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Es wird immer wieder passieren!

1. August 2011 um 21:13 Uhr von Atari-Frosch

Heute steht in Spiegel Online zu lesen, daß ein Mann versucht hat, in einem „JobCenter” in Berlin Feuer zu legen. Leider hatte der Spiegel es nicht nötig, die Vorgeschichte zu recherchieren, aber die Erfahrung sagt, daß der Mann den Brandsatz nicht aus Spaß an der Freud' gelegt hat.

Erst vor gut zwei Monaten zog eine Frau in einem Frankfurter „JobCenter” ein Messer — und wurde von einer Polizistin erschossen. Da wurde die Vorgeschichte schnell bekannt, aber geändert hat sich seitdem nichts.

Wieviele gewaltsame Übergriffe es in der Zwischenzeit und auch vorher schon gab, ist nicht bekannt. Die Bundesagentur für Arbeit hat auf ihren Statistik-Seiten und auch sonst keinerlei Informationen darüber verfügbar. Darüber, warum das so ist, darf man gern spekulieren.

Und es wird nicht aufhören, im Gegenteil: Je enger die Stellschrauben gedreht werden, desto öfter werden Menschen sich vergessen und auf unterschiedliche Weise, je nach Charakter, zuschlagen. Solange, bis der Gesetzgeber und die Angestellten in den Repressionsbehörden gelernt haben, daß man Menschen (oder eher: „überflüssigen Kostenfaktoren”?) nicht beliebig Grundrechte wegnehmen und ihnen die Existenz zerstören kann, ohne daß das ernste Konsequenzen hat. Sie können nicht erwarten, daß Menschen, denen man die Lebensgrundlage nimmt, einfach brav nach Hause gehen und sich in ihr Schicksal ergeben.

Diese Einstellung der Repressionsämter ist übrigens nicht erst seit den Hartz-Gesetzen üblich. Meine Existenzvernichtung fand bereits im Jahr 2002 statt. Daß mir ein Angestellter des faschistischen Repressionsamts Düsseldorf explizit die Grundrechte absprach („... gelten für Sie nicht. Sie sind bedürftig.”) war im November 2000. Und dieser Vorfall hier geschah auch schon vor der Einführung von Hartz IV (auch da hat die Presse offensichtlich die Hintergründe unterschlagen).

Ich muß übrigens keine Gewalt befürworten, um zu verstehen, was solche Menschen treibt, gerade weil man das Spiel „Existenz-Zerstörung” ja auch oft genug mit mir versucht hat. Man wird es wohl auch immer wieder versuchen. Meine Waffe ist nur mein Blog. Das hat zwar keine ernstzunehmende Reichweite, genügt mir aber, um zurückzuschlagen. Daß das den betreffenden Leuten wehtut, habe ich bereits gemerkt. Dienstaufsichtsbeschwerden dagegen halte ich für Zeitverschwendung, da die Angestellten ja genau das tun, was ihr Dienstherr von ihnen erwartet (Geld sparen um jeden Preis, Sanktionieren bei jeder Gelegenheit), und Strafanzeigen bringen auch nichts. Das heißt aber nicht, daß ich immer schön brav schweige und mir alles gefallen lasse.

Manche Sachbearbeiter scheinen ja gerne auszuprobieren, wie weit sie gehen können, bevor der „Kunde” ausflippt. Mit der Begründung, daß das passieren kann, nimmt man uns ja auch jegliches Recht auf Datenschutz (offene Tür zwischen zwei Arbeitszimmern, während in beiden gesprochen wird).

Daß sich Sachbearbeiter und auch Berufspolitiker dann, wenn es passiert, auf den Standpunkt stellen, sie könnten doch nichts dafür, daß die Hartzer so aggressiv sind, ist einfach nur noch scheinheilig.

Schreibt es Euch hinter die Löffel: Es wird immer wieder passieren. So lange, bis es wieder eine menschenwürdige Sozialpolitik in Deutschland gibt.

