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Helfen mit „altmodischer Technik”

29. Januar 2011 um 21:21 Uhr von Atari-Frosch

Eines der größten Probleme, die die protestierenden Ägypter derzeit haben, ist, daß die Internet-Zugänge größtenteils gekappt wurden. Seit heute bauen Aktivisten Funkstrecken und Fido-Mailboxen (wieder) auf, um Alternativen zu bieten, damit die Menschen dort sich sowohl selbst auf dem aktuellen Stand halten als auch den Rest der Welt über ihre Situation informieren können. Auch Faxverbindungen werden wohl gelegentlich genutzt. Wir können helfen, die Situation zu verbessern!

Benötigt wird ein Analog-Modem (nicht ISDN), ein internetfähiger PC und ein Internetanschluß (DSL; wer einen Kabelanschluß hat, könnte an technischen Hürden scheitern, denn wenn darüber auch der Telefonanschluß läuft, kann man daran nicht so einfach ein Analogmodem betreiben). Die Menschen dort können sich dann über die normale Festnetzverbindung bei Euch einwählen und dann Euren Internetzugang mitbenutzen. Fragt nicht nach deren Kosten, ich glaube, die sind da grade nicht so wichtig ...

[Update] Da das heute anscheinend kaum noch jemand weiß: Man kann zwar mit einem ISDN-Anschluß bei einem Analog-Anschluß anrufen und umgekehrt, aber man kann auf diesem Wege keine Datenverbindung aufbauen! Deshalb braucht man an einem ISDN-Anschluß für einen Datenkontakt zu einem Analogmodem entweder eine Telefonanlage oder mindestens einen einfachen A/D-Wandler und dahinter dann wieder ein Analogmodem. Ausnahme sind sogenannte Hybridmodems, die ISDN und analog können, die haben den A/D-Wandler dann schon eingebaut und erkennen bei Anruf, ob der Anrufer analog oder ISDN übertragen möchte. Hybridmodems waren aber, soweit ich weiß, nie sonderlich weit verbreitet.[/Update]

Hier ist eine Anleitung für Linux-User, wie sie den Dialin einrichten können, wobei es, wie bei Linux üblich, sicher auch noch andere Wege gibt 🙂 [Update 2011-01-29 22:45] Diese Anleitung scheint mir deutlich aktueller zu sein. [/Update]

Wenn Du mitmachen willst und Hilfe brauchst oder den Dialin fertig hast, melde Dich bitte bei Telecomix oder bei @herrurbach auf Twitter, damit die Information auch nach Ägypten kommt. Das wird dort über Funk hingemorst!

Auch Amateurfunker sind übrigens aufgerufen, mitzuhelfen. Außerdem sind für diejenigen, die in Ägypten noch einen nutzbaren Internetzugang haben, sowohl OpenVPNs als auch TOR-Bridges nützlich.

An meinem OpenVPN arbeite ich derzeit, ein(e) TOR-Bridge oder -Relay bau ich hinterher. Einen Dialin könnte ich zwar theoretisch auch bauen, aber dazu müßte ich in die Konfiguration meiner Telefonanlage — und die spricht nur mit Windows-Rechnern. Alternative wäre eine andere Telefonanlage, aber die kann ich nicht mal eben beizaubern. Und dann ist da ja noch die Mailbox-Baustelle, die hier auf dem Tisch nebendran steht und zu der ich einfach nicht komme ...

Ach ja, wenn Ägypten wieder am Netz ist, rechne ich persönlich nicht damit, daß solche Hilfsmittel überflüssig werden. 2011 könnte das Jahr der Revolutionen in den arabischen Staaten werden. In Jordanien und im Jemen ist auch schon die Kacke am Dampfen, und auch Libyens Ghaddafi und den Bossen in Saudi-Arabien geht schon langsam der Arsch auf Grundeis. Und wenn all das vorbei ist, gibt es ja immer noch China ...

7 Kommentare zu “Helfen mit „altmodischer Technik””

  1. Mela quakte:

    Hatte nicht Syrien auch schon abgeklemmt? Das geht bei dem ganzen Trubel in Ägypten total unter.


  2. frosch quakte:

    @Mela: Das mit Syrien war wohl eine Ente, die von Al Arabiya verbreitet worden war. Ein Twitter-Account aus Damaskus hat erklärt, daß davon nichts bekannt sei.


  3. Bits of Freedom quakte:

    Dass es in den öl- und gasexportierenden Staaten Aufstände gibt, halte ich für unwahrscheinlich. Die können ihre Bevölkerung besser „bestechen“.


  4. Hans Carlos quakte:

    Die Ehre der ersten Internet „Vollsperrung“ kommt doch Myanmar (Birma) zu,


  5. Ubuntu-user quakte:

    Warum nicht einfach gleich bei einem deutschen Call-by-Call-Provider anrufen (z.B. 12online).
    Tarife gibt’s hier: http://www.tariftip.de/internet-tarife.html

    aktuell bei 12online ( http://www.12online.de/12_tarifinfo.htm ): 0,21 Cent pro Minute (8-18h, d.h. tags) unter 01916 4231
    bzw. 18-8h (d.h. nachts) unter 01916 4232, auch 0,21 Ct/min. Benutzername und Kennwort jeweils online/online
    Auch Kanalbündelung ist damit möglich (ISDN).

    Der Tarif gilt noch bis 28.2.2011


  6. Hoshpak quakte:

    Schöne Zusammenfassung. Leider scheitert es wohl bei vielen Leuten (bei mir zumindest) an zwei Punkten, Analogmodem und analoger Telefonanschluss. Die aktuell propagierten Tarife enthalten ja in der Regel einen entbündelten DSL-Anschluss und Telefojn über SIP/VOIP. Es soll zwar auch möglich sein, Dial-In über SIP aufzubauen, nach den bisherigen Erkenntnissen scheint das aber instabil und langsam zu sein.

    Naja, zumindest meine Tor-Bridge läuft und wird momentan hauptsächlich von Chinesen benutzt. Hoffen wir mal, dass Ägypten gleich wieder online kommt und es keine weiteren Toten gibt.


  7. Nils quakte:

    Die Idee mit den deutschen Call-by-Call-Providern funktioniert nicht, da diese ausländische Einwahlen blocken, um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben. Daher bleibt nur die Möglichkeit, selbst als DialIn-Provider seine Leitung über Analogmodem der Welt zur Verfügung zu stellen. Alternativ halt wie bereits gesagt die OpenVPN- und Tor-Lösungen. DialIn scheitert bei mir mangels Hardware, aber ich setzte gerade ne Tor-Bridge auf und danach kommt OpenVPN dran.


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