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Das neue Twitter

9. Oktober 2010 um 22:18 Uhr von Atari-Frosch

Zwei oder drei Wochen lang drängelte mich Twitter schon, doch mal das neue Layout auszuprobieren, und seit drei Tagen habe ich umgestellt. Das neue Layout, muß ich zugeben, ist größtenteils übersichtlicher, hat aber auch seine Nachteile.

Den heftigsten Nachteil sehe ich in der Ausgabe von top (auf meinem derzeitigen Hauptrechner, Athlon XP1800+, 512 MB):

Firefox: 46,2% RAM, 61 min CPU-Zeit nach 5:51h Systemlaufzeit

Mit dem alten Layout hat Firefox mir längst nicht so viel Rechenzeit und RAM weggenommen. Ich merke es insbesondere beim Herunterscrollen auf ältere Tweets: Das System wird träge, Umschalten auf andere Fenster dauert extrem lange, und auch andere Tasks können währenddessen nicht in normaler Geschwindigkeit arbeiten. Während des Scrollens zeigt mir top für den Firefox eine CPU-Last zwischen 86 und 99 % an! Da wurden wohl Unmengen an neuen und/oder umfangreicheren JavaScripten verbaut.

Der Vergleich mit den Werten für den icedove (Thunderbird), den ich üblicherweise vor dem Firefox starte, zeigt besonders deutlich die extreme Systembelastung durch letzteren.

Ich habe es noch nicht ausprobiert, gehe aber mal davon aus, daß ich dieses Interface mit meinem Notebook (PIII/1150 MHz) nicht mehr nutzen kann, sondern dort nur noch über bitlbee draufkomme. Der wiederum hat derzeit ein Login-Problem bei Twitter, da muß ich nochmal auf Fehlersuche gehen (OAuth ist nicht der Grund, das funktionierte schon).

Timeline

Daß die Spalte mit den Tweets schmaler geworden ist, finde ich positiv; es erhöht die Lesbarkeit. Die Klappmenüs über der Timeline machen die Funktionen schneller und einfacher zugänglich. Der Fehler, daß die Retweets der eigenen Tweets (bei mir) erstmal von letztem Dezember an rückwärts angezeigt werden und ich erst mit einem Reload die aktuellen angezeigt bekomme, ist leider auch im neuen Twitter vorhanden. Ob ich die Anzeige der neuen Tweets und die Markierung angewählter Tweets in rosa gut finden soll, weiß ich noch nicht, das könnte aber auch vom Theme abhängig sein. 😉

Sehr praktisch ist, daß die Anzeige bei Antworten auf ältere Tweets nicht mehr nach ganz oben zum Eingabefeld springt und ich nach dem Abschicken wieder suchen muß, wo ich war, sondern ein separates Eingabefenster aufgeht und die Lese-Position erhalten bleibt. Ob man das unbedingt mit JavaScript machen muß, weiß ich nicht; das dürfte wohl vor allem der Optik geschuldet sein. Während des Schreibens in dieses separate Eingabefenster ist es mir allerdings schon zweimal passiert, daß ich durch irgend einen Tastendruck plötzlich viel weiter unten im Hauptfenster stand, während das Eingabefenster oben stehenblieb, und ich wieder raufscrollen mußte.

Daß man Bilder von Twitpic und auch Youtube-Videos direkt (per Overlay über die rechte Navigationsspalte) einblenden kann, sehe ich nur teilweise als Vorteil. Bei den Bildern ist das noch ein nettes Feature, bei Videos muß das wirklich nicht sein. Aber gut, man hat ja die Wahl, das Bild oder Video direkt einzublenden oder dem Link auf die Originalquelle zu folgen.

Weiterer Nachteil: Wenn ich einmal heruntergescrollt habe und wieder nach oben gehe, bleibt die Menge der Tweets nach unten hin stehen. Das RAM und ggf. der Swap bleibt gefüllt, entsprechend träge ist das System. Ich vermute, Linux fängt nach geschätzten 100 Tweets schon mit dem Swappen an. Ändern kann ich das nur mit einem Reload, das heißt, erst danach bekomme ich wieder nur die letzten 20 oder 25 Tweets angezeigt. RAM und Swap bleiben allerdings relativ voll.

