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Militante Nichtraucher

5. Juli 2010 um 14:11 Uhr von Atari-Frosch

In Bayern hat der Wähler gesprochen: Ein strenges Rauchverbot für öffentliche Räume und Gaststätten wird (wieder) in Kraft gesetzt. Die Initiatoren des strengen Rauchverbotes versuchen nun, das gleiche auch bundesweit zu erreichen. Ich finde das prima 🙂

Ein oft gehörtes Argument von Rauchern ist: Du mußt da ja nicht hingehen, wo geraucht wird. Ach, wirklich? Als Kind bzw. Jugendliche hatte ich keine Wahl. Mein Vater rauchte Kette, und ich entwickelte mit 16, 17 einen fürchterlichen Raucherhusten — der ihn in seiner Sucht nicht weiter störte. Meinem Arzt mußte ich mehrfach bestätigen, daß ich wirklich nicht selbst rauche. Sein Rat: „Halten Sie sich von den Rauchern fern.” Damit mußte ich bis zu meinem 18. Geburtstag warten; am selben Tag noch zog ich aus. Danach dauerte es noch eine Weile, bis der Husten sich endlich legte. Bis heute dürfen Eltern diese Körperverletzung an ihren Kindern begehen, ohne daß sich jemand dran stört.

Die Berufsberaterin beim Arbeitsamt in Mannheim, die ich mit 16 aufsuchte, störte es auch nicht die Bohne, daß ich in ihrem verrauchten Büro keine Luft bekam. Das wurde immerhin schon eine Zeitlang später geändert. Meine Bitte um Rücksicht interessierte sie nicht. Das allgemeine Rauchverbot in der Behörde nahm sie dagegen klaglos hin. Ich vermute allerdings, daß es ihr wie vielen anderen, wie ich später auch beim Landesarbeitsgericht in Mannheim beobachten konnte, zu allerlei zusätzlichen Pausenzeiten verhalf.

Beim TÜV in Mannheim hatte ich später auch so eine intessante „Wahl”: Entweder ich müßte mit einer Kettenraucherin im selben Zimmer sitzen, oder meinem Zeitvertrag würde kein weiterer (fester) Vertrag folgen. Meine Entscheidung war klar: Gesundheit geht vor. Ich war danach vier Monate lang arbeitslos.

Später ging es dann vor allem um interessante Veranstaltungen und um Kneipenbesuche mit Freunden. Immer öfter mußte ich absagen. Und was bekam ich von den Rauchern zu hören? Nicht etwa: Wir rauchen heute mal nicht am Tisch/im Raum. Oder: Wir gehen in eine Kneipe, in der generell wenig geraucht wird. Nein, sondern: Hey, warum schließt Du Dich aus? Ist doch nicht so schlimm, mach nicht so'n Theater!

In anderen Fällen, bei denen man doch etwas mehr Wert auf meine Anwesenheit legte, wurde ich glatt belogen: Am Veranstaltungsort sei es gar nicht so schlimm. Bei dem, was Raucher als „nicht so schlimm” empfinden, geh ich schon rückwärts die Tür wieder raus, kaum daß ich einen Schritt in den Raum gemacht habe.

An das Einfordern von Rücksichtnahme war und ist im allgemeinen eben nicht zu denken. Raucher, die auf entsprechende Bitte in meiner Anwesenheit freiwillig verzichten, kann ich für mein ganzes 42jähriges Leben an einer Hand abzählen.

Dann kamen noch die Vergleichsargumente: Viel schlimmer seien doch die Abgase des Autoverkehrs und der Industrie. Ich sage: Die sind allein schlimm genug, muß man da noch die Drogenabgase mit dazupusten, und das noch direkt in die Atemwege seiner Mitmenschen? Die Antwort, wenn überhaupt eine kam, war meistens ein mißmutiges Brummeln: Intolerant sei ich, rücksichtslos, egoistisch. Ach ja, und eine militante Nichtraucherin natürlich.

