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Umgang mit Haßmails

18. February 2013 um 5:09 Uhr von Atari-Frosch

Ein Mitglied der Piratenpartei wurde — wohl nicht zum ersten Mal — mit Haßmails bedacht. Auf Twitter teilte Ali Utlu mit:

@AliCologne
„dreckks Türke wie du hat hier nichts verloren, du hast ja nicht mal einen deutschen Pass, hau ab aus unserer Partei” Mails von heute

12:32 AM – 18 Feb 13

Mehrere Leute, unter anderem auch ich, hatten Ali daraufhin gebeten, die Mails zu veröffentlichen. Das ist meines Erachtens nach der einzig sinnvolle Umgang damit, sofern sie ein Ausmaß (quantitativ und inhaltlich) annehmen, das nicht mehr ignoriert werden kann. Außerdem bietet eine Veröffentlichung drei Vorteile:

  1. Geübte Leute können die Mailheader analysieren und eventuell herausfinden, wer dahintersteckt. Das ist vor allem dann erfolgversprechend, wenn die Absender dumm genug waren, Mailadressen zu verwenden, die sie auch noch anderweitig nutzen.
  2. Anhand der IP-Adressen aus den Headern läßt sich eventuell zumindest der ungefähre Standort des Absenders oder der Absender herausfinden.
  3. Rechtschreibung, Grammatik und Schreibstil lassen sich untereinander vergleichen, um herauszufinden, ob es tatsächlich mehrere Absender sind oder nur einer, oder zumindest weniger, als die Anzahl der Absender-Mailadressen vermuten läßt.

Mit typischen Rechtschreib- und Grammatikfehlern und/oder einem typischen Schreibstil sowie über andere Eigenheiten und Fehler kann man sich nämlich jeden noch so guten Anonymisierungsversuch zerschießen. Darauf hatte ich schon vor längerer Zeit im Artikel Ermittelt trotz Anonymisierung hingewiesen.

Wegen des Briefgeheimnisses braucht man sich in diesem Fall übrigens nun wirklich keine Sorgen zu machen, zumal es, wenn ich das richtig weiß, beim Empfänger endet und nur den Nachrichten-Transporteur betrifft. Des weiteren muß ich als Empfänger einer E-Mail mit strafbarem Inhalt nun wirklich keine Rücksicht mehr auf den Absender nehmen.

Da ist aber noch was anderes. Das, was Ali zitiert, läßt erstmal darauf schließen, daß ihn ein Mitglied der Piratenpartei angeschrieben hätte. Wenn dem so wäre, dann sollten wir als PIRATEN ein sehr starkes Interesse daran haben, die Identität des/der Absender offenzulegen, um umgehend ein Parteiausschlußverfahren (PAV) gegen den- oder diejenigen anzustrengen.

Andererseits halte ich Tatsachenbehauptungen in solchen Haßmails für ungefähr so glaubwürdig wie den Millionengewinn oder den tollen Arbeitsplatz in Spam-E-Mails: Nämlich gar nicht. Es könnte sich genausogut um Lügen handeln, um nicht nur Ali zu beleidigen, sondern gleichzeitig die Piratenpartei zu diskreditieren („Guckt mal, wieviele Nazis die haben!!!1!”). Aber auch in diesem Fall halte ich es für die beste Methode, den oder die Absender bloßzustellen, indem die Mails veröffentlicht und nach Möglichkeit die Identität der Absender festgestellt wird.

Der Anzeige bei der Polizei, die Ali gestellt hat, messe ich allerdings keine allzu hohen Erfolgsaussichten bei. Meine eigenen Erfahrungen mit Anzeigen wegen Straftaten, welche über das Internet begangen wurden (egal mit oder ohne Anonymisierungsdienst dazwischen), sagen mir, daß die Anzeige so lange liegen bleiben wird, bis auch garantiert keine IP-Adressen mehr ermittelt werden können — und dann wird umgehend eingestellt. Oder anders: Die Polizei erspart sich die Ermittlungsarbeit schlicht und einfach durch Liegenlassen. Selbst bei Bedrohungen sollte man sich nicht darauf verlassen, daß das anders laufen wird. Ich wäre jedenfalls positiv überrascht, wenn doch.

