Froschs Blog

Computer und was das Leben sonst noch so zu bieten hat

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Computer-Déjà-vu

18. November 2010 um 19:07 Uhr von Atari-Frosch

Vor drei Jahren, nur einen knappen Monat später, ging mein damaliger Hauptrechner seerose (P III/500) in Rente. In einer der übelsten Zeiten für mich im Jahr, was die Depressionen angeht, und relativ kurz vor meinen jährlichen Fahrten nach Mannheim (Mutter) und Berlin (Congress). Auch wenn seerose (Athlon 1800XP+) nicht so radikal abtrat — genaugenommen ist er sogar noch nutzbar, wenn auch mit Einschränkungen — fühlte ich mich daran erinnert, unter welchen Umständen ich den damals zusammengeschraubt hatte.

Mir waren jedenfalls die ständigen Abstürze zu viel geworden, ich fühlte mich ja schon wie ein Windows-User. Zunächst hatte ich ja Opera im Verdacht gehabt. Mir hatten auch andere gemeldet, daß Opera „gern mal abstürzt”, allerdings konnte keiner bestätigen, daß dabei X oder das ganze System mitgerissen wird. Ich hatte also am Freitag Abend, bevor ich ins Bett ging, einen memtest86 gestartet. Am nächsten Morgen kam ich rein, und der PC war einfach aus. Aber so richtig aus: Er ließ sich vorn nicht mehr einschalten. Trotzdem leuchtete mir die NumLock-Lampe an der Tastatur entgegen. Hö? Wie geht das denn?

Nach Aus- und wieder Einschalten direkt am Netzteil ließ er sich wieder starten, aber Opera stürzte wieder zweimal ab und nahm das ganze System mit, bevor ich zur OpenRheinRuhr aufbrach (dazu schreib ich auch noch was, ist schon im Draft). Am Sonntag, dem zweiten Tag der ORR, konnte ich mich dann von remote nicht mehr einloggen und mußte abends feststellen, daß da zwar so zwei bis drei Dutzend Cron-Prozesse im Speicher stehen, aber auch lokal kein Login mehr möglich war (eine User-Konsole hatte ich offen gelassen).

Also verlegte ich am Dienstag meine Netzaktivitäten kurzfristig aufs Notebook und schnappte mir einen hier schon länger rumstehenden Komplett-PC, der mir als „DualCore” bezeichnet worden war. Er stammte aus einer Firma, wo er wegen Hardware-Problemen aussortiert worden war, nur die Festplatte fehlte natürlich. Der Admin, der mir den PC als Dankeschön für eine Einrichtungshilfe überlassen hatte, hatte mir unter der Hand erklärt, es könne auch sein, daß da einfach ein Programm durchgeknallt war und der Rechner eigentlich gar nichts hat.

Die neue Maschine entpuppte sich als AMD Athlon 64 X2 Dual Core Processor 4400+ mit 2 x 2288 MHz auf einem Mainboard MSI K9N Neo V3 mit 2 x 1 GB DDR2-RAM. Für meine Verhältnisse ist das der reinste Luxus (auch wenn MSI bezüglich Mainboards eher eine Billig-Marke ist). Den ersten Umbau-Tag verbrachte ich allerdings vor allem damit, alle Daten von der IDE-Systemplatte auf die SATA-Datenplatte zu sichern, denn ich wollte auf der 40-GB-Maxtor als Systemplatte bleiben und trotzdem ein reines 64bit-System installieren. Außerdem bot es sich an, bei der Gelegenheit endlich mal die Platte zu verschlüsseln.

Nach der Datensicherung schraubte ich die beiden Festplatten, das DVD-ROM und die Soundkarte aus dem BigTower in das Midi-Gehäuse des neuen Rechners. Einen DVD-Brenner bringt der schon selbst mit, und zwar bereits für SATA. Oh, und einen Satz USB-Kartenleser am Frontpanel bringt er auch mit. An die Software-Installation machte ich mich dann gestern.

