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Zuständigkeit für eine Baustelle (4)

9. März 2011 um 14:40 Uhr von Atari-Frosch

In Teil 4 dieses Dramas lernen wir die Presseabteilung der Rheinbahn kennen sowie deren Fähigkeit, mit Textbausteinen zu werfen. Auf die Nachricht hin, die ich dort ins Kontaktformular eingeworfen hatte, kam mittlerweile eine Antwort — per Post.

Als Kontakt-Telefonnummer stand im Briefkopf wieder einmal die 01803-504030, wo man mir bereits gesagt hatte, daß man eben nicht zuständig sei. Als Anlage liegt dem Brief das Infoblatt bei, das bereits Anfang Februar hätte in unserem Hausgang hängen sollen, vermutlich nach dem Motto „besser spät als nie”.

Und das hier stand drin:

Sehr geehrte Frau Becker,

für Ihre Mitteilung über nächtliche Arbeiten im Bereich Fürstenplatz, danken wir Ihnen. Nur durch solche Mitteilungen haben wir die Möglichkeit Kenntnis von geschilderten Sachverhalten zu erlangen und der Sache nachzugehen.

Dass Ihnen durch diese Lärmbelästigung Unannehmlichkeiten entstanden, bedauern wir sehr. Wir haben unsere Fachabteilung auf Ihre Nachricht aufmerksam gemacht. Für die von Ihnen genannten Baumaßnahmen wurde von der Stadt Düsseldorf ein Ausnahmegenehmigung für die Arbeiten am Wochenende und in der Nacht ausgestellt.

Bauarbeiten im Rahmen des technisch machbaren werden wir so gut es geht über Tag verrichten und die Nachtarbeiten versuchen wir weitestgehend zu vermeiden. Die von Ihnen angesprochenen Arbeiten waren dringend notwendig, da der Streckenabschnitt Unebenheiten aufwies. Durch die Gleisarbeiten werden wir eine sehr hohe Geräuschminderung erzielen.

Wir möchten natürlich mit den Anliegern unserer Strecken in guter Nachbarschaft leben. Falls Sie noch Fragen haben, rufen Sie uns an, wir kümmern uns individuell um Ihr Anliegen.

Mit freundlichen Grüßen
Rheinbahn AG

(zwei Unterschriften)

Das mit der Kommasetzung und der Grammatik bzw. den Wortformen üben wir auch mal noch, das aber nur nebenbei.

Auf den letzten Absatz bezogen muß ich vermuten, daß man sich mit dieser Antwort eben nicht individuell um mein Anliegen kümmern wollte. Dafür soll ich dann bitte eine Nummer anrufen, die auch garantiert unzuständig ist. Ja ne is klar.

Stattdessen wählte ich die angegebene Mailadresse. kundendialog@, das klingt doch mal sehr, äh, viel versprechend (und wenig haltend, wenn ich so bedenke, was in letzter Zeit alles „Dialog” genannt wurde), und schrieb:

Sehr geehrter Herr ...,

ich muß mich über Ihre Antwort doch sehr wundern. Für mich sieht das danach aus, als hätte ein Praktikant meine Beschwerde maximal überflogen und dann ein paar Textbausteine zusammengesucht, um „irgendwie” antworten zu können und darauf zu hoffen, daß das Thema damit erledigt sei. So einfach mache ich es Ihnen nicht. 🙂

Die Lärmbelästigung durch die Baustelle war nämlich gerade NICHT das primäre Anliegen meiner Beschwerde, wenn auch eine zusätzliche unangenehme Begleiterscheinung. Das wäre leicht herauszufinden gewesen, hätte man meine Beschwerde (richtig bzw. überhaupt) gelesen.

Ich wiederhole mich ja ungern, aber offenbar ist es nötig:

1. Es ging um mangelnde Information.

[Eigenzitat]
vor dem Haus, in dem ich wohne, wird gerade die Straße aufgerissen. Es gab entgegen der Behauptung der Leute an der Baustelle KEINE Information der Anwohner. Die angeblich 500 Infoblätter hat dann wohl der beauftragte Sub-sub-sub-sub-Unternehmer direkt in die Altpapier-Container gekippt?

