenig nachhelfen können.

Wer es dann wagt, das Wort „Grundrechte” auszusprechen, stößt auf einen hochinteressanten Reset-Effekt: Der Bearbeiter zuckt zusammen, macht ein dummes Gesicht, guckt ein paar Sekunden woanders hin und fängt dann unbeeindruckt wieder an, von Pflichten zu schwafeln (nach dem Reboot, sozusagen). Natürlich nicht von seinen, is' klar.

Den Ausdruck „Kunde” für die Opfer dieser Demütigungspolitik kann ich nur noch als erstklassiges Beispiel für orwell'sches Neusprech bezeichnen.

Und dann kommen Leute ganz erstaunt an und wundern sich, warum die Anzahl der chronischen Depressionen steigt und die Gesundheitskosten explodieren. Sorry, Leutz, genau das ist das politisch gewollte oder zumindest in Kauf genommene Ergebnis.

Wer dann noch ankommt und Hartz IV bzw. den Sozialhilfesatz weiterhin kürzen und/oder noch strengere Sanktionen einführen will, der muß sich vorwerfen lassen, schleichenden Mord einzuführen. Erinnert sich übrigens noch jemand an den schwer depressiven Arbeitslosen aus Speyer, der im April 2007 verhungerte? Macht ruhig weiter so, „liebe” Politiker, dann werden sich diese Meldungen häufen.

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