Als ich während der Basis-Installation vorm Partitionieren stand, fiel mir schon ein, daß ich /var/www beim Sichern vergessen hatte. Gut, daß es auf der Konsole nebendran (Alt+F2) eine einfache Shell gibt; die genügte, um die Partition sowie die SATA-Platte zu mounten und die Daten mal noch eben rüberzuschieben. Das war echt knapp: Ich war bereits im Partitionierungsmenü gewesen und hatte dort die letzte Partition der IDE-Platte gelöscht, aber noch nicht zurückgeschrieben. Die WWW-Daten stehen zwar an sich alle nochmal auf dem Webserver, allerdings würden dann ein paar Experimente, vorbereitete Sachen, Materialien sowie sämtliche Templates fehlen. Die möchte ich nicht alle neu bauen müssen. Ich werd alt ...

Aber auch dieser Rechner lieferte mir erstmal einige seltsame Effekte. So wollte die Basis-Installation erstmal nicht durchlaufen und brach mittendrin mit DMA-Fehlermeldungen ab. Beim zweiten Versuch (Partition vorher nochmal mit Zufallszahlen überschrieben) lief sie dann durch. Beim Zurückspielen der Daten von der SATA-Platte gab es zweimal Kernel Panic, wieder mit Fehlermeldungen bezüglich DMA, IRQ und IDE. Mein Verdacht: Der IDE könnte einen Hau haben. Das wäre unangenehm, denn das Board hat sowieso nur einen IDE-Anschluß (auch wenn der Linux-Kernel zwei erkennt), und wenn der Fratze ist, ist für mich das Board unbrauchbar: Ich habe nämlich keine SATA-Platte über, die ich mal eben als Systemplatte einsetzen könnte.

Später wollte apt-get irgendwann nichts mehr installieren und erzählte mir bei jedem Versuch was von einem Segmentation Fault. Einen Opera-Absturz gab es auch wieder, aber da kann ich nun wirklich nicht sicher sein, woran das lag. Unangenehmer war nur noch, daß icedove einfach immer wieder kommentarlos verschwand. Dadurch, daß apt-get nicht ging, konnte ich auch keinen ntp nachinstallieren. Der sollte zwar eigentlich in der Basis-Installation mitgekommen sein, fehlte aber trotzdem. Dadurch ging die Uhr etwa 17 Minuten vor.

Ja, hätte ich im BIOS mal einstellen können, aber BIOS-Uhren sind an sich nicht sehr zuverlässig. Allerdings kam ich nicht ins BIOS, da ist nämlich ein BIOS-Paßwort vor. Das muß ich mal noch entsorgen, wenn ich die Kiste nochmal aufmache (per Jumper oder BIOS-Batterie). Und aufmachen muß ich den Rechner nochmal, denn irgendwas „singt” da drin. Es klingt etwa wie ein alter Flachbettscanner, zwar leiser, aber trotzdem aufdringlich. Die Tonhöhe steigt bei Plattenzugriffen — und zwar bei beiden Platten, IDE und SATA.

Um den seltsamen Effekten auf die Spur zu kommen, ließ ich gestern Abend als letztes einen memtest86+ laufen. Ich mußte nicht lange warten: Bereits im ersten Test meldete mir das Programm mal lockere 287 Bitfehler in den Bereichen um 1088 und 1092 MB, also wohl am Anfang des zweiten Speicherriegels. Na prima.

Heute öffnete ich die Kiste wieder, nahm den zweiten RAM-Riegel raus, und seitdem läuft der Rechner sauber durch. Nicht mal Opera ist heute abgestürzt. Ich hoffe nun, daß die angeblichen IDE-Probleme auch eigentlich Speicherprobleme waren. Und daß die Maschine die nächsten paar Jahre läuft. Nur um DDR2-RAM sollte ich mich mal gelegentlich kümmern, denn wenn der eine Riegel, der jetzt noch drin ist, die Grätsche macht, steh ich ohne RAM da.

2 Kommentare zu “Computer-Déjà-vu”

  1. me quakte:

    Kleiner Tipp am Rande: Linux kann auch mit fehlerhaften Speicherriegeln umgehen (badram Bootoption, siehe z.B. http://www.linuxjournal.com/article/4489).


  2. frosch quakte:

    @me Kannte ich noch nicht, danke. Allerdings mag das bei kleineren Bitfehlern, die auch klein bleiben, noch sinnvoll erscheinen. Wenn ich Riesen-Blöcke habe, die es nicht mehr tun, und die erfahrungsgemäß dann auch noch wachsen, bringt es das nicht mehr.


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