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Kranke Software

27. März 2010 um 0:18 Uhr von Atari-Frosch

Also eben hätte ich mir ja glatt einen Boxsack gewünscht. Es gibt Software, die ist so dermaßen krank, daß man dafür jemanden verprügeln müßte. Den, der sie schreibt, und den, der sie anderen aufzwingt. Echt jetzt mal!

Aber der Reihe nach:

Vor ein paar Tagen bekam ich von einem eBay-Verkäufer versehentlich außer der bestellten Ware auch noch ein zweites Teil zugeschickt. Ich fragte also zurück: Ist wohl falsch gelaufen, was machen wir da? Wo sollte das hin, soll ich zurückschicken oder geht das zu jemand anderem?

Mit der Antwort (es geht zu jemand anderem) bekam ich ein PDF-Dokument zugeschickt. Dazu erklärte er, ich müsse dafür eine offene Internet-Verbindung haben und „alle Zugriffe erlauben”. Internetzugang für ein PDF ...?

Erstellt wurde die Datei über die Website der DHL. evince blendete mir nur leere Paketformulare ein und die rot unterlegte Meldung: „JavaScript ist deaktiviert. Bitte aktivieren Sie JavaScript in den Einstellungen des Adobe Reader.”. Die setzen also erstmal voraus, daß man gefälligst einen Adobe Reader auf seinem System hat, Alternativen sind nicht vorgesehen. Und: Was bitte hat JavaScript in einem PDF verloren, das dann auch noch Daten aus dem Internet nachladen will? Das ist ja wohl ein Scheunentor von Sicherheitslücke!

Aber gut. Ich bin ja gar nicht so.

seerose:~# apt-get install acroread

Paketlisten werden gelesen... Fertig

Abhängigkeitsbaum wird aufgebaut

Lese Status-Informationen ein... Fertig

Die folgenden zusätzlichen Pakete werden installiert:

acroread-data acroread-debian-files acroread-dictionary-en acroread-l10n-en libmozjs0d libxul-common libxul0d

Vorgeschlagene Pakete:

acroread-plugins mozilla-acroread

Die folgenden NEUEN Pakete werden installiert:

acroread acroread-data acroread-debian-files acroread-dictionary-en acroread-l10n-en libmozjs0d libxul-common libxul0d

0 aktualisiert, 8 neu installiert, 0 zu entfernen und 0 nicht aktualisiert.

Es müssen 39,4MB an Archiven heruntergeladen werden.

Nach dieser Operation werden 104MB Plattenplatz zusätzlich benutzt.

Möchten Sie fortfahren [J/n]?

Uff. Da hab ich doch erstmal geschluckt. Na gut, her mit dem Zeug. Allerdings änderte sich damit erstmal gar nichts: Auch im acroread bekam ich die rot unterlegte Meldung. Ein eher versehentlicher Klick darauf ließ allerdings eine Dialogbox aufpoppen, die mir erklärte, daß hier ein Plugin fehlt. Da war doch vorhin was mit Plugins?

seerose:~# apt-get install acroread-plugins

Paketlisten werden gelesen... Fertig

Abhängigkeitsbaum wird aufgebaut

Lese Status-Informationen ein... Fertig

Die folgenden zusätzlichen Pakete werden installiert:

acroread-escript

Die folgenden NEUEN Pakete werden installiert:

acroread-escript acroread-plugins

0 aktualisiert, 2 neu installiert, 0 zu entfernen und 0 nicht aktualisiert.

Es müssen 17,5MB an Archiven heruntergeladen werden.

Nach dieser Operation werden 43,0MB Plattenplatz zusätzlich benutzt.

Möchten Sie fortfahren [J/n]?

Also nochmal kräftig schlucken. Das sind jetzt rund 48 MB Download und rund 147 MB zusätzlicher Platzbedarf auf der Platte für die installierte Software (plus die Pakete als solche, also insgesamt über 190 MB Plattenplatz). Und das, um ein Dokument zu öffnen. Weil die DHL das so will.

Nach dem erneuten Öffnen von acroread und darin des Dokuments bekam ich erstmal zwei Warnmeldungen: Eine oben quer in violett, und eine in einer Dialogbox. Ich erlaubte in dieser Dialogbox und einer zweiten den Zugriff für die Website von DHL, und dann füllten sich die Formulare mit den notwendigen Daten. Das Ergebnis konnte ich dann drucken (bzw. hier erstmal in Datei drucken, weil ich neben all dem ganzen Mist nicht auch noch meine Druckeranbindung an cups hinbasteln kann.

Und jetzt kann ich die 190 MB wohl wieder runterwerfen. Hoffentlich brauch ich so einen Müll nie wieder.

*End of Rant*

3 Kommentare zu “Kranke Software”

  1. meillo quakte:

    OMG

    Danke für dieses schöne Beispiel von schlechter Software.


  2. Michael quakte:

    Hm, nix gegen Acrobat Reader. Der ist schon Ok so wie er ist. Denn das Schöne an der Software ist: man muss sie nicht benutzen, weil der Hersteller freundlicherweise das Format offenlegt.
    Die Frage ist eigentlich: welcher Depp kommt bei DHL auf die Idee, ein Formular so bekloppt zu erzeugen?


  3. Schnarch quakte:

    DHL-Paketmarken zum Selbstdrucken sind echt der größte Schwachsinn, der mir seit Jahren untergekommen ist. Ich habe die Marke einfach verfallen lassen, nachdem ich merkte, dass man dafür den Acrobat Reader braucht, obwohl vorher nur von PDF die Rede war. Warum das PDF nicht serverseitig erzeugt werden kann, weiß DHL sicher selbst nicht. An den meisten Packstationen kann man sowieso Paketmarken per Geldkarte oder EC-Karte ziehen.


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