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Arbeitsmoral des JobCenters

20. Juni 2012 um 20:40 Uhr von Atari-Frosch

Gegenüber den sogenannten Arbeitslosen lassen die ARGEn ja immer gern durchblicken, daß man sie für faul und arbeitsscheu hält. In den letzten drei Monaten durfte ich erfahren, wie es das ARGE Düsseldorf selbst mit der Arbeitswilligkeit hält.

Am 14. März hatte ich einen längeren Brief dorthin geschrieben. Darin ging es um drei Themenbereiche: Zum einen die geänderte Lage durch meine quasi erzwungene Rücknahme meiner Klage vor dem Sozialgericht, zum zweiten die Rückzahlung der Hausverwaltung, um zum dritten darum, daß ich mich selbständig machen und dazu beraten werden möchte. Das erste war eine reine Mitteilung und bedurfte keiner Reaktion. Um die Geldsache kümmerte sich das ARGE auf eine, sagen wir, eigenwillige Art. Zum Thema Beratungstermin kam gar nichts.

Also schrieb ich am 7. Mai – immerhin schon fast zwei Monate später – einen Brief zur Erinnerung:

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist ja schön, wie schnell Sie darauf reagieren konnten, daß ich einen größeren Geldeingang erwarte. Leider habe ich das Geld immer noch nicht, weil bei meiner Hausverwaltung offenbar alles drunter und drüber geht und mir am Telefon zweimal Unsinn erzählt wurde. Somit bin ich nun mit meiner Miete 7 Tage im Rückstand. Weil ich genau das befürchtet hatte, wollte ich ja auch eine Kontonummer zur Rücküberweisung haben, damit ich das Geld überweisen kann, wenn es da ist.

Aber das muß Sie ja vermutlich nicht stören, Hauptsache, Sie haben gespart.

Leider haben Sie in der Freude über die Ersparnis sicher „übersehen“, daß ich im selben Schreiben vom 14. März 2012 außerdem um einen Beratungstermin zum Thema Selbständigkeit gebeten habe. Denn eine Einladung dazu habe ich immer noch nicht bekommen.

Ich bitte nun also nochmals um einen solchen Beratungstermin, und bitte nicht erst irgendwann in ein paar Monaten, sondern zeitnah.

So nebenbei habe bereits bei der ersten Antragstellung vor drei Jahren deutlichst klargemacht, daß ich Verschleppungstendenzen Ihrer Behörde, egal welcher Art, nicht durchgehen lasse. Ich erinnere daran, daß ich das – immer noch – ernst meine.

Mit freundlichen Grüßen

Kurz darauf ging mein Hauptrechner kaputt, und ich mußte mir erstmal ein „neues“ Mainboard dafür suchen. Es geschah weiterhin – nichts.

Anfang Juni überwies ich dann die Juni-Miete und die Differenz zwischen der Mai-Miete und dem, was ich hätte zurückbekommen sollen, denn von der Hausverwaltung war immer noch kein Geld eingegangen. Da sollen sich jetzt Vermieter und Hausverwaltung drum schlagen, das ist jetzt nicht mehr mein Problem. Daß ich aber wegen der zunächst zurückbehaltenen Mai-Miete wieder ein anderes Problem dazubekommen habe, ist noch eine ganz eigene Baustelle.

Zur selben Zeit entschloß ich mich kurzfristig, eine Mitfahr- und eine Schlafgelegenheit wahrzunehmen und zur GulaschProgrammierNacht zu fahren, von dort aus dann direkt nach Mannheim zu meiner Mutter weiterzufahren und bis zu ihrem Geburtstag dortzubleiben. Zwei Tage vor der Abreise, am 5. Juni, warf ich nochmal ein Schreiben in den Briefkasten:

Sehr geehrte Damen und Herren,

da Sie sich immer noch nicht bequemt haben, mir einen Beratungstermin zum Thema Selbständigkeit zu geben, setze ich Ihnen nun eine letzte Frist, bevor ich mal so richtig ungemütlich werde.