5 Kommentare zu “Es wird immer wieder passieren!”

  1. Möp quakte:

    Einerseits kann ich dich natürlich verstehen da du ohne Eigenverschulden in der Situation bist das du von „denen“ Abhängig bist allerdings sind tätliche Übergriffe auf die Menschen in den ARGEN/Ämtern dieses Landes selbst durch die bescheuertesten Gesetze nicht zu rechtfertigen geschweige denn zu entschuldigen. Die Angestellten dort können nämlich noch am wenigsten dafür.
    Und was die Mikrigen Hartz IV Gelder angeht … da verhält es sich ähnlich wie in der Schule, einige wenige Idioten haben es ausgenutzt und sind auch noch stolz drauf, darunter hat der Rest dann zu leiden. Mein ehemaliger Politiklehrer hat damals noch gesagt das so etwas wie „Soziale Gerechtigkeit“ totaler Schwachsinn sei. Entweder etwas ist sozial oder es ist gerecht und ich denke da ist heute noch weitaus mehr dran als damals.


  2. frosch quakte:

    @Möp Das Thema der ach so unschuldigen Angestellten hatte ich kürzlich schon: Sind nur die Gesetze schuld?

    Ich rechtfertige übrigens gar nichts. Allerdings muß man einfach mal damit rechnen, wenn man Menschen zu sehr zusetzt, daß sie sich wehren. Und wenn es keine legale Möglichkeit dafür gibt, dann eben mit jeder Möglichkeit. Ich muß die Art nicht gut finden, aber es wäre naiv, zu glauben, man könne etwas dagegen unternehmen, ohne die gesamte Politik zu ändern.

    Die Sozialsätze sind im Übrigen nicht so niedrig, weil es „einige wenige Idioten […] ausgenutzt” haben, sondern weil es politisch gewollt ist, Transferleistungsempfänger so arm zu halten, daß sie quasi gezwungen sind, jeden noch so miserablen Job anzunehmen. Nur wenn man die Menschen derart zwangsverarmt, kann man so einen „erfolgreichen” Niedriglohnsektor schaffen — und das war ja schließlich das Ziel von Hartz IV und nicht etwa, Menschen in ordentlich bezahlte Arbeit zu bringen oder ihnen auch nur die Grundrechte zu sichern.

    Und wieso soll Soziales nicht gerecht sein?


  3. bed quakte:

    Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, das ein Teil der Sachbearbeiter sehr eingebildet und affektiert ist.
    Die behandeln ihre „Kunden“ wie Angehörige der niedrigsten Kaste. Wenn man zum Beispiel konkret Hilfe bei der Ausfüllung eines Formulars möchte, wird erst von oben herab gelächelt, dann gestutzt, zum Kollegen gelaufen. Dann gucken beide bedeppert und brummeln sich was in den Bart.
    Das es auch anders geht haben wir bei der RVA erlebt, auskunftsfreudig, sachlich kompetent und auch noch sehr zuvorkommend freundlich.


  4. Zahlenpeter quakte:

    @Möp: Deine Argumentation kann man auch umkehren: Bescheuerte Gesetze und respektloser Umgang sind selbst durch die gewalttätigsten Übergriffe und dreistesten Betrugsfälle nicht zu rechtfertigen.

    Es ist irgendwie bezeichnend, daß Du ein Beispiel aus der Schule nennst, wo der Rest unter den Taten einiger Idioten zu leiden hat. Das ist aus zwei Gründen Unsinn:

    1. Bei den meisten Vorfällen ist klar, daß es wenige waren und die anderen keine Möglichkeit oder Gelegenheit hatten, einzugreifen.

    2. In Länder mit einer etablierten Rechtskultur wird es als schlecht angesehen, wenn jemand für eine Tat bestraft wird, die er nicht begangen hat.

    Auch wenn es Dir so eingetrichtert worden ist, so ist es nicht staatsbürgerliche Pflicht, sowas zu akzeptieren. Daß es so ist, scheint an einer deutschen Tradition zu liegen, daß nur der Staat bzw. die „Gemeinschaft“ zählt (übrigens unabhängig vom politischen Spektrum) und daß auf Psychologie und Einfühlungsvermögen im Umgang kein Wert gelegt wird.

