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Es war wichtig!!!1!!

4. Mai 2011 um 17:28 Uhr von Atari-Frosch

Die Berichte um den Tod von Osama bin Laden bleiben unvollständig, und es ist zu befüchten, daß wir nie erfahren werden, was dort in der Villa in Abottabad in Pakistan wirklich geschah. Zuerst hieß es, Osama bin Laden sei bewaffnet gewesen, dann später, es sei es doch nicht gewesen und habe nur drohende Bewegungen gemacht. Na, das ist natürlich hochgefährlich. Und es genügte offenbar, um die (von höchster Stelle) gegebene Autorisierung, bin Laden zu töten, auch zu benutzen:

The authority here was to kill bin Laden. And obviously, under the rules of engagement, if he had in fact thrown up his hands, surrendered and didn't appear to be representing any kind of threat, then they were to capture him. But they had full authority to kill him.

(CIA-Chef Panetta laut Telepolis, Seltsame Informationspolitik des Weißen Hauses)

Interessant ist in diesem Zusammenhang aber noch etwas anderes. Genauso erschreckend wie die „Freude” und das Lob von Angela Merkel und anderen für diesen Mord ist, daß sich die Republikanische Partei der USA dafür lobt, die Informationen zum Auffinden von Bin Laden erfoltert zu haben. Begründung: Die Informationen waren wichtig! Und dann darf man schonmal foltern, das muß die Welt doch verstehen, weil es doch soooo wichtig war!

Hier entwickelt sich etwas wahnsinnig Gefährliches. Und ich fürchte, auch wenn man mich dafür als Verschwörungstheoretiker abtun mag, daß sich diese grauenhafte Tendenz von den USA aus auch auf Europa übertragen wird. So, wie Angela Merkel Obama gelobt hat, ist das wirklich abzusehen. Die findet das toll, wie die das hingekriegt haben, das müßte hier doch auch zu schaffen sein?

Tötung von Verdächtigen ohne Gerichtsverhandlung.

Folter, um „wichtige” Informationen zu erlangen.

Unfaßbar.

25 Kommentare zu “Es war wichtig!!!1!!”

  1. micu quakte:

    Leider muss ich dir Recht geben — leider, da ich gerne eine(n) Bundeskanzler(in) hätte, die/der sich klarer zu den Menschenrechten bekennt.

    Denn verkommen die Menschenrechte nicht zur einer Farce, wenn wir nicht gerade bei denen, denen wir sie am wenigstens zugestehen wollen, am penibelsten darauf achten, dass sie fein säuberlich bürokratisch eingehalten werden — so gut wie nur möglich zumindest? Genau diesen »Luxus« Menschenrechte sollten wir imo anstreben uns™ zu leisten. Und wenn uns™ das mal nicht gelingt, sollten wir uns darüber zumindest nicht freuen.

    2 imho sehr gute Kommentare zum Fall bin Laden:
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=9278
    http://www.tagesthemen.de/kommentar/kommentarschoenenborn100.html


  2. marc quakte:

    Ich wurde Skeptisch als ich erfuhr das er wenigen Stunden nach der Ermordung per Seebegräbniss bestattet wurde, als wenig später berichtet wurde das es eine DNA Untersuchung gab, stellte ich mir die Frage wo man die Gegenprobe der DNA herbekam, ich denke wir werden die Wahrheit nie erfahren


  3. Fjunchclick quakte:

    Ja, unter der dünnen Haut der sogenannten Zivilisation stößt man auf die Steinzeit. Da wird gemordet und gefoltert, was das Zeug hält. Die einen machen es durch Selbstmord-Attentäter und religiösen Fanatikern, die anderen durch Navy-Seals und „Verhörspezialisten“. Einen großartigen Unterschied sehe ich da nicht.

    @marc
    Es war wohl eher eine Verklappung als ein Begräbnis.


  4. Johann quakte:

    Hi,

    der Zweck heiligt wohl wirklich langsam die Mittel.

    Im Prinzip ist es ja nicht nur in der Politik so. (Ich weiß, alter Schuh) Wenn in einer Gesellschaft Gewinnsteigerungen entlassungen rechtfertigen, wie kann man dann von den Politikern erwarten, dass die sich moralisch verhalten.

    Außerdem was will man von einer Kanzlerin erwarten, die selber nicht in einer Demokratie groß geworden ist.

    Schlimme Entwicklung und gut, dass du den Artikel verfasst hast.

