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Im Pornofilter gelandet

23. Dezember 2013 um 20:15 Uhr von Atari-Frosch

In Großbritannien findet man es toll, den Nutzern vorzuschreiben, was sie angucken dürfen. Genauer: Ein offiziell als „Porno-Filter“ installiertes Sperrsystem in drei Stufen blockiert in der dritten wohl so ziemlich alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Das erfuhr ich jedenfalls gerade über den Artikel Cameron's internet filter goes far beyond porn - and that was always the plan aus dem New Statesman von heute.

Im Artikel ist nämlich die Seite von O2 UK verlinkt, auf welcher man überprüfen kann, ob und auf welchem Level eine Website geblockt wird. Und da habe ich mal so ein paar URLs reingeworfen. Das Ergebnis ist erschreckend.

Zunächst habe ich alle Sites eingekippt, die ich selbst betreibe oder (mit-)betreue:

Site Open Access Default Safety Parental Control
www.atari-frosch.de Allowed Allowed Blocked
blog.atari-frosch.de Allowed Allowed Blocked
statusnet.atari-frosch.de Allowed Allowed Blocked
www.saphis-ecke.de - has not been classified -
chaosdorf.de Allowed Allowed Blocked
wiki.chaosdorf.de Allowed Allowed Blocked
www.senfberg.de - has not been classified -
www.beck-maschinenbau.com Allowed Allowed Blocked
janrohlfing.com Allowed Allowed Blocked
nerd4u.eu - has not been classified -
openrheinruhr.de Allowed Allowed Blocked
blog.openrheinruhr.de Allowed Allowed Blocked

OK, bei meiner Website könnte man drüber diskutieren. Wenn man in der richtigen Rubrik sucht, findet man sogar „explicit content“. Man könnte noch vermuten, daß allein deswegen schon ganz *.atari-frosch.de blockiert wird, egal was da sonst noch so an Subdomains und Artikeln drunter rumfliegen mag.

Bei Seiten wie denen vom Chaosdorf oder die der OpenRheinRuhr dagegen gibt es nun wirklich keinen sinnvollen Grund dafür, sie vor unter 12jährigen zu verbergen, genausowenig wie bei den Sites des Schlagzeugers Jan Rohlfing oder des Maschinenbauers Tobias Beck. Saphis Ecke ist wohl zu klein und das Blog von Senfberg zu wenig bekannt, um relevant zu sein; Nerd4U dagegen dürfte einfach zu neu sein.

Da entsteht schnell der Eindruck, daß mal eben alles für Kinder blockiert wird, was nicht englischsprachig und daher nicht so ohne weiteres zu verschlagworten ist – obwohl doch zu vermuten ist, daß britische Kinder in diesem Alter eher (noch) nicht deutsch können. Die einzige Site, bei der überhaupt ein relevanter Anteil an englischen Beiträgen auftaucht, ist die von Jan Rohlfing.

Schauen wir mal weiter: Ich habe mir als nächstes ein paar Domains meines besten Freundes und Geschäftspartners Alex Schestag vorgenommen – mit nun wenig überraschendem Ergebnis:

Site Open Access Default Safety Parental Control
schestag.de Allowed Allowed Blocked
schestag.info

- has not been classified -
www.wp-care.net Allowed Allowed Blocked
www.parapsychologische-beratung.com Allowed Allowed Blocked

War klar, ne?

Nachdem schon das Chaosdorf auf der Liste steht, war es dann naheliegend, mal die Seiten des CCC einzukippen:

Site Open Access Default Safety Parental Control
www.ccc.de Allowed Allowed Blocked
events.ccc.de Allowed Allowed Blocked

War dann auch klar.

Wie sieht es denn dann eigentlich mit Nachrichtenseiten aus?

Site Open Access Default Safety Parental Control
www.spiegel.de Allowed Allowed Blocked
www.zeit.de Allowed Allowed Blocked
tagesschau.de Allowed Allowed Blocked
taz.de Allowed Allowed Blocked
tagesspiegel.de Allowed Allowed Blocked

Ist wohl auch alles nix für Kinder. Allerdings gilt das nicht nur für deutschsprachige Medien:

Site Open Access Default Safety Parental Control
www.theguardian.com Allowed Allowed Blocked
www.guardian.co.uk Allowed Allowed Blocked

Hmja, auch alles nix für Kinder.