Ach ja, besonders lustiges Argument: Raucher seien geselliger, es kämen ja auch immer alle zu den Rauchern in die Kneipen, und in den Firmen sei in den Raucherräumen immer besonders viel los. Bei solchen ständigen Bemerkungen ja kein Wunder, oder?

Ich habe deswegen auf unzählige Veranstaltungen, private Treffen, Disco-Besuche und das, was man heute „social events” nennt, verzichtet. Aus lauter Intoleranz, Rücksichtslosigkeit, Egoismus und Militanz, natürlich.

Immer wieder mußte ich erfahren, daß ohne Verbote kein wirksamer Nichtraucherschutz bestehen kann. Die Sucht ist einfach stärker als eine freundliche Bitte oder gar der Hinweis auf bereits bestehende gesundheitliche Probleme. Und auch bestehende Rauchverbote werden noch häufig genug ignoriert, sofern sie nicht überwacht und sanktioniert werden. Oft genug sehe ich am Düsseldorfer Hauptbahnhof Raucher außerhalb der ausgewiesenen Raucherbereiche auf den Bahnsteigen stehen. Zumal die Raucherbereiche sowieso ein Witz sind, denn der Qualm hält sich natürlich nicht an die gelben Linien auf dem Boden. Selbst im Hauptgebäude laufen immer wieder Raucher wie selbstverständlich mit brennender Zigarette herum, manchmal zwar verschämt etwas verborgen, aber natürlich trotzdem immer noch bemerkbar.

Das Bekloppteste, was mir mal gesagt wurde, war, ich solle mich doch „desensibilisieren” lassen. Das heißt, ich sollte meinen Körper dazu zwingen, sich nicht zu wehren, wenn ich ihn bewußt schädlichen Einflüssen aussetze. Begründung: Damit ich nicht immer außen vor bleiben müßte. Ja ne is klar.

Nein, eine wirkliche Wahl gibt es erst dann, wenn die Qualmerei konsequent verboten wird. Süchtige kennen keine Rücksicht; (sehr wenige) Ausnahmen bestätigen die Regel.

Siehe auch @343max: Liebe Raucher, Ihr stinkt!

15 Kommentare zu “Militante Nichtraucher”

  1. Freedom quakte:

    Ich finde diese ganze Diskussion und den Volksentscheid überflüssig wie einen Kropf! Es ginge alles so simpel, wäre wohl dann aber eben nicht typisch deutsch:

    – in allen Bereichen (Bus, Bahn, öffentliche Gebäude, Arbeitsplatz, Kino, Theater), die sich Raucher und Nichtraucher teilen müssen (!), gilt Rauchverbot (ist heute schon zu 99% so…)
    – es gibt Raucher-Restaurants, -Bierzelt und -Kneipen und Nichtraucher-Restaurants, -Bierzelte und Kneipen (beide werden deutlich und separat ausgewiesen), alle unter 18 Jahren dürfen in Raucherbereiche nicht rein

    Alle wären glücklich und zufrieden.

    Merke: Wenn Du heute die Freiheiten anderer einschränkst, könnten morgen Deine dran sein! Ein für *beide* Seiten zufriedenstellender Kompromiß ist *immer* möglich, wenn auch seltenst gewollt… Leider.


  2. frosch quakte:

    @Freedom: Zum Thema Raucher in Kneipen habe ich glaube ich genug geschrieben. Geselligkeit und so. Ausschluß-Verhalten. Und nein, meine Atemwege sind nicht typisch deutsch. 😉

    MIr geht es auch nicht darum, jemandes Freiheiten einzuschränken. Eine Sucht ist nämlich eben keine Freiheit, sondern eine gelebte Unfreiheit. Und die muß dann nicht auch noch zu Lasten anderer gehen.