    Johann


  5. frosch quakte:

    @Johann: Dem Argument „… die selber nicht in einer Demokratie groß geworden ist” muß ich widersprechen. Das würde ja unterstellen, daß jeder, der aus einem nichtdemokratischen Staat kommt, Demokratie nie begreifen und umsetzen könnte oder würde. Die Herkunft spielt da keine Rolle, das hat was mit Überzeugungen zu tun.

    Eher sollte man sich fragen, ob Frau Merkel nicht zu viel von dem verinnerlicht hat, was sie in der ehemaligen DDR repräsentierte. Sie war dort ja eben keine einfache oder gar unterdrückte Bürgerin.


  6. blank quakte:

    Bin Laden lediglich als „Verdächtigen“ zu bezeichnen, ist nichts Geringeres als eine besserwisserische Form der Realitätsverweigerung. Nur *formaljuristisch* ist er ein Verdächtiger, solange keine Verurteilung vor einem Gericht erfolgt ist. Wenn ich vor aller Augen jemanden umbringe, ist meine Schuld sofort erwiesen, auch ohne gerichtliche Verurteilung, die lediglich ein *formaler* Akt ist, kein an sich *gerechter* Akt. Gott sei Dank ist die Welt noch nicht vollständig bürokratisiert.


  7. frosch quakte:

    @blank Und deshalb darf man ihn ohne Gerichtsverhandlung abknallen?


  8. Fjunchclick quakte:

    Leider sind sehr viele Leute genau dieser Meinung.
    Schließlich ist bin Laden doch ein Terrorist und Mörder (wen interessieren da schon Beweise und Gerichtsurteile? Man weiß doch aus dem Fernsehen ganz genau, was für ein Mensch das war!).
    Dass sie sich mit so einer Einstellung mit eben diesen Terroristen und Mördern auf eine Stufe stellen, begreifen sie offensichtlich nicht.


  9. Fjunchclick quakte:

    @blank
    Ja, es ist schon eine feine Sache, dass Regierungen ganz unbürokratisch Menschen umbringen können, oder? Leider ist das bisher nur in sogenannten Schurkenstaaten wie z.B. China, Libyen, USA, usw. so.
    Aber keine Angst, die Chancen, dass das auch bei uns bald möglich sein wird stehen nicht schlecht. Ihre Freude über solche Praktiken hat unsere, natürlich dem Christentum und der Demokratie verpflichtete, Kanzlerin ja schon in aller Deutlichkeit geäußert.


  10. blank quakte:

    @frosch: Wichtig ist, dass man ihn *kriegt*. Wenn man ihn nur kriegt, indem man ihn „abknallt“, wie du sagst, muss man das machen. Wenn man ihn auch kriegen würde, ohne ihn „abzuknallen“, dann muss man das auch nicht machen.

    @fjunchchlick: Der Unterschied zwischen denen, die den Medien glauben und denen, die ihnen nicht glauben, ist der, dass letztere überhaupt keine Informationsquelle haben, noch nicht einmal eine unglaubwürdige. Solche Leute sind vielmehr der Meinung, selbst bereits alles durchschaut zu haben — sie brauchen keine Medien mehr, sie wissen ohnehin genau, wie der Hase läuft. Das macht sie noch weniger glaubwürdig als diejenigen, die wenigstens den einigermaßen seriösen Quellen glauben wie z.B. ZEIT, TAZ etc.


  11. frosch quakte:

    @blank Das war aber nicht Deine erste Aussage. Du meinst, jemand sei allein schon schuldig und zu verurteilen, wenn er beobachtet würde, und die Verurteilung sei nur noch eine Formalität? So einfach ist das nicht. Das Gericht bezieht Umstände mit ein, die in der konkreten Situation möglicherweise gar nicht zu erkennen waren — auch solche, die eventuell eine Strafminderung rechtfertigen. Und ja, das gilt auch für Osama bin Laden bzw. hätte für ihn gelten müssen. Genauso übrigens wie für die Gefangenen von Guantanamo.

    Abgesehen davon, bei der Vorbereitung der Anschläge von 9/11 hat ihn ja wohl eben keiner beobachtet. Es gibt weiterhin keine Beweise, er wurde nicht einmal deswegen gesucht. Seine Schuld bleibt eine bloße Behauptung der US-Regierung. Und das sollte nicht ausreichen, um jemanden zu verurteilen.

