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Armut und Gesundheit

21. Dezember 2010 um 22:24 Uhr von Atari-Frosch

Die TAZ berichtet heute, daß sich Bundesgesundheitsminister Rösler für arme Leute eher weniger interessiert.

Neu an den Ergebnissen der Linken-Anfrage ist, dass sie belegen, wie gering das Interesse der Bundesregierung ist, sozial schwache Menschen in gesundheitlichen Belangen zu unterstützen.

Das ist überhaupt nicht neu, liebe TAZ. Generell hatten die Bundesregierungen mindestens der letzten zehn Jahre überhaupt kein Interesse daran, arme Leute irgendwie zu unterstützen. „Sozial schwach” ist übrigens meiner Meinung nach eher ein Neusprech-Wort, denn wir sind nicht „sozial schwach”, sondern einfach arm. „Sozial schwach” ist doch eher eine Bundesregierung, die sich einen Dreck um das Sozialstaatsprinzip schert.

Die Gesundheitsreform von FDP-Minister Philipp Rösler setzt vor allem auf Eigenverantwortung und Prävention.

Genau, und nicht auf das Solidaritäts- oder Sozialstaatsprinzip. Wie sich jemand, der kein Geld hat, eigenverantwortlich absichern soll, verrät der schlaue Herr Rösler natürlich nicht, und für ihn selbst ist es natürlich kein Problem. Ich bin sicher, er ist privat versichert und zahlt nicht freiwillig in eine gesetzliche Krankenversicherung ein.

Vor allem, wenn Daten zur ungleichen Verteilung sozialer oder Gesundheitschancen abgefragt wurden, heißt es oft, dazu lägen keine Erkenntnisse vor. [...] Um das zu erfahren, hätte die Bundesregierung die Jobcenter fragen können. Die wissen nämlich, woran „ihre” Kranken leiden: an Gelenk- und Rückenerkrankungen, an Störungen des Immunsystems und an Depressionen.

Ist ja auch klar: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Was man gar nicht wissen will, wird also auch nicht hinterfragt oder irgendwie untersucht. Man will ja in der Richtung auch gar nichts tun, warum also Fragen stellen?

Es gilt weiterhin und dann noch verschärft: Wer in der Wirtschaft nicht zu gebrauchen ist, soll bitte sterben gehen. Grundrechte? Menschenrechte gar? Brauchen wir nicht, die sind doch nur wirtschaftsfeindlich.

5 Kommentare zu “Armut und Gesundheit”

  1. Initiative Soziales Dorf quakte:

    Wir sind der Meinung, daß man gerade bei dieser großen Gesellschaftsaufgabe beherzt anfassen muß.
    Wir heisst die Initiative für ein ‚Soziales Dorf‘.

    Heute, kurz vor Weihnachten ist nicht zufällig, sondern voll beabsichtigt unser erster Newsbeitrag zum Vorhaben ‚Soziales Dorf‘ erschienen – im Kern ein ganzheitliches Gesundheits- und Lebensraumprojekt für sozial betroffene Menschen in Arbeitslosigkeit, Armut und chronischer Krankheit.
    http://www.theintelligence.de/index.php/gesellschaft/soziales/1925-projektidee-soziales-dorf-ein-weihnachtsstern-gegen-die-soziale-kaelte.html


  2. frosch quakte:

    @Soziales Dorf: Schöne Initiative, das bringt vielleicht wirklich 60 Menschen aus der Zwangsverarmung. Andererseits: 60 … von wievielen Millionen? 6,5? Oder doch 10? Nehmen wir den Niedriglohnsektor dazu, der wohl mittlerweile über 20 % der Arbeitnehmer ausmacht, nochmal ein paar Millionen? — 60 Menschen, um die sich dann kein Amt mehr kümmern muß, auf Dauer zumindest, wenn das gutgeht. 60 Menschen, für die dem Sozialstaat die Verantwortung abgenommen wird. 60 Menschen, über deren Fehlen in der Statistik sich ARGE-Mitarbeiter freuen dürfen.

    Leider ändert es überhaupt nichts am Gesamtzustand.

    Trotzdem werde ich das mal im Auge behalten, obwohl ich vermute, daß so ein ländliches Leben für mich nicht ganz das Richtige wäre. 😉


  3. Initiative Soziales Dorf quakte:

    @Frosch
    Stimmt schon, es zunächst eine Projektidee für den Kreis Minden-Lübbecke. Bei unseren Berechnungen gehen wird von derzeit 130 DorfbewohnerInnen aus.
    Es entstehen dabei ca. 60 feste ordentliche bezahlte Arbeitsplätze, nach deiner Betrachtung, nur 60. Ist schon richtig, was du schreibst …

    Aber, es ist auch ein Modellprojekt, das in anderen Regionen genauso, ähnlich oder in anderen Varianten sehr gut vorstellbar, sprich machbar ist.
    Und es soll ein Modellprojekt für Sozialen Wandel werden, verwirklicht durch sog. Sozialunternehmen (Social Entrepreneurship). Bitte mit nicht den üblen Beispielen von Ausnutzung durch sog. soziale Unternehmungen verwechseln, die einfach nur die Beschäftigten ausbeuten.

    Man kan damit nicht das gesamte Problem der Arbeitslosigkeit in Deutschland lösen, aber sehr wohl neue Wege aufzeigen, Wege, die bisher keiner sehen will.
    Da geht deutlich mehr als du in Kürze darstellst.


  4. vera quakte:

    Sagen wir mal so: Initiativen wie ‚Soziales Dorf‘ werden mehr, und diese Hilfe zur Selbsthilfe ist ein richtiger Ansatz.


  5. Initiative Soziales Dorf quakte:

    @vera
    Leider gibt es noch viel zu wenige, die sich beherzt mit einer wirklich sozialen, guten Idee engagieren. Kann ich allerdings verstehen, kostet eine Menge Kraft und man weiß nie, ob man Erfolg hat, sprich die Idee zur Umsetzung kommt.

    Und Unterstützung, Mithilfe bekommt man auch nicht so schnell. Naja, will mich nicht beschweren.

    Gruß
    Detlef


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