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Endlich wieder Congress!

7. Januar 2013 um 22:19 Uhr von Atari-Frosch

Das wurde aber auch mal wieder Zeit, nachdem ich in den letzten zwei Jahren wegen Erkältung nicht fahren konnte. Nach dem Umzug des Congresses nach Hamburg in ein (viel) größeres Gebäude war außerdem abzusehen, daß es nicht mehr so eng und dichtgedrängt werden würde. Es änderte sich aber noch viel mehr.

Am 26. Dezember fuhr ich also nach Hamburg. Um der Überfüllung in den ICEs zu entgehen, die bereits auf der Bahn-Website mit einem R gekennzeichnet waren (für den Hinweis, daß man reservieren sollte, weil es voll werden wird), wählte ich eine Verbindung ohne ICE. Ich fuhr also mit einem Regionalexpreß bis Dortmund und nahm ab dort — natürlich mit Reservierung — einen Intercity nach Hamburg. Außerdem fuhr ich relativ spät los, damit konnte ich an dem Tag nochmal so ein bißchen ausschlafen.

Einen Übernachtungsplatz hatte ich bei einer Freundin in Hamburg-Harburg bekommen. Ich stieg also schon am Bahnhof Harburg aus, die Freundin holte mich ab, und ich wurde erstmal meine Reisetasche los. Dann ging es weiter zum Bahnhof Dammtor, zum Congress Center Hamburg (CCH), um Alex (Rollstuhlfahrer) zu treffen und mein Bändchen („Eintrittskarte”) zu bekommen.

Erste Erkenntnis über das CCH:

@AtariFrosch
@Nienor_ Das CCH ist ... groß. Und außerdem ist es: GROSS! 😉

1:02 PM - 28 Dez 12

Das Chaos, das ich nach dem Gebäudewechsel „erwartet” hatte, blieb komplett aus. Alles war perfekt durchorganisiert. Da haben einige Leute richtig hart gearbeitet. Das einzige, was mich an dieser perfekten Organisation gestört hat: Es ist ja gut, wenn die Engel höflich sein wollen. Aber muß man Congress-Teilnehmer deswegen durchgehend siezen? Das fühlte sich für mich so anachronistisch an, so falsch, so … aus- und abgrenzend. Für Respekt brauche ich das nicht, für Höflichkeit auch nicht. Es hat mich wirklich hochgradig irritiert.

Fast im gesamten Gebäude ist Barrierefreiheit bereits implementiert, und wo das nicht der Fall ist, wurde nachgeholfen. Die Engel haben für Rollstuhlfahrer Wege gefunden, in alle Bereiche zu kommen. Dabei wurden auch Lastenaufzüge und der Küchenbereich des Hauses mit einbezogen. Die Wege zu den möglichen Zielen sind zwar manchmal, sagen wir, eigenartig, aber sie sind vorhanden. Nur daran, wie ein Rollstuhlfahrer auf die jeweilige Bühne in einem der Säle kommen sollte, war wohl nicht so wirklich gedacht worden, aber daran wurde dann wohl auch gearbeitet, nachdem wir darauf aufmerksam gemacht hatten.

Ärgerlich in dieser Hinsicht war allerdings die Regelung in Saal 1, zumindest für die Keynote. Wir wurden angewiesen, nicht nach ganz vorn zu gehen, sondern etwa nach dem ersten Drittel der Sitzreihen Platz zu nehmen. Diese Sitzreihen sind ebenerdig, das heißt, mit einem größeren Menschen vor der Nase sieht man das, was sich auf der Bühne abspielt, nur noch eingeschränkt. Angeblich hatte das mit dem Evakuierungsplan zu tun — die Feuerwehr ist offenbar (und nicht nur hier) grundsätzlich der Meinung, Rollstuhlfahrer würden beim Evakuieren nur im Weg stehen und dürften deshalb nicht überall im Saal sitzen. — Dann wurde es noch ärgerlicher: Während Jake Appelbaum sprach, positionierte sich genau in Alex' Blickrichtung zur Bühne ein Kamerateam, um Jake zu filmen. In aller Selbstverständlichkeit verstellten sie uns nicht nur die Sicht, sondern genau den Fluchtweg, den wir freihalten sollten. — Nach einer netten Unterhaltung mit dodger wurden aber wohl die Anweisungen an die Engel geändert, und ab Tag 2 konnten wir auch ganz nach vorne.

Die Essensversorgung wurde vom CCH organisiert. Die Auswahl war ganz nett, allerdings habe ich nichts rein Veganes gesehen. Die Preise waren immerhin akzeptabel. Die Lebensmittel stammten leider eindeutig aus Billig-Einkäufen; vermutlich, um die Preise niedrig zu halten. Was mir im Angebot eindeutig fehlte, waren Schokoriegel, sonstiger Süßkram und Obst. Das konnte man im BCC immer kaufen, wenn auch überteuert.

Die Getränkeversorgung dagegen war selbst organisiert: Engel lernten, Getränkekästen unfallfrei auf Wagen zu transportieren und im Akkord Getränkekühlschränke aufzufüllen. 😉

Ich überraschte mich quasi selbst damit, in den Vorträgen, die ich mir rausgesucht hatte, über die volle Zeitspanne die Konzentration beizubehalten – sogar bei den englischsprachigen. Von den früheren Congressbesuchen kannte ich das so, daß mein Kopf auch bei noch so interessanten Themen nach spätestens 20 Minuten „zumachte“ und ich nur noch die Stimme hörte, aber die Inhalte nicht mehr erfassen konnte. Das klappt jetzt wieder. Das liegt vielleicht auch daran, daß es weniger Streß und kein Gedränge mehr gab.