Dürfen die denn dann eigentlich mal selbst was suchen? Schauen wir doch mal:

Site Open Access Default Safety Parental Control
www.google.com Allowed Allowed Allowed (*)
ixquick.de Allowed Allowed (**) Blocked

(*) blocked für „Search“
(**) „The URL is known to contain dynamic content as part of a Social Networking Service. It may be allowed or blocked based upon real-time analysis of the requested page.“

Aha.

Sieht so aus, als ob sich unter 12jährige im Internet am besten gar nicht informieren. Allein der Versuch könnte sehr enttäuschend sein.

O2 selbst behauptet:

Parental Control is a service we offer to help parents to protect their children while they're online. It restricts internet access on a mobile to sites which are suitable and interesting for children.

Das sieht dann doch eher nach einer Whitelist aus – was es nicht besser macht.

Und selbst wenn man dem zustimmen mag, daß alle hier getesteten Sites nicht für Kinder unter 12 Jahren (ohne Aufsicht) zugänglich sein sollten, muß man sich darüber im Klaren sein, daß dieser Filter bei allen O2-Nutzern in UK standardmäßig aktiviert ist und erst auf Anfrage des Anschlußinhabers und Vorlage seiner Kreditkarte freigeschaltet wird (wer keine hat, hat Pech gehabt?). Das heißt, wer geblockte Seiten sehen möchte, muß sich bei O2 quasi outen und ist dann in 0,nix stigmatisiert – auch wenn er sich eigentlich nur dafür interessiert, was beim CCC so läuft. Es ist dann nur eine Frage der Zeit, daß mal jemand die Nutzer-Datenbank von O2 UK ins Netz dumpt, dann wird's lustig.

Ich hätte nun auch gern noch den gleichen Test bei der British Telecom (BT) gemacht, aber wie im eingangs genannten Artikel erwähnt, haben die ja nicht mal eine Überprüfungsmöglichkeit.

Was bleibt, ist die Frage, wie die Blockade durchgeführt wird. Das erwähnt der Artikel nämlich leider nicht.

[Update 2013-12-23 23:54] Der ka'imi meint, der Filter sei optional. Ich hab leider weder dafür noch dagegen eine Quelle. Anyone? [/Update]

[Update 2013-12-24 19:33] Genau, da hatte ich das her, daß die Filter eingesetzt werden müssen und sich jeder gegen Altersnachweis freischalten lassen muß: Heise Newsticker vom 17.06.2013 Britische Internet-Provider müssen Porno-Filter einsetzen. [/Update]

[Update 2013-12-25 15:03] Open Rights Group stellte fest, daß O2 den Checker entfernt hat – allerdings natürlich nicht den Filter. Das macht's nicht besser, im Gegenteil. In den Kommentaren hab ich gleich mal nachgefragt, ob der Filter den Kunden aufgezwungen wird oder ob der Kunde selbst bestimmen kann, ob er ihn haben möchte. Bin mal gespannt. [/Update]

4 Kommentare zu “Im Pornofilter gelandet”

  1. JoachimA quakte:

    Wenn sie Facebook sperren würden, machte das Sinn….

    JO


  2. Atari-Frosch quakte:

    @JoachimA: Keine Sperrung ist sinnvoll. Bildung ist sinnvoll.


  3. JoachimA quakte:

    Sorry, hab wohl die Ironie-Tags vergessen. NATÜRLICH ist KEINE Sperrung sinnvoll. So ganz ernst war das nicht gemeint. Dachte, das wäre wohl klar. Egal.

    JO

    Wobei man, jetzt ganz ohne Ironie, darüber streiten kann, ob das Fratzenbuch¹ irgendeine wie auch immer geartete Form von Bildung fördert. Außer Einbildung selbstverständlich…

    ¹“Fratzenbuch“ ist eine ironische Übersetzung von Facebook, die man gelegentlich in diversen IT-Foren lesen kann. Nicht besonders originell, aber passend. Das nur für das Protokoll und der Vollständigkeit halber angemerkt.


  4. Daniel Meilchen quakte:

    Ich wollte doch mal testen, ob die Seiten der englischen Boulevard-Zeitungen auch gefiltert werden! Leider ist der URL-Checker von O2 schon seit einigen Wochen nicht erreichbar („Our URL checker is currently unavailable as we are updating the site.“)!


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