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Brennendes Eis

23. November 2009 um 11:34 Uhr von Atari-Frosch

Letzten Monat war ich bei einem Allgemeinmediziner, weil ich einen bösen Husten hatte, mit Brustschmerzen. Das stellte sich dann als Luftröhrenentzündung heraus — ja, ich such mir immer die ungewöhnlichen Krankheiten raus, die anderen sind doch langweilig.

Als ich heute zum selben Arzt fuhr, um mir eine Gegen-Diagnose zu der des Psychiaters zu holen, den die Rentenversicherung beauftragt hatte, hatte ich wieder Schmerzen im Brustraum, wie schon das ganze Wochenende lang. Sie fühlen sich an wie brennendes Eis. Aber diesmal haben die Schmerzen keine organischen Gründe. Es sind Depressionssymptome, die ich in dieser Heftigkeit seit langer Zeit nicht mehr spüren mußte. Dummerweise war der Herr Allgemeinmediziner im Urlaub. Is' klar, weil ich diesmal nicht vorher angerufen hatte (Termine braucht man da keine, man kann einfach so hingehen).

Aber ich bin natürlich arbeitsfähig, Herr Psychiater, ist völlig klar. Daß ich mich auf nichts mehr konzentrieren kann, keine längeren Texte mehr lesen oder jemandem mehr als zwei Sätze lang zuhören kann, ohne das das Hirn quasi zumacht, bilde ich mir bestimmt auch nur ein. Genauso wie die Panik. Oder die psychosomatischen Magenschmerzen, wegen derer ich kaum noch unterscheiden kann, ob ich Hunger habe oder satt bin. Oder den kaputten Schlafrhythmus. Alles nur Einbildung. Erwähnte ich schonmal, daß ich Psychiatern nicht traue?

Brennendes Eis. Wenn man mir doch endlich mal die Ruhe lassen würde, um wirklich stabil zu werden! Nein, es muß mir ja jedesmal, wenn es in der Richtung auch nur ein bißchen besser aussieht, irgendeine Sozialbehörde psychisch den Knüppel ins Brustbein donnern.

Letztes Jahr, noch im Oktober, dachte ich wirklich: Jetzt noch 1,5 bis 2 Jahre so weiter, dann könnte ich es packen. Aber das ging ja nicht, da mußte dann prompt der Psychoterror des faschistischen Repressionsamtes einsetzen, der übrigens immer noch läuft; am 1. Dezember soll ich deshalb bei der Kriminalpolizei vortanzen. Schon das hat mir einiges an Entwicklung zerstört.

Dieses Jahr ist es nun die Aberkennung der Rente durch ein beklopptes Gutachten — ob das gekauft war oder ob der Psychiater der Rentenversicherung einen Gefallen tun wollte, kann ich nicht beurteilen, zutreffend ist es jedenfalls nicht und war es nicht mal zu dem Zeitpunkt, an dem es erstellt worden war (Juni 2009), denn im gleichen Monat wurde mir vom Gesundheitsamt Umzugs-Unfähigkeit attestiert.

Brennendes Eis.

Wann darf ich endlich Frieden haben?

4 Kommentare zu “Brennendes Eis”

  1. Moh Fleissig quakte:

    Wie Du gegen die bürokratischen (Arge) und menschlichen (Gutachter, Sachbearbeiterin) Mühlen läufst, finde ich bemerkenswert. Besonders gut finde ich, dass Du dabei nicht in Selbstmitleid zerfliesst, sondern ordentlich Gas gibst und die Bühne rockst, obwohl Du krankheitsbedingt geschwächt bist.

    Lass‘ dich bitte nicht unterkriegen! Wir brauchen Menschen wie dich, bevor wir mal wieder im Duckmäusertum versinken.

    Bester Gruss aus Regensburg
    mfleissig


  2. frosch quakte:

    Danke Moh. Das mit dem Selbstmitleid wird unterschiedlich gesehen. 😉 Aber ich denke, das ist teilweise auch einfach nötig, es einfach mal rauszuschreien, wenn man nicht mehr kann.

    Das Gasgeben hält sich leider in Grenzen, gerade wegen der krankheitsbedingten Schwäche. Ich müßte viel mehr tun, auch und gerade im Bereich Klagen, Dienstaufsichtsbeschwerden, Strafanzeigen. Also meistens eher Ballade als Rock, aber wenn seltenerweise doch mal, dann Hardrock. 😉

    Umgekehrt wäre das alles gar nicht nötig, wenn ich nicht krank wäre — dann würde ich mir einfach einen Gewerbeschein holen und wieder Geld verdienen (auf dem sogenannten Arbeitsmarkt hätte ich eh keine Chance mehr, ich bin über 40 und habe für die letzten 10 Jahre keine Nachweise). Also, wer hier schon geschwächt ist, auf den wird dann erst noch richtig draufgetreten.

    Dank Freunden klappt das mit dem Nicht-Unterkriegen-Lassen. Zumindest noch. Ohne Freunde wäre ich schon spätestens 2004 „freiwillig” abgetreten.


  3. Dunkelangst quakte:

    Ich finde es auch wirklich bemerkenswert, dass du dich traust, darüber auch noch zu bloggen. Die entsprechenden Mitarbeiter der jeweiligen Ämter können das alles hier mitverfolgen und sind bestimmt schon ziemlich sauer und echt nicht mehr gut auf Deine Offenheit zu sprechen, auch wenn sie das öffentlich natürlich nicht zugeben würden…

    Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb sie gerade Dir derartige Schwierigkeiten machen. Ich drücke Dir jedenfalls den Daumen und lass Dich nicht unterkriegen!! 🙂

    Für die Ämter, die Dir das antun, empfinde ich hingegen nicht ein Mindestmaß an menschlichem Respekt. 😉


  4. frosch quakte:

    @dunkelangst: Ich hab die IP des Zwangsproxys der Stadt Düsseldorf eher selten hier auf dem Blog, aber gelegentlich noch auf den entsprechenden Artikeln auf der statischen Site. Wenn die trotzdem hier gucken, müßten sie über ihre privaten Anschlüsse gehen. Dazu gehört dann aber schon ein gewisser Fanatismus, den ich nun doch nicht unterstellen will.

    Daß sie mich allein speziell auf dem Kicker haben, glaube ich nicht mal. Das ist eher systematisches Vorgehen. Interessante Erkenntnisse gab es letztens in einem Telepolis-Kommentar (ich find ihn leider jetzt nicht mehr), in welchem ein ehemaliger „Sozialamts”-Mitarbeiter offenlegte, daß es Sanktions-Quoten gibt, die erfüllt werden müßten, auch dadurch, daß den Bedürftigen nicht eingehaltene Termine untergeschoben wurden und ähnliche Scherze. Natürlich sind diejenigen ganz oben auf der Abschußliste, die so vermessen sind, zu glauben, sie hätten noch Grundrechte, und diejenigen, die sich bekanntermaßen nicht wehren (können).


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