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Besser nicht berufstätig

27. Januar 2013 um 3:08 Uhr von Atari-Frosch

@BILDblog
Bild-Redakteurin Stephanie Bilges (bildblog.de/39937/frau-volkszorn/) zum Thema Sexismus in der Öffentlichkeit. #Aufschrei pic.twitter.com/HAhKY6CZ

12:57 PM - 26 Jan 13

BILD-Redakteurin Stephanie Bilgers (36, Berlin): Wer nicht in der Lage ist, mit deftigen Sprüchen umzugehen, sollte vielleicht besser nicht berufstätig sein.

Aha.

Die Diskussion geht natürlich immer noch zum Artikel der Stern-Reporterin Laura Himmelreich über Rainer Brüderle (FDP) und die (immer noch überraschend lebhafte) Aktion #aufschrei, über die ich ja vorgestern auch gebloggt hatte.

Ja, ich weiß, es ist das Hetzblatt, von denen kann man nun leider nichts anderes erwarten. Aber trotzdem: Machen wir doch mal nachträglich das, was Frau Bilges offenbar versäumt hat: Wir schalten das Gehirn ein und überlegen mal, was ihre Forderung bedeuten würde.

Also: Alle (insbesondere, aber nicht nur) Frauen, die keine sexuelle Belästigung in Form von „deftigen Sprüchen“ hinnehmen wollen, sollten sich nicht etwa dagegen wehren, sondern einen Rückzieher machen. Am besten wohl kündigen, den Job hinschmeißen, oder auch die Ausbildung, das Studium, das Praktikum, was auch immer. Ich glaube, wir wären überrascht, wie viele das wären. Und dann?

Dann beantragen alle diese dann arbeitslosen Menschen Arbeitslosengeld I oder, je nach Status, direkt Hartz IV. Das werden sie erstmal für drei Monate nicht bekommen, weil eine Kündigung wegen blöder Anmache von Arbeitsagentur oder ARGE im allgemeinen nicht akzeptiert werden wird. Und dann?

Werden sie auch weiterhin kein Geld bekommen, denn sie können sich ja nicht bewerben, wenn sie nicht bereit sind, sich in der nächsten Firma wieder auf blöde Anmachen einzustellen. Oder, umgekehrt, darauf, bei blöden Anmachen gegen andere mitmachen zu müssen, weil sie sonst zu Außenseitern werden. Und dann?

Dann hat die BLÖD wieder eine neue Gruppe Zwangsverarmter, über die sie in großen, fetten Buchstaben schreiben kann, daß diese doch sooooo faul seien.

Und sie kann sich feiern, weil sie den Sexismus und den Mangel an Grenzziehung und Respekt (vor allem, aber nicht nur) von Männern gegenüber Frauen neuen Antrieb gegeben hat. Diese Weicheier, sollen sich mal nicht so haben.

Und überhaupt! Frauen gehören doch sowieso an den heimischen Herd. Ich frage mich dann allerdings, warum Frau Bilgers nicht selbst Hausmütterchen spielt. – Achso, sie kann die „deftigen Sprüche“ ja ab, ist also kein Weichei und darf daher berufstätig sein. Oder hat sie, um mal einen „deftigen Spruch“ abzulassen, etwa keinen abgekriegt?

Frau Bilgers ist an diesen Stil bestimmt schon längst gewöhnt, denn so, wie der Ton im Hetzblatt allgemein klingt, darf sie sich sicher jeden Tag in der Redaktion solche „deftigen Sprüche“ anhören. Es ist anzunehmen, daß der alltägliche Sexismus gerade in den Redaktionsstuben des Hetzblattes quasi zum guten Ton gehört. Dann stört das auch bei Gesprächen mit angetrunkenen Politikern mit Testosteron-Überschuß nicht mehr so.

Aber, ganz ehrlich, Frau Bilgers: Der Rest der Gesellschaft kann darauf ganz gut verzichten.

7 Kommentare zu “Besser nicht berufstätig”

  1. Konni quakte:

    Bild. Mit diesem Blatt kann man tote Fische beleidigen, wenn man sie darin einwickelt.


  2. Joshua quakte:

    „Besser nicht berufstätig“ – dann macht der Atari Frosch ja alles richtig.


  3. frosch quakte:

    @Joshua: Ah, mal wieder so einer, der gerne gegen Menschen hetzt, die nicht „normal” arbeiten können. Gratuliere, da hast Du Dein Schild, und vergiß Deine Pillen nicht. m(


  4. Fozzie quakte:

    Also Sexismus in Abhängigkeitsverhältnissen ist natürliche eine üble Sache. Aber der Aufhänger war ja die Geschichte mit dem Brüderle. Ich denke die meisten #Aufschrei-Beiträge stammen von Frauen die das irgendwie mit der Brüderle-Geschichte gleichsetzen; das ist schon ziemlich absurd. Ich nehme dieser Reporterin nicht ab, dass die sich irgendwie ernsthaft bedrängt gefühlt hat.


  5. Gesundblogger quakte:

    Ich habe auch schon von Plänen gehört den #aufschrei Hashtag zu untergraben. Auch wenn es der Sache nicht besonders dienlich wäre, ich fänd‘ einen Tweet nach dem Motto „Das Bier ist schon wieder leet #aufschrei“ recht witzig.


  6. Zanderoli quakte:

    Nur weil ein Mensch der im öffentlichen Leben steht mal nen laxen Spruch gebracht hat so einen Aufriss zu starten ist schon ziemlich behämmert.Als wenn es im Leben nicht wesentlich WICHTIGERE Themen gibt. So einen Aufschrei möchte ich gern mal hören wenn in der Glotze Bilder von verhungernden Kindern,von Bombenzerfetzten Eltern usw. usw. zu sehen ist.Aber solange der Schreihals sein Leben in der Wohlstandsgesellschaft führen DARF sind solche Themen wohl vorrangig.OH man,wie VERROHT sind wir doch geworden!!!


  7. frosch quakte:

    @Zanderoli: Aufschrei-Argumente Nr. 4, danke, der Nächste bitte.


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