    Was das Abknallen angeht: Leider sprechen einige Berichte dafür, daß das genau so geplant war, also den Herrn direkt zu beseitigen, statt ihn gefangenzunehmen. Und sowas sollte uns ernsthaft Sorgen machen. Allein der Verdacht, daß das so gedacht war, muß uns hellhörig machen, und Transparenz ist erforderlich. Stattdessen ändert die US-Administration ihre Berichte jeden Tag aufs Neue, und man weiß nicht mehr, was man davon glauben darf, wenn man überhaupt irgendetwas davon glauben darf.


  12. Fozzie quakte:

    Man mag den Amis ja berechtigterweise viel Selbstgerechtigkeit vorwerfen können, aber in diesem Punkt finde ich hatten die einfach die Berechtigung, den Typen das Licht auszuschalten.


  13. Fjunchclick quakte:

    @blank
    Es gibt durchaus noch andere Informationsquellen, als anzeigenfinanzierte Zeitungen. Da du die taz ja für einigermaßen seriös hältst (da stimme ich dir übrigens durchaus zu), hast du dort auch sicherlich vor kurzem gelesen, wie leicht es für jeden Anzeigenkunden bei vielen Verlagen ist, eine den eigenen Wünschen entsprechende Berichterstattung zu bekommen. Außerdem ist es auch ganz und gar nicht so, dass etwas wahr wird, nur weil viele Zeitungen es voneinander abschreiben. Ein Blick in http://www.bildblog.de listet genügend solcher Fälle auf.

    Und was bin Laden angeht: Ganz egal, was er er verbrochen hat, für einen Rechtsstaat, wie es die USA ja vorgeben zu sein, gehört es sich einfach nicht, einfach Menschen abzuknallen. Wahrscheinlich hatten sie Angst vor dem, was in einem Prozess alles ans Tageslicht kommen könnte und welche Verbindungen zwischen bin Laden und der amerikanischen Wirtschaft so bestehen. Auch die Weigerung, Bilder von ihm zu veröffentlichen ist doch sehr eigenartig. Mit dem Vorwand, die Bilder seien „zu grausig“. Wie albern ist das denn? Oder würde man dort vielleicht sehen, dass es doch ein Genickschuss war? Wer weiß.
    Jedenfalls glaube ich, dass bin Laden mit 9/11 genau so viel zu tun hat, wie damals Saddam mit Massenvernichtungswaffen, nämlich gar nichts. Was natürlich nicht heißen soll, dass ich ihn für einen unschuldigen Menschen halte.
    Er selber hat jedenfalls eine Beteiligung daran immer abgestritten und das einzige „Beweisvideo“ dass es gibt ist ganz offensichtlich eine Fälschung. Es wäre für einen Terroristen, der ja will, dass man von seinen „Taten“ erfährt ja wirklich sehr außergewöhnlich, so etwas abzustreiten. Einen Terroranschlag auszuüben und sich dann nicht dazu zu bekennen wäre nämlich ziemlich sinnfrei. Aber darüber ist anscheinend noch niemand gestolpert.

    Ach so, dein Argument „Wichtig ist, dass man ihn kriegt“ ist ja nun absolut daneben. Das würde nämlich bedeuten, dass es wichtiger ist, jemanden zu bestrafen, als ihm seine Schuld zu beweisen. Zum Glück denken die Richter in unseren Land noch nicht so wie du und halten noch immer an den, deiner Meinung nach wohl falschen, Grundsätzen „Im Zweifel für den Angeklagten“ und „Keine Bestrafung ohne Verhandlung, Verteidigung und Urteil“ fest.
    Die andere Variante hatten wir hier auch schon mal, ist allerdings zum Glück schon lange her.


  14. Fjunchclick quakte:

    @Fozzie
    Warum?


  15. blank quakte:

    @fjunchclick:

    „Er selber hat jedenfalls eine Beteiligung daran immer abgestritten und das einzige “Beweisvideo” dass es gibt ist ganz offensichtlich eine Fälschung.“

    Keineswegs, da bist du ganz und gar falsch informiert. Einfach nachlesen! (Und natürlich nicht in den Büchern von Verschwörungstheoretikern. Die behaupten Beliebiges und belegen es beliebig, allerdings rhetorisch sehr geschickt, so dass es vielen nicht auffällt, ähnlich wie Erich von Däniken. Hoffentlich fällt es dir bald auf.)

