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Schlichtes Weltbild eines Trolls

13. Dezember 2009 um 18:32 Uhr von Atari-Frosch

Heute hatte wohl ein Troll Langeweile, jedenfalls meinte er/sie/es, mir ein paar Kommentare in Bildzeitungs-Qualität einkippen zu müssen, mit wechselnden Mailadressen und über diverse TOR-Exit-Nodes. Nein, ich hab nix gegen TOR, im Gegenteil. Ich hab nur was gegen Trolle.

Eigentlich wäre das auch kein Grund, was zu schreiben, aber die, ähm ... „Logik” zeigt doch schön, was für ein schlichtes und teils reaktionäres Weltbild und welche rhetorischen Stilmittel manche Leute so draufhaben. Die Kommentare selbst habe ich mir erlaubt, hier zu löschen (da ich jeden Kommentar per Mail bekomme, habe ich die Originale noch), was Klaus-Bärbel zu der Bemerkung veranlaßte:

Und höre sie mit dem Löschen auf das wäre unangebrachte und verbotene Zensur, die sie so vehemment bekämpfen. Kritik müssen auch sie sich stellen.

(Rechtschreibfehler wie original.) Also:

Den Unterschied zwischen Zensur (die dem Staat zu recht verboten ist) und Hausrecht kennt Klaus-Bärbel schonmal nicht. Mit der Begründung, ich dürfe keine Kommentare aus meinem Blog löschen, die mich stören oder die ich unangemessen finde, müßte ich auch den ganzen Spam zulassen. Einer wirklichen Kritik stelle ich mich durchaus. Doch Klaus-Bärbel verwechselt auch hier wieder etwas: Stammtisch-Parolen und dumpfe Vorurteile haben nichts mit Kritik zu tun. Schauen wir uns diese, ähm, „Kritik” doch mal genauer an.

Der erste Kommentar betraf meinen letzten Blogeintrag zu einer Hermes-Paketsendung und lautete:

Warum soll eine Bote es in den 5 Stock tragen wenn Sie sich mal bewegen könnten, was auch besser wäre für Ihre Gesundheit und zur Schonung der Krankenkassen, laut ihren Fotos wäre das mal angebracht.

Ja, überlegen wir mal. Warum sollte ein Paketbote das Paket zum bestimmungsgemäßen Empfänger bringen? Eine echt schwere Frage! Aber darauf geht Klaus-Bärbel gar nicht ein, will es auch gar nicht; das ist nur ein Aufhänger, um persönlich werden zu können. Denn selbstverständlich hat mein (übrigens nicht selbst verschuldetes) Übergewicht überhaupt nichts mit dem Fehlverhalten von Hermes zu tun. Aber wie ich schon sagte: Mit der Logik hapert's bei Klaus-Bärbel.

Direkt danach trudelte ein Kommentar zum Blogposting Armutsgefährdet ein. Diesmal merkte Klaus-Bärbel an:

Abgesehen von den Studien gebühren ist Alg II eigentlich ein gute Sache, wer nix tut braucht kein Urlaub, wenn ich sie sehe auf Ihren Bildern würde ihnen weniger Essen nicht weh tun.

Wer also ALG II bezieht (oder erwerbsunfähig ist), ist für Klaus-Bärbel automatisch jemand, der „nichts tut”. Ja, natürlich, ich sitz den ganzen Tag zu Hause und drehe Däumchen. Macht Spaß, echt! Und wieder die Anspielung auf mein Übergewicht. Das scheint Klaus-Bärbel ja ganz massiv zu stören, daß ich es wage, Übergewicht zu haben. Hab ich mir ja auch genauso freiwillig rausgesucht wie die Depressionen. Aber wartet, es kommt noch besser:

Wer fleißig Blog schreiben kann oder an seinen komischen Linux Maschinen bastelt und noch bei einem Hackerclub ist, kann auch Arbeiten in der gleiche Branche, laut Ihrer Vita sind sie ja Qualifiziert genug dafür.

Und da war sie wieder, die nicht vorhandene Logik von Klaus-Bärbel. Also, tu ich jetzt „nichts” oder schreibe ich fleißig Blog und bastle an Linux-Maschinen? Sie sollten sich echt mal entscheiden, Klaus-Bärbel. Der „Hackerclub” würde sich im übrigen sicher freuen, wenn ich mich stärker engagieren könnte.

Klaus-Bärbel kann aber auch Qualifikation und Leistungsvermögen nicht auseinanderhalten. Es meint also, wer fachlich etwas kann, müsse jederzeit dazu in der Lage sein, die entsprechende Leistung zu erbringen. Sie müssen jetzt ganz stark sein, Klaus-Bärbel: Das stimmt gar nicht! Klaus-Bärbel glaubt bestimmt auch, daß man in dem Fall gleich automatisch einen passenden Arbeitsplatz dazu bekommt. Hach ja, muß echt ein schönes Leben sein mit so einem schlichten Weltbild.

Es blubberte dann noch zu Rheinbahn informiert — nicht:

Alle wollen super wohnen mit toller Verkehrsverbindung am besten von der Haustür in Bus / Bahn / Auto fallen usw., wer diesen Luxus möchte muss mit den Konsequenzen leben lernen.