Was mir auf dieser Seite des Fensters noch aufgefallen ist: Bereits zweimal waren in den letzten drei Tagen bei mir Tweets als Favorites markiert, die ich definitiv nicht so markiert hatte. Ich benutze die Funktion nur selten, meine Favorites sind quasi Lesezeichen auf besonders interessante Artikel.

Bereits im alten Layout hat mich gestört, daß ich nicht (wahlweise oder statisch) die an mich gerichteten Tweets von Leuten, denen ich selbst nicht folge, in der Timeline angezeigt bekomme. Dadurch sehe ich solche Erwähnungen manchmal erst Stunden später, weil ich natürlich nicht ständig in die separate Anzeige dieser Erwähnungen wechsle. Auch hier habe ich diese Möglichkeit weiterhin nicht. Hier hätte man eine echte Verbesserung einbauen können.

Navigationsspalte

Weder die „Trending Topics” noch die darunter untergebrachten Folge-Empfehlungen kann man wegschalten. Beides ist nicht unbedingt für jeden von Interesse. Für mich sind das Angebote, für die ich gern einmal mehr klicke, denn ich brauche sie nicht oft bzw. die Folge-Empfehlungen brauche ich eigentlich gar nicht. Ich suche mir das lieber selbst raus. Diese beiden Listen dürften daher meinetwegen gern auf separate Unterseiten verschwinden.

Angenehm ist, daß ich die letzten paar Follower jetzt direkt sehe. Unangenehm ist, daß ich das nicht ausblenden kann, denn die Avatare müssen ja immer wieder mit nachgeladen werden. Gerade diese kleinen Bildchen scheinen aber immer recht lange zu brauchen, warum auch immer. Der seit Monaten schon im alten Layout auftretende Fehler, daß die Anzahl der Follower manchmal um zwei zu hoch oder zu niedrig angezeigt wird, ist geblieben. An den angezeigten Avataren kann ich zwar jetzt sehen, ob sich wirklich was geändert hat, aber den Bug beseitigt das natürlich nicht. Mit dem Zählen hatte Twitter allerdings in den letzten zwei Jahren ja sowieso immer mal wieder Probleme. 😉

Die Anzeige der DMs (jetzt „Messages”, bzw. „Nachrichten”) fehlt jetzt völlig. Neu eingehende DMs sehe ich somit erst, wenn ich die Benachrichtigungsmail bekommen und gesehen habe. Ich schaue aber nicht ständig in mein Mailprogramm, auch wenn es die ganze Zeit über mitläuft, und genauso schaue ich auch nicht ständig in die separate Nachrichten-Anzeige. Die DM-Anzeige selbst ist allerdings deutlich besser und übersichtlicher geworden.

Von Blinden habe ich mittlerweile schon mitbekommen, daß das neue Webinterface nicht wirklich barrierefrei sein soll. Ich kann mir das auch recht gut vorstellen, daß es da Probleme gibt. Allerdings gibt es da wohl ein paar Alternativen, zum einen von Twitter selbst die Variante für Mobiltelefone, zum anderen zwei von Twitter selbst unabhängige Websites (Accessible Twitter und Tweete.net).

Fazit

Das neue Layout steigert die Übersichtlichkeit deutlich, verlangt dem System aber eine wesentlich höhere Leistungsfähigkeit ab. Von Barrierefreiheit ist es wohl weit entfernt. An einigen Stellen würde es auch weniger Aufwand tun, bei geringerer Anforderung an die Rechenleistung der Nutzer. So ein bißchen erinnert mich das an Microsoft, das auch in jeder Windows-Version dem PC deutlich mehr Leistung abverlangt. Das müßte, trotz einiger Vorteile, eigentlich nicht sein.

7 Kommentare zu “Das neue Twitter”

  1. micu quakte:

    Schöner Beitrag über das neue Twitterinterface (auch wenn ich meistens native Clients und nicht das Webinterface bevorzuge).

    Was die CPU-Last bzw. den Speicherverbrauch des Firefox betrifft: Du könntest es mal mit Chromium testen. Dessen JavaScript-Engine V8 gilt landläufig zumindest als deutlich performanter. Ich gebe mich der Illusion hin, das auch spüren zu können ;). Firefox ist mit seinem TraceMonkey (und dann ab Version 4 JägerMonkey) wohl momentan zumindest halbwegs gut am aufholen. Welche Version von Firefox/Iceweasel verwendest du denn?


