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Papierwerbung

7. Dezember 2011 um 16:28 Uhr von Atari-Frosch

Jede Woche derselbe Mist: Zwei Anzeigenblättchen, ein eingeschweißter Packen Prospekte, dazu Flugblätter diverser Lieferdienste für Pizza und ähnliches, gelegentlich noch Visitenkarten von Schlüsseldiensten oder ungerichtete Briefe von diversen Anbietern. Abgesehen davon, daß die Austräger meistens überall klingeln, am besten gleichzeitig, damit die Klingelanlage mal wieder verreckt, werfen sie es meistens nicht einmal mehr in die Briefkästen. Das Zeug wird nach Anzahl der Klingelschilder an der Tür abgezählt und einfach auf der breiten Aufgangstreppe zwischen Eingangstür und dem ersten Stockwerk abgelegt.

Manche „Spezialisten“ aus der Nachbarschaft packen das Zeug dann teilweise noch auf die schmalere, nach oben führende Treppe, damit der nächste, der runterkommt und was vor sich herträgt, es übersieht, drauf ausrutscht und sich den Rücken oder den Schädel bricht. Und es wird nicht weniger, im Gegenteil.

Zugegeben: Ich habe selbst Prospekte ausgetragen. In Mannheim, für Co-op, Anfang/Mitte der 80er Jahre. Und ich habe von den rund 400 DM, die ich pro Monat dafür bekam, so manchen Luxus genossen; von der eigenen Entscheidung über meinen Kleiderschrank (vorher bestellte Muttern im Neckermann- und Quelle-Katalog, als schick empfand ich das nie) bis zur ersten eigenen Spiegelreflexkamera. Dafür mußte ich zweimal pro Woche auf Tour, auch wenn es Katzen hagelte.

Mir wurde vom Arbeitgeber eingehämmert, die Prospekte immer in die Briefkästen zu werfen, außer natürlich dort, wo es explizit per Aufkleber untersagt war. Hätte ich mich nicht dran gehalten, wäre ich den Job sehr schnell losgewesen. Heute gilt das offenbar nicht mehr. Die Austräger werfen alles in die Hausflure, schnell schnell weiter zum nächsten Haus. Manche schaffen noch nicht mal das und legen den Papierstapel vor die Haustür, was auch nicht immer ungefährlich ist. Das hätte ich mir nie erlauben dürfen.

Abgesehen davon gab es zu dieser Zeit noch nicht so abartige Mengen an Papierwerbung, die ungerichtet verschickt und verteilt wurde. Jaja, ich weiß, früher war alles besser 😉

Aber nun könnte es zumindest teilweise wieder eine Verbesserung geben. Auf die Klage eines Rechtsanwaltes entschied nun das Landgericht Lüneburg, daß Postwurfsendungen gegen den ausdrücklichen Willen des Empfängers illegal sind. Dafür muß der Empfänger nicht unbedingt einen Aufkleber am Briefkasten anbringen. Stattdessen soll jetzt nur noch erwünschte Werbung eingeworfen werden dürfen.

Ich interpretiere das so, daß man bei unerwünschten Sendungen die Post (oder auch andere Austräger?) per Unterlassungserklärung in die Pflicht nehmen kann. Das wäre zumindest eine sinnvolle Ausgestaltung dieser Entscheidung.

Das Urteil (Az: 4 S 44/11) ist allerdings noch nicht in Kraft, da die Revision zugelassen ist. Eine höchstrichterliche Entscheidung könnte die Papiermengen in unseren Briefkästen und Hausfluren massiv reduzieren.

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