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Das Weltbild der Bundesarbeitsagentur

10. Januar 2013 um 20:11 Uhr von Atari-Frosch

Es kotzt mich echt an. Jedesmal, wenn Heinrich Alt herumposaunt, wie toll doch die Arbeitsagentur ist, könnte ich kotzen. So wie vorhin:

@Heinrich_Alt
Zahl der #HartzIV Klagen geht weiter zurück. Aus meiner Sicht ist Trendwende geschafft #Jobcenter #Hartz4 http://t.co/Y9Io3wnP

4:54 PM - 10 Jan 13

Jegliche Kritik daran wird abgebügelt oder auch mal lächerlich gemacht, wie man in dem Thread zum Tweet erkennen kann. Er hätte auch schreiben können: „Ach die schon wieder, die muß ja immer motzen.“

Ja, und ich werde immer wieder „motzen“, wenn Luftblasen-Statistiken herangezogen werden, um das ARGE (Amt für Repression, Grundrechtsentzug und Existenzvernichtung) über den grünen Klee zu loben. Denn das, was das ARGE an Verbrechen begeht, um die Zahlen niedrig zu halten – sowohl die der (überwiegend berechtigten!) Klagen als auch die der „Arbeitslosen“ (also: Zwangsverarmten), will er nicht sehen. Und was er nicht sehen will, findet für Herrn Alt einfach nicht statt.

Allein, wenn ich mal schaue, was ich so in den letzten „Im Netz aufgefischt„-Artikeln zusammengetragen habe:

Da ist als erstes die Sanktionslüge. Es wird sanktioniert wie nie, und laut Arbeitsagentur sind daran natürlich immer die „Arbeitslosen“ schuld; zumindest habe ich noch kein Schuldeingeständnis der Arbeitsagentur und ihrer Repressionsämter gefunden. Dabei sieht das bei genauerem Hinsehen ganz anders aus: Die ARGEn legen es darauf an, sanktionieren zu können. Das würde Herr Alt aber natürlich nie zugeben. Vermutlich würde ihm die Bundesarbeits-Zensursula von der Lügen dann direkt den Stuhl unterm Hintern wegziehen.

Und natürlich klagen immer weniger Menschen. Das ist allein schon dann logisch, wenn man sich zwei Fristen anschaut: Bis ein Sozialgericht eine Klage bearbeitet, kann mal locker 18 Monate oder mehr dauern – und dann geht man noch das Risiko ein, daß der Richter meint, Grundrechte seien auf dem Papier ganz toll, müßten aber für Zwangsverarmte nicht umgesetzt werden. Aber bereits nach zwei Monaten ohne Mietzahlung kann der Vermieter kündigen. Die ARGE-Mitarbeiter wissen das natürlich auch – und nutzen es aus: Wer Existenzangst haben muß, klagt in den meisten Fällen nicht mehr. Und der Druck wird ja nicht weniger, im Gegenteil.

Außer Lügen geht auch Ignorieren ganz toll: Zum Beispiel die Hartz-IV-Umfrage der Diakonie: Aber wieso auch, es geht doch nur um Grundrechte für Überflüssige, kann man ja ruhig ignorieren.

Die Kritik des UN-Ausschusses für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte daran, daß das Zwangsarbeits- und Zwangsverarmungsgesetz namens SGB gegen Grundrechte verstößt, muß den Herrn Alt genausowenig interessieren. Und natürlich auch nicht die Bundesarbeits-Zensursula. Die haben ja beide überhaupt nicht ihren Amtseid auf das Grundgesetz abgelegt, dessen Artikel 12 allen die freie Wahl des Arbeitsplatzes zuerkennt und Zwangsarbeit verbietet. Ähm. Oder doch? – Da sieht man mal wieder, daß so ein Amtseid nicht das Papier wert ist, auf dem er ausgedruckt wurde.

Und was immer ganz hervorragend zieht: Das Kosten-Argument! Geld geht vor Menschen, natürlich nicht nur für die asoziale Bundesregierung, sondern auch für die Arbeitsagentur und ihre Repressionsämter. Das wäre ja echt schlimm, wenn man zur Abwechslung mal nicht Bankster, sondern Grund- und Menschenrechte unterstützen müßte! Geht doch gar nicht. Der Herr Alt sorgt da schon für, und auch dafür ist ihm die Bundesarbeits-Zensursula sicher sehr dankbar.

Wenn bei den ARGEn übrigens alles so toll wäre, wie der Herr Alt uns das glauben machen will: Warum gibt es dann Hinweise wie diesen oder überhaupt die Notwendigkeit der „Mitläufer“? Weil „mehr als 90 Prozent der Menschen, die derzeit auf Hartz IV angewiesen sind, […] der Entscheidung ihrer Jobcenter [vertrauten]“? Ja ne is klar. Völlig logisch.

