Archive vom October 2009
Kein Datenschutz für Hartzer
Friday, 30. October 2009
Wie die Frankfurter Rundschau unter der Überschrift Gravierende Mängel: Datenschleuder Arbeitsagentur heute berichtet, setzt die Arbeitsagentur ein System ein, das es rund 100.000 Mitarbeitern von Job-Centern und Arbeitsagenturen bundesweit erlaubt, alle, auch persönliche und sehr intime Details von Arbeitslosen einzusehen. Dabei können auch diejenigen in die Datensätze schauen, die eigentlich gar keine Vermittlung machen.
Beispielhaft werden Kandidaten für eine Fernsehshow genannt, deren Datensätze nach Bekanntwerden ihrer Hartz-IV-Abhängigkeit tausendfach innerhalb der Arbeitsagentur aufgerufen wurden, und eine Frau, die feststellen mußte, daß ihr neuer Freund, der wohl Mitarbeiter der Arbeitsagentur ist, schon erstaunlich viel über sie wußte.
Zensursula: Wer zahlt?
Tuesday, 27. October 2009
Was mir grad so einfällt … wenn das Zensurerleichterungsgesetz jetzt erstmal ausgesetzt und in einem Jahr hoffentlich ganz entsorgt wird, wer zahlt dann eigentlich für die Investitionen, die die Provider dafür jetzt schon getätigt haben? Vodafail hatte es ja ganz eilig gehabt, und die Telekom war ja auch nicht wirklich abgeneigt. Da ist doch bestimmt schon Geld geflossen.
Im ungünstigsten Fall landen diese Ausgaben auf unseren Rechnungen für Telefon- und Internetanschluß. Außerdem besteht die Möglichkeit, daß der Steuerzahler dafür aufkommen muß, wenn „der Staat” den Providern diese Kosten erstattet.
Ich bin aber der Meinung, diese Kosten sollten allein von der CDU getragen werden. Denn Wolfgang Schäuble hat ja ganz klar zugegeben, daß das ganze Vorhaben nur den Zweck hatte, die CDU im Wahlkampf zu stärken. Eventuell können ja auch die sogenannten Entscheider bei Vodafail und den anderen zensurfreudigen Providern ihr Scherflein dazu beitragen. Manager verdienen doch so viel, weil sie Risiken tragen, oder?
Ja, ich bin ja schon still. Träumen wird man ja wohl mal dürfen.
Internationale Kommunikation
Friday, 23. October 2009
Auf eine der Mails, die ich an phpBB-Admins wegen der Spamwelle via gehackter phpBB-Installationen verschickt hatte, kam heute eine Antwort, die ich leider so gar nicht lesen kann. Darin steht vor einem Vollquote:
?????? ????, ???? ?????? ?????????????? ????????? ???????.
In einem Tweet meinte ich daraufhin: „Ich finde es gar nicht höflich, wenn eine englischsprachige Beschwerde an eine .ru-Adresse in kyrillisch beantwortet wird.” Diesen Tweet beantwortete @ltrebing mit „Westerwelle ist der neue Maßstab für internationale Kommunikation. Es ist schließlich Rußland dort.”
Hm. Könnte was dran sein.
phpBB-gehacktes mit Spam
Wednesday, 21. October 2009
Der neueste Hit: Spammer-Dreisprung.
- Man setze eine Website mit dem eigentlich beworbenen Content auf.
- Man dringe in Dutzende alter phpBB-Installationen, die bekannte Sicherheitslücken haben, ein, und plaziere dort Foreneinträge, die mit teils großen und bunten Hinweisen auf „18+ material” auf den eigentlichen Content linken.
- Man miete sich ein Botnet und verschicke Blog-Kommentare, die jeweils rund 30 Links auf die diversen selbst erstellten Foreneinträge enthalten, garniert mit deutlichen Hinweisen, daß man hinter den Links Material zu Kindesmißbrauch, Sex mit Tieren und ähnliche üble Dinge finden werde (was sich wirklich dahinter befindet, habe ich nicht nachgesehen, denn ganz so neugierig bin ich auch wieder nicht, und Spammern möchte ich keine Visits verschaffen).
Normschrift
Tuesday, 20. October 2009
Einer meiner Neffen kam kürzlich in eine andere Schule, in die 2. Klasse. Seine erste Note im Schreiben an der neuen Schule war eine 5. Das lag allerdings nicht an den Schreibkünsten des Jungen, sondern daran, daß die Lehrerin an der alten Schule den Kindern nicht die mittlerweile üblichere vereinfachte Ausgangsschrift beigebracht hatte, sondern die lateinische Ausgangsschrift. Dem Jungen war nach dem Wechsel nicht gesagt worden, daß man von ihm jetzt verlangt, anders zu schreiben.
