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Dezentrale Kommunikation

18. Juni 2013 um 14:54 Uhr von Atari-Frosch

Angesichts des Geheimdienst-Skandals #prism kann ich nur nochmal nachdrücklich zu dezentraler Kommunikation aufrufen. Wer einen Server betreibt, kann direkt dazu beitragen:

Installiert statusnet, einen XMPP-Server, Diaspora, eine Blogsoftware und/oder einen eigenen Mailserver und macht Euch unabhängig. Gebt Leuten, die das selbst nicht können, einen Zugang. Und wer Spaß dran findet, kann dann auch noch OpenVPN und Tor (und wenn auch nur als Bridge) installieren. Oder ein Etherpad (lite). Oder einen Mumble-Server. Oder einen freien Nameserver. Und es gibt sicher noch einiges mehr.

Meine Statusnet-Instanz ist kürzlich fertig geworden. XMPP hab ich noch vor, Diaspora hab ich mir selbst noch nicht genauer angesehen, steht aber auf meiner mentalen ToDo-Liste. Mein Mailserver läuft seit Jahren, genauso OpenVPN und Tor-Bridge, letztere mitsamt obfsproxy.

Statusnet und WordPress kann man auch bereits dann installieren, wenn man eigentlich nur „Webspace“ gemietet hat. Nötig sind nur PHP und mysql.

Lernt, Eure E-Mails mit gnupg zu verschlüsseln und zeigt anderen ebenfalls, wie das geht.

Und dann sollte man sich wohl für den Desktop auch mal noch Jitsi angucken, um die Telefonie mit Skype zu ersetzen.

Wenn wir unbeobachtete Kommunikation und unabhängige soziale Medien haben wollen, müssen wir sie uns selbst schaffen. Werkzeuge gibt es dafür bereits genug, wir müssen sie nur benutzen.

8 Kommentare zu “Dezentrale Kommunikation”

  1. SunTsu quakte:

    Auch wenn ich dem großen Teil zustimmen kann (und es auch selber mache): Einen Nameserver öffentlich nutzbar betreiben würde ich nicht. Der Grund dafür ist dieses hier: https://deepthought.isc.org/article/AA-00897/0/What-is-a-DNS-Amplification-Attack.html
    tldr; DNS-Server werden benutzt eine (D)DoS zu fahren indem man mit gespoofter Absende-IP eine kleine DNS-Anfrage stellt die mit vielen Daten beantwortet wird.

    Generell kann ich dazu plädieren: Betreibt Eure Infrastruktur selber oder in kleinen Gruppen. Verlasst Euch nicht auf zentralisierte Diensteanbieter. Viele Daten an einem Fleck -> Viel Begehren

    Noch ein Hinweis zum Schluss: Es gibt anonyme DebitCards, quasi unregistrierte Kreditkarten auf Guthabenbasis, die man analog zu Prepaid-SIMs aufladen kann. Damit kann man auch z.B. Server in Russland anmieten, für ca. 50€/Monat.


  2. Ralf Muschall quakte:

    Sabine weiß das, andere vielleicht nicht: Michael Vogel (@heluecht) hat je einen Friendica (pirati.ca) und einen Identica (status.pirati.ca) privat laufen. Es scheint mir, dass sich z.Z. Friendica mehr verbreitet als Diaspora.


  3. frosch quakte:

    @Ralf: Ich wußte bislang nur von seiner Statusnet-Instanz. Wenn Friendica was anderes ist (was ich bislang auch nicht wußte; ich hielt das für eine andere Statusnet-Instanz), sollte „man“ sich das natürlich auch mal anschauen. Aber daran sieht man auch wieder, daß es eine ganze Menge Möglichkeiten gibt.


  4. Fozzie quakte:

    Na wenn ich was schützenswertes zu kommunizieren hätte wäre das mit dem Server eine option.
    Aber wenn ich Dinge vom Sicherheitsgrad einer Einkaufsliste an meine Freundin kommuniziere ist mir das egal ob die NSA das mitliest. Ich denke ich spreche da für die meisten.


  5. frosch quakte:

    @Fozzie: Denkfehler. Wenn Du nur das Schützenswerte verschlüsselst, zeigst Du, welche Verbindungen Dir schützenswert sind. Das heißt, diese Kontakte wird man sich genauer ansehen, während ein Schnüffeldienst aus den unverschlüsselten Inhalten weiß, daß man diese ja vernachlässigen kann. Verbindungsdaten genügen im Übrigen auch schon für Bewegungsprofile.

    Beispiel: Wenn Du im allgemeinen unverschlüsselt kommunizierst, aber mit einem Journalisten verschlüsselte Mails austauschst (der ansonsten auch zumindest überwiegend unverschlüsselt kommuniziert), und auf einmal hat der Journalist eine tolle Story über einen Leak, dann ist naheliegend, woher die Info kommt. Zumindest für denjenigen, der Deine Kommunikationsverbindungen überwacht.


  6. Fozzie quakte:

    Au weia, das ist doch alles paranoid gleich anzunehmen, ich hätte überhauptwas was irgendwie schützenswert ist ohne es zu wissen. Derzeit ist das nicht so und es wird wahrscheinlich lange noch wenn nicht für immer so sein.
    Aller Welt unabhängig davon ob die eigene Kommunikation schützenswert ist zu raten eigene Server zu nutzen ist schon ziemlich überzogen.


  7. SunTsu quakte:

    Fozzie: Schreibst Du alle Briefe auf Postkarten oder steckst Du sie in Umschläge?
    Jeglische Kommunikation ist schützenswert, denn sie geht niemand anderen etwas an.

    Ich wiederhole auch gerne was ich schon an anderen Stellen schrieb: Die Einstellung „Ich mache nichts falsches, ich habe nichts zu verbergen“ ist zutiefst undemokratisch. Es ist zum Einen eine Beweislastumkehr: „Ich muss beweisen daß ich nichts böses mache indem ich alles offenlege“, und zugleich eine Erhöhung der Regierung, macht diese zu einer Art Vaterfigur die mich immer prüfend ansieht und der gegenüber ich mich immer rechtfertigen muss, weil sie mir sonst Hausarrest gibt.

    In Wahrheit aber ist eine demokratische Regierung eine die von der Bevölkerung überprüft wird. Der Souverän ist das Volk, die Regierung der Stellvertreter. Der Stellvertreter hat nicht dem Souverän zu mistrauen, sondern der Souverän muss den Stellvertreter ständig kritisch ansehen um zu schauen ob der auch macht was er soll, und zwar die Interessen der Bevölkerung vertreten.

    Die allwissende Vaterfigur ist also einer Demokratie nicht würdig sondern eher ein Zeichen für eine Diktatur.


  8. Fozzie quakte:

    Naja, für mich gibt es schützenswerte Kommunikation und nicht schützenswerte. Da ich derzeit ausschließlich letztere habe habe ich kein Problem damit Gmail zu nutzen.
    Das mein Verhalten undemokratisch sei ist vollkommen unlogisch, denn mit dem Begriff hat mein Verhalten nichts zu tun. Es ist höchstens unsolidarisch mit ein paar Leuten die die Dinge für sich halt anders sehen als ich. Aber man muss sich ja nicht jeder Strömung anschließen.
    Sollte ich irgendwann mal schützenswertes kommunizieren wollen werde ich das für mich vielleicht irgednwie anders handhaben. Und was für mich schützenswert ist, das definiere ich immer noch selbst.


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