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Um die Freude betrogen

3. Mai 2012 um 13:26 Uhr von Atari-Frosch

Stell Dir vor, Du verabredest Dich mit einem Freund zu einem schönen Abend. Und dann passiert eines der drei Dinge:

  1. Der Freund kommt einfach nicht.
  2. Der Freund kommt, aber der Abend wird extrem langweilig.
  3. Der Freund kommt nicht, dafür kommt sein Kumpel, schlägt Dich zusammen, raubt Dich aus und läßt Dich schwer verletzt liegen.

Klingt nach seltsamen Alternativen, nicht wahr? Aber so geht es mir seit Jahren mit dem Gefühl der Freude. Ich versuche das mal zu erklären …

Das Verrückte ist nämlich: Man sieht es nicht. Daher ist es so schwer zu glauben. Denn die Leute sehen doch, wie ich mich freue. Am letzten Wochenende zum Beispiel darüber, daß ich nach München zum VCFE fahren konnte und daß der Portfolio endlich alles tut, was ich will. Mein äußerliches Verhalten ist auch nicht gespielt! Und doch fehlt das innere emotionale Echo. Für diesen Zustand gibt es etwa die drei Stufen, die ich oben versucht habe, in Beispiele zu fassen:

  1. Die Freude stellt sich einfach nicht ein; innerlich bin ich irgendwie gleichgültig. Bereits das würde so manchen sicher irritieren, würde ich es zeigen.
  2. Statt der Freude kommt nur eine seltsame, fast schmerzhafte Leere. Hier hört das Verständnis der meisten vermutlich auf.
  3. Statt der Freude kommt eine mächtige Verzweiflung, die mich für Tage aus der Bahn werfen kann. Ab dem Punkt muß ich mich buchstäblich verstecken, denn die Vorwürfe wären vorprogrammiert.

Es ist ja nicht so, daß ich Freude nie kennengelernt habe, sonst würde ich sie ja nicht so vermissen. Ich kann mich sogar noch daran erinnern, wann ich mich zum letzten Mal richtig freuen konnte, das war im Sommer 2007. Seitdem fühle ich mich wie in einem stärker werdenden Dämpfungsfeld, das das Gefühl der Freude von mir weghält. Und ich weiß nicht mal, woran es liegt.

Dabei werde ja nicht nur ich selbst um die Freude betrogen, wovon auch immer. Genauso betrogen werden auch die Menschen, die mir eine Freude machen wollen, weil die Gabe nur äußerlich ankommt. Das macht mir wiederum ein schlechtes Gewissen, obwohl ich wie gesagt den Grund für diese Abwesenheit der Freude nicht kenne. Weil es nur so aussieht, als würde ich mich freuen. Weil der Kern der Freude fehlt.

Ich gäbe etwas dafür, um mich mal wieder ganz normal richtig freuen zu können …

6 Kommentare zu “Um die Freude betrogen”

  1. alm10965 quakte:

    Hallo Sabine, kommt mir ähnlich bekannt vor, das Freuen ist bei mir selten und gedämpft.
    some completely different:
    Hast Du schon positive Erfahrung mit flattr ?
    Ich bin irgendwie zu geizig dafür.
    Gruß aus BLN, alm


  2. frosch quakte:

    @alm, an sich sind meine Erfahrungen mit Flattr positiv, auch wenn ich mit den Erträgen nicht, wie ich gehofft hatte, den Server (29 € im Monat) gegenfinanzieren kann; so viel kommt dann doch nicht rein.

    Ich hab nur derzeit ein kleines Problem mit dem Flattr-Plugin, das überträgt die neuen Artikel nämlich nicht mehr automatisch an Flattr. Ist ein Artikel aber einmal geflattrt worden, dann taucht er auch bei Flattr auf. Es gab da einen Hinweis bei einem Plugin-Update, daß man neu synchronisieren müsse, aber ich finde nirgends einen Hinweis darauf, wie das geht. Aber das kriege ich auch noch raus. Irgendwann. 😉


  3. Fozzie quakte:

    Sich über sowas oberflächliches wie Freude so analytisch auseinanderzusetzen wirkt echt schräg …


  4. Hans Bonfigt quakte:

    Wenn man womöglich wochenlang einem Ereignis entgegenfiebert,
    ist man fast zwangsläufig enttäuscht, wenn dieses nicht genauso
    perfekt abläuft, wie man es sich vorgestellt hat.

    Umso schöner ist die spontane Freude. Gestern, in Wiesbaden,
    sah ich ein Plakat mit dem Zitat, „Art is as Art comes“, irgendwie
    hat mir das den Tag verschönt. Es gibt so viele schöne Dinge
    in dieser Republik, und gerade Düsseldorf bietet Lebensqualität.


  5. frosch quakte:

    @Hans: Es geht nicht nur um das, worauf ich mich lange gefreut habe. Bei spontanen Ereignissen gilt das genauso. Wenn die Fähigkeit, sich zu freuen, fehlt oder eingeschränkt ist, ist es ziemlich egal, wie viele schöne Dinge es gibt.


  6. Gg quakte:

    Danke AmigaFrosch, dieser Eintrag hat mir sehr geholfen zu verstehen.


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