Und wenn der Druck auf die Zwangsverarmten selbst nicht reicht, dann nimmt man sich halt mal eben deren Kinder vor. Weil die ja total schuld dran sind, daß ihre Eltern kein eigenes Einkommen oder kein genügend hohes Einkommen erarbeiten können. Aber das muß den Herrn Alt ja nicht stören, schließlich sollen die Gören gleich mal lernen, wer später in ihrem Leben das Sagen hat.

Schließlich hatte das ARGE ja im letzten Jahr mal wieder das Thema Verschleppungstendenzen für mich auf dem Plan. Das können sie ja besonders gut, gibt es dafür eigentlich Mitarbeiter-Schulungen? Jedenfalls wurde die Verschleppung meines Antrages auf ein Beratungsgespräch vier Monate lang betrieben, bis ich fast schon Gewalt androhte. Anders tut sich da offenbar nichts. Nächstes Mal werde ich schneller und härter reagieren, versprochen.

All das will der Herr Alt nicht wissen, und wir werden nie etwas davon in einer Pressemeldung der Bundesarbeitsagentur lesen. Und deshalb kotzt es mich jedesmal so an, wenn er Lob ausspricht, ohne die extremen Mängel (oder sollte ich korrekterweise nicht eher sagen: wissentliche Grundrechtsverstöße?) anzusprechen. Die werden gezielt vertuscht und unter den Tisch gekehrt.

Dieser Betrug ist die wahre Aufgabe der Arbeitsagenturen und ihrer Repressionsämter, und somit auch des Herrn Alt und seines Kollegen Weise. Darüber sollten wir uns im Klaren sein.

Aber ich bin für den Herrn Alt sicher nur so eine kleine dumme Querulantin, die man nicht ernst nehmen muß. Das merkt man sehr deutlich an der Antwort auf meine Kritik:

@Heinrich_Alt
@AtariFrosch da habe ich ja fast drauf gewartet 😉

5:00 PM - 10 Jan 13

Danke für's Gespräch. Das ist aufschlußreicher als jedes „Argument“.

3 Kommentare zu “Das Weltbild der Bundesarbeitsagentur”

  1. Richard quakte:

    Ach ja! Verschleppung! Sie wollten doch noch was zum Beratungsgespräch am 8.8.2012 bei der ARGE bezgl. der geplanten Selbständigkeit schreiben. Es sind inzwischen 5 Monate vergangen, man konnte nichts dazu lesen. Aber „verschleppung“ kann man Ihnen doch sicher nicht vorwerfen. An was hängt es also?


  2. frosch quakte:

    @Richard: Nein, ich hab das nun ganz bestimmt nicht verschleppt, denn ich habe auch gar keinen Anlaß dazu. Im Gegenteil, ich würde die Firmengründung lieber heute als morgen durchziehen.

    Leider hat mir die Gesundheit — physisch wie psychisch — einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie ich schon sagte: Es wäre alles so einfach gewesen, hätte ich letztes Jahr im Frühjahr direkt loslegen können.

    Den Gesprächstermin hat es letztendlich gegeben, und er war soweit erfolgreich. Ich stellte fest, daß man offenbar erst an (zumindest scheinbar) vernünftige ARGE-Angestellte kommt, wenn man die Behörde massiv unter Druck setzt, und dann geht das auf einmal. Die Beratung war freundlich und ausführlich, und ich erfuhr, wie ich eine Förderung erhalten kann. Aus wie gesagt gesundheitlichen Gründen bin ich dann nicht mehr dazu gekommen, die notwendigen Unterlagen zur Verfügung zu stellen, genausowenig, wie ich es bislang geschafft habe, die vorgesehene Website fertigzumachen. Dazu hat sich jetzt bei mir noch eine ganz andere Änderung ergeben, aber dazu schreib ich dann was, wenn das Projekt am Laufen ist.


  3. Richard quakte:

    Erstmal danke für die Auskunft. Soll ich Ihnen mal meinen Eindruck sagen?
    Die ARGE hat sich mit der Terminierung nicht übermäßig beeilt. Mal abwarten,
    erledigt sich wahrscheinlich von selbst. Sie haben gedrängelt, gedroht und dann
    einen Termin bekommen. Man weiß wen man vor sich hat (Aktenlage). Ist freundlich, kom-
    petent und geduldig. Alles andere verursacht unnötigen Ärger. Sie bekommen
    also alle notwendigen Informationen, ein neuer Termin zur zeitnahen Info über
    den Sachstand wird nicht vereinbart/übersandt. Für die ARGE ist der Fall erledigt,
    siehe oben. Sie sind für die ARGE höchstwahrscheinlich ein sogen. “Zahl-Fall”.


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