  3. Nichtraucher (millitant) quakte:

    Raucher raus!
    http://twitpic.com/22naem

    (PS: etwas Sommerlochpolemik tut uns allen gut)


  4. Malboro Man quakte:

    Es wird aber kein bundesweites Rauchverbot geben.
    Wenn auf breiter Basis aufgehört würde zu rauchen, der Staat die Steuern nicht mehr kassieren würde, könnte die Rente nicht mehr ausgezahlt werden…die Krankenkassen müssten ihre Beiträge erhöhen….usw

    Bayer war schon immer anders.
    Wetten es gibt bald wieder Sonderregelungen in Bayern.
    Die Abstimmung ist nichts weiter als ein Sommerloch Theater.


  5. frosch quakte:

    @Nichtraucher: Ich komm ganz gut ohne Polemik aus. Meine Erfahrungen genügen mir. Und ich glaub, so schlecht sind meine Argumente nicht. 🙂


  6. Freedom quakte:

    Warum sollten Raucher in Raucher-Kneipen nicht munter vor sich hin paffen dürfen, während sich Nichtraucher nebenan in der Nichtraucher-Kneipe ihr rauchfreies Bier genehmigen?

    Dazu ein Raucher-Cafe, in dem man Kaffee, Kuchen und Zigarette genießt – ein paar Häuser weiter das Nichtraucher-Pendant.

    *Das* ist doch das, was ich propagiere: Jedem das seine!

    Sich überlappende öffentliche Bereiche sind bzw. bleiben rauchfrei, schon ist alles ok.

    Und bitte nicht mit der Sucht-Keule kommen… Klar ist das eine Sucht, Alkoholismus z.B. auch. Dennoch sind beides auch Freiheiten. Man kann wählen! Ich kann rauchen, wenn ich möchte und besaufe mich, wenn ich es will – ich kann es aber auch sein lassen.

    Nichtraucher sind zu schützen, ohne wenn und aber, aber des Rauchers Rechte in separaten Bereichen ganz genauso! 😉


  7. Konni quakte:

    @freedom:

    es gibt Raucher-Restaurants, -Bierzelt und -Kneipen und Nichtraucher-Restaurants, -Bierzelte und Kneipen

    Genau das funktioniert nicht. Glaub mir. Erfahrung. Es wird dann einfach keine Nichtraucher-$KNEIPE geben. Immer ist ein (mehr oder weniger) Süchtiger dabei, der die ganze Gruppe in ein Raucherlokal zerrt. Der Wirt hat keine Wahl, er muss Rauchen erlauben, um zu überleben.

    In der Stadt mag das anders sein, aber auf dem Land ist eine Nichtraucherkneipe dem Tod geweiht. Die Konsequenz ist, dass dann doch wieder überall geraucht wird.

    Die Trennung von Rauchern und Nichtrauchern haben wir laaange praktiziert und ich bin froh, dass diese Ghettobildung vorbei ist.

    Kein Rauch mehr drinnen, fertich. Und zum Rauchen gehen wir alle gemeinsam raus, auch die Nichtraucher, ggf. der wirt mit Kaffeetasse. Und dann ist es gemütlich, genau so wie es vor Einführung der Raucher und Nichtraucherzonen war, nur gesünder.

    @Malboro Man:
    Zu den KK-Beiträgen gibt es ziemlich genaue Studien, die das Gegenteil belegen. Raucher sterben zwar früher, aber sie verursachen erheblich höhere Kosten in den letzten (kranken) Lebensjahren. Der Effekt ist eindeutig messbar.

    Und als Sommerloch-Theater würde ich das nicht bezeichnen. Seit 8 Jahren schlagen wir uns mit dem Thema rum.

    To be continued?

    Konni


  8. Freedom quakte:

    @Konni:

    Sorry, aber ein Wirt, der das Rauchen nicht erlaubt, überlebt(e) nicht? Was passiert denn dann jetzt in Bayern? Alle Kneipen machen dicht? Da widersprichst Du Dir doch irgendwie selber oder etwa nicht?

    Nee, nee, aber *das* glaube ich jetzt echt nicht!

    Wenn es denn sooooo viele Nichtraucher und lieber nichtrauchende Wirte gibt, dann sollten Nichtraucher-Kneipen schon lange geboomt haben!

