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ARGE-Nebenwirkungen

19. Dezember 2009 um 19:06 Uhr von Atari-Frosch

... oder der Versuch, zu spät Schuhe zu kaufen

Nachdem das Amt für Repression, Grundrechtsentzug und Erniedrigung (ARGE) sich ja überflüssigerweise bzw. „versehentlich” zu viel Zeit gelassen hatte, um mir etwas auszubezahlen, konnte ich erst heute in die Stadt gehen, um mir winterfeste Stiefel zu kaufen. Meine Halbschuhe sind zwar schon ein paar Jahre alt, tun aber noch immer gut ihren Dienst. Für echtes Winterwetter sind sie jedoch nicht so gut geeignet.

Also marschierte ich kurz nach zwei los. Erste Station: Kaufhof. Den hab ich sozusagen auf halbem Weg liegen, wenn ich von zu Hause aus in Richtung Innenstadt laufe. Der Laden war gerammelt voll. Dort führt man aber nur Stiefel ab 69,95 €, und das ist mir definitiv zu viel. OK, daß der Kaufhof in vielen Dingen 'ne Apotheke ist, wußte ich ja.

Auf dem Weg zur Altstadt schaute ich in diverse Schuhgeschäfte oder Geschäfte mit Schuhabteilungen. Die waren überwiegend auch gerammelt voll, führen jedoch allesamt überwiegend komisches Schicki-Micki-Zeug, das weder kompatibel zu meinem Geldbeutel noch irgendwie wärmend ist. Die Preise gingen bis 150 € hoch.

In der Altstadt ging ich erstmal in den — natürlich gerammelt vollen — Deichmann rein. Dort standen genau die Stiefel, die ich haben wollte: Einfach zum Reinschlüpfen, dick gepolstert, schön warm, für 19,90 € — aber erst ab Größe 42. Ich fragte eine Verkäuferin, ob es die auch kleiner gibt, aber sie meinte, das ist alles schon ausverkauft.

Was huhn? Ich wühlte mich in Richtung Schadowstraße durch, wo das Bummeln derzeit auch keinen Spaß macht. Wegen der unsäglichen Wehrhahnlinie ist da nämlich alles Baustelle. Unterwegs guckte ich noch bei Schuh Roland, Juppen und Foot Locker rein — alles viel zu teuer, und Foot Locker hat gar keine richtigen Stiefel, das ist mehr so Sport-Kram. Selbst die Sonderangebote lagen noch viel zu hoch für mich. Bei Juppen entdeckte ich immerhin ein Paar Stiefel, das zwar grundhäßlich aussah, aber wenigstens von der Form und vom Preis her passend gewesen wären. Da ich weiter vorn aber noch einen Deichmann gesehen hatte, ließ ich den erstmal stehen und machte mir nur eine mentale Notiz.

Bei Deichmann Nr. 2 war es schon wieder fürchterlich voll. Vorm Laden standen auf einem Regal Sonderangebote, runtergesetzt um 50 %. Auch dabei: Zwei Stiefel, beide von Form und Preis her passend, auch wenn sie zum Schnüren waren. Einer in 41, einer in 39, und beide ohne zweiten Stiefel. Auch in den Kartons darunter fand sich nichts entsprechendes, das waren alles andere Schuhe.

Also suchte ich im Laden nach diesen Stiefeln, aber da gab es die nicht. Die erste Verkäuferin, die ich erwischte, meinte, was draußen steht, sind Restposten, und wo die zweiten Stiefel sind, weiß sie nicht. Die müßten da irgendwo sein. Klar, in dem Gewühle suche ich jetzt alle Kartons durch, ob ich da den zweiten Stiefel finde ...

In einem Regal im Laden entdeckte ich noch einen anderen Stiefel. Nicht ganz so hoch, nicht zu dick, aber innen schön warm. Und dazu gab es dann tatsächlich auch den zweiten. Ich probierte erst Größe 39, aber da kam ich nicht rein, und dann Größe 40. Die Stiefel paßten sofort wie angegossen (was bei mir wahrlich nicht selbstverständlich ist), und kosteten 24,90 €.

Als ich wieder nach Hause kam, war es etwa 17:00 Uhr. Die Innenstadt war extrem voll, die Außentemperatur betrug heute -9 °C, in den Läden konnte man sich kaum umdrehen, geschweige denn umsehen, und das Angebot ist stark eingeschränkt, weil die Leute kaufen wie blöde.

Ohne die Sperenzchen der ARGE hätte ich mir die Schuhe zu Anfang des Monats in Ruhe und aus einem wesentlich umfangreicheren Angebot aussuchen können, und so nebenbei auch bei nicht ganz so niedrigen Außentemperaturen. Das sind dann so die kleinen Nebenwirkungen der ARGE-Abhängigkeit. Aber „Arbeitslose” haben ja alle Zeit der Welt, bei denen ist das nicht schlimm, nicht wahr? 🙄

2 Kommentare zu “ARGE-Nebenwirkungen”

  1. Christine quakte:

    Aubacke! Ausgerechnet heute in die Stadt? Wie all die anderen Millionen auch? Aber immerhin war es ein erfolgreicher Versuch! 🙂


  2. Dunkelangst quakte:

    Amt für Repression, Grundrechtsentzug und Erniedrigung (ARGE)

    LOL – dass du bei all den Repressionen, dem Grundrechtsentzug und der Erniedrigung noch einen solchen Humor an den Tag legst finde ich nach wie vor bewundernswert… 😉

    in den Läden konnte man sich kaum umdrehen, geschweige denn umsehen, und das Angebot ist stark eingeschränkt, weil die Leute kaufen wie blöde.

    Ich verstehe diesen Konsum Terror auch nicht und vor allem hat dieser meiner Meinung nach nichts aber auch überhaupt nichts mit Weihnachten zu tun (siehe dazu: Happy Birthday). Ich finde es viel schöner, wenn die Menschen die mich mögen und lieb haben, mir einfach so etwas schenken würden, wenn sie mir eine Freude machen wollen und nicht zu einem Datum, weil alle anderen einem was schenken und man demnach unbedingt etwas zurück schenken muss. Macht es nicht mehr Sinn, Menschen etwas zu schenken, die finanziell nicht in der Lage sind einem etwas zurück zu schenken? Macht es nicht mehr Sinn, Menschen etwas Gutes zu tun, die Weihnachten nicht in großer Freude und Glückseligkeit verbringen zu können?

    Ich kann diesen Konsum Terror nicht nachvollziehen. Und das ist meine zentrale Aussage. Menschen, die mir etwas bedeuten, erfahren dies häufig auf eine sehr romantische Art und Weise ohne das mein Konto dadurch komplett entleert werden muss (ich bin nicht geizig – ich bin Student). Not macht Erfinderisch und für meinen Schatz habe ich dieses Jahr etwas besonderes und das ohne Einkaufen… 🙂


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