Deshalb ist alles, was hier meiner Ansicht nach hilft, solche Haßmails umgehend zu veröffentlichen und, wenn möglich, die Absender zu ermitteln und bloßzustellen. So lange, bis es den Absendern zu riskant wird, weitere Haßmails zu verschicken.


5 Kommentare zu “Umgang mit Haßmails”

  1. Piero Zedda quakte:

    Gut geschriebener Artikel :-)

    es ist auch richtig auf so etwas mit Veröffentlichung zu reagieren. Manche glauben, sie wären im Web anonym und könnten dann ihre niederen geistig minderbemittelten Kommentare in Form von Hassmails äußern. Das ist meiner Meinung nach einfach nur unterste Schublade. Wenn ich einen oder mehrere Menschen politisch, religiös oder sonst wie nicht mag, dann kläre ich persönlich das unter meinem Klarnamen. Hier im Web zeigt sich aber, dass viele dazu wohl nicht das Rückgrat haben. Traurig genug. Mir als überzeugtem CDU Anhänger ist es grundsätzlich egale welche Hautfarbe, Nationalität oder politische Einstellung jemand hat. Wenn er z. Bsp. politisch zu einem Thema im Recht ist, dann habe ich soviel Selbstbewußtsein das auch zuzugeben. Und…. die Polizei lässt sowas häufig liegen, weil sie kaum eine Chance haben so einen zu ermitteln. Eine IP Adresse wird einer dazugehörigen Person bzw. einem Nutzer zugeteilt und ca. 48 Std. gespeichert. Wer sein Modem aus- und wieder einschaltet kann anhand der IP nicht mehr ermittelt werden, da die IP anderweitig vergeben wird und er danach selbst auch ne neue IP hat.


  2. GwenDragon quakte:

    Dass die Polizei sowas liegen lässt falsch! Es wird von den Staatsanwaltschaften oft abgelehnt zu ermitteln/anzuklagen aus Mangel an öffentlichem Interesse.
    Also bitte keine Mythen verbreiten!


  3. frosch quakte:

    @GwenDragon: Für das, was Du Mythos nennst, habe ich Beweise. Der Mangel an Interesse war im übrigen schon im Polizeipräsidium zu spüren.


  4. Johnny quakte:

    Mangels veröffentlichung und Prüfbarkeit ist auch nicht auszuschließen, dass das nur eine Aufmerksamkeitsspritze von Ali war — “wenn ich angegriffen werde, bekomme ich Support” ist ein altbekanntes Muster, und wer höhere Ambitionen in einer Partei hat, der muss eben auch für Aufmerksamkeit sorgen.


  5. frosch quakte:

    Das ist ein ziemlich heftiger Vorwurf. Aber es ist natürlich einfacher, seh ich ein. Ich sah mich vor Jahren ebenfalls diesem Vorwurf ausgesetzt, als ich vor einer Selbsthilfegruppe (Depression) von damals aktuellem Stalking gegen mich berichtete. Da war ein Typ dabei, der mir ebenfalls vorwarf, ich wolle mich doch nur in den Vordergrund spielen. Dieser Vorwurf hatte mir mindestens genauso weh getan wie die Vorfälle selbst, um die es ging. Deshalb schlage ich vor, mit der Behauptung, Ali wolle sich nur in den Vordergrund bringen (zumal ich ihn nicht so einschätze, daß er das nötig hätte), sehr, sehr vorsichtig zu sein.

    (BTW, der Typ, der das damals behauptete, hatte sich vorher selbst als Stalker gegenüber seiner Ex-Frau geoutet und ständig versucht, das als „nicht so schlimm” herunterzuspielen. Natürlich fühlte er sich angegriffen, als ich quasi von der Gegenseite berichtete.)

    Wie gehst Du eigentlich sonst mit Opfern von psychischer Gewalt um, deren Folgen man nicht sehen kann? Wirfst Du ihnen dann auch vor, es nur auf Aufmerksamkeit abgesehen zu haben?


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