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Was ist Medienkompetenz?

5. Juli 2010 um 19:49 Uhr von Atari-Frosch

Der @karpfenpeter rief vor ein paar Stunden auf Twitter dazu auf, man möge doch mal in seinem Blog Medienkompetenz definieren und dann (sofern das auch andere tun) sich gegenseitig verlinken.

Da wir es mit einem zusammengesetzten Hauptwort zu tun haben, zerlegen wir das doch erstmal. Also:

  1. Was sind Medien?
  2. Was ist Kompetenz?

Ein Medium ist wörtlich ausgedrückt ein Mittel. Heute wird der Begriff vor allem verstanden als Mittel zur Informationsübertragung, und zwar sowohl unabhängig davon, ob es sich um eine uni-, bi- oder multidirektionale Übertragung handelt als auch davon, ob es ein Pull- oder ein Push-Medium ist. Es ist auch nicht automatisch definiert, welche Arten von Informationen übertragen werden; es kann sich also um Schrift, Bilder, Videos oder Klänge (incl. Sprache) handeln.

Da ich hier weitere Fachbegriffe verwendet habe und man Fachbegriffe oder zu definierende Begriffe nicht wieder mit Fachbegriffen erklären soll, drösle ich die auch mal noch auf:

  • unidirektionale Übertragung: Einweg-Übertragung, z. B. Fernsehen, Radio, Zeitung (es gibt zwar manchmal Antwortmöglichkeiten wie Telefonanrufe während einer Sendung oder Leserbriefe, aber ob und in welcher Länge diese dem Publikum zugänglich gemacht werden, entscheiden die Betreiber des Mediums)
  • bidirektionale Übertragung: Zwei-Wege-Übertragung, zum Beispiel ein klassisches Telefongespräch ohne Telefonkonferenz oder mithörendem Geheimdienst 😉
  • multidirektionale Übertragung: Jeder kann einigermaßen gleichberechtigt mit jedem Informationen austauschen
  • Pull-Medium: engl. to pull = ziehen; der Nutzer der Information muß sich diese selbst an einem definierten realen oder virtuellen Ort abholen, z. B. Webseiten
  • Push-Medium: engl. to push = schieben; der Hersteller der Information schickt sie an die vorgesehenen Empfänger, z. B. Briefe, Postwurfsendungen

Über Kompetenz verfügt, wer zu einem zumindest einigermaßen klar definierten Thema vertiefte Fachkenntnisse und Erfahrungen gesammelt hat.

Wer über Medienkompetenz verfügt, der hat also vertiefte Fachkenntnisse über die Funktionsweise verschiedener Mittel zur Informationsübertragung. Ich verstehe darin sowohl die passive Nutzung (Abruf von Informationen) als auch die aktive Nutzung verschiedener Medien (Erzeugung bzw. Bereitstellung von Informationen).

Dann gibt es da noch den schönen Begriff „multimedial”, der leider zu einem Marketing-Buzzword verkommen ist. Eigentlich ist darunter die parallele aktive/passive Nutzung verschiedener Medien zu verstehen. Im Marketing wird damit ja manchmal schon die Großleinwand auf einer Ausstellung definiert, auf der die Werbebotschaften in Text, Sprache und Bildern und mit Musik unterlegt zu sehen und zu hören sind. Das ist natürlich nicht multimedial, sondern nur Fernsehen in groß.

Geteilter Meinung kann man darüber sein, wie das mit dem Internet aussieht. Einerseits ist es selbst ein Medium zur Informationsübertragung; andererseits kann man es in dieser Pauschalität nicht in die obigen Kategorien einordnen. Daher tendiere ich eher dazu, die einzelnen Dienste als separate Medien zu sehen, also WWW, E-Mail, Usenet, IRC, FTP, Filesharing, VoIP, Instant Messenger und weitere.

Als durchaus noch einmal separierbare Medien sehe ich die Dienste des „Web 2.0”, also Gästebücher, Blogs, Webforen, Microblogging, „Social Networks” wie Facebook oder Xing usw., weil jede dieser Anwendungen einen etwas anderen Umgang verlangt, somit in jedem eine eigene Kompetenz erlangt werden kann (und sollte).

Insbesondere in der Politik wird gern von der Vermittlung von Medienkompetenz an den Schulen gesprochen (witzigerweise häufig genug von genau den Leuten, die eine solche Vermittlung am dringendsten selbst nötig hätten). Das Problem ist, daß die meisten darunter vor allem die Vermeidung von Sicherheitsrisiken wie Viren, Spam und Phishing und/oder den Schutz von urheberrechtlich geschützter Werke verstehen und sich ansonsten darüber Sorgen machen, daß Schüler vielleicht zu viele Daten bei Facebook oder SchülerVZ eintragen. Die optimale Wissensbeschaffung ist dabei nicht immer unbedingt gemeint — dazu gibt es ja schließlich die (unidirektionalen) Schulbücher. 😉

Das ist meine von wissenschaftlichen Erkenntnissen völlig ungetrübte Definition von Medienkompetenz.

3 Kommentare zu “Was ist Medienkompetenz?”

  1. Wer braucht Medienkompetenz? « … Kaffee bei mir? quakte:

    […] von opalkatze Peter hat angeregt, Blogger mögen doch bitte mal Medienkompetenz definieren. Die Definition hat Sabine schon besorgt. Ich will lieber fragen: Wer braucht […]


  2. Wie definiert man 2010 den Begriff »Medienkompetenz« » Blog vom Karpfenweg quakte:

    […] Sabine Becker aka AtariFrosch, »Was ist Medienkompetenz?« […]


  3. dot tilde dot quakte:

    für mich ist medienkompetenz die fähigkeit, mit hilfe von medien und kenntnis ihrer eigenschaften mit anderen selbstbestimmt kommunizieren zu können.

    .~.


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