Meine erste Anforderung eines solchen Termines datiert immerhin bereits vom 14. März. Am 7. Mai habe ich Sie daran erinnert. Aus Ihrer Behörde kam nicht einmal eine Eingangsbestätigung. Daß Sie zumindest die erste Aufforderung erhalten haben, ist eindeutig daran zu erkennen, daß Sie auf andere Mitteilungen in meinem Brief vom 14. März sehr wohl reagieren konnten. Sie können also nicht behaupten, Sie hätten das nicht bekommen.

Also, letzte Chance, bevor es ungemütlich für Sie wird: Ich bin vom 7. Juni bis 20. Juni nicht in Düsseldorf. Vom 7. - 10. Juni nehme ich an der Gulasch-Programmier-Nacht des Entropia e. V. in Karlsruhe teil (https://entropia.de/GPN12). Danach fahre ich weiter nach Mannheim, denn am 19. Juni hat meine Mutter, die dort wohnt, Geburtstag, und angesichts des menschenunwürdig niedrigen Hartz-Regelsatzes wäre es finanziell gesehen Unsinn, dann nochmal runterzufahren. Am 20. Juni fahre ich wieder nach Hause.

In diesen knapp zwei Wochen haben Sie letztmals Gelegenheit, mir den gewünschten Termin zu geben. Natürlich nicht innerhalb dieser Zeit, sondern danach, und zwar sehr zeitnah danach.

Sollte das wiederum nicht passieren, dann werde ich an einem beliebigen Tag in Ihre Behörde kommen und die Beratung sofort einfordern. Bekomme ich sie nicht, dann werde ich wohl mal ein paar Takte mit dem Behördenleiter reden müssen. Und dann hagelt es Dienstaufsichtsbeschwerden und einen überhaupt nicht netten Blogeintrag. Mindestens.

Wie würden Sie wohl reagieren, wenn ich mir mal eben drei Monate lang Zeit ließe, auf Ihre Schreiben zu reagieren? Sie hätten mich vermutlich schon halb tot sanktioniert.

Mit freundlichen Grüßen

Als ich gestern, einen Tag früher als geplant, zurückkam, war in meinem Briefkasten nichts vom ARGE. Allerdings hatte ich gestern Morgen eine E-Mail bekommen, die ich, weil ich den ganzen Tag unterwegs war und keinen Netzzugang hatte, erst abends zu Hause abrufen konnte:

Sehr geehrte Frau Becker,
ich habe Ihre Nachricht vom 05.06.2012 erhalten.

Ich möchte mich in aller Form entschuldigen, dass Ihnen bisher kein Termin ermöglicht wurde.

Ihre zuständige Ansprechpartnerin ist zur Zeit im Urlaub. Sobald sie wieder da ist, wird sie Ihnen umgehend einen Termin zukommen lassen, um zu erörtern, wie das Jobcenter Ihnen ggf. in der Gründung helfen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Ach, schau mal einer an. Man muß wohl wirklich erst mit Drohungen ankommen, damit dort überhaupt mal jemand reagiert. Und ob sich die Sachbearbeiterin, deren Name mir seltsamerweise nicht genannt wurde, dann wirklich bei mir meldet, ist damit auch noch offen, zumal auch die Information fehlt, wann die Dame aus dem Urlaub zurückkommt. Ich leg mir die Sache also mal gedanklich auf Wiedervorlage, und wenn da in angemessener Zeit immer noch nichts da ist, ziehe ich die letzte Drohung gnadenlos durch.

Mein Eindruck ist, daß die Mitarbeiter beim Umgang mit den Zwangsverarmten von sich auf andere schließen. Weil sie selbst einfach Akten liegenlassen, Informationen verschweigen und auch gern mal lügen (oder auch direkt die Arbeit verweigern) und sich nicht kümmern, bevor Drohungen eingehen, gehen sie wohl davon aus, daß die von ihnen, ähm, „betreuten“ sogenannten „Kunden“ genauso handeln. Daher setzen sie von vornherein auf ständige Drohungen mit Sanktionen – die Mittel haben sie ja dazu. Offensichtlich ist man dort nicht darauf eingestellt, daß jemand den Spieß mal umdrehen könnte. Und ich werde fleißig weiterdrehen.