    Ich denke, meine Idee wurde nur noch nie genau so umgesetzt.

    By the way: Militante und / oder ignorante Menschen, egal ob Raucher oder Nichtraucher, sind für mich ein No-Go! 😉


  9. Konni quakte:

    @Freedom Mal langsam zum Mitschreiben:

    Fall A: ) Es gibt Raucher- und Nichtraucherkneipen. Rauchende Gäste ziehen ihre nichtrauchenden, toleranten Freunde in die Raucherkneipen. Nichtraucherkneipe bleibt leer.

    Fall B: ) Überall ist Rauchverbot. Fall A) tritt nicht ein.

    Eigentlich ganz einfach, oder nicht?

    Ich denke, meine Idee wurde nur noch nie genau so umgesetzt.

    Warum wohl denn nicht? Weil sie nicht funktioniert.

    By the way: Militante und / oder ignorante Menschen, egal ob Raucher oder Nichtraucher, sind für mich ein No-Go!

    Wie „militant“ ich bin, kannst du mal nachlesen: http://www.roterochs.de/kulinarische-monologe/archives/194-Ausgeraucht.html

    Servus,
    Konni


  10. Freedom quakte:

    @Konni:

    Das mit dem „militant“ war nicht persönlich gemeint, sondern generell. 😉

    Nun aber zurück zu Deiner Aussage „Raucher und deren tolerante Freunde sind der Nichtraucher-Kneipen Tod“:

    Ich möchte Dir nicht unterstellen, daß Deine Erfahrungen nicht zutreffend sind – ich bezweifle aber dennoch ihre repräsentative Aussagekraft:

    – es gibt doch wohl auch extrem viele Nichtraucher, die kaum oder keine rauchenden Freunde haben und / oder auch gerne mal alleine ein Bier oder einen Wein trinken gehen. Wo gingen / gehen die hin?

    – wieso sind die Nichtraucherbereiche in Restaurants so voll wie immer, aber auch die abgetrennten Raucherbereiche in den Cafes?

    Nach Deinen Erfahrungen bzw. der Logik selbiger müßte doch in Bayern jetzt folgendes passieren: Die Raucher gehen jetzt kaum bis gar nicht mehr in (Nichraucher-)Kneipen – deren solidarische und tolerante Freunde bleiben demzufolge auch weg – alle Kneipen bleiben leer und müssen schließen?! Ich weiß nicht…

    Die Politik schafft wie so oft keine vernünftigen Rahmenbedingungen, bei denen jeder dennoch eine freie Wahl hat; es gibt entweder totale Passivität oder blinden Holzhammer-Aktionismus.

    Warum immer nur digitale Entscheidungen und Verbote, Verbote, Verbote?

    Schade, aber genau das meine ich mit „typisch deutsch“.

    Zum Nachdenken mal ein Kommentar von welt.de:

    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article8315398/Rauchverbot-ein-gefaehrlicher-Sieg-der-Minderheit.html

    Zitat: „Dass der bayerische Volksentscheid von einer rechts-grünen Sekte, der Ökologisch Demokratischen Partei, durchgekämpft wurde, sollte zu denken geben. Was diese Gruppierung zu Mobilfunk, Gentechnik und anderen Gesundheitsthemen verbreitet hat viel mit Esoterik und nichts mit Wissenschaft zu tun.

    Das Ergebnis des Plebiszits ist demokratisch – aber nicht freiheitlich. Zur Freiheit gehört auch, dass man Minderheiten ihr Vergnügen lässt, wenn es keinem anderen schadet“.


  11. frosch quakte:

    @Freedom:

    Das Ergebnis des Plebiszits ist demokratisch – aber nicht freiheitlich. Zur Freiheit gehört auch, dass man Minderheiten ihr Vergnügen lässt, wenn es keinem anderen schadet”.

    Genau. Wenn es keinem anderen schadet. Und jetzt lies meinen Artikel nochmal.

