Froschs Blog

Computer und was das Leben sonst noch so zu bieten hat

Zur Website | Impressum

Zeigt her Eure Studien!

25. November 2009 um 18:28 Uhr von Atari-Frosch

Vorhin wurde ich auf einen Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aufmerksam gemacht. Darin heißt es, der Nutzen von Reboxetin ist nicht belegt. Reboxetin, auch bekannt unter dem Handelsnamen Edronax, habe ich selbst neben anderen Medikamenten ein Jahr lang eingenommen.

Besonders aufgestoßen ist mir in dem Artikel des IQWiG der folgende Abschnitt:

Bei Reboxetin verzichtete das IQWiG völlig auf eine Auswertung der bis dahin öffentlich zugänglichen Studiendaten. Denn es war offenkundig, dass der Hersteller, die Firma Pfizer, knapp zwei Drittel aller bislang in Studien erhobenen Daten unter Verschluss hielt und eine Auswertung der verfügbaren Daten allein ein verzerrtes Bild ergeben hätte. Trotz mehrfacher Anfragen hatte sich Pfizer bis dahin geweigert, dem IQWiG eine Liste aller publizierten und unpublizierten Daten zur Verfügung zu stellen.

Es ist nun nicht das erste Mal, daß Pharma-Firmen Studien zurückhalten, welche die Unwirksamkeit oder gar negative Wirkung von Medikamenten aufzeigen. Auch wenn fleißig geforscht wird, heißt das noch lange nicht, daß wir zu sehen bekommen, was dabei (wirklich) rauskam. So bekommen Ärzte und Patienten sowie weitere Forscher ein verzerrtes, wenn nicht sogar völlig falsches Bild von der Wirksamkeit und den Nebenwirkungen eines Medikaments.

Damit das aufhört, habe ich eine öffentliche Petition beim Petitionsausschuß des Bundestages mit folgendem Wortlaut eingereicht:

Wortlaut der Petition:

Der Deutsche Bundestag möge beschließen: Pharmaunternehmen und Forschungsinstitute werden gesetzlich verpflichtet, alle Studien über Medikamente zu veröffentlichen, auch und insbesondere dann, wenn diese die Wirkungslosigkeit oder negative Wirkungen eines Medikaments belegen.

Begründung:

Wie das am 24.11.2009 durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bekannt gewordene Beispiel Reboxetin zeigt, kann das Verschweigen von Studiendaten dazu führen, daß Patienten ein Medikament bekommen, für das es keinen Nutzenbeleg gibt, das aber einen Schaden verursachen kann. Ärzte und Patienten müssen sich aber vollständig informieren können, um eine möglichst passende und nebenwirkungsarme Therapie gegen eine Erkrankung zu finden. Der Forderung steht auch nicht die grundgesetzlich garantierte Freiheit von Forschung und Lehre entgegen, weil diese Freiheit nur bestehen kann, wenn unangenehme Fakten eben nicht unterdrückt werden.

[Update 2009-12-07] Die Petition Arzneimittelwesen - Veröffentlichung aller Studien über Medikamente ist nun online verfügbar.[/Update]

2 Kommentare zu “Zeigt her Eure Studien!”

  1. Dunkelangst quakte:

    Ich bin dann mal gespannt… Meine Stimme bekommst du!!


  2. dunkelangst.org ein privates Hobby von H. Roewer quakte:

    […] Sabine Becker ist auch an anderen Stellen auf Daten gestoßen, die die Pharmaindustrie wohl auch lieber verschweigen möchte. Und in der Tat, es ist ein offenes Geheimnis, dass die Pharmaindustrie Studien lieber Todschweigt als wissenschaftliche Daten offen zu legen. Diesen Zustand finde ich an sich verständlich, da die Pharmaindustrie nun einmal auch aus Unternehmen besteht, die genau das machen wollen, was jedes Unternehmen machen möchte: Gewinn einnehmen. […]


Kommentieren

Bitte beachte die Kommentarregeln!

XHTML: Du kannst diese Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>