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Bahn goes ARGE

15. Dezember 2009 um 17:18 Uhr von Atari-Frosch

Ich habe mir heute — endlich — mein Ticket nach Berlin zum CCC-Congress geholt. Das kann ich mir nur leisten, weil ich über die BahnCard genügend Punkte für eine Freifahrt gesammelt hatte. Aber die Bahn gestaltet die Einlösung der Punkte so umständlich, daß man glauben könnte, sie habe sich das bei der ARGE abgeguckt.

Zunächst einmal kann man die Punkte nicht direkt beim Fahrscheinkauf im Internet einlösen. Das wäre doch viel zu einfach! Nein, man muß sich einen Gutschein anfordern (das geht immerhin noch online). Ein paar Tage später bekommt man einen Brief mit einem Gutschein-Code. Mit dem muß man dann zum Bahnschalter, um sich den eigentlichen Fahrschein rauszusuchen und abzuholen.

An diesen Fahrschein ist man dann absolut gebunden. Wer also beispielsweise krank wird, hat verloren: Umtausch oder Erstattung werden ausgeschlossen.

Mehr noch: Bei der Einlösung dieser Freifahrt muß mindestens ein Teilstück im IC/EC oder ICE gefahren werden, aber die dafür meistens sinnvolle und notwendige Reservierung ist nicht enthalten, die muß man extra kaufen. Und das, obwohl Zugnummer, Datum und Abfahrtszeit auf dem Fahrschein aufgedruckt sind! Nach der kürzlichen jährlichen Preiserhöhung kostet die Reservierung am Schalter jetzt 4,50 €.

Die Bahn hat sich aber, zumindest im Düsseldorfer Hauptbahnhof, noch mehr von der ARGE abgeguckt als nur die Bürokratie. Nach dem Umbau des Hauptbahnhofs ist das Reisezentrum zumindest optisch ein wenig kleiner geworden. Wer jetzt an einen Schalter möchte, stellt sich nicht mehr einfach in eine der Schlangen, sondern zieht eine Wartenummer. Auf zwei Anzeigetafeln kann man dann ablesen, wann man dran ist und an welchem Schalter. Diese Masche kann allerdings natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, daß weiterhin zu wenig Schalter besetzt sind. Als ich meine Nummer zog, waren nur zwei von 15 (?) Schaltern besetzt und 30 Kunden vor mir. Immerhin merkten sie dann relativ schnell, daß es vielleicht eine gute Idee wäre, doch ein paar Schalter mehr zu besetzen. Voll besetzt waren die Schalter aber die ganze Zeit über nicht — aber das kennen wir ja schon von vorher.

Es gibt zwar ein paar Sitzplätze, aber die sind natürlich mehr oder weniger ständig voll. Zwei extra für „Seh- und Gehbehinderte” reservierte Plätze stehen so, daß man von dort aus die Anzeigetafeln nicht sehen kann; die hat man dann nämlich im Rücken. Das ist dann natürlich besonders, ähm, behindertenfreundlich.

So nebenbei frage ich mich, ob dem Betriebsrat der Bahn aufgefallen ist, daß mit dem Nummernsystem überprüft werden kann, welcher Bedienstete wie lange braucht, um einen Kunden abzufertigen. Denn wenn ein Schalter wieder frei wird, drückt die/der dortige Angestellte einen Knopf, damit auf den Tafeln die nächste Nummer für ihren/seinen Schalter angezeigt wird. Das aber nur so nebenbei.

Beim Warten fiel mir dann noch ein Plakat auf: Die Städte-Fahrpläne, die bislang kostenlos auch in dieser Schalterhalle auslagen, muß man jetzt für 1 € „Schutzgebühr” in der Bahnhofsbuchhandlung kaufen.

Bahn-Service: #fail.

4 Kommentare zu “Bahn goes ARGE”

  1. Dunkelangst quakte:

    Und ich kann meine Bonuspunkte nicht einmal abrufen. Jetzt muss man eine PIN Eingeben, die einem natürlich erst per Post zugestellt werden muss. Wahrscheinlich ist dies eine Hinhalte Taktik, damit ich die Punkte nicht mehr vor Weihnachten einlösen kann:
    Bis die PIN zugestellt worden ist, dauert es auf jeden Fall bis Ende der Woche und dann sind natürlich alle Tickets, dank der Zugbindung, ausgebucht.

    Bahn-Service: #fail.


  2. frosch quakte:

    @dunkelangst: Hab ich was übersehen? Der Brief, den ich bekam, sagte eindeutig, daß ich die Karte mit diesem Code am Schalter abholen muß; Automat oder Online-Buchung sind dafür ganz offensichtlich nicht vorgesehen. Leider habe ich den Brief nicht mehr, der wurde am Schalter einbehalten.


  3. Dunkelangst quakte:

    Nein, du hast nichts übersehen. Die haben das Verfahren nun nur noch komplizierter gemacht.

    Ich benötige erst eine PIN um meinen Punktstand Online abfragen zu können. Dies war letzte Woche noch nicht notwendig. Es wird bis Ende dieser Woche dauern, bis diese PIN hier ist.

    Wenn ich meinen Punktestand abfragen kann, kann ich den von dir angesprochenen Code beantragen, der dann wieder ein paar Tage brauchen wird.

    Die 2000 Punkte-Prämie (Hin- und Rückfahrt bzw. 2000 Punkte) kann ich erst dann am Schalter in eine Fahrkarte einlösen.

    Vor Weihnachten wird damit dann wohl nix mehr…


  4. frosch quakte:

    Oh, dann bin ich da wohl noch grade so vorbeigerutscht; meine Gutschein-Anforderung hatte ich vor einer guten Woche abgeschickt. Bislang habe ich den Punktestand allerdings in unregelmäßigen Abständen per Mail mit dem Newsletter bekommen. Vielleicht kannst Du die Sache ja abkürzen, indem Du den Newsletter bestellst? Sonderlich häufig kommt der nicht.


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