Froschs Blog

Computer und was das Leben sonst noch so zu bieten hat

Zur Website | Impressum

Hardware-Fuckup

2. Dezember 2010 um 0:05 Uhr von Atari-Frosch

Heute kam's mal wieder dicke. Ich hatte vormittags einen Behördentermin gehabt (ausnahmsweise mal nichts mit bösen Nachwirkungen), vorher natürlich schon in die Mail und Twitter usw. geschaut und den PC laufen gelassen. Als ich etwa eine Stunde später zurückkam, sah die Oberfläche ein wenig ... kaputt aus. Die Menüleiste unten war durchgehend schwarz bis auf das Icon von XChat, und irgendwie fehlten auch die Ränder der Anwendungsfenster. Ein paar Tasten durfte ich noch drücken, dann blinkte die Tastatur im Takt, und der Rechner sagte gar nix mehr.

Nach dem Reboot kam von der Festplatte ein leises, aber regelmäßiges Ticken — ZU regelmäßig, um normal zu sein. Oder sagen wir besser: Nach dem versuchten Reboot. fsck meinte nämlich, eine Datenpartition auf der Systemplatte sei ein wenig sehr kaputt. Ich wurde in den Maintenance-Modus geschickt.

Dort versuchte ich, die SATA-Platte zu mounten, um sofort ein Backup zu ziehen. Das meiste steht von der Neuinstallation von vor knapp zwei Wochen dort noch drauf, ich wollte quasi nur ein Update machen. Aktueller geworden waren natürlich vor allem E-Mails. Aber die Partition ließ sich nicht mounten ...

Erster Verdacht: Mainboard. Das „singt” ja immer noch so vor sich hin und macht sich von daher schon verdächtig. Daß Boards ihre Fehler manchmal nur schleichend und unter optimalem Hardware-Verlust preisgeben, mußte ich ja schon früher erfahren. Leider läßt sich das nur sicher feststellen, indem man die zunächst kaputt gegangenen Komponenten tauscht und dann abwartet, ob die Ersatzteile in relativ kurzer Zeit wieder kaputtgehen. Und hier war das hörbar und erkennbar erstmal die Festplatte.

Das Backup meiner Mails etc. hätte ich dann aber doch noch ganz gern gemacht. Nach ein wenig Herumprobieren im Maintenance-Modus und dabei noch einem Ausflug über die grml64-CD und wieder zurück fand ich heraus, daß die SATA-Platte sehr wohl vorhanden war. Im Gegensatz zu sonst wurde sie im Maintenance-Modus allerdings nicht vor, sondern erst nach den vier USB-Kartenlesern erkannt und war daher nicht mehr sda, sondern sde. Damit konnte der Eintrag in der /etc/fstab nicht mehr funktionieren. Von Hand ging das Mounten dann natürlich, und ich konnte meine Daten noch sichern. Das Ticken wurde dabei allerdings immer aufdringlicher.

Also habe ich mir aus dem Hardware-Lager ein paar Platten zurechtgelegt: eine gebrauchte Maxtor mit 80 GB, eine gebrauchte ExelStor mit 40 GB und eine neue (Lagerware von 2003) WD mit ebenfalls 40 GB. Die Maxtor war ungetestet; auf der ExelStor klebte ein Zettel „nix druff” (nicht meine Handschrift). Zuerst verbaute ich die Maxtor; nach mehrmals nachprüfen und umjumpern stand fest: Sie läuft zwar an, wird aber vom BIOS nicht erkannt. Also habe ich sie erstmal zum Testen — zusammen mit der wohl defekten bisherigen Platte, ebenfalls einer Maxtor (40 GB) — beiseite gelegt.

Die ExelStor erklärte sich dann zur Mitarbeit bereit. Ich fing also mit der Debian-Installation an, aber als ich in den Teil mit der Partitionierung kam, hatte ich ein kleines Problem: Der Debian-Installer zeigte mir auf der Platte eine einzige Partition in voller Plattengröße und mit Filesystem ext3 an, gab mir aber keine Möglichkeit, diese zu löschen. Für eine wie vorgesehen verschlüsselte Platte muß ich ja vorn eine Boot-Partition abtrennen, die nicht verschlüsselt wird. Ich ging also auf die einfache Shell des Installers und rief dort fdisk auf. Der meinte jedoch, da gebe es keine Partition. Ich suchte noch eine ganze Weile im Installer nach einer Möglichkeit, diese Partition (oder Pseudo-Partition) loszuwerden, aber es gab einfach keine.

Abbruch der Installation, reboot mit grml64. Beim Booten gab es jedoch massiv Probleme; die CD war von Anfang Januar dieses Jahres. Also erstmal mit dem Notebook eine aktuelle Version gezogen und neu gebrannt — gut, daß das Notebook zufällig über einen Brenner verfügt. Mit der neu gebrannten CD ließ ich dann badblocks -vv -w über die Platte laufen und brach nach dem Beginn des zweiten Durchgangs ab. Dann wieder Reboot mit der Debian-Installations-CD, und diesmal konnte ich die Platte frei partitionieren.

