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Froschs Blog

Computer und was das Leben einer Frau sonst noch so zu bieten hat

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Here Be Dragons

6. January 2010 um 15:51 Uhr von Atari-Frosch

Mehr noch als sonst war es für mich diesmal bis zum letzten Moment ziemlich unklar, ob ich überhaupt zum 26C3 fahren kann. Denn ich wartete ja wegen ARGE-typischer Schlamperei ein paar Wochen länger als nötig auf das ALG II. Trotzdem löste ich die Freifahrt bei der Bahn für das Ticket nach Berlin ein, darauf hoffend, daß die ARGE wenigstens nach Feststellung der Schlamperei es fertigbringen würde, die Nachzahlung noch vor den Weihnachtsfeiertagen zu leisten. Nach dem Vorschuß vom 16. Dezember kam die Nachzahlung dann „schon” am 23. Dezember auf meinem Konto an.

Dazwischen meinte aber dann noch die Festplatte im T23 sterben zu müssen. Beim Übertragen einer größeren Datenmenge vom T23 auf meinen Hauptrechner fing die Platte plötzlich an zu ticken, und die Konsole meldete massenweise Zugriffsfehler. Ich klinkte die Home-Partition aus und ließ badblocks drüberlaufen, der mir dann prompt 25 defekte Sektoren an einem Stück anzeigte. Das war’s dann wohl. Ich holte die 12-GB-Platte aus dem kleineren Thinkpad (600e) ins T23 und installierte neu, diesmal gecryptet. Für eine einfache Installation mit X11, iceweasel, icedove, xchat, gajim und so ein paar Kommandozeilen-Tools reicht das locker aus. Allerdings vermißte ich dann später doch das eine oder andere, zum Beispiel hatte ich WLAN nicht aktiviert.

Ich nahm aber trotzdem beide Notebooks mit, wie ich es geplant hatte. Alex hat nämlich derzeit nichts für unterwegs (OK, ein Palm Pre, aber die Tastatur läßt von der Größe her doch ein wenig zu wünschen übrig …), und ich dachte, mit dem 600e kann er dann wenigstens Server administrieren, Mails abrufen, surfen und chatten. Das Problem lösten wir dann, indem er sich eine Debian-Live-CD baute und zusätzlich eine grml zog. Allerdings wollten beide dann nicht richtig booten: Sie blieben jeweils beim Befüllen der RAM-Disk hängen. Eine weitere grml, die uns jemand auf dem Congress zur Verfügung stellte (danke nochmal), hatte das Problem nicht — und ich hatte schon befürchtet, daß es jetzt auch noch einen der RAM-Riegel erwischt hat.

Bei der Bahn waren zwar diverse Ausfälle und Probleme gemeldet worden, und als ich am zweiten Weihnachtsfeiertag auf den Hauptbahnhof kam, standen tatsächlich für einige Züge Verspätungen an. Meiner fuhr aber wie geplant und kam fast pünktlich in Berlin an. Sogar die Steckdose funktionierte. ;-)

Meine Gastgeberin holte mich mit dem Auto nach Reinickendorf ab. Nachdem ich das Gepäck abgestellt hatte, fuhr ich gleich wieder in Richtung Alexanderplatz los. Immerhin waren die Tickets diesmal knapp, und ich wollte nicht vergeblich nach Berlin gefahren sein. Ich hatte zwar aufgrund eines, hm, sagen wir mal, Mißverständnisses ein Schülerticket aus dem internen Vorverkauf, aber ob mir das was nützte, war noch nicht ganz klar. Allerdings hatte Alex mittlerweile herausgefunden, daß Rollstuhlfahrer eine Begleitperson kostenlos mit reinnehmen können. Am Ende lief es darauf hinaus, daß ich mein Schülerticket in der riesenlangen Schlange verkaufte und dann tatsächlich als Begleitperson kostenlos reinkam.

Die Schlange hatte sich übrigens gebildet, weil die Kassensoftware noch nicht fertig war; noch während die Leute warteten, wurde sie fertigprogrammiert. Und hinterher soll es dann wohl noch Probleme mit den Tagestickets gegeben haben, weshalb der vierte Tag für Leute mit einem Tagesticket der vorhergehenden Tage kostenlos war.

Tag 1 war hervorragend. Ich ging in Saal 1 und blieb da gleich eine Weile sitzen: Keynote von Frank Rieger, Eine Zensur findet statt von Jens Kubieziel (ursprünglich geplant für Tag 2) und Leyen-Rhetorik von Martin ‘maha’ Haase (sehr zu empfehlen!). Nach einer längeren Pause hörte ich mir dann noch den Internetsperren-Vortrag von Christian Bahls (MOGiS) an.

Dazwischen und danach setzte ich mich an den Projekttisch des Chaosdorfs mit dem schönen Titel „Zensursulas Blackbox”. Das war diesmal ein etwas altersschwaches Notebook, das an einem Switch (statt wie auf der ORR drei Switches) drei verschiedene Level an Zensur durchführte. Zu jedem Level gehört eine Aufgabe, und wer von den Congressbesuchern wollte, konnte sich daran versuchen. Erstaunlicherweise wurde auch diesmal Level 3 mehrfach geknackt, obwohl das schon iranische Zensur-Verhältnisse waren. Der Level hieß dann auch nicht mehr Zen-Sur, sondern Censordinejad.

Kurzfristig erfuhr ich dann noch via Twitter, daß sich ab 19:30 Uhr Piraten in einer nahen Gaststätte treffen wollten. Dort überzeugte mich dann jemand davon, mich mal näher mit Liquid Democracy zu befassen. Außerdem ergab sich noch ein nettes Plauderstündchen mit Jörg Tauss.

