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Ermittelt trotz Anonymisierung

13. October 2010 um 21:26 Uhr von Atari-Frosch

Die Polizei NRW meldet heute, daß sie einen Schüler, der mehrere Straftaten begangen hatte, ermitteln konnte, obwohl er Anonymisierungsdienste genutzt habe:

[…] Hierbei wurden zur Verschleierung Anonymisierungsdienste im Internet genutzt.

Der Polizei Bielefeld gelang es aber dennoch den Täter zu ermitteln. […]

Mit dieser Darstellung könnte (und soll vielleicht auch) der Eindruck erweckt werden, daß Anonymisierung im Internet gegen polizeiliche Ermittlungen nicht helfen würde. Allerdings führten hier möglicherweise nicht-digitale Informationen zum Täter: Zum einen schrieb dieser an die Betreiber der angegriffenen Websites E-Mails, zum anderen schrieb er auch Kleinanzeigen, vermutlich ebenfalls unter Nutzung von Anonymisierungsdiensten. Allerdings ist Anonymisierung noch nicht alles, wenn man seine Identität und seinen Standort verschleiern möchte.

Was gerne übersehen wird, ist, daß es Merkmale gibt, die ein Anonymisierungsdienst nicht verschleiern kann: Sprachstil, typische Satzkonstellationen, Rechtschreib- und Grammatikfehler, die besonders häufige Verwendung bestimmter Ausdrücke usw. Alle diese Merkmale sind nicht digital, haben überhaupt nichts mit dem Internet zu tun — und sind einem Menschen unter Umständen einfacher zuzuordnen als eine IP- oder Mailadresse.

Die verwendeten Anonymisierungsdienste werden zwar in der polizeilichen Pressemitteilung nicht genannt, daher kann ich nicht beurteilen, wie sicher sie sind. Mit der Ermittlung des Täters in diesem Fall hatten sie jedoch meiner Ansicht nach aufgrund der vorliegenden Informationen rein gar nichts zu tun.

Disclaimer: Das ist natürlich keine Aufforderung dazu, unter Mißbrauch von Anonymisierungsdiensten Straftaten zu begehen. Wer sowas Böses macht, den soll der Blitz beim *censored* treffen. ;-)


5 Kommentare zu “Ermittelt trotz Anonymisierung”

  1. H. Schrozberg quakte:

    Könnte auch ein Einschüchterungsversuch sein. Vor allem weil keine Details genannt werden und ich ehrlich gesagt werde den LKA’s noch dem BKA eine solche technische Höchstleistung zutraue. Wenns so einfach wäre würden kritische Blogger in bösen Ländern wie Deuts.. äh Iran, China etc. bereits nicht mehr schreiben oder leben. Oder der Schüler war einfach doof, kann ja auch sein.


  2. frosch quakte:

    @schrozberg: Ein LKA dürfte damit gar nicht befaßt gewesen sein. Genannt ist die Polizei Bielefeld, nicht das LKA NRW. Klar, auch lokale Polizeien sind — das weiß ich von Düsseldorf — ziemlich unfähig (und/oder gar nicht daran interessiert), im Netz irgend etwas zu ermitteln. Das war hier aber vermutlich gar nicht oder nur am Rande nötig.

    Für eine Einschüchterung reicht die PM meiner Ansicht nach eher nicht, da gehört schon ein wenig Verschwörungstheorie dazu, um das reinzuinterpretieren — oder sehr viel Naivität von seiten des Pressesprechers. Ich tippe allerdings stark auf Deine letzte Anmerkung. :-)


  3. H. Schrozberg quakte:

    Ich auf die Naivität von seiten des Pressesprechers


  4. Lars quakte:

    Erstmal sollte man beachten, daß auch in den Pressemitteilungen der Polizei oft Fehler und Ungereimtheiten stehen. Der Polizist im Pressedienst hat manchmal nichts mit dem Fall zu tun gehabt und versteht eventuell nichts vom Thema. Da mag es schon als »Verschleierung«/»Anonymisierungsdienst« durchgehen, wenn man einen gefälschten Absender in einer E-Mail verwendet.

    Im Spiegel-Online-Artikel (der auf dpa basiert) klingt es ein bißchen so, als hätte der Junge im Netz mit seinen Taten rumgeprahlt. Vielleicht in irgendeinem Forum, vielleicht bei (vermeintlichen) Freunden. Möglicherweise konnte man so recht schnell auf ihn schließen.

    Vermutlich hat er irgendwo bei dieser Tat deutliche Spuren hinterlassen, bei denen ein Anonymisierungsdienst nicht hilft. Und damit meine ich – ganz nach Occam’s Razor – nicht den Schreibstil, denn von dem auf irgendeine unbekannte Person online zu kommen, ist alles andere als trivial.


  5. Alex quakte:

    @Lars laß den Barttrimmer mal stecken. Der ist in deinem Fall falsch angewandt, weil du keine schlankere Theorie zu bieten hast.


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