In ein Auto möchte ich nun bestimmt nicht fallen. Und die Wohnung habe ich mir wieder nicht freiwillig ausgesucht, diesen Luxus hat man nämlich nicht, wenn einen das Repressionsamt durch Verfahrensverschleppung und seltsame Aktenverluste mal eben die bisherige Wohnung verlieren läßt. Dann nimmt man, was es gibt. Ich bin nicht wild drauf, an einer Hauptstraße zu wohnen. Ein Umzug, der mir im übrigen nachgewiesenermaßen gesundheitlich nicht zugemutet werden kann, würde mir innerhalb von Düsseldorf diesbezüglich nur noch weitere Verschlechterungen bringen, denn Sozial-Mietsatz und reale Mieten sind hier nicht kompatibel.

Die Konsequenz aus der Wohnung an der Straßenbahnstrecke war allerdings gar nicht das Thema meines Blogposts, sondern zum einen, daß die Gleise schon wieder getauscht wurden und zum anderen, daß die Rheinbahn den Anwohnern gegenüber darüber kein Wort verlor. Aber Klaus-Bärbel brauchte auch hier nur einen Aufhänger, und dumm labern zu können.

Mit dem Lesen hat Klaus-Bärbel auch so seine Probleme. In der zweiten Kommentar-Welle meinte es nämlich:

Sie haben sich so wie es den Anschein hat gut eingerichtet in dem System, und nachdem was ich hier so gelesen haben, könnten sie sogar Vollzeit arbeiten von zu hause aus, wenn sie nur wöllten.

Hm. Also wenn ich mir die Datumsangaben bei meinen PC-Aktivitäten (eigene PCs, Fremd-PCs) so ansehe, dann sehe ich da nichts, was darauf hindeuten könnte, daß ich den ständig und den ganzen Tag an PCs schraube.

Ich habe mich gut eingerichtet? Ähm, ja. Macht jeder. Ist normal und nennt sich „Überleben”. Es wäre außerordentlich dumm, die gesetzten Umgebungsparameter zu ignorieren und einfach so zu tun, als sei alles in Butter. Das Ignorieren von Fakten überlasse ich dann doch lieber der Bundesregierung, die kann das viel besser. Man sollte schon unterscheiden können, was man gleich ändern kann und was man leider erstmal hinnehmen muß. Klaus-Bärbel unterstellt dabei so nebenbei, daß ich meine Situation nicht ändern wolle. Klar, ich find das alles bestens so. Chronisch krank, zwangsverarmt, Repressionen ausgesetzt — ja, ist alles ganz toll! (Wer Sarkasmus findet, darf ihn behalten.)

Klaus-Bärbel hatte dann aber wohl immer noch Langeweile. Nach einem Tweet von mir mit dem Hinweis, daß ich gerade ein paar beleidigende Troll-Kommentare gelöscht habe, kam dann noch als Kommentar gleich auf acht Blog-Artikel:

Schön gelogen, wohl eher jemand der Ihr Lügen Konstrukt mächtig zum Wackeln bringt, und sogar belegbare beweise dafür liefert.

Und Ich wiederhole mich da gerne es gibt nachweise und beweisbare Tatsachen was die Kausalität von Mangel Ernährung (falsche Lebensmittel) und Bewegungsmangel betrifft in Bezug auf Depressionen durch unabhängige Europäische und Amerikanische Studien. Wie lange wollen sie sich noch herausreden und andere verarschen.

Das war jetzt weder eine Wiederholung noch ist es in dieser Pauschalbehauptung richtig. Abgesehen davon, daß ich an die Unabhängigkeit von Studien im medizinischen Bereich oft nicht mehr so wirklich glauben mag, sollte das für Klaus-Bärbel doch eigentlich ein Argument dafür sein, die Zwangsverarmung aufzuheben. Gute Lebensmittel sind für Sozialhilfeempfänger nämlich nicht bezahlbar; das Thema hatte ich im Sommer schonmal. Zumindest nicht, ohne auf jegliche sonstige Teilnahme an der Gesellschaft zu verzichten. Aber Leute wie Klaus-Bärbel finden das ja vermutlich völlig in Ordnung, Zwangsverarmten dieses Grundrecht zu entziehen.

Außerordentlich witzig wird es dann am Schluß: Also, ich schaffe mir Übergewicht und chronische Depressionen an, um andere Leute zu verarschen, und richte mich dann in der Zwangsverarmung gemütlich ein. Is' klar. Nehmen Sie Ihre Pillen, Klaus-Bärbel, die haben Sie heute früh bestimmt vergessen.

Ich bin ja echt froh, daß ich über den Punkt hinaus bin, an dem ich meine Krankheit solchen, ähm, „Kritikern” gegenüber verteidigen muß. Frühere Bekannte und das faschistische Repressionsamt haben mich diesbezüglich schon ziemlich abgehärtet. Ich muß mich nicht dafür entschuldigen, daß ich krank bin. Merkt Euch das, Ihr Klaus-Bärbels da draußen.

2 Kommentare zu “Schlichtes Weltbild eines Trolls”

  1. muzy quakte:

    Auch wenn mich der Blog hier immer wieder mal schockt (vor allem die Erzählungen von Arbeitsamt und Co.) war das bis jetzt der (traurige) Höhepunkt.

    Was ich komisch finde ist, dass du dich gegenüber so einem Spinner rechtfertigst und näher darauf eingehst. Es ist ja den Zitaten zu urteilen nichtmal konstruktive Kritik, es hat eindeutig einen beleidigenden Unterton.

    Ich würd solche Kommentare einfach wegwerfen/löschen, solche Leute sind es nicht wert.

    LG

    Muzy


  2. frosch quakte:

    @muzy: Die komprimierte Sammlung an bekannten Ressentiments war jetzt so eine schöne Steilvorlage, da konnte ich mich dann doch nicht beherrschen. 😉


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