  2. frosch quakte:

    @micu: Mein iceweasel ist der aus Debian Lenny (stable). Er meldet sich mit

    Mozilla/5.0 (X11; U; Linux i686; en-US; rv:1.9.0.19) Gecko/2010091807 Iceweasel/3.0.6 (Debian-3.0.6-3)

    Chromium hat mir schonmal jemand empfohlen, aber als ich ihn ausprobieren wollte, mußte ich feststellen, daß er nicht auf Lenny läuft. Da sind wohl ein paar libs zu alt. Auf dem genannten Notebook habe ich Opera laufen, der wenigstens etwas weniger RAM frißt, aber frei ist der halt nicht.


  3. Gerriet quakte:

    Ich hab denselben Rechner, aber mit mehr Speicher (2GB). Bei mir ist es ähnlich, unter FF (Windows) sehr langsamer aufbau. Unter UBuntu, macht der FF den Aufbau um einiges schneller. Echt seltsam. Ich fand das alte Design eigentlich besser. Aber unter windows konnte ich im FF kam was twitter, daher nehme ich auch leiber externe Tools zum twittern, obwohl ich mehr retweetet ;D


  4. micu quakte:

    @frosch: Ah ok. Das könnte zumindest ein Teil der Erklärung sein.

    Seit 2008 wird SpiderMonkey unter dem Projektnamen „TraceMonkey“ um verbesserte Tracingfunktionen erweitert. Die neue Engine ist erstmals in Firefox 3.5 enthalten.

    Quelle.

    Zu Chromium: Gut möglich, dass es den nicht bei Lenny gibt — ich habe aptosid (Debian sid). Aber bald kommt ja Squeeze — oder auch nicht so bald ;). Übrigens habe ich soeben herausgefunden, dass es auch Iron, die entgooglete Version von Chrome/Chromium, inzwischen für GNU/Linux gibt.

    Insgesamt sehe ich dein Geschwindigkeits-/Performanceproblem mit dem neuen Twitter auch als ein generelles an: Neue Software setzt oft neuere Hardware voraus bzw. in diesem Fall auch neuere Plattformen (also neuere Browser mit besseren JavaScript-Engines). That’s life.

    Kann man denn zum alten Twitter gar nicht mehr zurückkehren?


  5. frosch quakte:

    Naja, von wegen that’s life: Es ist unnötig, denn durch diese scheinbar selbstverständliche Voraussetzung wird man ja quasi dazu gezwungen, sich die nächste Generation PC zu kaufen. Ich meine, hier steht ein DualCore, der drauf wartet, daß ich auf ihn umsattle, aber eigentlich könnte der Athlon hier noch eine Weile laufen. Das einzige, was hier sonst noch so viel Last produzieren kann, ist ein ausgehender Webradio-Stream, weil das Live-Encoding viel CPU verlangt. Das habe ich aber mittlerweile auf einen anderen PC (P IV, 2,6 GHz) ausgelagert.

    Noch kann man zum alten Twitter-Layout zurückkehren, aber ich gehe mal davon aus, daß das nur noch zeitlich begrenzt möglich sein wird. Die werden ja auf Dauer kaum zwei Oberflächen pflegen wollen.


  6. micu quakte:

    Gebe dir recht. Das ist eines der Dinge, die ich an freier Software so schön finde: Bei proprietären Systemen wie Windows oder OSX stehst du i.d.R. irgendwann vor der Wahl: Kauf ich mir neue Hardware oder lass ich meinen Rechner mit veralteter Software laufen, die unmaintained und dadurch unsicher und nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist. Im Bereich der freien Software gibt es wenigsten noch schöne leichtgewichtigte BSD- und GNU/Linux-Distributionen und dergleichen, die den Rechner nicht in die Knie zwingen, die dennoch aktuell und maintained sind, und mit denen du quasi noch alles machen kannst.


  7. Niederrheiner quakte:

    Nicht zu vergessen wäre die Möglichkeit, gleichgesinnte Twitterer zu finden, welche bereits bei den vorletzten Änderungen in Twitter zum Vorschein kamen und unter Twitter-Suggest erreichbar ist. Diese Option ist für den themenrelevanten Aufbau einer Twitter-Timeline mehr als ideal.


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