Daß ich dann, obwohl ich genau das gleiche schon vor gerade mal zwei Wochen durchgezogen hatte, erst noch ausführlich überlegen mußte, wie man ein encrypted LVM mit selbst wählbaren Partitionsgrößen baut, und dafür dreimal ansetzte, bis alles stimmte, ist nochmal ein anderes Thema ... Allerdings muß man schon erwähnen, daß die Angaben im Debian-Installer dazu nicht gerade sehr hilfreich sind. Man muß wirklich selbst wissen, wann welches Menü anzuwählen ist, und kann dabei leicht in die falsche Richtung laufen — und zum Beispiel ein LVM einrichten und dabei die Verschlüsselung vergessen, wie es mir heute passiert ist.

Als er dann die Partition mit dem LVM mit Zufallswerten beschrieben hatte und ins Hauptmenü zurückkehrte, fehlte da was. Der nächste Punkt wäre gewesen, einen Boot-Manager zu installieren. Es wurde mir allerdings nur LILO angeboten. Den wollte ich aber eigentlich gar nicht, und er wollte auch nicht, als ich ihn dann doch mal auswählte.

Nun ja. Aus irgendwelchen Gründen hatte ich in dem Durcheinander verpeilt, daß ich die Boot-Partition zwar angelegt hatte, aber statt eines Filesystems nur „do not use” angegeben war. Nachdem ich sie für ext3 konfiguriert hatte, stand wie gewünscht auch wieder der grub im Hauptmenü zur Auswahl. Ich ging sicherheitshalber nochmal einen Schritt zurück und wiederholte die gesamte Partitionierung, allerdings ohne die Zufallswerte nochmal auf die Platte schreiben zu lassen, denn das dauert bei fast 40 GB doch ein paar Minuten.

Direkt danach gab es dann eine böse Überraschung: Das System fror ein. Ein neuer Hinweis also, daß es mit der Platte allein nicht getan sein könnte. Trotzdem machte ich nach dem Reboot einfach mal frech an derselben Stelle weiter und konnte die Installation auch tatsächlich zu Ende bringen. Reboot ins neue System, alles an nötigen Programmen installiert, dann Backup zurückgespielt. Oder auch nicht. Hier gab's den zweiten Absturz. Nach dem Reboot sagte mir bereits das BIOS: RAM error.

Einmal tief durchatmen ...

Ich hatte noch genau einen DDR2-RAM-Riegel. Langsamer als der bisherige, also 667 statt 800 MHz, aber immerhin auch 1 GB. Ich zog den 800er raus, steckte den anderen dafür rein und versuchte das nochmal. Obwohl der Baustein ein wenig langsamer sein sollte, wirkte alles ein wenig flüssiger, gerade beim Booten. Auch bei der grml-CD hatte ich da seltsame Stockungen gesehen, die sich nicht mit dem langsamen DVD-Rom-Laufwerk erklären ließen. Das Zurückspielen des Backups lief damit einwandfrei durch, und dabei gingen doch einige Gigabyte durchs System.

Allerdings machte sich gerade bei diesen größeren Datenmengen (ich müßte mein /home echt mal aussortieren ...) bemerkbar, daß die ExelStor nicht ganz so schnell ist. Und man hört sie auch deutlicher bei den Schreib- und Lesezugriffen. Mehr noch als der langsamere RAM-Riegel ist also jetzt erstmal die Platte eine Bremse im System. Daran kann ich aber jetzt erstmal nichts ändern; ich bin ja schon froh, wenn alles wieder stabil läuft. Wobei das mit der Stabilität ja noch leicht unklar ist, falls die Probleme am Ende doch vom Board ausgehen sollten ...

Nun habe ich also wieder ein arbeitsfähiges System, und das darf dann bitte mal mindestens bis Januar durchhalten, wenn ich wieder mehr Zeit investieren kann. Zumindest, wenn die Gesundheit mitspielt; Anfang bis Mitte Januar habe ich, seit ich Depressionen habe, bis auf eine Ausnahme immer einen massiven Absturz gehabt. Es ist nicht so, daß ich drauf warte, aber ich muß halt leider damit rechnen.

Ja, eigentlich hätte ich heute was anderes vorgehabt ...

[Update 2010-12-05 11:05] Am Donnerstag klackerte etwas im System, hörte aber auf, als der Bootvorgang beendet war und der Prompt erschien Daher konnte ich es auch nicht einem bestimmten Gerät zuordnen.

Am Freitagmorgen hörte das Klackern nicht mehr auf. Der Bootvorgang dauerte etwa zwei bis drei Minuten. Ich habe nur noch Backup nachgesichert und wieder runtergefahren, bevor ich nach Mannheim gefahren bin. Es ist wohl doch das Board. Ersatz ist aber schon angekündigt. Nach meiner Rückkehr geht's weiter. [Update]

Ein Kommentar zu “Hardware-Fuckup”

  1. Fozzie quakte:

    Professionelle Fehler-Diagnose – gut gemacht!


Kommentieren

Bitte beachte die Kommentarregeln!

XHTML: Du kannst diese Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>