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Gesundheit ganz privat

10. September 2012 um 15:16 Uhr von Atari-Frosch

Ich hab da derzeit so ein bißchen Gedöns mit einem Backenzahn. Bei dem hat sich nämlich klammheimlich die Wurzel verabschiedet, sprich, die ist halt mal eben gestorben. In den Kanälen, die durch so eine Wurzel durchgehen, für Blutgefäße und Nerven und so, hat sich eine Infektion eingenistet. Der Zahn tut nicht mehr weh, weil er ja buchstäblich keinen Nerv mehr hat – aber das Zahnfleisch außenrum dafür umso mehr, und das wurde auch ordentlich dick. Also bin ich natürlich zu meiner netten Zahnärztin direkt gegenüber gegangen.

Da der Zahn noch prothetische Bedeutung für seine Nachbarn hat, kann er nicht so einfach raus. Also mußte eine Wurzelbehandlung gemacht werden. Die Zahnärztin brach also die Krone runter, reinigte die Kanäle, stopfte ein bißchen Watte mit Medizin rein und machte eine provisorische Füllung drauf (1. Behandlung). Nach zwei Tagen stellte sich heraus, dat geht so nich', das tut zu sehr weh; also wurde wieder aufgemacht, nur Watte mit Medizin reingestopft (2. Behandlung) und ansonsten offengelassen. Eine Woche später nochmal eine Reinigung, neue Medizin-Watte und neue provisorische Füllung (3. Behandlung).

Heute wäre nun die eigentliche Versiegelung drangewesen, bei der diese Kanäle in der Wurzel quasi aufgefüllt werden, damit da nichts mehr reinkann, was nicht reinsoll. Aber so richtig weg ist die Infektion noch nicht. Es war also eine vierte Behandlung notwendig. Nun ist das aber nicht so einfach:

Ich wurde darüber aufgeklärt, daß so eine medizinische Behandlung des Zahns nur dreimal von der Krankenkasse bezahlt wird. Danach muß man den Zahn entweder in einer ambulanten Operation chirurgisch behandeln oder eben rausziehen lassen – oder weitere Behandlungen selbst bezahlen. Kostenpunkt pro Behandlung: 16 Euro nochwas. Nun dachte ich mir, ok, dann zahle ich das, und da ich in diesem Jahr eh schon einiges an Ärzte etc. abgedrückt habe, müßte es dann für die Befreiung von weiteren Zuzahlungen genügen.

Pustekuchen.

Das ist wirklich privat. Also so richtig. Ich kann es auch nicht als Zuzahlung geltend machen.

Da sich die Entzündungen seit dem letzten Mal aber doch schon gut zurückentwickelt haben, habe ich mich jetzt für einmal selbst zahlen entschieden. Den Streß einer Operation würde ich nämlich doch ganz gern vermeiden.

Wer nun also dieses Geld nicht aufbringen kann, wird auch dann zu der (sicher teureren) Operation oder eben einer Extraktion gezwungen, wenn absehbar ist, daß nur noch eine oder zwei Behandlungen genügen würden, um die Infektion loszuwerden und die Wurzel versiegeln zu können.

Das ist doch mal eine sehr, ähm, effiziente Gesundheitspolitik …

6 Kommentare zu “Gesundheit ganz privat”

  1. Fozzie quakte:

    Hat sich irgendwas bei dir geändert, dass Du das so locker siehst?
    Ich kann mich noch an Zeiten erinnern als Du dich über irgendwas um die 10€ für nen TAN-Generator geärgert hast.


  2. RichardL quakte:

    „Ich schreib die Tage noch was dazu“

    Das war am 12.8. Wann sind die Tage denn rum? Ich bin schon ganz gespannt.


  3. frosch quakte:

    @Fozzie: Nein, es hat sich nichts geändert. Ich würde in einem Fall wie bei der Sparkasse wieder genauso handeln. Die Situation ist hier doch eine andere, und das gleich aus zwei Gründen:

    1. Die Sparkasse kann ich zwingen, indem ich damit drohe, zur Konkurrenz zu gehen, die die gleichen Gebühren nicht verlangt. Denn daß der Kunde auf „zahlen oder zahlen” verdonnert wurde, hängt mit einem Fehler zusammen, den die Sparkasse selbst gemacht hat, nämlich daß sie das alte Verfahren komplett rausgekippt haben, statt dem Kunden die freie Wahl zu lassen.
    2. Die Krankenkasse zu wechseln hätte weder die gleiche Wirkung (denn alle anderen gesetzlichen Krankenkassen sind an dieselben gesetzlichen Vorgaben gebunden) noch wäre mir mit einer solchen Drohung geholfen gewesen, denn die Zahnwurzel muß jetzt behandelt werden, nicht irgendwann.

  4. frosch quakte:

    Wie meinen? Am 12.08. habe ich ein „Im Netz aufgefischt” publiziert und einen Kommentar geschrieben, der besagt, daß auch mein Tag nur 24 Stunden hat. Und ja, ab und zu gehen bei mir Vorhaben auch mal unter, weil da auch noch so ein paar andere Dinge wichtig sind.


  5. RichardL quakte:

    Dann mal genauer: 30.7. Arbeitsmoral…. Ihr Eintrag vom 12.8. Wann erfährt man mehr?
    Interessiert mich halt.


  6. JoachimA quakte:

    Also das Prozedere hab ich auch hinter mir.

    Da haben sie dann auch mehrfach gefüllt, mit Watte gestopft, gereinigt, versiegelt und besprochen, gezaubert und gefrickelt. Und das auch alles privat und teuer.

    Nach sechs oder acht Wochen war ich es leid und bin zu einem anderen Zahnarzt. Der meinte, dass man um die Operation nicht herum käme und das hin und her nur teures Basteln wäre, das nie wirklich aufhören würde.

    Ich habe es dann vernünftig machen lassen. Was das Implantat letztendlich gekostet hat steht auf einem anderen Blatt. Hier ist dann das Problem, dass die Kasse ein Implantat nicht bezahlt, wohl aber irgendwelche Brücken, Kronen und andere Frickellösungen.

    Für jemanden, der die vierstellige Summe eben nicht aufbringen kann (und das sind immer mehr Leute, auch solche die 40 und mehr Stunden in der Woche arbeiten) ist das bitter und ein weiteres Kapitel der Zwei (und mehr) Klassen Medizin, die wir lange haben in diesem Land.

    Dass die Kasse nur eine dreimalige Behandlung zahlt ist unter dem Aspekt nachvollziehbar, dass man nicht irgendwelche Dauerbaustellen finanzieren will, vor denen letztendlich nur die Zahnärzte profitieren.

    Ich hatte nach über zehn Behandlungen keine wirkliche Besserung, dafür aber einige hundert Euro ausgegeben. Die klassische OP wäre dann die kostenlose Alternative gewesen, das Implantat war sicher die bessere, die aber – wie gesagt – leider nur minimal bezuschusst wird. Der Rest ist reines „Privatvergnügen“, dass sich leider nicht jeder leisten kann (und will).

    JO

    Aber erst mal und vor allem: Gute Besserung und Daumen gedrückt dass es so funktioniert….


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