Und diese Vorträge habe ich besucht:

Zugegeben, den Vortrag darüber, wie man ein billiges Handy in eine Basisstation umbauen kann, habe ich nur besucht, um zum Fnord-Jahresrückblick einen guten Platz zu bekommen. Es war sicher nicht uninteressant, aber ich habe zu wenig Hintergrundwissen, um mehr als 10 % des Vortrags verstehen zu können.

Ähnliches gilt für den Vortrag über Musikroboter vor den Security Nightmares, wobei der auch für mich recht interessant hätte sein können, aber ich fand den Referenten nicht so gut. Er hat technisch einiges drauf, aber das zu vermitteln, ist wohl nicht so ganz sein Ding.

Beim Closing Event vermißte ich so ein wenig den Brückenschlag zur Keynote, wie es bei den vergangenen Congressen üblich war. Stattdessen gab es im Prinzip „nur“ Statistiken. Die waren natürlich auch nicht uninteressant, aber sollten m. E. nicht das alleinige Thema des Closing Events sein. So war der Abschluß dann nicht so wirklich rund.

Mit Sicherheit sind noch einige von den Vorträgen interessant, die ich nicht vor Ort verfolgen konnte; die werde ich mir dann nach und nach vom FTP ziehen und bei Gelegenheit nachträglich daheim ansehen. Aber mehr war mir dort nicht möglich. Zwar hatte ich in den Vorträgen selbst durchgehalten, aber dazwischen brauchte ich auch teils ziemlich große Pausen. Und so nebenbei will man ja auch mal noch hier und da was angucken und mit Leuten reden. Trotzdem habe ich es nicht geschafft, alle zu treffen, die ich gern getroffen hätte und von denen ich wußte, daß sie da waren, zum Beispiel den Holger Koepke.

Sehr schön gemacht war das „Zehn Vorne“, eine Chill-Out-Area mit Musik und Sofas. Dort wurden auch nochmal Getränke verkauft, aber auch nur dasselbe, was es in den anderen Bereichen gab. Irgendwie hätte ich da noch Cocktails und sowas erwartet. 😉

Bei einem Stand des RaumZeitLabors dagegen ging es eher wie auf einer Kirmes zu: Es gab Slush in verschiedenen Geschmacksrichtungen (nachts mit Alkohol, tagsüber zumindest überwiegend alkoholfrei), selbstgemachtes Eis und Zuckerwatte, auch jeweils mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, gegen Spende. Von der Zuckerwatte mit Waldmeister, oder, wie jemand schrieb, „grüner Flausch“, hätte ich gern mehr gehabt. 🙂

Fazit

Die Zahlen, die im Closing Event genannt wurden, sind äußerst beeindruckend: Etwa 6.600 verkaufte Eintrittskarten (wobei 4-Tages-, einfache Tageskarten und Nachtkarten nicht unterschieden wurden), rund 500 freiwillige Helfer, -zigtausend Liter an verkauften Getränken (die genauen Zahlen habe ich mir nicht gemerkt), und nur zwei Besucher, die sich nicht benehmen konnten, mußten entfernt werden. Es gab nur 33 Fälle, in denen das CERT medizinische Hilfe leisten mußte, und davon kamen nur zwei ins Krankenhaus.

Und das Wichtigste: Dieser riesige Congress wurde nahezu komplett durch freiwillige Arbeit auf die Beine gestellt und durchgeführt. Dem CCC war vorausgesagt worden, daß das in dieser Größenordnung nicht zu schaffen sei. Sie haben es geschafft. Wir haben es geschafft.

Das Personal des CCH war übrigens wohl schwer beeindruckt gewesen davon, wie ruhig und sauber das Ganze ablief und wie wenig sie hinter uns herräumen und -putzen mußten.

Nach meinen früheren Erfahrungen war dieser Congress sehr anders, und das überwiegend auf sehr angenehme Weise. Das heißt nicht, daß die früheren schlecht waren, aber eben … anders. Oft chaotischer, stressiger, und eben in den letzten Jahren unangenehm eng und dichtgedrängt. So, wie es jetzt läuft, darf es gern erstmal weitergehen. Das ist eine gute Richtung.

Wir sehen uns – beim 30C3 🙂

Eine besondere Stimme über den Congress

5 Kommentare zu “Endlich wieder Congress!”

  1. Konni quakte:

    Mich würde das irritieren, wenn man mich ständig duzen würde :=)

    Zitat:
    Sehr schön gemacht war das „Zehn Vorne”, eine Chill-Out-Area mit Musik und Sofas. Dort wurden auch nochmal Getränke verkauft, aber auch nur dasselbe, was es in den anderen Bereichen gab. Irgendwie hätte ich da noch Cocktails und sowas erwartet.

    Und eine schwarze Bardame mit komischen Hut? 😉


  2. frosch quakte:

    Naja, ich kenne das in Hackerspaces gar nicht anders, als geduzt zu werden. Und beim Congress genauso. Ein „Sie” paßt da einfach nicht. IMHO.

    Nee, die schwarze Dame mit komischem Hut braucht’s da nicht. Es gibt auch so genug „Listener” 😉


  3. catdog2 quakte:

    Es gab durchaus Cocktails, allerdings waren die irgendwie nicht sonderlich gut und es gab glaub ich auch einige Verfügbarkeitsprobleme.


  4. Gerd quakte:

    „Was mir im Angebot eindeutig fehlte, waren Schokoriegel, sonstiger Süßkram“
    – Sehr schlimm – gerade in Anbetracht des akuten Untergewichts, unter dem die meisten Deutschen leiden.


  5. frosch quakte:

    Du weißt aber schon, daß der CCC-Congress eine Nerd-Veranstaltung und keine Gesundheits- oder Ernährungsmesse ist, ja? 😉


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