    „Ach so, dein Argument “Wichtig ist, dass man ihn kriegt” ist ja nun absolut daneben. Das würde nämlich bedeuten, dass es wichtiger ist, jemanden zu bestrafen, als ihm seine Schuld zu beweisen.“

    Das bedeutet es nicht. Man muss ihn *nicht* kriegen, um ihn zu bestrafen. Es geht hier nicht um Strafe, sondern darum, al Qaida ihren charismatischsten Anführer zu nehmen. Denn so einer wie bin Laden kommt nicht jede Woche vorbei, der war sehr kompetent und hatte enorme Ausstrahlung. Das zieht die Menschen an, und das darf nicht sein.

    @frosch:

    „Abgesehen davon, bei der Vorbereitung der Anschläge von 9/11 hat ihn ja wohl eben keiner beobachtet. Es gibt weiterhin keine Beweise, er wurde nicht einmal deswegen gesucht.“

    Zum Thema suchen: Das ist einfach falsch. Er ist genau wegen diesen Anschlägen polizeilich gesucht worden mit internationalem Haftbefehl. Es sollte klar sein, dass man einen paramilitärisch schwerstens abgesicherten Superterroristen (er verfügte verteilt über Tausende bewaffnete Kämpfer) nicht „sucht“ wie einen x-beliebigen Taschendieb, schon gar nicht, wenn er auch noch von den Regierungen ganzer Staaten geschützt wird. Da kommt nicht einfach ein Streifenwagen vorgefahren, falls du dir das unter „suchen“ vorstellst. Nebenbei: Er wurde auch schon lange vor den Anschlägen gesucht. Ich erinnere mich sehr gut an einen Artikel im SPIEGEL über bin Laden, Jahre vor 9/11, und die Website des FBI, wo er auch prangte als top-wanted.

    „Seine Schuld bleibt eine bloße Behauptung der US-Regierung.“

    Ich bin wirklich versucht, dir Lügen zu unterstellen, denn zu erkennen, dass hier was nicht stimmt, erfordert nur geringstes Hintergrundwissen. Und ich nehme an, das hast du.

    a) Zunächst einmal behauptete bin Laden selbst, die Anschläge in Auftrag gegeben zu haben. Das hat er wiederholt in Videos kundgetan. Formaljuristisch ist ein Geständnis natürlich kein Beweis, das weiß ich durchaus. Aber wer auf diese Weise „Beweise“ fordert (wie du), will in Wirklichkeit gar nicht, dass bin Laden verurteilt wird; das mit den Beweisen ist nur vorgeschoben. *Echte* Beweise kann es schließlich niemals geben; sämtliche vorgebrachten Beweisstücke, insbesondere Ton/Video-Aufnahmen, könnten ja gefälscht sein. Und deswegen forderst du sie: weil du weißt, dass es sie gar nicht geben kann. Also sag doch gleich, dass du sagst, bin Laden sei es gar nicht gewesen, dass der einfach nur ein Opfer der Geschichte ist, die natürlich von den Amerikaner-Teufeln geschrieben wird. Dieses „Beweise, Beweise!“-Rufen ist jedenfalls leicht durchschaubar, das machen ja nun auch nicht wenige Leute.

    b) Nicht nur bin Laden, sondern auch andere Führungspersonen der al Qaida haben wiederholt behauptet, sie hätten es getan und bin Laden sei ihr Chef und Auftraggeber. Ach so, ich vergaß: Die lügen alle, sind ja nur von den USA dafür bezahlt worden, das zu behaupten. Al Qaida gibts eigentlich gar nicht.

    c) Nicht nur die US-Regierung, sondern auch der größte Teil der übrigen Staaten vertreten diese Ansicht. Das sagen diese Staaten ja selber! Das weißt sicher auch du, daher denke ich, dass du absichtlich falsche Tatsachen behauptest. Selbstverständlich kommt dann der Einwand, alle übrigen Staaten seien ja nur die Büttel der USA; und schon sind wir wieder bei der alten Leier von der geheimen Weltregierung mit Sitz in Washington. Darauf läufts am Ende immer hinaus. Und wenn *ich* dann mal zur Abwechslung nach Beweisen frage, kommt als Antwort: „Ja, aber denk doch mal nach!“ Tut mir leid: gerade wenn man ein denkender Mensch ist, erkennt man den maximal-absurden Wahnsinn dieser Gedanken. (Und wenn man dann mit der Diskussion noch weitermacht, kommt gelegentlich auch noch raus, dass die Amerikaner nie auf dem Mond waren, dass sie die Wissenschaft kontrollieren, die Wahrheit definieren und dass es die Juden sind, die in den USA und damit in der Welt die Fäden ziehen.)


