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Nachgerechnet

29. September 2010 um 21:37 Uhr von Atari-Frosch

Diverse Medien zeigen uns ja schon, wie sich der neue Hartz-Regelsatz laut Zensursula zusammensetzen soll. Ich habe das mal in etwa meiner Realität gegenübergestellt. Das hier ist, wie zum Beispiel auf SpOn in diesem Artikel nachzulesen, die Festlegung laut Zensursula:

Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke 128,46
Bekleidung und Schuhe 30,40
Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung 30,24
Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände 27,41
Gesundheitspflege 15,55
Verkehr 22,78
Nachrichtenübermittlung 31,96
Freizeit, Unterhaltung, Kultur 39,96
Bildung 1,39
Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen 7,16
Andere Waren und Dienstleistungen 26,50

Damit kommt sie dann auf 361,81 €, die sie per Inflationsrate — die Werte stammen aus 2008 — dann auf die gewünschten 364,00 € hochrundet; wobei auch dieser Wunschwert bereits aus dem Jahr 2008 stammt.

Das sieht jetzt auf den ersten Blick und für jemanden, der nicht mit jedem Cent rechnen muß, recht nett aus. Es ist Freizeit und Unterhaltung dabei, somit wird scheinbar nicht nur das physische, sondern tatsächlich das sozio-kulturelle Minimum damit festgelegt. Nur seltsam, daß meine Rechnung da etwas anders aussieht (und selbst dann anders aussehen würde, wenn ich nicht so ein Nerd wäre):

Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke 150,00
Bekleidung und Schuhe 10,00
Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung 68,00
Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände 0,00
Gesundheitspflege 10,00
Verkehr 41,30
Nachrichtenübermittlung 44,67
Freizeit, Unterhaltung, Kultur 16,66
Bildung 5,84
Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen 59,17
Andere Waren und Dienstleistungen 23,33

Zu den Details:

  • Nahrungsmittel sind ehrlich gesagt geschätzt, allerdings kaufe ich nicht immer nur das allerbilligste, denn das wäre dann weit abseits von gesund. TK-Gemüse, -Gemüsemischungen, -Kartoffeln und -Kartoffelgerichte und manchmal auch Fleisch nehme ich vom Tiefkühl-Lieferanten; das scheint zwar erstmal teurer zu sein, kommt aber vor allem durch die freie Portionierbarkeit und dadurch, daß nichts mehr verderben kann, vermutlich etwa genauso günstig wie dasselbe in frisch oder in Konserven. Allein beim Tiefkühllieferanten lasse ich im Monat 30 bis 50 €. Der Rest landet überwiegend im Rewe auf der anderen Seite des Fürstenplatzes, der zwar gern mit Preissenkungen wirbt, daneben aber still und leise genauso gern die wirklich nötigen Dinge verteuert.
  • Bekleidung bekomme ich zwar teilweise von meiner Mutter gesponsort und manchmal auch was hier und da geschenkt, trotzdem fallen alle drei Jahre neue Halbschuhe sowie mindestens alle zwei Jahre neue Sandalen an, und das eine oder andere Nerd-T-Shirt muß auch gelegentlich sein.
  • Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung: Der Abschlag für Strom (aus 100 % erneuerbaren Energiequellen) beträgt 43,00 €, für Gas zahle ich 80,00 € im voraus, davon werden etwa 56 € pauschal über die KdU (Kosten der Unterkunft) vom Amt übernommen, den Rest lege ich drauf. Auf Gas laufen die Heizung, Warmwasser und der Gasherd. Wohnungsinstandhaltung ist bei mir schlicht nicht eingeplant; sollte ich noch für Renovierungen ansparen müssen, kämen da nochmal mindestens 10,00 € im Monat mehr drauf. Auch fürs Wohnen selbst ist da jetzt nichts eingeplant, beispielsweise keine weiteren Möbel, kein neues (eigentlich dringend notwendiges) Bett und natürlich keinerlei sonstige Verschönerungen.
  • Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände: Mir ist jetzt unklar, wie hier zwischen „Wohnen” aus dem vorherigen Posten und „Innenausstattung” unterschieden wird. Haushaltsgeräte sind mir bisher, bis auf Wasserkocher, toi-toi-toi, nicht kaputtgegangen, seit ich hier wohne. Eine Reserve für eines der größeren Haushaltsgeräte (Kühlschrank, Gasherd, Mikrowellenherd) ist nicht vorhanden; meine Spülmaschine ist seit Sommer 2007 kaputt und dürfte auch nicht mehr zu retten sein. Sollte da mal Bedarf bestehen, würde ich mich wohl nach kostenlosen Geräten aus Haushaltsauflösungen etc. umsehen. Ich träume ja heimlich von einer Gefriertruhe oder einem großen Gefrierschrank, aber das gehört natürlich nicht zum „Minimalbedarf”.
  • Bei der Gesundheitspflege kann ich recht bescheiden sein: Mehr als Duschgel, Shampoo, Deo und billige Seife brauche ich nicht. Mit Feuchtigkeitscreme deckt mich meine Mutter ein, da hab ich ungefähr zwei Jahresreserven oder so im Schrank. 😉
  • Verkehr ist dagegen bei mir ein größerer Posten. Ich schätze, daß ich pro Monat im Schnitt vier A-Fahrscheine und sechs Kurzstreckenfahrscheine (gekauft jeweils als 4er) verfahre. Dann habe ich eine BahnCard 50, fahre etwa dreimal im Jahr nach Berlin (LinuxTag, Freiheit statt Angst, CCC-Congress) und zweimal nach Mannheim (Mutter). Bei der BC50 gehe ich hier von der Rentner-Version aus und bei den Fahrscheinen von den aktuellen Preisen. Dazu kommen jeweils noch Einzel- bzw. Mehrfach-Fahrscheine vor Ort und vereinzelt B- oder C-Fahrscheine im VRR-Gebiet. Nicht erfaßt sind Bahnfahrscheine zu Konzerten, weil das sehr unterschiedliche Strecken bei sehr unterschiedlicher Häufigkeit sind.
  • Nachrichtenübermittlung: Darunter habe ich den Telefonanschluß, den Internetzugang (DSL6000), den Surfstick (Tagesflat für einzelne „Notfälle”), das Prepaid-Handy (ohne Gerät, das war geschenkt) und Briefmarken zusammengerechnet. Falls jemand was gegen die Internet-Zugänge hat: Entschuldigung, ich bin Netzwerkadministratorin und Nerd. Ohne geht gar nicht.
  • Freizeit, Unterhaltung, Kultur: Darunter fallen bei mir vor allem Eintrittskarten für Konzerte und CDs, und vielleicht einmal im Jahr ein Buch. Konzerte lassen sich bei mir, wie schon erwähnt, schwer pro Jahr abschätzen; ich hatte schon Jahre mit nur einem Konzert und dann wieder drei oder vier Konzerte in einem Jahr. Daher nehme ich hier einen Schnitt von zwei Konzerten im Jahr an. CDs kaufe ich überwiegend aus Sonderangeboten oder gebraucht.
  • Bildung: Das meiste an neuem Wissen erlange ich mit „learning by doing” und aus dem Internet. Ansonsten fallen hier vor allem Eintrittsgelder zu Fachveranstaltungen (CCC-Congress, LinuxTag, FrOSCon) an. Dazu kommt vielleicht noch einmal im Jahr ein Fachbuch (meist als Neuware, aber aus älteren Auflagen und daher relativ billig).
  • Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen: Bei Besuchen im Chaosdorf ein- bis zweimal pro Woche konsumiere ich im Schnitt zwei Getränke (zu je einem Euro) pro Abend. Etwa dreimal im Monat genehmige ich mir dazu eine Pizza oder ähnliches aus der Gastronomie im Umfeld des Chaosdorfs. Teurer wird es bei den Aufenthalten in anderen Städten, dafür habe ich einen monatlichen Schnitt von 12,50 € angesetzt. Dazu kommen — meist aufgrund der vorgenannten Konzerte — noch etwa zwei Hotel-Übernachtungen pro Jahr (Durchschnittspreis 40,00 € pro Übernachtung, die Preise variieren bekanntlich zwischen den Städten gewaltig, und nicht überall stehen Hostels etc. zur Verfügung).
  • Bei den „anderen Waren und Dienstleistungen” habe ich, weil ich sonst keine passende Rubrik gefunden habe, die Beiträge zum Chaosdorf e. V. und zur FSFE Fellowship verstaut. Außerdem fällt hierunter Hardware, die ich seltenerweise doch mal neu (oder gebraucht) kaufen muß, obwohl ich doch recht viel an älterer, gebrauchter Hardware geschenkt bekomme.