    Der Verzicht auf für mich interessante Veranstaltungen — kein Schaden?
    Immer wieder stinkende Kleidung und Haare, tagelanges Husten, manchmal wochenlanges Kratzen im Hals — kein Schaden?
    Der Raucherhusten noch vor dem Erwachsenenalter — kein Schaden?

    Was die letzten 6 Monate meines Vaters vor seinem Tod (mit nur 63 Jahren) gekostet haben, möchte ich auch nicht unbedingt wissen. Das war eine intensive Behandung von Leukämie, einem Gehirntumor, Wasser in der Lunge und Lungenentzündung und watweißich noch allem, teils mit experientellen Medikamenten (mit seinem Einverständnis), weil die Ärzte nicht mehr weiterwußten und keine Ahnung hatten, wo sie zuerst anfangen sollten. Und das etwa 10 Jahre, nachdem er mit dem Rauchen aufgehört hatte.

    Unter militant verstehe ich übrigens nicht, mich u. U. auch mal lautstark und nachdrücklich darüber zu beschweren, daß ich wegen der Drogensucht anderer aus Veranstaltungen ausgeschlossen werde. Militant wäre es, wenn ich an den Autos der Raucher, die drinnen sitzen, die Reifen zerstechen oder sie gleich ganz anzünden würde. Oder wenn Rudel von Nichtrauchern über Raucher herfallen und sie verprügeln.

    Ansonsten wäre es ja auch schon militant, sich über politische Entscheidungen aufzuregen, und nicht erst, die verantwortlichen Politiker in die Luft zu sprengen.


  12. Freedom quakte:

    @frosch:

    Ähm, Du hast schon gelesen, was *ich* geschrieben habe??

    Ich weiß, daß in früheren Zeiten auf Nichtraucher kaum bis gar nicht Rücksicht genommen wurde.

    Ich sprach allerdings von *heute*, wo in öffentlichen Räumen (Bus, Bahn, Ämter und Behörden, Kino, Theater usw.) das Rauchen eh schon zu 99% verboten ist, was ich unterstütze und gut finde.

    Und ich sprach davon, daß man die *verbleibenden* Räume für Raucher und Nichtraucher separieren, d.h. aufteilen könnte, und zwar auf eine faire Art und Weise.

    Zitat aus Deinem Artikel: „Nein, eine wirkliche Wahl gibt es erst dann, wenn die Qualmerei konsequent verboten wird. Süchtige kennen keine Rücksicht; (sehr wenige) Ausnahmen bestätigen die Regel“

    Ich akzeptiere Deine Meinung, allerdings empfinde ich diesen Teil als aggressiv, weil er keinen Raum für einen Dialog läßt und auf anders denkende keine Rücksicht nimmt.

    Dazu ein Zitat von Wikipedia: „Militanz bezeichnet […] ein aggressives Auftreten […] im Kampf für politische Überzeugungen“.

    Aber streiten wir uns nicht um Begrifflichkeiten…

    Mir geht es, ohne mich jetzt zum x-ten mal zu wiederholen, um einen Dialog und einen *daraus* folgenden für beide Seiten zufriedenstellenden Kompromiß. Diese Chance hat man hier leider vertan und damit die Freiheit der Wahl beerdigt.

    Und genau so wird es, das zumindest befürchte ich, in Zukunft mit anderen Themen weitergehen.


  13. Hans Bonfigt quakte:

    Wenn das Herz stockt:
    | Eine Sucht ist nämlich eben keine Freiheit,
    | sondern eine gelebte Unfreiheit.
    | Und die muß dann nicht auch noch zu Lasten anderer gehen.

    Du schwingst dich dazu auf, „Freiheit“ zu definieren –
    für andere, in sattsam bekannter Herrenmenschenmanier.
    Da kannst Du ja gleich ein Euthanasieprogramm für Krüppel
    einfordern, denn die können u.U. wegen ihrer Gebrechen
    nicht mehr die Freiheit leben, die das Leben nach Deinen
    objektiven Kriterien lebenswert macht. Und das muß, wie
    Du schon – wenn auch falsch – schriebst, nicht zulasten
    Anderer gehen.

