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Millionengeschäft Kinderpornografie

7. Oktober 2010 um 14:42 Uhr von Atari-Frosch

Da man nun ums Verrecken kein Millionen- oder gar Milliardengeschäft mit „Kinderpornografie” im Internet finden konnte, muß man dem deutschen Unterschichten-TV-Gucker mal klar zeigen, wie sowas funktioniert:

„Tatort Internet” – Kinderschänderjagd auf RTL2

Aus der Ankündigung bei DWDL.de:

Und das auf ungewöhnliche Art: Triebtäter und potentielle Kinderschänder werden mit fiktiven Profilen von minderjährigen Jungen und Mädchen in die Falle gelockt. Das Format dokumentiert die Kontaktaufnahmen im Internet bis zum geplanten Treffen, wo die potentiellen Straftäter dann vor laufenden Kameras zur Rede gestellt werden.

Weil die Polizei, deren Job das eigentlich wäre, also kaum Kapazitäten (und damit meine ich personelle und technische Kapazitäten, nicht so einen Schwachsinn wie BKA-Zensurlisten für das WWW) hat, macht sich RTL2 daran, deren Arbeit zu übernehmen — oder das, was RTL2 dafür hält? Oder ist das doch eher „scripted reality”, sprich, sind auch die „potentiellen Kinderschänder”, so wie viele „Sozialschmarotzer” in den entsprechenden Hetz-Sendungen gegen Sozialhilfebezieher, in Wirklichkeit nur Schauspieler?

Und wenn es keine Schauspieler sind: Was ist mit dem Datenschutz für Menschen, die sich nach aktuellen Gesetzen nicht strafbar gemacht haben? Oh, ich vergaß: Diejenigen Menschen, die RTL2, BLÖD und andere Boulevard-Medien für minderwertig halten, brauchen ja keinen zu haben. Sie haben keine Menschenrechte, keine Grundrechte, kein Existenzrecht, und sollten am besten alle <insert favourite kind of torture/killing here>.

Dem Sender geht es, genauso wie der Moralbarbie Stephanie zu Guttenberg, angeblich darum, eine Gesetzesänderung zu ... erzwingen?

Das Ziel von „Tatort Internet” ist eine Gesetzesänderung, damit nicht nur der tatsächliche Kindesmissbrauch sondern auch die unsittliche Annäherung über das Internet, das sogenannte Cyber-Grooming, unter Strafe gestellt werden kann.

Man möchte also quasi „jetzt schon” durch öffentliche Bloßstellung im Fernsehen etwas bestrafen dürfen, was man eigentlich erst ins Strafrecht implementiert sehen will, was dort aber jetzt (noch?) gar nicht steht. Um — was eigentlich zu erreichen? Oder zu vertuschen? Zum Beispiel, daß Eltern zu wenig Zeit und Lehrer zu wenig Ahnung haben, den Kindern Medienkompetenz beizubringen, wozu es auch gehört, solche Gefahren zu erkennen?

Mir wurde als kleinem Mädchen beigebracht, daß ich fremden Männern nicht trauen soll, die mir auf der Straße Süßigkeiten anbieten oder mich irgendwohin mitnehmen wollen, um mir was „tolles” zu zeigen. Meine Eltern wußten vermutlich noch nicht, daß Kindesmißbrauch überwiegend in Familien und im nahen Bekanntenkreis stattfindet; so weit war die Aufklärung in den 1970ern noch nicht. Bei dem „Süßigkeiten-Mann” im Internet sollen nun offenbar andere Regeln gelten: Statt die Kinder aufzuklären, lockt man die „bösen Männer” (von Frauen redet ja niemand) lieber selbst an und stellt sie bloß (ob sie dann wirklich was vorhatten, weiß man ja noch gar nicht, es gab ja keine echten Ermittlungen). Nun stellt Euch das mal mit dem „Süßigkeiten-Mann” von früher vor ...

Daß es meistens nicht die fremden „Süßigkeiten-Männer” sind, mußte Anfang der 1980er auch ein 9jähriges Mädchen aus meinem damaligen Umfeld erfahren, das von einem jungen Mann aus der Nachbarschaft (knapp noch nicht volljährig), den wir seit Jahren kannten, unter einem Vorwand in einen Keller gelockt wurde, wo er sich dann die Hose auszog, ihr eine Tafel Schokolade anbot und versuchte, auch sie auszuziehen. Zum Glück kam ein Nachbar dazwischen, bevor schlimmeres passierte. Wie die Moralbarbie solche Täter jagen will, möchte ich wirklich mal sehen.

Hier findet nach den vorläufig gescheiterten Netzsperren ein erneuter Mißbrauch der Opfer statt. Wo sind sie jetzt, die Damen Zensursula und Kristina Schröder? Ich vermute, die finden sowas noch toll.

(Wo ist nur wieder mein Kotzkübel ...?)

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