  16. Fjunchclick quakte:

    > Das hat er wiederholt in Videos kundgetan.
    Quellen bitte! Welche Videos sind das?

    Etwa z.B. das, in dem er plötzlich Rechtshänder ist, 30kg mehr wiegt als zwei Wochen vorher und einen goldenen Ring trägt, was für einen Anhänger seines Glaubens absolut undenkbar wäre?

    Ich gebe deinen Tipp gerne an dich zurück: Informiere dich bitte! Und bitte nicht nur bei BILD und Spon! 😉

    Auf wiederholte Anfragen teilte das FBI immer wieder mit, dass es keine Beweise für eine Verbindung bin Ladens mit den Anschlägen gibt.
    Auf der FBI-Liste der meistgesuchtesten Terrorristen der Welt steht bin Laden übrigens wegen „Ermordung und Verschwörung mit dem Ziel, US-Bürger außerhalb(!) der USA zu töten, tödliche Anschläge auf US-Behörden“.
    Von 9/11 keine Spur.
    Auch da kannst du dich gerne selber Informieren. Quelle ist das FBI.


  17. Fjunchclick quakte:

    Damit es einfacher ist:

    http://www.fbi.gov/wanted/topten/usama-bin-laden


  18. frosch quakte:

    @blank: Es gibt Hinweise und Beweise in beide Richtungen. Darüber zu entscheiden, was wie zu gewichten und zu werten ist, wäre eben Sache eines Gerichts gewesen. Bei uns wie in den USA gilt die Unschuldsvermutung oder besser, sie sollte gelten. Auch für mutmaßliche Schwerverbrecher.

    Daß er explizit wegen der WTC-Anschläge gesucht wurde, ist falsch. Das steht nicht im Haftbefehl des FBI gegen Osama bin Laden. Als Anklagepunkte werden genannt:

    Usama Bin Laden is wanted in connection with the August 7, 1998, bombings of the United States Embassies in Dar es Salaam, Tanzania, and Nairobi, Kenya. These attacks killed over 200 people. In addition, Bin Laden is a suspect in other terrorist attacks throughout the world.

    Wären die Anschläge von 9/11 dafür relevant gewesen, stünden sie mit drin. Die Aussage „other terrorist attacks” ist dafür zu schwammig bzw. das Ereignis war dafür zu relevant, um nicht als Anklagepunkt genannt zu werden. Und tatsächlich erklärte sogar Dick Cheney: „We’ve never made the case or argues the case that somehow Osama bin Laden was behind 9/11.” (Youtube-Video, 0:13 min).

    Bei der Wikipedia (Osama bin Laden, Abschnitt „Seit dem 11. September 2001) wurden diverse Aussagen zusammengetragen. Dort gibt es keine klaren Aussagen über ein Eingeständnis zu den Anschlägen. Alle relevanten „Beweise” gegen ihn stammen von amerikanischen Geheimdiensten, die nicht gerade für ihre Transparenz bekannt sind (wie Geheimdienste das so an sich haben).

    Aber gerade, weil die Lage nicht so super-klar ist, wie man es gern hätte, wäre eine Untersuchung und eine Gerichtsverhandlung evident wichtig gewesen, und Obama muß sich fragen lassen, was seine Regierung zu verbergen hat, wenn sie das vermeidet, zudem die schnelle Entsorgung der Leiche bei der Aufklärung darüber, ob es Notwehr, Tötung oder Mord war, nicht gerade hilfreich ist.

    Lügen würde ich nur, wenn ich was gegen besseres Wissen schreibe. Ist es für Dich schon eine Lüge, wenn ich die in meinen Augen sehr vereinfachte allgemeine Darstellung anzweifle?

    In welchen Videos und wann hat bin Laden explizit kundgetan, daß er 9/11 eingefädelt hat?

    Du sagst:

    Aber wer auf diese Weise “Beweise” fordert (wie du), will in Wirklichkeit gar nicht, dass bin Laden verurteilt wird; das mit den Beweisen ist nur vorgeschoben. *Echte* Beweise kann es schließlich niemals geben; sämtliche vorgebrachten Beweisstücke, insbesondere Ton/Video-Aufnahmen, könnten ja gefälscht sein.