Tag 2 änderte dann einiges an Planungen. Meine Gastgeberin und ich hatten im Bistro Alex noch gefrühstückt, weil ich erst später zu einem Vortrag wollte, während Alex eigentlich schon um halb zwölf im bcc sein wollte. Kurz vor 12 kam dann ein Anruf von ihm, und wegen einer Fehleinstellung des Palm (Übersteuerung) konnte ich nur wenig verstehen: „Bein gebrochen”, „ins Krankenhaus”, „melde mich später”. Autsch? Im bcc fragte ich beim CERT nach, ob sie was von einem Unfall eines Rollstuhlfahrers wüßten, aber es war nichts bekannt. Später erfuhr ich dann, es war bereits im Hotel passiert.

Der erste Vortrag, zu dem ich eigentlich wollte, war dann aber dermaßen überfüllt, daß ich quasi rückwärts wieder aus dem Saal 2 plumpste. Ich erfuhr aber später, daß Volker Birks Die neokonservativen Thinktanks in der BRD nicht so dolle gewesen sein soll. Somit habe ich wohl nichts verpaßt.

Stattdessen versuchte ich, herauszufinden, was mit nx los ist. Ich konnte mich zwar problemlos zu meinem Hauptrechner zu Hause verbinden, hatte dann aber nur die Maus zur Verfügung. Die Tastatur reagierte nicht bzw. der nx-Server reagierte nicht darauf. Ich hatte ein paar Tage vor der Fahrt noch ein Update auf nx gefahren (3.3 auf 3.4), und zwischen seerose als Client und seefunk als Server hatte das auch funktioniert. Ich fand zwar einen Hinweis darauf, daß es an unterschiedlich eingestellten Zeichensätzen liegen könnte, aber eigentlich müßten sie identisch sein. Zum Überprüfen hatte ich aber nicht die nötige Ruhe.

Später wollte ich mir noch den Vortrag Die Verwaltung rüstet auf – der digitale Steuerbürger anhören, aber nach der ersten Hälfte gab ich auf. Meine Konzentration reichte nicht mehr, und der Vortrag war auch ziemlich trocken — was dem Thema geschuldet war, die Referenten konnten da nichts für.

Noch etwas später probierte ich es dann mit Liquid Democracy, der war wenigstens nicht ganz so trocken und auch ziemlich interessant. Allerdings stellt sich mir die Frage, wie man — genauso wie bei den Wahlmaschinen — sicherstellen will, daß eine abgegebene Stimme nicht nachträglich manipuliert werden kann. Denn am Ende heißt es doch, wer die Server betreibt, hat die Macht. Leider war die Zeit für Fragen zu kurz, und ich konnte diese Kritik nicht mehr direkt anbringen.

Am dritten Tag habe ich den Congress dann ein wenig vernachlässigt. Nach Wofür offenes Internet? versammelten sich drei Leute aus Heidelberg, meine Gastgeberin und ich, und wir fuhren zum Virchow-Klinikum, um Alex zu besuchen. Erst abends kamen wir wieder zurück, und es reichte noch locker für den Fnord-Jahresrückblick. Ich hatte noch überlegt, mir nur den Stream anzusehen, aber ein netter Chaosdörfler hatte mir in Saal 1 tatsächlich einen Platz freigehalten. :-)

Tag 4 ließ ich spät angehen. Nach einem Frühstück im Bistro Alex (leider alleine) und noch ein wenig Umsehen und Abhängen im Hackcenter setzte ich mich relativ frühzeitig in Saal 1 für Photography and the Art of Doing it Wrong — wie eigentlich ungeplante oder technisch kaputte Bilder zu Kunstwerken werden. So zeigte die Referentin ein Bild, das jemand von einer defekten CF-Karte geholt hatte und auf dem es interessante Effekte zu sehen gab. Ein anderer Fotograf hatte seine digitale Kamera versehentlich in einen Kanal geworfen, woraufhin das Gerät alle Farben verfälscht wiedergab. Er benutzte die Kamera weiter und nannte sie „my magic camera”. Dann gab es da noch den Menschen, der einen Fenster-Ausblick drei Jahre lang fotografierte — und zwar am Stück! Die Blende blieb die ganze Zeit über offen. Ich frage mich, was der für Filmmaterial benutzt hat; normales würde über so lange Zeit einfach nur schwarz (bei Negativ-Film).

Danach blieb ich für die Security Nightmares X einfach sitzen, und das hat sich mal wieder gelohnt. Zieht Euch einfach das Video rein. :-) Die Abschlußveranstaltung dagegen ließ ich sausen. Ich saß ganz vorne, und die ersten Reihen wurden dann für die Engel geräumt. Ich hätte weiter hinten vermutlich keinen Platz mehr bekommen.

Ja, und was ich an Silvester gemacht habe, hatte ich ja schon verbloggt … Freitag und Samstag verbrachte ich dann wieder bei Alex im Krankenhaus, wo wir uns am Samstag daran versuchten, sein Palm Pre mit dem T23 zu verheiraten, um das Thinkpad ins Internet zu kriegen. Interessanterweise meldete sich das Palm in meinem Log zunächst als Apple iPod Video an. Da gibt es wohl eine kleine Kabbelei zwischen Apple und Palm. Nachdem wir die wireless-tools und die dazugehörige lib via Palm auf das T23 gebracht und am Palm selbst noch was umgestellt hatten, ging es tatsächlich — und das Palm meldete sich dann auch mit seiner korrekten Vendor- und Device-ID.

Ja, und am Sonntag fuhr ich wieder nach Hause, mit nur 15 Minuten Verspätung (Stellwerkdefekt in Berlin und so ein paar Kleinigkeiten unterwegs). :-)


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