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Mobbing in der Schule

6. June 2012 um 22:24 Uhr von Atari-Frosch

Eben flog via Twitter ein Blogposting in meine Timeline, das sich mit Mobbing in der Schule befaßt. In Schlimmster Tag… schreibt „Die 13”, wie es ihr in der Schule ergangen war und was das für Auswirkungen auch auf ihr späteres Leben hatte.

Ich erinnere mich. Und erinnern sollten sich auch diejenigen, die es damals auf mich abgesehen hatten. Auf G+ habe ich eben schon geschrieben:

Ja, das kenne ich sinngemäß leider auch … von der zweiten bis zur neunten Klasse. In der 10. Klasse hatten sie keine Zeit mehr dafür. Wegen der Prüfungsvorbereitungen.

Hey, Humboldt-Realschule, Mannheim, 1978 – 1984 … Ihr solltet das mal lesen und dann an „die doofe Engelhardt” denken … genau, die, der Ihr immer wieder Wasser und/oder Reißnägel auf den Stuhl gelegt habt, auf die Ihr Euch gegenseitig geschubst habt, bis sie mit dem Kopf gegen einen Heizkörper geflogen ist, für die Ihr Euch Schimpfnamen ausgedacht habt, die Ihr auf dem Pausenhof mit Steinen beworfen und geschlagen habt, gelegentlich auch mal auf dem Heimweg verprügelt habt, ständig ausgelacht, für doof erklärt und an den Rand gedrängt … genau die. Die war ich.

Und auch davor die in der Humboldt-Grundschule, die Ihr ständig bestohlen habt, vom Radiergummi über den Füller bis zum ganzen Mäppchen. Achja, und den selbst zu bezahlenden Pausen-Kakao natürlich auch, den am besten täglich (bis ich Milch statt Kakao bestellt habe, die wollte wohl keiner). Dort gab’s „natürlich” auch Reißnägel auf dem Stuhl.

Und alle Lehrer haben weggesehen, keiner hat Fragen gestellt.

Auch nicht, warum ich in der Realschule in der Pause im 4. Stock immer am Geländer stand und runtergestarrt habe. Ich hätte das Geländer bei aller Unsportlichkeit leicht überwinden können. Und ich habe oft dran gedacht.

———

Das Treppenhaus ist dreieckförmig angeordnet, mit viel Zwischenraum dazwischen, und unten ist nochmal eine Steintreppe.

Es ist nicht so, daß die Lehrer nichts gesehen hätten. Oh nein, sie haben es genau gesehen. Im Schultreppenhaus, in den Pausen, teils sogar noch im Unterricht. Genauso wie bei „Die 13” wurde es nicht ernstgenommen. Kindereien, die sind halt so, macht doch nichts.

Von den Eltern wurde ich ebenfalls im Stich gelassen. Das Wort Mobbing kannte man noch nicht; ich sagte immer, „die andern ärgern mich”. Ich bekam zu hören: „Zum Ärgern gehören zwei, laß Dich halt nicht ärgern.” Erst sollte ich mich wehren. Als ich das tat, bekam ich zu hören, ich sei aggressiv, und das gehe ja mal gar nicht. Bei Jungs sei das ja in Ordnung, wenn sie sich mal prügeln, aber Mädchen dürfen nicht schlagen.

Dann hieß es, ich solle es ignorieren. Aber meine lieben Klassenkameraden wußten schon, wie sie mich fertigmachen konnten, ignorieren war nicht drin.

Eine Spitzenleistung brachte ja die Grundschullehrerin, die mir vor versammelter Klasse auf die Hand schlug, weil ich laut geschrien und mich gewehrt hatte. Sie zeigte damit allen Kindern, daß es völlig in Ordnung ist, „die doofe Engelhardt” zu hauen, und daß sie nichts zu befürchten haben, wenn sie es selbst auch tun. Perfektes Vorbild, gratuliere.