    Ich zweifle nicht daran, daß es eine Verurteilung gegeben hätte. Die Frage ist aber: Weswegen genau? Wirklich wegen 9/11 oder „nur” wegen der im FBI-Haftbefehl explizit genannten Anklagepunkte? Oder noch wegen ganz anderer Verbrechen?

    Ein transparentes Gerichtsverfahren hätte noch eine andere Bedeutung gehabt: Glaubwürdigkeit. So, wie die USA jetzt dastehen, sind sie in meinen (und nicht nur meinen) Augen nicht glaubwürdig. Es stinkt einfach zu sehr nach Verschleierung, und da stellt sich automatisch die Frage: Was haben sie denn möglicherweise zu verbergen? Und ein weiterer Grund: Stellte sich am Ende heraus, daß er tatsächlich nicht verantwortlich war, dann läuft der wahre Verursacher weiterhin frei herum. Auch das wäre nicht im Sinne der Gerechtigkeit.

    Deinen letzten Absatz ignoriere ich mal. Nur weil ich Dinge hinterfrage, heißt das nicht, daß ich Verschwörungstheorien anhänge. Ich halte Dir mal zugute, daß Du außer diesem einen Artikel noch nichts weiter von mir weißt oder gelesen hast.


  19. Fjunchclick quakte:

    Hier mal ein, wie ich finde, sehr guter Abschnitt aus einem Telepolis-Bericht:

    „Bei aller Rechtfertigung will man bei der US-Regierung jedoch vermeiden, von einer gezielten Tötung zu sprechen, wohl wissend, dass man damit die Grenzen des rechtsstaatlichen Handelns verlassen und Menschen- sowie Völkerrecht brechen würde. Man macht dies klammheimlich, rechnet mit der Akzeptanz bei der Bevölkerung und der Verbündeten, was Merkel ja deutlich genug zum Ausdruck brachte, und vermeidet weiterhin, um sich alle Türen offen zu halten, den Beitritt zum Internationalen Strafgerichtshof. Mit der Ausführung von gezielten Tötungen und der Duldung von solchen durch die Staatengemeinschaft nähert man sich wieder der Welt des Kalten Kriegs an, in der Morde und Anschläge seitens der Geheimdienste gang und gäbe waren. Die USA waren aus dieser Tradition ausgestiegen und haben sie mit Bush wieder fortgesetzt, Obama schließt sich an, die Regierungen der westlichen Staaten dulden dies ebenso, wie sie den Verschleppungen, der Folter und den Geheimgefängnissen nichts entgegen gesetzt haben.“
    (aus: http://www.heise.de/tp/artikel/34/34688/1.html)

    Dem stimme ich absolut zu.


  20. Fozzie quakte:

    @Fjunchclick:
    Weil der vielleicht für 3.000 Tote Amis verantwortlich ist und das sogar zugegeben hat?


  21. frosch quakte:

    @Fozzie: Wann und wo zugegeben? Siehe auch meinen letzten Kommentar an blank. (Und selbst dann wäre erstmal ein Gericht dran gewesen.)


  22. Fjunchclick quakte:

    @Fozzie
    Ich denke mal, die USA (also deren Präsident) haben wesentlich mehr Tote auf dem gewissen als alle Terroristen zusammen.
    Ach nee, ich vergaß, einen Krieg nach dem anderen führen,ganze Länder kaputtbomben und ein paar 100000 unschuldige Zivilisten umbringen ist natürlich etwas ganz anderes. Jedenfalls solange es die USA machen.


  23. Fozzie quakte:

    Bin Laden hat zum zweiten Jahrestag der Anschläge zusammen mit Sawahiri ein Bekennervideo veröffentlicht. Aber auch ohne das wäre es abwegig zu glauben, er wäre nicht der Kopf dieser Aktion gewesen; das glauben nur noch ein paar Spinner.


  24. Marena quakte:

    Guter Beitrag! Auch wenn schon viel dazu gesagt wurde der Kommentar in der Tagesschau hat es noch ein zweites Mal auf den Punkt gebracht: http://www.tagesschau.de/kommentar/kommentarschoenenborn100.html


  25. Mark Kurast quakte:

    Den Kommentar kannte ich ja noch gar nicht… und ich dachte, ich hätte bereits alles gesehen. Grandios. Finde ich richtig gut wenn sowas auch mal im öffentlich/rechtlichen TV kommt. Auf die ganzen Privatsender ist ja kein Verlass mehr, die Senden den Bericht für den am meisten gezahlt wird!


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