    Wer zwingt Dich eigentlich, ein privates Lokal aufzusu-
    chen, in dem sympathische, intelligente und genußfreudige
    Menschen trinken und rauchen ??
    Nichtraucher – was sind das bloß für armselige Tröpfe,
    die sich dadurch definieren, was sie _nicht_ tun – mag
    man partout nicht in einer anständigen Kneipe haben.
    Das ist einfach eine Frage der Thermodynamik, 2. Haupt-
    satz: Spätestens nach zwei Stunden hat euer Schlabber-
    wässerchen, das ihr in der Hand haltet, bis auf viel-
    leicht 2 K eure Körpertemperatur angenommen – es tut sich
    danach nicht mehr viel. Welcher Wirt möchte solcherlei
    Spaßbremsen unter seinen Gästen haben, die mit ihrem
    Gezeter und Gesaller die ganze Stimmung vermiesen und
    womöglich noch ihre verzogene Brut mitbringen, für die
    sie dann lautstark Schutz einfordern – AB IN DIE MILCH-
    BAR oder ins Cafe Ugly. Irgendwo findet sich noch ein
    findiger Geschäftsmann, der auch Euch die Groschen aus
    der Tasche zieht. Auf jedem Tisch Räucherstäbchen, das
    kommt besonders gut. Coach-Cafe Deppgrrls, Vorsitzende
    Diplom-Romulanerin M.D..

    Es ist schon scheißenschwer, unter der Diktatur der Unan-
    stänigen zu leben – aber Gott behüte uns vor der Dikta-
    tur der Anständigen !


  14. Surfer quakte:

    @13:
    Ochjo.


  15. Uli quakte:

    bisschen spät mein Kommentar, bin eben erst über die Seite gestolpert.

    Was mich an dieser Diskussion aufregt ist dieses permanente Argument des Kneipensterbens. Wieso klappt das in so vielen anderen europäischen Ländern auch ohne dass die Kneipen reihenweise den Abgang machen?

    Die Iren, Briten, Italiener, Spanier, Franzosen, das sind alles Leute, die zumindest früher unglaublich viel geraucht haben, zu Preisen, bei denen es unsereins den Atem verschlagen hat (ganz ohne Rauch vorher). Ein britisches Pub war ein einziges Rauchhaus, wo sich selbst Kettenraucher theoretisch keine mehr anzünden mussten um an ihre minütliche Dosis Nikotin zu kommen. Und dann wurde Rauchen generell verboten, einfach überall und damit hat sich’s. Und nein, die Kneipen sind nicht ausgestorben. Ebensowenig in all den anderen Ländern.

    Prinzipiell macht mir natürlich diese ganze Vebieterei auch Angst. Heute Rauchen, morgen Alkohol und was kommt als nächstes. Aber gerade beim Rauchen bin ich sehr hin zum Rauchverbot geneigt, auch wenn es sozusagen ein Anfang ist. Wobei ich fürchte, über all diese Anfänge sind wir schon lange hinaus. Wüste Datensammlungen und Datenpooling von allen möglichen Firmen … wenn ich daran denke, wie wir uns damals gegen die Volkszählung gewehrt haben und nun schmeißen wir alles, aber auch alles unter die Datensammler, die nicht einmal eine demokratische Basis haben. Ne, diesen Anfang zu wehren haben wir verpasst.

    Aber ich schweife ab. Ich bin für ein allgemeines Rauchverbot, weil das die Situation klärt. Wenn schon Klärung per Gesetz, dann doch zu Gunsten der Leute, die geschädigt werden und nicht zu Gunsten derer die schädigen. Denn wie Frosch in ihrem Beitrag beschreibt, das mit der Rücksichtnahme hat nie funktioniert und wird auch nie funktionieren.

    U^^ – Nichtmehrraucherin seit nunmehr 6 Jahren und glücklich drüber, auch wenn’s immer noch manchmal schwer fällt.


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