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ARGE, Teil 3

20. November 2009 um 11:03 Uhr von Atari-Frosch

Heute war er also, der um Wochen verspätet angesetzte Termin bei der ARGE Düsseldorf. Und wieder einmal bestätigt sich: Für den Staat ist nur ein toter Sozialhilfeempfänger ein guter Sozialhilfeempfänger.

Zunächst einmal wurde mein Antrag völlig unnötigerweise noch einmal „in eigenen Worten” formuliert, und ich mußte diese Niederschrift unterschreiben. Darin hatte ich wahrheitsgemäß angegeben, daß ich mich nicht in der Lage sehe, mindestens drei Stunden pro Tag oder 15 Stunden pro Woche zu arbeiten. Danach schickte mich der Bearbeiter aus dem Zimmer, weil er was klären wollte. Als er mich wieder ins Zimmer holte, erklärte er locker-flockig, daß er den Antrag so ablehnen werde.

Der Witz ist: Meine Arbeitsunfähigkeit hatte ich bereits im eigentlichen Antrag angegeben. Da ist sogar ein Feld zum Ankreuzen in der Art: Sind Sie arbeitsfähig? [] Ja [] Nein. Ich fragte dann mal so ganz unverbindlich, warum das da eigentlich ankreuzbar ist, wenn sich jemand, der gar nicht arbeiten kann, den Antrag sowieso sparen kann. Antwort: Ach ja, das könnte ja versehentlich angekreuzt werden. Ah, verstehe! Das ist also eine ganz miese Masche: Man läßt die Leute durchs Antragsverfahren gehen mit den ganzen Wartezeiten, um ihnen dann einen Ablehnungsbescheid reinwürgen zu können, falls sie ihr Kreuzchen „versehentlich” an der falschen Stelle machen, obwohl es da eigentlich gar keine Wahl gibt.

Was sollte ich machen? Mir blieb nur, jetzt bewußt zu lügen, wenn ich nicht meine Existenz riskieren will. Mit dieser Lüge habe ich buchstäblich fast eine Stunde lang unter psychischen Schmerzen gekämpft. Daß beim faschistischen Repressionsamt („Sozialamt”) gelogen wird, ist eine Sache. Daß ich selbst zum Lügen genötigt werde, hat für mich eine neue Dimension.

Ich wollte die Niederschrift neu gemacht haben, da ich über die Folgen meiner Aussagen vor der Unterschrift nicht aufgeklärt worden war. Aber es hieß, das ginge nicht, ich könne die Erklärung nur ergänzen. Ich habe mir dann folgende Ergänzung abgerungen:

Nach der Erklärung, daß ich damit keine Leistungen erhalten werde, erkläre ich mich bereit, trotz des klar fehlerhaften Gutachtens des Rententrägers, gegen das ich bereits Widerspruch eingelegt habe, dem Arbeitsmarkt für 3 h/Tag zur Verfügung zu stehen, auch wenn ich damit den Rest meiner Gesundheit riskiere.

Damit war der Sachbearbeiter dann erstmal zufrieden. Das heißt, nein, nicht ganz, natürlich mußte ich auch noch eine „Eingliederungsvereinbarung” unterschreiben, von der ich jetzt schon absehen kann, daß ich sie nicht werde einhalten können. Und natürlich sind noch zwei Stücke Papier nachzureichen.

Für mich ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann mir aus meinen erzwungenen Lügen ein Strick gedreht wird. Daß das passieren wird, steht fast völlig außer Frage. Denn bis ich das falsche Gutachten der RV widerlegen kann, wird mit Sicherheit dauern.

2 Kommentare zu “ARGE, Teil 3”

  1. Feenminze quakte:

    Froschelchen, Dir steht zumindestens die Grundsicherung zu.. dazu gibt es Grundsatzurteile.. sogar aktuelle. Hol Dir dazu eine Rechtsauskunft beim Amtsgericht.. die müsstest Du kostenlos bekommen.

    liebe Grüsse
    Feenminze


  2. Dunkelangst quakte:

    Mich deprimiert das Verhalten der entsprechenden Ämter einfach nur. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Ich kann Dir dazu auch keinen Rat geben, da ich mit so etwas keine Erfahrungen habe… 🙁


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