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ARGE, Teil 1

13. Oktober 2009 um 11:41 Uhr von Atari-Frosch

Gestern schälte ich mich nach einer schlaflosen Nacht um acht aus dem Bett, um möglichst früh bei der ARGE sein zu können. Früh aufstehen ist für mich schwer genug, und wenn ich zu früh dran bin, bin ich nicht verkehrstauglich, dann bügelt mich der erste Autofahrer um, den ich übersehe (nicht daß die ARGE das stören würde ...). Zum Glück ist die zuständige ARGE-Filiale nicht weit, ich kann da problemlos hinlaufen. Im Wartebereich für Neuzugänge bekam ich eine Wartemarke, und dann hieß es: Warten. In dem Warteraum war es zugig, ein Fenster weit oben war gekippt. Ich hatte den Anorak kurz ausgezogen, zog ihn dann aber bald wieder an.

Gut zwei Stunden später war ich dann endlich dran. In dem Zimmer saßen erstaunlicherweise zwei Sachbearbeiter, ein Mann und eine Frau. Ich dachte erst, die machen das immer noch wie früher, daß zwei Leute von zwei Sachbearbeitern parallel im selben Raum „behandelt” werden (Datenschutz? Ach was ...). Nein, die beiden wollten sich gemeinsam um mich kümmern. Also, Personalausweis vorlegen, dann abklären, welche der beiden Frauen gleichen Namens im Computer ich sein könnte (ich war ja vor der Verrentung arbeitslos gemeldet gewesen), ein paar Fragen beantworten. Während die Frau, die mich zuerst befragt hatte, die Antworten eintippte und mit der Maus in Formularen herumklickte, fragte mich der Mann teilweise nochmal das gleiche.

Ich betonte mehrfach, daß ich im Gegensatz zu der Behauptung der Rentenversicherung nicht arbeitsfähig bin. Das hat die beiden aber irgendwie gar nicht so wirklich interessiert, die sind nämlich nur eine Art Vorposten, die bearbeiten die Fälle gar nicht. Sie erfassen nur ein paar Daten und drücken den Leuten dann die nötigen Antragsformulare in die Hand. Dazu gibt es die Broschüre „Arbeitslosengeld II/Sozialgeld”, in welcher vor allem immer wieder betont wird, daß man jede Arbeit annehmen muß, die einem körperlich, geistig und gesundheitlich zumutbar ist (Art. 12 GG, anyone?).

Außerdem bekam ich eine dreiseitige Liste, in welcher angekreuzt war, was ich an Unterlagen beizubringen hätte:

  • Mietvertrag plus Mieterhöhungsschreiben
  • letzte Nebenkostenabrechnung
  • letzte Abrechnung der Stadtwerke
  • Sozialversicherungsausweis
  • Personalausweis
  • Krankenversicherungskarte
  • Scheidungsurteil
  • ärztliches Attest über die Arbeitsfähigkeit
  • Rentenbescheid
  • Beendigungsschreiben SGB XII
  • Kontoauszüge der letzten drei Monate
  • Zusatzbogen zum Antrag UH (Unterhaltsansprüche)
  • Zusatzbogen KdU (Kosten der Unterkunft)
  • Zusatzbogen EK (Einkommen)
  • Fragebogen Unterhalt
  • Zusatzbogen VM (Vermögen)

Zu Hause begann ich dann mit dem Ausfüllen und stellte fest, daß zwei der fünf Zusatzbögen zum Antrag, die ich ausfüllen sollte, fehlten, nämlich die beiden zum Thema Unterhalt. Ist natürlich sehr praktisch, wenn dem Arbeitslosen gar nicht erst alles gegeben wird, was er ausfüllen muß, dann kann man ihn unnötigerweise nochmals antreten lassen. Zusammen mit dem Sozialarbeiter suchte ich dann die Unterlagen raus, die sie haben wollen. Den Sozialversicherungsausweis konnte ich trotz ausführlichen Kramens nicht finden; ich bin mir mittlerweile nicht mal so sicher, ob ich den überhaupt noch habe oder ob der beim Repressionsamt liegt. Das Beendigungsschreiben SGB XII habe ich noch nicht, und ein ärztliches Attest, das dem des Arztes der Rentenversicherung widerspricht, muß ich mir wohl auch erstmal beizaubern. Die Kontoauszüge der letzten drei Monate wiederum sollten „tagesaktuell” sein, also wollte ich die erst heute morgen ausdrucken. — Unterdessen wurde mein Husten wieder schlimmer.

Für heute morgen hatte ich mir den Wecker auf sieben Uhr gestellt, aber nix zu machen, ich bekam die Augen nicht auf, obwohl ich diese Nacht wenigstens wieder geschlafen hatte und sehr früh schlafen gegangen war. Also gönnte ich mir noch eine Stunde länger. Als ich dann fit genug war, ging ich zuerst mit dem Notebook in den Chaosdorf-Clubraum, um die Kontoauszüge, wie verlangt, tagesaktuell auszudrucken. Aber es war wie verhext: Sobald ich mit dem Firefox auf die Kontoübersicht bei der SSK Düsseldorf kam, schmierte mir der Rechner komplett ab. Mehrfach. Nach dem dritten Mal gab ich auf, ließ das Notebook im Clubraum und ging zum nächsten Sparkassenautomaten am Hauptbahnhof. Zum Glück war ich länger nicht mehr dortgewesen, sodaß ich die Auszüge von ungefähr den letzten drei Monaten bekam.

Gegen zehn war ich dann erst wieder an der ARGE und mußte mich dort am Kopierer anstellen. Immerhin kann man seinen Kram dort kostenlos kopieren. Ich zog gut 30 Seiten durch (ohne Kontoauszüge; allein dieser Standard-Mietvertrag hat 15 Seiten). Dann fragte ich einen Sicherheitsmann, wo denn die Räume zum Abgeben der Anträge sind. Der meinte aber, da sei für heute schon alles dicht, die könnten nur 30 Leute an einem Vormittag drannehmen, ich solle doch morgen direkt um acht nochmal kommen. Lassen sich da nicht genügend Arbeitslose für schulen und einstellen, um ihre bisherigen Mit-Opfer zu schikanieren, oder ist das Absicht?

Jedenfalls holte ich noch mein Notebook aus dem Clubraum und ging erstmal nach Hause. — So nebenbei wundert mich die Wahlbeteiligung hier im Bezirk jetzt überhaupt nicht mehr. Sie lag bei der Bundestagswahl gut 20 % unter dem Bundesdurchschnitt.

Meine Luftröhre tut wieder weh, ich müßte also eigentlich nochmal dringend zum Arzt. Stattdessen muß ich morgen wieder deutlich vor meiner Zeit aufstehen, dort dann vermutlich auch noch ewig lang warten, und dann bin ich mal gespannt, was sie wegen der fehlenden Fragebögen und Unterlagen und wegen der Erwerbsunfähigkeit machen. Wenn ich noch ein paarmal ins Kalte raus muß, kann ich mich dann wohl für den Rest des Winters mit einer Lungenentzündung ins Bett legen. Falls ich dann noch eine Wohnung habe.

Ein Kommentar zu “ARGE, Teil 1”

  1. Feenminze quakte:

    jaa, so sans, die alten Rittersleit..
    vergiss ned, Dir die Abgabe jeder einzelnen Seite bestätigen zu lassen.. so eine Unterschrift ist wie Kleister.. es verschwindet plötzlich nix mehr *gg*
    die Folgeanträge sind weniger umfangreich *schon mal beruhigt*

    lG
    Feenminze


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