Das Kind bekommt also eins reingewürgt, weil Erwachsene einen Fehler gemacht haben. Selbstverständlich wird meine Schwester gegen diese Benotung vorgehen. Ich hoffe ja, daß das nicht allgemein üblich ist. (Beide Schulen sind übrigens in derselben Stadt und somit im selben Bundesland, Baden-Württemberg.) Wie eine echte Normung zustande kommen soll, wenn dann doch wieder jede Schule unterrichten kann, wie sie mag, muß ich aber wohl nicht wissen. Wikipedia behauptet zwar, daß die Schulen in Baden-Württemberg bei einem Wechsel auch die andere Form akzeptieren, aber in diesem Fall sieht das wohl jemand anders.
Ich selbst habe bei meiner Einschulung 1974 und trotz eines Schulwechsels während der Grundschulzeit nur die lateinische Ausgangsschrift gelernt. Von der vereinfachten Ausgangsschrift habe ich erst viel später erfahren; daß die schon seit 1972 existiert, war mir bisher neu.
Zu viele Sozialgerichtsverfahren?
Saturday, 17. October 2009
Rechtsanwalt Dr. Mayer befaßte sich gestern in seinem Blog mit einem Antrag, der vom Bundesrat behandelt werden sollte. Dabei geht es darum, daß die Verfahrenszahlen vor den Sozialgerichten quasi explodieren. Seine Befürchtung, daß die Rechte von Betroffenen weiter eingeschränkt werden sollen, muß ich leider uneingeschränkt teilen.
Seine Konsequenzen allerdings greifen m. E. zu kurz. Es genügt eben nicht, mehr Richter einzustellen, obwohl auch das sicher nötig ist. Stattdessen benötigen wir ein Sozialrecht, das diesen Namen wieder verdient, Sozialbehörden, die nicht vergessen haben, daß sie Hilfsbedürftigen dienen und für diese die Grundrechte zugänglich machen bzw. erhalten sollen sowie einen Sozialsatz, der den Zweck der Sozialhilfe auch wirklich erfüllt (§ 1 SGB I). Mehr Richter allein werden hier keine Gerechtigkeit schaffen können.
Nicht kompatibel
Saturday, 17. October 2009

So kann man auch sagen, daß man nicht kommunizieren will.
Terrorgefahr — aber durch wen?
Thursday, 15. October 2009
Wie an vielen (allen?) Bahnhöfen stehen auch am Düsseldorfer Hauptbahnhof Polizisten Wache. Seit kurz vor der Bundestagswahl laufen die hier auch mit Maschinenpistolen herum. Zuerst hieß es ja, das sei wegen der „abstrakt erhöhten Gefahrenlage” vor der Bundestagswahl, und ich dachte, danach packen sie diese Schießprügel wieder weg. Aber nein, im Gegenteil: Jetzt werden die erst richtig ausgepackt.
Als Begründung müssen ein paar Videos herhalten, wobei insbesondere das von Osama bin Laden (Youtube-Video) nach meinem Dafürhalten absolut harmlos ist und keinerlei konkrete Bedrohung enthält. Sich darauf zu berufen heißt, sich lächerlich zu machen. Leider springen ja mittlerweile sogar Politiker der Grünen darauf an, wie der RP-Artikel berichtet.
Ent- statt Versicherung
Thursday, 15. October 2009
Meine Krankenkasse hatte mich bereits mit Schreiben vom 18. September gefragt, wie es denn nach dem 1. November mit meiner Krankenversicherung weitergehen soll. Ich war erstmal etwas verblüfft gewesen, denn von dem ablehnenden Bescheid der Rentenversicherung wußte ich zu dem Zeitpunkt noch nichts. Ich fragte per Mail nach, erhielt aber keine Antwort.
Bei der ARGE hieß es dann gestern, ich solle der Krankenkasse melden, daß ich ALG II beantragt habe; wenn der Antrag durch ist (was ja locker bis Anfang Dezember dauern kann), sei ich dann rückwirkend über die ARGE weiterversichert. Also rief ich heute bei der TKK an, um diese darüber zu informieren.
Bei der Gelegenheit erfuhr ich, daß die Rentenversicherung Bund die TKK auf elektronischem Wege bereits am 15. September über die Einstellung der Rentenzahlungen zum 31. Oktober informiert hatte. Das entsprechende Schreiben der Rentenversicherung an mich ist jedoch auf den 1. Oktober datiert und war am 5. Oktober in meinem Briefkasten. Das sind fast drei Wochen Differenz!
Durch diese Schlamperei hat die Rentenversicherung also meine Absicherung bei der Krankenkasse gefährdet und mir damit unnötig Zeit gestohlen, um Widerspruch einzulegen und weitere Maßnahmen zu ergreifen. Ich kann froh sein, daß die TKK geduldig ist und deswegen jetzt nicht auch noch Terror veranstaltet. Andere Krankenkassen sehen das ja vielleicht nicht so gelassen.
