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Seh-Behinderung

5. Mai 2013 um 0:54 Uhr von Atari-Frosch

Als Teenager stellte ich irgendwann mal fest, daß ich immer nur durch ein Auge gleichzeitig gucken kann und die Informationen des zweiten nur maximal teilweise dazugenommen werden. Als die ersten Bilder in Zeitschriften auftauchten, zu deren Betrachtung eine rot-grüne 3D-Brille erforderlich war, mußte ich passen. Die Bilder, die die Augen getrennt beim Gehirn einliefern, werden von diesem offenbar nicht zusammengefügt; ich sehe entweder nur den roten oder nur den grünen Teil. (Und gab es da in den frühen 80ern oder so nicht auch mal Test-Fernseh-Sendungen, für die man diese Brillen brauchte?) Auch mit den Bildern der Buchreihe „Magisches Auge” kann ich nichts anfangen; ich sehe nur die Muster, nicht die darin verborgenen 3D-Bilder.

Bislang hat mich das aber nicht weiter gestört, weder im Alltag noch in der Freizeit, denn meine Umgebung nehme ich sehr wohl dreidimensional wahr — auch wenn ich nicht weiß, wieviel davon ich wirklich in 3D sehe und wieviel von meinem Gehirn eventuell „berechnet” (interpoliert) wird.

So konnte ich auch Filme im Kino immer genauso ansehen wie jeder normalsichtige Mensch. Aber seit ein paar Jahren setzen sich in den Kinos 3D-Technologien durch. Viele Kinos wurden umgebaut, bekamen neue Hardware und, sofern nötig, neue Leinwände. Immer mehr Kinofilme werden mittlerweile ausschließlich in 3D ausgestrahlt, oder maximal noch in wenigen Kinos in 2D. Und da fängt für mich das Problem an:

Alle Formen von 3D-Film-Technologien gehen davon aus, daß die Augen des Betrachters zwei verschiedene Bilder im Gehirn zusammenführen können. Wer das nicht kann, kann diese Filme nicht sehen, bzw. „sehen” schon, aber es ergibt sich halt kein sinnvolles Bild; das Gehirn versucht erkennbar, die gegeneinander verschobenen Bilder zusammenzusetzen, schafft es aber nicht. Man könnte auch sagen, Filme in 3D sind nicht barrierefrei.

Nun gehöre ich nicht zu den Leuten, die für jeden Film ins Kino rennen. Die meisten Filme, die mich überhaupt interessieren, kann ich mir später auch noch auf DVD besorgen — solange sie wenigstens davon noch zweidimensional angesehen werden können. Von mir aus auch auf Blu-Ray, obwohl ich noch kein Laufwerk dafür habe. Aber mit der Komplett-Umstellung auf 3D werden mir dann wohl auch die wenigen Filme verwehrt, die ich mir dann wirklich gerne auch mal auf der großen Kinoleinwand anschauen möchte. Und wenn demnächst auch die Filme, die man auf Speichermedien kaufen kann, nur noch in 3D erhältlich sind, ist es dann ganz vorbei.

Ich weiß jetzt nicht, wieviele Menschen von dieser Art der Behinderung betroffen sind, aber Barrierefreiheit bzw. Inklusion darf nicht danach fragen, wieviele sie brauchen. Zudem ja wohl auch einige Menschen auf andere Art nicht mit 3D klarkommen: Sie bekommen Kopf- oder Augenschmerzen, sehen Doppelbilder, ihnen wird übel oder schwindlig oder sie bekommen Schweißausbrüche.

Liebe Filmindustrie! Bitte gebt sehbehinderten Leuten wie mir die Chance, auch weiterhin neue Filme anschauen zu können. Macht die Filme barrierefrei — gebt eine 2D-Version mit heraus, sowohl auf Speichermedien (welche auch immer das in Zukunft sein mögen) als auch für Kinos!

Liebe Kinobetreiber! Laßt wenigstens dann, wenn mehrere Säle vorhanden sind, mindestens einen un-umgebaut und zeigt Filme, die entsprechend zur Verfügung gestellt werden, alternativ auch in 2D!

7 Kommentare zu “Seh-Behinderung”

  1. Lena Schimmel quakte:

    Hey,
    ich denke du sprichst da ein reales Problem an, bei dem es schön wäre, wenn die Film- und Kinobranche daran auch mal denken würde und es entsprechend behandeln. Ob, wann und wie das jemals passieren wird, ist aber natürlich fraglich.

    Zum Glück ist schon jetzt Selbsthilfe möglich: http://www.getdigital.de/products/2D-Brille

    Ich hab das Teil selbst nie ausprobiert (zum Glück kein Bedarf) aber vom Prinzip her müsste das gut funktionieren. Zusätzlicher Vorteil: du kannst mit 3d-sichtigen Freund_innen zusammen ins Kino gehen und du bekommst die 2d-Fassung und sie die 3d-Fassung auf der selben Leinwand.

