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Ausrasten verboten

10. Juli 2010 um 12:24 Uhr von Atari-Frosch

In aller Ruhe verkündet ein Mitarbeiter eines faschistischen Repressionamtes im Hochtaunus einem Arbeitslosen und seiner Frau, daß sie jetzt einfach mal kein Geld mehr bekommen, weil ein Mensch mit gleichem Allerwelts-Namen und gleichem Geburtsdatum woanders einen Arbeitsvertrag hat. Man unterstellt einfach mal, er sei jener welcher, denn das ist ja praktischer, als beispielsweise mal noch die Rentenversicherungsnummern abzugleichen. Außerdem kann man mal wieder hervorragend sparen. Das können diese Ämter ja überhaupt am besten, ist ja auch ihr Job. Dem Familienvater erklärt man dann eben, wenn er seine Wohnung verliere, könne er ja mit seiner Familie ins Obdachlosenheim gehen.

Von dem so „Verurteilten” wird nun offenbar erwartet, daß er in der gleichen Seelenruhe diese Entscheidung hinnimmt und still und brav das Amt verläßt. Die Frau des hier Betroffenen sah das ein wenig anders: Sie haute auf den Putz, und die asozialen Fehlentscheider bekamen dabei ordentlich was ab. Aber das geht natürlich im neoliberalen Deutschland nicht! Die überflüssigen Sozialschmarotzer haben sich hier bitteschön alles stillschweigend gefallen zu lassen, sonst werden sie hart bestraft.

Ja, die Familie hätte zum Sozialgericht gehen können. Viele trauen sich das nicht, dabei ist das immer noch der effektivste Weg, wenn eine „Sozial”-Behörde rumspackt. Man braucht dazu auch keinen Rechtsanwalt. Bei der Rechtsantragsstelle wird den Rechtssuchenden dabei geholfen, ihre Klage zu formulieren (formal, nicht inhaltlich; zumindest nicht offiziell, aber so manchen Tip bekommt man trotzdem).

Vor acht Jahren war ich ja in derselben Situation. Wenn ich nicht so krank und hilflos gewesen wäre — ich könnte nicht dafür garantieren, daß ich nicht einem dieser Typen in die asoziale Fresse geschlagen hätte. Verdammt nochmal, das ist doch auch eine völlig normale Reaktion, wenn einem mal eben aus schierer Blödigkeit die Existenz zerstört wird! Und das von einer Behörde, die eigentlich genau das verhindern soll!

Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger in Deutschland sind viel zu brav, sie sind brav bis zur Existenzvernichtung! Ich wünsche mir stattdessen noch viel mehr solcher Ausraster:

  • So lange, bis auch Strafrichter begreifen, daß man nicht die Opfer für menschliches Verhalten bestrafen kann.
  • So lange, bis das heutige Zwangsverarmungsgesetz namens SGB wieder zum Grundgesetz kompatibel ist.
  • So lange, bis die Politik begreift, daß Grundrechte nichts, aber auch rein gar nichts mit der wie auch immer definierten „Nützlichkeit” eines Menschen zu tun haben.
  • So lange, bis Menschen ohne Arbeit (aus welchem Grund auch immer) nicht mehr straflos öffentlich zu „Schmarotzern” degradiert werden dürfen.
  • So lange, bis sich die Angestellten der „Sozialbehörden” daran erinnern, was ursprünglich mal ihr Job war.

Bis dahin kann es keinen Frieden geben. Wo bleibt eigentlich die Revolution?

2 Kommentare zu “Ausrasten verboten”

  1. vera quakte:

    Der Hammer ist, daß vorausgesetzt wird, die Familie/Freunde würden die Betroffenen schon auffangen. Daß für ALLES – auch die KV erst mal vorgeleistet werden muß, ist noch so ’n Ding. Die medizinische ist ein weiteres, da hab ich demnächst was zu. Alles nach dem Motto, ‚wenn jeder sich selbst hilft, ist jedem geholfen‘.
    Zynismus vom Teuersten und Allerfeinsten. Igitigittigitt.


  2. vera quakte:

    nachgereicht: der zweite Gedeankenstrich. die medizinische Versorgung.
    Wut.


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