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Gesundheit: unbezahlbar?

23. Februar 2010 um 14:33 Uhr von Atari-Frosch

Nein, noch nicht, aber teuer ist es schon, wenn man einfach mal so ganz normal krank wird. Ich meine jetzt nicht meine chronische Depression, sondern eine Erkältung. Ich hab mir nämlich mal wieder eine ordentliche Mandelentzündung zugelegt. Also suchte ich mir — diesmal nicht in Oberkassel, sondern schön in der Nähe — eine Praxis für Allgemeinmedizin, und fand eine Ärztin zwei Straßenecken weiter. Die verschrieb mir nach der Untersuchung ein Antibiotikum und ein Spray.

Das Spray war auf ein grünes Rezept gedruckt statt auf ein rotes, das heißt: Selbst bezahlen. Nun dachte ich, das kann ja nicht so teuer sein, und außerdem habe ich dann neben den Praxisgebühren, die ich schon abgedrückt habe, bald die gut 40 Euro zusammen, ab derer ich für den Rest des Jahres Zuzahlungsbefreiung bei der Krankenkasse beantragen kann. Meine Rechnung: Vielleicht 10 Euro für das Spray, ein paar Euro Zuzahlung für das Antibiotikum, und dann rechnete ich noch mit bis zu 20 Euro für ein Fieberthermometer, das ich mir wirklich mal langsam zulegen sollte. Also, ab zur Apotheke.

Die Rechnung sah hinterher allerdings ganz anders aus: Das Spray kostete 12,95 €, zum Antibiotikum muß ich 5,00 € zuzahlen. Bei der Krankenkasse kann ich jetzt nicht etwa beides angeben, sondern nur die Zuzahlung zum Antibiotikum. Ach ja, das billigste war dann das Fieberthermometer: Das kostete nämlich nur 3,95 €.

Da frage ich mich langsam, ob meine Krankenversicherung nicht eigentlich bald nur noch eine Krankenhausversicherung ist. Daß ich ein Medikament verschrieben bekomme, das ich selbst bezahlen muß, passierte mir nämlich schon letztes Jahr. Die Brille muß ich schon seit Jahren selbst bezahlen.

Ich kann mich an eine Zeit erinnern, als ein Aufschrei durch Deutschland ging, weil die Rezeptgebühr eingeführt wurde. Das müßte in den späten 70ern gewesen sein und waren anfangs, glaube ich, 50 Pfennige. Dann gab es nochmal Theater, weil sie relativ schnell auf zwei Mark stieg. Zu der Zeit mußte ich zu einer Brille 20 Mark zuzahlen. Und heute?

Wenn das so weitergeht, dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis gesetzliche Krankenversicherungen überflüssig werden, weil sie ja sowieso nichts mehr bezahlen dürfen. Das nennt sich dann auf neudeutsch „Eigenverantwortung” — eigentlich ist es Entsolidarisierung.

Auch wenn Gesundheitsminister Rösler die Arzneimittelpreise senken will, so bleibt doch der Wunsch der Bundesregierung nach einer einkommensunabhängigen Kopfpauschale. Wir dürfen dann jetzt schonmal raten, ob bei Transferleistungsempfängern die Zwangsverarmten oder die Steuerzahler dafür aufkommen müssen.

Diejenigen, die dann so Sprüche klopfen wie „warum soll ich für die Krankheiten anderer bezahlen?”, sollen mir übrigens bitte mal erklären, wieso ich für Autobahnen bezahlen soll, die ich nicht nutze. Ach ja, und von den Panzern der Bundeswehr hab' ich irgendwie auch nix. 😉

5 Kommentare zu “Gesundheit: unbezahlbar?”

  1. vera quakte:

    ganz einfach dem arzt sagen, er solle zuzahlungsfreie medikamente bzw. nur solche bis zu einer bestimmten kostengrenze verschreiben. das geht sehr gut, man muß nur beim ersten mal etwas nachdrücklich werden. meine bekannten und ich sehen schon lange nicht mehr ein, daß wir die pharmaindustrie finanzieren sollen (und einige der bekannten verdienen sehr gut). kauf auch am besten immer in derselben apotheke, schildere denen dein problem und ruf ggf. vor dem arztbesuch dort an und frag, was der verschreiben soll, oder lass die praxis dort anrufen. an deinen dep-medis verdienen die wahrlich genug.


  2. frosch quakte:

    Hm, ich war schon davon ausgegangen, daß die Ärztin das genommen hat, weil es keine Kassen-Alternative gibt. Gut, dann werde ich da nächstes Mal nachdrücklicher sein.

    An der Finanzierung der Pharmaindustrie ändert das allerdings nichts, denn es interessiert doch die Pharma-Firma nicht, ob die Kohle aus meinem (und damit Steuerzahlers) Geldbeutel oder von der Krankenkasse kommt.

    Antidepressiva nehme ich übrigens schon seit Jahren keine mehr, nachdem sich herausgestellt hat, daß mir das Zeug außer bösen Nebenwirkungen nichts zu bieten hat.

    Gruß, Frosch


  3. Torsten Werner quakte:

    Ich finde, hier fehlt einfach die Marktwirtschaft. Würde man Medikamente einfach im Ausland bestellen können, wenn es nicht gerade supereilig ist, wären sie viel billiger.


  4. Dunkelangst quakte:

    Gutheißen kann ich lediglich die Alkoholfahrt von Frau Käßmann nicht. Da gibt es nichts schön zu reden: Alkohol am Steuer ist schlicht und ergreifend lebensgefährlich und darf nicht unterschätzt werden. Jedoch möchte ich festhalten, dass Frau Käßmann hier das selbe Verfahren von Behörden bekommt, wie jeder andere alkoholisierte Autofahrer auch, der zu dem noch eine rote Ampel übersieht. Dieses Verfahren mit all den Konsequenzen sollte in meinen Augen auch Buße genug sein – vorausgesetzt dass der Autofahrer sein Verhalten im Nachhinein wirklich bereut.

    Ich finde es falsch, dass sämtliche Kirchenvertreter in Presse als eine Art heilige hochgespielt werden. Das gilt für die katholische Kirche genauso, die durch die Missbrauchsaffäre in meinen Augen viel mehr Mist gebaut hat, als Frau Käßmann.

    Ich kann die Entscheidung von Margot Käßmann daher leider nicht nachvollziehen. In der Bibel steht, dass alle Sünder sind. Wer sündigt, soll Buße tun; auch das steht in der Bibel. Aber gleich von allen Ämtern der EKD zurück zu treten, ist ein wenig zu viel Buße – aber das ist nur meine Meinung. In wenigen Tagen wird niemand mehr über Frau Käßmann auch nur ein Wort verlieren und das ist das eigentlich Tragische an diesem Vorfall. Sie hat die EKD in meinen Augen sehr gut vertreten. Beruf kommt von Berufung und nur weil man Privat Mist gebaut hat, sollte man nicht dazu gezwungen sein, seinen Beruf aufzugeben.


  5. wonnita quakte:

    Da bist Du ja noch gut weggekommen. Ich hab mir ne relativ harmlose Grippe mit Magen-Darm genehmigt. Grippostat: 8,95 Euro. Imodium und MCP AL Tropfen (Wirkung wird gleich getestet) (samt Zuzahlung Insulin allerdings): 27,44 Euro. War ich also bei überschlagenen 20,- Euro dieses Wochenende. 😉


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