Nein, Mobbing unter Kindern ist kein Kinderspiel. Es wirkt lebenslang nach. Und es kann auch mal tödlich enden.

Schaut nicht weg. Redet mit den betroffenen Kindern, bietet Hilfe an. Erklärt den anderen, warum das einfach mal gar nicht geht. Jeder, der wegschaut, ist mitschuldig.


11 Kommentare zu “Mobbing in der Schule”

  1. die13 quakte:

    Das “Wehr dich”, “Lass dich nicht ärgern” kenne ich auch sehr gut. Es war vorwurfsvoll. “Selbst schuld”.
    Ich weiß nicht, wie ich heute mit den Tätern umgehen soll. Ich suche die Schuld noch oft nur bei mir. Einer hat mich angeschrieben, weil er ein schlechtes Gewissen hatte.
    Von der Täterin aus der Grundschule (sie war, nach mir, zweitbeste im Jahrgang, aber im Gegensatz zu mir sehr selbstbewusst, aufmüpfig, so Klassensprechertyp eben) erfuhr ich später, dass sie familiäre Probleme hatte. Schwächere gesucht. Ich weiß auch nicht:-/


  2. Konni quakte:

    Ganz übel die Lehrer, die das nicht erkennen.

    Woher kenn ich sowas…


  3. Markus quakte:

    O.k. und ab wann soll ein Lehrer Anfangen gespräche zu führen?

    Wie weit geht “normale Entwicklung” und ab wann ist es Mobbing?

    Stellt euch vor, der Lerher redet mir der Klasse, was passiert danach? Wenn es noch kein Mobbin war, und der bemühte Lehrer redet etwas ungünstig, dann ist danach alles richtig schwierig…

    Hast du denn mal ernsthaft mit deinem Lehrer geredet? Wie soll denn der Lehrer etwas erkennen, wenn es deine Eltern nicht sehen?

    Ich will nur darauf aufmerksam machen, dass es für Lehrer ein ganz schwieriges und sensibles Thema ist, da sie nicht dafür ausgebildet werden.
    Die einzige aufgabe eines bemühten und kompetenten Lehrers besteht also darin zu erkennen ab wann er Kontakt zu einem Fachmann aufnehmen sollte. Diese Fachmann ist dann dafür da zu bewerten ob es bereits Mobbing ist und kann Gespräche führen.

    @Konni, es mag geeignete und nicht-geeignete Lehrer geben, aber zeig mal etwas Empathie den Lehrern gegebenüber, bzw. gib die Formel an, ab wann man reagieren muss.


  4. Thomas quakte:

    Die Reaktion von Lehrern kann ziemlich unmöglich und wider den gesunden Menschenverstand sein. Generell dürfte es aber schwer sein so etwas im Blick zu haben und angemessen zu reagieren. Selbst ausgebildete Psychologen ergreifen bekanntermaßen zu oft falsche Maßnahmen, aber ein Lehrer bekommt in der Richtung wirklich nur minimale Bildung. Insofern wäre wenn trotzdem ein Einschalten bspw. des schulpsychologischen Dienstes eher sinnvoll.


  5. Fozzie quakte:

    ”Wie weit geht “normale Entwicklung” und ab wann ist es Mobbing?”

    Die Frage stellt sich wohl weder im Fall der erwähnten G+-Bloggerin, noch in Froschs Fall.

    ”Stellt euch vor, der Lerher redet mir der Klasse, was passiert danach? Wenn es noch kein Mobbin war, und der bemühte Lehrer redet etwas ungünstig, dann ist danach alles richtig schwierig…”

    Es gibt sicher Dinge wie z.B. Gruppenbildungen von denen manche ausgeschlossen werden die auch nicht begrüßenswert sind, die man aber auch nicht im Namen der Betroffenen offen ansprechen sollte. Aber solche Demütigungen und physischen Grenzverletzungen müssen angesprochen werden. Und wenn es im Einzelfall nicht klar wird ob es nun Mobbing war oder nicht, dann zeigt sich spätestens beim nächsten mal wie das gemeint war. Und beim zweiten mal bleibt es bei Leuten wie Frosch oder die “Die 13″ eben oft nicht, sondern die erleben solche Situationen über Jahre immer wieder und da gibt es dann keine Zweifel wie das auszulegen ist.