[Update 2012-06-20 21:44] Oh, anderswo kann das ARGE sowas auch. Scheint also wieder mal System zu haben: ARGE-Ungerechtigkeit. [/Update]

4 Kommentare zu “Arbeitsmoral des JobCenters”

  1. Fozzie quakte:

    Mit was willst Du dich denn selbständig machen?
    Und inwiefern benötigst Du dazu die Hilfe der ARGE?
    Und was hast Du bisher unternommen um deine Selbständigkeit vorzubereiten?


  2. frosch quakte:

    @Fozzie: Das erste erfährst Du noch früh genug. Das dritte geht niemanden was an, solange ich selbst nichts dazu veröffentliche.

    Selbstverständlich muß ich mich vorher mit dem ARGE besprechen. Denn es ist ja nicht so, daß man mit dem Gewerbeschein gleich eine Ladung zahlungswilliger Kunden mit tollen Aufträgen mitgeliefert bekommt, auch wenn manche Einrichtungen wie Finanzämter oder Krankenkassen sich das so denken. Solange ich also keine Einnahmen in einer Höhe habe, die mir die Unabhängigkeit von den Repressionsämtern garantieren, muß ich wissen, wie das Amt mit einer Selbständigkeit und den Einnahmen daraus umgehen wird. Sonst fallen denen vielleicht noch lustige Möglichkeiten ein, mir Steine in den Weg zu werfen, worin Repressionsbehörden ja wahre Meister sind.

    Und so nebenbei wüßte ich auch gerne, ob es Fördermöglichkeiten gibt und ob ich solche beantragen muß, bevor oder nachdem ich den Gewerbeschein geholt habe.

    Selbstverständlich werde ich die Aussagen der Sachbearbeiterin hinterher überprüfen, denn erfahrungsgemäß bekommt man beim ARGE nicht unbedingt immer die Wahrheit gesagt. Aber zunächst sind die dran.

    Im Moment rechne ich mit weiterer Verschleppung. Denn daß die Dame schon seit mindestens 6. Juni in Urlaub ist, glaube ich nicht. Also hat sie den dritten Brief — genauso wie die vorherigen — einfach liegengelassen und ist in Urlaub gefahren. Das sagt schon einiges darüber aus, wie das Spielchen weiterlaufen könnte. Und sowas wie Urlaubsvertretungen kennt man bei Ämtern offenbar mittlerweile auch nicht mehr.


  3. amfa quakte:

    Hallo,
    Das ganze hat nicht unbedingt was mit „arbeitsmoral“ zu tun.
    Meine Mutter arbeitet in einer ARGE daher weiß ich ein wenig was dort zu tun ist und die Menschen dir dort arbeiten sind oftmals überlastet. Meine Mutter macht z.B. relativ viele Überstunden weil sie einfach mit den Akten nicht hinterher kommt. Das führt dann dazu, dass wenn jemand in Urlaub geht eigentlich niemand die Zeit hat sich zusätzlich um die anderen Fälle zu kümmern.
    Das Problem ist „weiter oben“ zu suchen. Man gibt den Mitarbeitern dort immer mehr zu tun, Richtlinien und Gesetze ändern sich recht schnell.
    Ich möchte an dieser Stelle deshalb nur eine Lanze für die Mitarbeiter dort brechen.
    Die meisten Mitarbeiter dort tun ihr bestes um ihren Kunden zu helfen, wenn man aber am Tag 10 Fälle bearbeiten kann und 12 neue dazu kommen (die Zahlen sind jetzt frei erfunden) führt das leider unweigerlich dazu das was liegen bleibt und erst recht spät bearbeitet werden kann.

    mfg
    amfa


  4. Kerry quakte:

    Naja, leider hat man nie den Eindruck, dass sie einem „helfen“ wollen. Ich kenne niemanden, der was gutes über die ARGE zu berichten hätte. Alle haben immer nur Mist erlebt. Schon irgendwie merkwürdig, oder?


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