ARGE, Teil 2
Wednesday, 14. October 2009
Wie verlangt war ich morgens um acht bei der ARGE. Leicht müde, mit gerade noch genug Schlaf, und wissend, daß ich nicht alle Unterlagen habe, die angefordert wurden. Dann mußte ich wieder eine Wartemarke ziehen, diesmal in einem anderen Bereich. Die Frage, wie lang es ungefähr dauern würde, wurde mit „unterschiedlich” beantwortet. Das heißt: Zwischendurch weggehen ist nicht, weil nicht klar ist, wie schnell es gehen wird.
Um neun war klar, daß ich 14 weitere Wartende vor mir habe. Um halb zehn stand fest, daß sie derzeit nur einen Arbeitslosen pro halbe Stunde drannahmen.
Stadtsparkasse und AdBlockPlus
Tuesday, 13. October 2009
Ich habe mich schon seit einer ganzen Weile darüber geärgert, daß ich die Übersicht über die Buchungen im Online-Banking der SSK Düsseldorf, die standardmäßig nur für die letzten 10 Tage angezeigt werden, nicht auf 30 oder 90 Tage hochstellen kann. Wenn ich das versuchte, wurde die Seite ein Stück weit neu geladen, und dann wurde geladen und geladen und geladen ad infinitum. Ich konnte zwar mit ESC abbrechen, aber das brachte mir auch nicht die gewünschte Information.
ARGE, Teil 1
Tuesday, 13. October 2009
Gestern schälte ich mich nach einer schlaflosen Nacht um acht aus dem Bett, um möglichst früh bei der ARGE sein zu können. Früh aufstehen ist für mich schwer genug, und wenn ich zu früh dran bin, bin ich nicht verkehrstauglich, dann bügelt mich der erste Autofahrer um, den ich übersehe (nicht daß die ARGE das stören würde …). Zum Glück ist die zuständige ARGE-Filiale nicht weit, ich kann da problemlos hinlaufen. Im Wartebereich für Neuzugänge bekam ich eine Wartemarke, und dann hieß es: Warten. In dem Warteraum war es zugig, ein Fenster weit oben war gekippt. Ich hatte den Anorak kurz ausgezogen, zog ihn dann aber bald wieder an.
Existenzangst reloaded
Sunday, 11. October 2009
Mitte Mai hatte ich bereits den Antrag auf Verlängerung der Erwerbsminderungsrente gestellt. Als ich Ende August „schon” Mitte Juni zu einem Düsseldorfer Psychiater geladen wurde, um mich für diesen Antrag untersuchen zu lassen, war das für mich nur noch Formsache. An meiner Arbeitsfähigkeit, insbesondere meiner Konzentrationsfähigkeit und der Fähigkeit, Leistungs-/Zeitdruck auszuhalten, hat sich, seit ich die Rente beziehe, leider — und teilweise „dank” Repressionsamt („Sozialamt”) nichts geändert.
Aus der Formsache wurde nun eine Sache der Existenzangst, denn dieser Psychiater beschloß, meine Depressionen seien nicht mehr so schlimm (leicht- statt mittelgradig), und ich sei deswegen jetzt ohne Probleme wieder in der Lage, mindestens 6 h/Tag zu arbeiten. Ob er zu dieser Einschätzung gedrängt worden war oder der Rentenversicherung von sich aus einen Gefallen tun wollte, kann ich nicht beurteilen, da ich den Mann vorher noch nie gesehen hatte. Jedenfalls bekam ich letzten Montag Nachmittag den ablehnenden Rentenbescheid, und das heißt, daß mich die Rentenversicherung der ARGE zum Fraß vorwirft.
Kanzlerin aller Deutschen
Thursday, 8. October 2009
Die Bundeskanzlerin aller Deutschen will Angela Merkel sein. Beim neuesten Geldgeschenk für Familien ist davon leider nichts zu sehen. Allerdings hängt das natürlich auch davon ab, wen man in dieses „alle” mit einbezieht. Ich habe mich ja schon öfter gefragt, wer nun eigentlich überhaupt noch als Bürger angesehen wird.
Wann kommt eigentlich die Ausbürgerung für Menschen, die wirtschaftlich aus welchen Gründen auch immer nicht verwertbar sind?
Online-Wahlen gegen Wahlmüdigkeit?
Sunday, 4. October 2009
Der Verband der Internetwirtschaft, Bitkom, drängt auf die Einführung von Online-Wahlen und behauptet, damit hätte man eine um 6 % höhere Wahlbeteiligung erreichen können. Mehrere Argumente sprechen sowohl gegen die Behauptung an sich als auch gegen die Einführung von Online-Wahlen generell:
Internet-affine Menschen dürften gerade dieses Mal eher gehäuft zur Wahl gegangen sein, standen doch ihre Themen besonders zur Disposition: Meinungsfreiheit, Zensur, Datenschutz, Netzneutralität und Bürgerrechte allgemein. Sie verfolgten besonders genau, wer zu diesen Themen was mit welcher Glaubwürdigkeit versprach, und haben durch das Internet auch mehr Informationsquellen zur Verfügung, um sich ihre Meinung zu bilden.
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