    LG, Lena


  2. frosch quakte:

    Hui, danke für den Hinweis! Das Ding werd ich sicher mal ausprobieren. Ich würd ja gern in den neuen Star-Trek-Film gehen 🙂


  3. Heiko quakte:

    Ich will Dir ja nicht die Hoffnung nehmen, aber das mit der parallelen 2D Version dürfte schwer werden, da die meisten Filme heute schon in 3D – mit speziellen Kameras etc – gedreht werden. Ich bin jetzt nicht so tief in der ganzen Materie drin, aber das dürfte dann auch bedeuten, das man für eine 2D Version den Film nochmal parallel mit einer klassischen Kamera aufzeichnen müsste. Und ob die Film-Industrie diese zusätzlichen Kosten freiwillig bezahlt, wage ich zu bezweifeln. Und da die meisten großen Filmstudios in den USA sitzen wird da auch der deutsche Gesetzgeber wenig ausrichten können.


  4. Sebastian Feltel quakte:

    Mir wird bei 3D auch übel und leider gibts viele Filme nur noch in 3D. 🙁 Genau wegen ST12 habe ich aktuell auch vor mir eine 2D-Brille zu basteln. Man braucht dazu nur 2 3D-Brillen, deren Gläser man gegeneinander tauscht. https://www.youtube.com/watch?v=YVBrU216PB4


  5. frosch quakte:

    @Heiko: Gerade in den USA ist man in Sachen Barrierefreiheit aber generell eine ganze Ecke weiter als hier, siehe zum Beispiel das Thema Untertitelungen. Es könnte also sogar sein, daß man dort eher als hier auf den Trichter kommt, Filme weiterhin auch in 2D anzubieten. Die Frage ist dann eher, ob unsere deutschen Kinos das dann noch können.


  6. Fozzie quakte:

    @Frosch: Ich empfinde dieses Kino-3D oder auch diess 3D was manche LCD-Displays bietet sieht einfach ziemlich künstlich aus; also nicht wie echtes 3D. Außerdem geht von der Helligkeit des Bilds die Hälfte runter da die Brille für jedes Auge nur eins der beiden Polarisationen durchlässt. Bzgl. ersterem geht es vielen ähnlich mit denen ich darüber gesprochen habe. Daher glaube ich nicht, dass 3D-Kino das Kino sein wird was in der Zukunft hauptsächlich zu sehen sein wird.
    Außerdem werden die LCD-Fernseher ja immer billiger. Geräte mit 100cm gibt’s schon gelegentlich für 400€. Wenn dann mal die 150er so günstig sind kann sich fast jeder sein eigenes Kino nach Hause ins Wohnzimemr stellen.

    @Heiko: Da der Abstand der beiden Linsen nur minimal ist kann man für eine 2D-Version das Bild von einer Linse nehmen. So wird es aktuell gemacht.


  7. taube quakte:

    Huhu! Ich habe ganz exakt denselben „Augen-Fehler“, bei mir auch angeboren, so wie bei dir ja scheinbar auch 😉 Bislang hat mich das auch nie groß gestört, kenne es ja eh nicht anders und vermisse somit auch nix 🙂 Muss aber sagen, dass, auch wenn ich 3D-kompatibel wäre, würde es mir sowieso total auf den Zeiger gehen, künftig nur noch mit so ner’dämlichen Brille auf der Nase Filme „richtig“ glotzen zu können… Das finde ich eigentlich ziemlich freaky 😀

    Insgesamt kann ich mir auch nicht wirklich vorstellen, dass es irgendwann so weit kommt, dass alles nur noch in 3D laufen wird, wahrscheinlich eher ein Hype, der das „Normal-TV“ und Kino auf Dauer nicht verdrängen können wird – kann ich mir zumindest nicht vorstellen, aber naja, andererseits weiss ich ja auch nicht wirklich, was genau mir da eigentlich entgeht 🙂 Wer weiss, welche Suchtrezeptoren 3D Glotzen im Hirn anzapft 😉 Offenbar scheint es ja zumindest so toll zu sein, dass zig erwachsene Menschen in aller Öffentlichkeit mit hässlichen Plastik – oder Pappbrillen in Kinos sitzen, und keinem kommt das irgendwie komisch vor 😀

    Also wer weiss, vllt werden Leute wie du und ich, die Augendefekttechnisch immun gegen die 3D Krake sind, eines Tages die letzten Überlebenden sein, weil alle anderen sich nach und nach in böse 3D süchtige Brillenzombies verwandelt und sich gegenseitig abgeschlachtet haben 😀 😀 😀

    (Für alle, die das nicht verstanden haben sollten: der letzte Absatz war nur Spaß, in Anlehnung an Kino-Endzeitmovies 😉 )!!!


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