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Psychotests für Arbeitslose

25. Juli 2011 um 20:31 Uhr von Atari-Frosch

Da hatte wohl mal wieder einer Langeweile. Und zu viel Geld für einen „Consultant”. Die neueste Idee der Bundesagentur für Arbeit lautet, Arbeitslose sogenannte Psychotests machen zu lassen. Spiegel Online verrät uns, was dahintersteckt:

  • Arbeitslose sollen Fragebögen ausfüllen und ihre Talente und Schwächen auf einer Skala von eins bis fünf bewerten. Abgefragt werden auch sogenannte soft skills wie Kommunikations- und Konfliktverhalten oder Teamfähigkeit.
  • Die Ergebnisse werden mit einem Arbeitsvermittler besprochen.
  • Möglich ist auch ein Interview mit einem Psychologen der BA.
  • Wer will, kann obendrein ein Assessment-Center besuchen.

Der Test als solcher, durchgeführt von Fachleuten, klingt ja erstmal nicht schlecht, vorausgesetzt, er ist wissenschaftlich abgesichert. Er könnte den Leuten helfen, sich selbst besser einzuschätzen. Aber man kennt ja unsere ARGEn, und es wird ja auch gleich genannt: Der Fachmensch, der die Untersuchung durchführt, darf das Ergebnis nicht einfach nur dem Arbeitslosen mitteilen. Die Daten kommen auf den Tisch, und der Arbeitsvermittler bekommt damit eine gute Chance, dem Arbeitslosen zu erklären, wo er denn überall falsche, sprich unerwünschte Angaben gemacht haben könnte. Sollte der Arbeitslose dann immer noch glauben, daß er bestimmte Dinge nicht könne, findet sich sicher eine Möglichkeit, den bösen Arbeitslosen zu sanktionieren. So von wegen mangelnde Bemühungen oder sowas.

Aber auch an den „Fachleuten” ist zu zweifeln. In den letzten zwei Jahren haben zwei „Fachleute” (Psychiater), die mich beide nur einmal gesehen haben, in ausführlichen Gutachten behauptet, ich sei mindestens für 6 Stunden am Tag arbeitsfähig. Das haben sie zwar nicht überprüft, denn sie testeten nur mein Wissen und meine Intelligenz, aber nicht meine Leistungsfähigkeit, aber das störte niemanden weiter, denn die beiden Herren sind ja „Fachleute”. Die Rentenversicherung fand das jedenfalls toll und warf mich dann erstmal raus. Und wenn meine Klage beim Sozialgericht genug Schimmel angesetzt hat, ist zu befürchten, daß ich mir von dort auch sagen lassen muß, daß die „Fachleute” natürlich recht haben und ich mir nur zu wenig zutraue.

Insbesondere direkt bei der Arbeitsagentur angestellten Psychiatern und Psychologen unterstelle ich außerdem, daß sie ein bevorzugtes Interesse daran haben, ihrem Arbeitgeber zu Gefallen zu sein. Dazu fällt mir ein: Letztens wurde mir aus Bayern zugetragen, daß Ärzte — auch niedergelassene — generell darauf hinarbeiten, Menschen als arbeitsfähig zu deklarieren, auch wenn die Realität dem widerspricht.

Da könnte man meinen, die Bundesagentur habe Sorge, überflüssig zu werden. Die Rentenversicherungen wiederum freuen sich doch über jeden eigentlich Erwerbsunfähigen, den sie nicht alimentieren müssen. Ärzte und Psychologen beeinflussen kann sicher nicht nur die Pharmaindustrie. (Ich weiß, ich bin paranoid. Steht zumindest in den beiden Gutachten. Aber selbständig zu denken und eigene Schlüsse zu ziehen schadet nicht.)

Der letzte Punkt der Liste, ein Assessment-Center, ist natürlich witzlos, wenn es gar keine Stellen gibt. Das ist rausgeworfenes Geld. Ich hatte schonmal das zweifelhafte Vergnügen, an einem solchen teilnehmen zu „dürfen” — die einfache Frage, wie ich denn erstmal soweit kommen soll, wenn ich mal länger arbeitslos bin und mein Lebenslauf bereits Brüche hat, kann und will da auch keiner beantworten. Oder doch: Gelegentlich wurde mir dann schon mal empfohlen, den Lebenslauf zu schönen. Wie ich das machen sollte, ohne ihn zu fälschen, konnte man mir allerdings auch nicht verraten.

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