Insgesamt komme ich damit auf einen monatlichen Betrag von 419,34 €, in welchem, wie gesagt, noch nichts für Renovierung, kaputte Haushaltsgeräte und ggf. doch einmal Kleidung enthalten ist. Außerdem wäre noch zu berücksichtigen, daß Hartzer für die BahnCard eigentlich den vollen Preis von derzeit 230,00 € bezahlen müssen. Weiterhin unberücksichtigt blieben Nach- oder Rückzahlungen beim Strom (Gas-Nachzahlungen und Nebenkosten-Abrechnungen zur Miete wurden bisher ohne weiteres Gedöns von den Ämtern übernommen; nicht daß sie sonst keinen Terror machen würden). Damit liege ich in etwa in der Größenordnung, welche die Sozialverbände ausgerechnet haben.

Bei Menschen mit anderen Interessenschwerpunkten mag die Aufteilung anders aussehen, aber viel weniger wird dabei im Ergebnis m. E. nicht herauskommen.

[Update 2010-10-01 00:00] Ich habe doch tatsächlich noch die Praxisgebühr vergessen, die bei mir etwa 5mal im Jahr fällig wird; in jedem Quartal ist irgendwas, und wenigstens einmal im Jahr muß ich auch zum Zahnarzt, was ja extra kostet. OK, daran denkt man ja auch nicht so gerne. 😉 Dazu kommen noch Medikamente, denn die Herbst-Erkältung wird jetzt wohl leider Standard ... also läuft das wohl auf 60,00 € jährlich zusätzlich hinaus, somit 5,00 € mehr im Monat. [/Update]

4 Kommentare zu “Nachgerechnet”

  1. Stuttgart S21, Hartz VI, Internetzensur | Kotzendes Einhorn quakte:

    […] Frau Frosch hat das mal realitätsnah nachgerechnet. […]


  2. eierknopp quakte:

    Liebe Fröschin,
    eine tolle Site hast du!

    Zu diesem Artikel fällt mir eine intime Frage ein, die du natürlich nicht beantworten musst: Bist du etwa schon wechselverjährt oder fehlen in der Liste Damenhygieneartikel? Denn die können u. U. ja auch ziemlich ins Geld gehen. 🙂

    Und wo ich schon bei intimen Kostenpunkten bin: An Verhütung hat Zensursula wohl auch nicht gedacht. Aber wie sollte sie auch, hat sie doch offensichtlich selbst nie Bedarf daran gesehen …


  3. frosch quakte:

    @eierknopp: Ich beantworte sie Dir trotzdem. 🙂

    Durch eine fehlerhafte (und eigentlich auch völlig überflüssige) Hormonbehandlung in jungen Jahren ist mein Hormonhaushalt so ein bißchen sehr kaputt. Das bewirkte zum einen, daß ich nie Kinder haben konnte, und zum anderen, daß ich bereits seit einigen Jahren — ich bin 42 — praktisch keine Blutungen mehr habe. Daher benötige ich nur ganz selten mal die genannten Hygieneartikel.

    Ob ich noch „richtige” Wechseljahres-Erscheinungen bekomme und wenn ja, wie die sich auswirken, muß ich abwarten.

    Gruß, Frosch


  4. eierknopp quakte:

    Überflüssige Hormone sind echt das Letzte! (Kann ich leider bestätigen, deine an anderer Stelle erwähnten Arzterfahrungen ebenso, wenn auch in weniger dramatischer Ausprägung.)
    Schlimm genug, dass künstliche Hormone nachhaltige physische und psychische Auswirkungen haben können. Es muss verdammt bitter sein, auf diese Weise auch noch seiner Fruchtbarkeit beraubt zu werden. :/

    Alles Gute dir und danke für deine Offenheit. Denn auch über so was wird ja viel zu wenig gesprochen.


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