[...] Ich mußte mehrfach herumtelefonieren (es gab ja keine Information) und landete schließlich beim Umweltamt der Stadt Düsseldorf (494949), wo man sich „erkundigen” wollte — und sich dann nicht mehr meldete.
[Ende Eigenzitat]

Darauf sind Sie nicht eingegangen. Daß Sie mir das Informationsblatt jetzt, also quasi hinterher, per Post geschickt haben, nützt mir herzlich wenig. Das hätte VORHER in unserem Hausgang hängen müssen. In unserem Haus ist es üblich, daß solche Aushänge hängengelassen werden, oft sogar über den Termin hinaus (z. B. auch bei Schornsteinfeger-Ankündigungen). Es gab aber nichts, was hätte hängenbleiben können.

2. Es ging um Vibrationen.

[Eigenzitat]
Im Gegensatz zu den vorherigen Baustellen wackelt diesmal hier buchstäblich das Haus. Die Vibrationen gehen bis in den 5. Stock, und hintenraus wackeln noch die Fenster und außen die Regenrinnen. Niemand kann mir erzählen, daß das der Bausubstanz guttut. Ich habe hier noch kein Erdbeben erlebt, das dermaßen stark ausfiel! Das ging doch auch bei den letzten Malen ohne Wackelei, wenn auch mit viel Gedröhn, warum muß diesmal alles wackeln?

Seit 23:30 Uhr geht das jetzt schon, aber es ist nicht das erste Mal. Schon als vorletzte Wochenende am Fürstenplatz aufgerissen wurde, hat hier alles vibriert, schon stark genug, um mir Sorgen um das Mauerwerk des Hauses zu machen. [...]
[Ende Eigenzitat]

Auch darauf sind Sie mit keinem Wort eingegangen. Ich bestehe jedoch auf einer Antwort.

Schließlich bekam ich auf die Frage, warum die Arbeiten nötig sein sollten, zwei Antworten. Eine direkt von Ihnen:

[Zitat]
Die von Ihnen angesprochenen Arbeiten waren dringend notwendig, da der Streckenabschnitt Unebenheiten aufwies.
[Ende Zitat]

(Und wo kamen die her? Vom Himmel gefallen?)

Und eine mit einem Umweg über die Grünen Bilk:

Ein Herr A[...] von der Rheinbahn schrieb an einen Herrn S[...] von der Stadt Düsseldorf:

[Zitat]
die Erneuerung der Gleise wurde aufgrund von Tragfähigkeits- und Oberflächenschäden des Gleises notwendig. Die Maßnahme wird in zwei Bauschnitten [sic] umgesetzt; der erste Bauabschnitt erfolgte 2010 und in diesem Monat folgt nun das Gleis in Fahrtrichtung Hauptbahnhof aufgrund der Freihaltung von Straßenraum für Rettungsdienste.
[Ende Zitat]

Insbesondere aus dem zweiten Zitat muß ich schließen: Die Rheinbahn hat bei der Planung des letzten Umbaus dieser Gleise* an irgendeiner Stelle schlicht Mist gebaut bzw. zu kurz gedacht, weshalb es so kurzfristig erneut notwendig wurde, die Gleise schon wieder herauszureißen.

* Laut Grüne Bilk wurde 2009 Flüsterasphalt verlegt, was im April 2008 natürlich eine noch völlig unbekannte Technologie war (wer Ironie findet, darf sie behalten). Also wurden 2008 Gleise ausgetauscht, 2009 nochmal dasselbe, um den „vergessenen” Flüsterasphalt zu verlegen, das aber mit schlechter Planung, um 2010/11 die Schäden daraus (vielleicht) wieder auszubügeln?

Allein aufgrund des kurzen Abstandes seit dem letzten Gleisaustausch hatte ich genau das — nämlich schlechte Planung — bereits stark vermutet. Dann ist mir auch klar, warum ständig die Fahrpreise erhöht werden müssen.

So, und nun hätte ich bitte gern noch eine Antwort OHNE Textbausteine.

Mit freundlichen Grüßen

... Fortsetzung folgt.

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