    In der Psychologie gibt es übrigens den Pygmalion-Effekt, wonach eine Person, der aus freien Stücken heraus besonderes Talent bescheinigt wird, mehr leistet, was wohl an der verstärkten Beachtung durch Lehrer und Vorgesetzte liegt. Dieser Effekt läßt sich auch umkehren, wie man an den Hartz- und ähnlichen Reformen sehen kann, in denen Arbeitslose ohne Ansehen der Person als Menschen angesehen werden, die nicht arbeiten wollen und deshalb der Gemeinschaft schaden. Das führt unter anderem zu der widersprüchlichen Erscheinung, daß man Arbeitslose zur arbeit zwingen will, deren Wunsch nach (sinnvoller) Arbeit hingegen als Anmaßung angesehen wird.

    Was den Umgang von Ämtern mit den Bürgern angeht, so möchte ich erwähnen, daß ich in den letzten Monaten als Erhebungsbeauftragter für den Zensus 2011 tätig gewesen bin. Dabei stand vorab fest, daß die Behörde die Daten haben wollte (und die erwählten Befragten zur Auskunft verpflichtet waren), die Befragung aber zuweilen ungelegen kam.

    Was machte ich also in einer solchen Situation? Ich versuchte, mit den Leuten freundlich umzugehen. mich auf ihre jeweiligen Situationen und Wünsche einzulassen und zugleich die Formulare ausgefüllt zu bekommen. Auf diese Weise erreichte ich Nutzen für alle: der Staat bekam die Daten, die er (hoffentlich) gut nutzen kann, und die Befragten wurden so wenig wie möglich behelligt. Für beide Seiten (sowie mich selbst) habe ich also das Optimum herausgeholt (was sehr wohl im Sinne des Erhebungsbüros war).

    Deshalb verstehe ich nicht, wieso das im Umgang mit Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern nicht möglich ist bzw. nicht angestrebt wird. Liegt es daran, daß sowas als Gutmenschentum verteufelt wird? Ich weiß es nicht.


  5. Ghost quakte:

    Hallo Leute!
    Obwohl es es als Falsch finde wenn jemand eine Straftat begeht.
    Aber ich kann verstehen warum die Leute Verzweifelt sind, sie versuchen vergeblich ihre Sachbearbeiter zu erreichen, Telefonisch, oder auch Persönlich oder Schriftlich. Dann gehen die Sachbearbeiter nicht ans Telefon,obwohl sie Telefonische Ansprechzeiten haben, weil sie beim Rauchen oder Kaffeetrinken sind, Persönlich werden sie an den Infotheken abgewimmelt, weil sie keinen Termin haben, und wenn sie es schriftlich versuchen, gehen die Briefe verloren, oder landen bei anderen Sachbearbeitern, die sich nicht Zusändig fühlen und die Briefe nicht weiter geben wollen, obwohl der richtige Sachbearbeiter vielleicht nur eine Türe weiter sitzt.
    Als Arbeistloser wird man als Mensch 2 Klasse behandelt, weil man die Sachbearbeiter nur stört und Arbeit von ihnen verlangt. Wenn man sieht wie diese Leute Arbeiten, jede Stunde 2 mal Rauchen gehen, dann Kaffepause, oder mal schnell während der Arbeit zum Kaffee kaufen gehen, einkaufen gehen während der Arbeitszeit, dann Mittagspause und danach Feierabend.
    Ich frage mich echt, warum die Sozialrefate überhaupt personalmangek beklagen, wenn die Ämter zu 90% nicht ausgelastet sind.
    Der Streik ist vollkommen unangebracht, die Mitarbeiter sollten mal nach Leistung bezahlt werden statt nach Tarifen, denn dann müssten die meisten noch Geld Mitbringen um überhaupt in die Arbeit gehen zu dürfen.


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