    ”Ich will nur darauf aufmerksam machen, dass es für Lehrer ein ganz schwieriges und sensibles Thema ist, da sie nicht dafür ausgebildet werden.”

    Also für das Erkennen solcher Situationen muss wohl keiner ausgebildet werden, sondern für das Vermitteln zwischen Täter und Opfer.


  6. Mob quakte:

    Tja, in der Leistungsgesellschaft muss es halt Gewinner und Verlierer geben.


  7. Fozzie quakte:

    ”Tja, in der Leistungsgesellschaft muss es halt Gewinner und Verlierer geben.”

    Ach, wird man etwa geschlagen weil man Minderleister ist???


  8. Mob quakte:

    “Ach, wird man etwa geschlagen weil man Minderleister ist???”

    Haste nix, biste nix! Also gibt`s Prügel!


  9. frosch quakte:

    @Mob: Troll Dich, Troll.


  10. Feenminze quakte:

    Das schwierige für Mobbingopfer im Kindesalter ist, dass Still-und Aushalten oftmals die einzige Überlebensstrategie ist, weil Eltern das Thema nicht ernst genug nehmen und Lehrer manchmal eben nur kurze Ausschnitte mitbekommen, wie zB der Schrei, wenn durch Reissnägel oder Zirkel (das hatte ich zB erlebt) Schmerz zugefügt wird. Die Tat selber findet still und unbemerkt statt, für den Lehrer erlebbar ist eben nur die Reaktion darauf. Und nicht jedes Kind sagt dann, was gewesen ist, allein aus Angst vor zukünftigen Repressionen seitens der Mitschüler. Daraus entsteht dann eine Opferhaltung, bei der auch ein Schulwechsel allein nichts bringt. Da ist psychologische Beratung angesagt, um nicht lebenslang das Opfer zu sein.
    Ich hab den ganzen Mist auch erlebt und war jahrzehntelang Opfer, weil ich in dieser damals notwendigen Überlebensstrategie ausgeharrt habe. Das heisst, egal wo ich hinkam, war ich immer Opfer, allein durch mein passives Verhalten, meinen inneren Rückzug. Jetzt im Moment bin ich mittels DBT dabei, mich von meiner Opferrolle zu lösen und dummen alten Mythen zu begegnen, was man so alles nicht kann, darf, sollte..
    Und eben deshalb ist es unglaublich wichtig, über Mobbing zu reden, am Besten noch, bevor es zu solchem kommt.

    Gruß
    Feenminze


  11. Markus quakte:

    Fozzi:
    “Also für das Erkennen solcher Situationen muss wohl keiner ausgebildet werden, sondern für das Vermitteln zwischen Täter und Opfer.”

    Stellt euch das nicht zu leicht vor. Es gibt “ganz normales” ärgern von gleichaltrigen, das gehört zur normalen Entwicklung dazu und das ist auch gut so. Und wie (danke an Feenminze) geschrieben wurde, die Lehrer sehen stets nur einen kleinen Ausschnitt.

    Mobbing zu erkennen ist schon der erste Schritt der Vermittlung und für das werden Lehrer nicht ausgebildet.
    Es gilt für den Lehrer also solche Situationen zu erkennen und sich einen Spezialisten zu holen bzw. sich beraten zu lassen und das ist schwer genug.

    Wie ihr selber sagt, Eltern schaffen es oft nicht (mit 1,3 Kindern), wie könnt ihr dann Lehrern eine gewisse Schuld zuweisen die 30 Schüler a x Klassen haben?


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